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Streaming-Tipp

Queeres Remake von "High Fidelity"

Auf Starzplay läuft jetzt eine gelungene Serienadaption des gleichnamigen Nick-Hornby-Romans. Zoë Kravitz spielt die Hauptfigur Rob, die nun weiblich und bisexuell ist, aber noch immer gegen Liebeskummer kämpft.


Plattenladenbesitzerin Rob setzt sich in "High Fidelity" über Musik und Popkultur mit ihren gescheiterten Beziehungen auseinander (Bild: Starzplay)
  • Von Patrick Heidmann
    29. September 2020, 15:20h, noch kein Kommentar

Zerbrochene Beziehungen und der dazu passende Soundtrack – auf diesen beiden Säulen basierte nicht nur der Bestseller "High Fidelity" von Nick Hornby von 1995, sondern auch dessen Verfilmung durch Stephen Frears fünf Jahre später (sowie ein kurzlebiges Broadway-Musical 2006). Und auch in der Adaption in Serienformat, die seit kurzem zehn Folgen lang beim Streamingdienst Starzplay zu sehen ist, wird daran nicht gerüttelt. Wobei es einen entscheidenden Unterschied in dieser "High Fidelity"-Neuauflage durchaus gibt: Im Zentrum steht statt eines Mannes eine Frau.

Rob ist nun also weiblich, gespielt von Zoë Kravitz (deren Mutter Lisa Bonet wiederum vor 20 Jahren in besagtem Kinofilm eine kleine Rolle hatte). Auch sie betreibt einen Plattenladen mit dem Namen "Championship Vinyl", der sich allerdings nicht in London oder Chicago, sondern nun in Brooklyn befindet. Davon abgesehen ist eigentlich alles so, wie man es kennt: einigermaßen frisch getrennt von Mac, der eigentlich der Richtige hatte sein sollen, sinniert sie über gebrochene Herzen und die wichtigsten Beziehungen ihres Lebens, erstellt Playlisten oder hängt mit Cherise (Da'Vine Joy Randolph) und Simon (David H. Holmes) – gleichermaßen Freund*innen wie Mitarbeiter*innen – ab, um über Musik zu quatschen.

Mehr Diversität und Queerness für die Generation Instagram

Chaotisch und verkorkst, cool und liebenswert, gleichermaßen anstrengend wie charmant – in weiblicher Form ist Rob als Protagonistin dieser Geschichte keinen Deut weniger sympathisch und nachvollziehbarer als damals bei Nick Hornby, der an "High Fidelity" übrigens auch dieses Mal als Produzent beteiligt ist. Tatsächlich ist die viel größere Herausforderung für die Serien-Schöpferinnen Veronica West und Sarah Kucserka, die Figur mit ihren vergleichsweise schlichten Sorgen und Nöten ins Jahr 2020 zu versetzen – und sie in diesem Wechsel von der Generation X zu den Millenials nicht der Banalität preiszugeben.

Dank deutlich mehr Diversität und Queerness sowie Instagram- oder Gentrifizierungs-Referenzen gelingt das größtenteils erfreulich lässig und reibungslos. Rob etwa ist dieses Mal bisexuell. Eine der fünf Verflossenen, denen sie hier nachtrauert, ist ihre Exfreundin Kat, neben der sie sich stets nicht gut und klug genug fühlte. Auch Kumpel Simon (den Holmes wunderbar sanft spielt) ist einer der gescheiterten Beziehungen. Dass es mit ihm nicht funktionierte, lag weniger an Rob als an ihm, der sich irgendwann als schwul outete.


Bisexuelle Sichtbarkeit im TV: Rob führte Beziehungen mit Frauen und Männern (Bild: Screenshot Trailer)

Zoë Kravitz überzeugt mit Charisma

Keine Frage: Gerade in Sachen Bisexualität hätte "High Fidelity" noch ein bisschen mehr aus der eigenen Geschichte herausholen können, die überhaupt – wie auch schon in den früheren Auflagen – eher leichtgewichtig als tiefschürfend daherkommt. Dass man gerne zusieht, liegt nicht zuletzt an Zoë Kravitz, die in ihrer bislang größten Rolle zwar mitunter mehr Charisma als schauspielerische Nuancen mitbringt. Davon dann aber reichlich.

Die umwerfend komische Da'Vine Joy Randolph, Gastauftritte von Debbie Harry oder Parker Posey sowie eine fantastische, geschickt in die Handlung integrierte und sicherlich in den Verwertungsrechten nicht kostengünstige Musikauswahl tun ihr übriges. Was es umso bedauerlicher macht, dass die Hulu-Serie nach der gelungenen ersten Staffel abgesetzt wurde.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer