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Brandenburg

Homofeindliche und rassistische Hetze an den Oberhavel Kliniken?

Gegen einen Arzt und einen Notfallsanitäter im Bundesland Brandenburg werden in einem anonymen Brief an Landrat Ludger Weskamp schwere Vorwürfe erhoben. Der Klinikverbund kündigt eine Prüfung an.


Symbolbild: Schwere Vorwürfe gegen einen Arzt der Oberhavel Kliniken (Bild: fernandozhiminaicela / pixabay)

In einem Brief an Landrat Ludger Weskamp (SPD) wirft eine anonyme Person einem Arzt und einem Notfallsanitär an den Oberhavel Kliniken rechtsextreme, homofeindliche, rassistische und antisemitische Hetze vor. Darüber berichtete am Freitag die "Märkische Oderzeitung" (Paywall-Artikel).

Dem Arzt wird in dem Schreiben u.a. vorgeworfen, homosexuelle Kolleg*innen in deren Beisein als "Schwuchtel" beleidigt und Patient*innen geraten zu haben, sich von diesen Ärzt*innen nicht behandeln zu lassen. Einem schwarzen Kollegen soll er mit Verweis auf dessen Herkunft die Eignung als Arzt aberkannt haben. Auch gegenüber Patient*innen soll sich der Mediziner rassistisch geäußert und zudem vor einer angeblichen "jüdischen Weltverschwörung" gewarnt haben. "Im Brief werden Beispiele genannt, die kaum zitierfähig sind", so die Regionalzeitung.

Notfallsanitäter soll Holocaust geleugnet haben

Der im anonymen Schreiben ebenfalls erwähnte Notfallsanitäter soll bei einem Einsatz in der Gedenkstätte Sachsenhausen sinngemäß gesagt haben, dass er sich dort ansehen wolle, "welche Lügen über den Holocaust den Deutschen dort erzählt" würden. Auch habe er sich darüber gefreut, dorthin mit einem Mercedes zu fahren, "da bereits Adolf Hitler diese Marke bevorzugt" hätte. Den Arzt soll er als "Kameraden" bezeichnet haben.

Der Geschäftsführung des Klinikverbunds wird in dem Brief vorgeworfen, trotz angeblicher Kenntnis dieser Vorfälle nicht zu handeln. In der Hoffnung, "dass diesem Thema Aufmerksamkeit gewidmet wird", habe sie deshalb den Landrat eingeschaltet, so die anonyme Person. Aus Angst vor "Reaktionen" des Arztes und des Pflegers wolle sie ihren Namen nicht nennen.

Oberhavel Kliniken sind Vorwürfe nicht bekannt

Gegenüber der "Märkischen Oderzeitung" erklärte eine Sprecherin der Oberhavel Kliniken, dass "uns (…) bisher keine derartigen Vorwürfe bekannt geworden" seien. Grundsätzlich nehme man alle Hinweise ernst. "Rassistische, antisemitische oder homophobe Äußerungen werden im Unternehmen nicht geduldet und bei Kenntnisnahme strikt intern aufgeklärt und geahndet."

Auch das Landratsamt erklärte in einer Stellungnahme, "dass sowohl in der Kreisverwaltung als auch bei den Tochterunternehmen des Landkreises rassistische, antisemitische, homophobe oder andere beleidigende Verhaltensweisen von Mitarbeitenden nicht geduldet werden". Es werde alles Notwendige getan, um dies zu verhindern: "Interne Strukturen zur Aufklärung und Ahndung entsprechender Sachverhalte oder Vorfälle sind etabliert."

Im Klinikverbund arbeiten über 300 Ärzt*innen

Zum Verbund der Oberhavel Kliniken GmbH gehören die Kliniken Hennigsdorf, Oranienburg und Gransee. Ende Juni waren dort nach eigenen Angaben 329 Ärzt*innen und 1.356 Pflegekräfte beschäftigt.

Erst im Mai war ein Oberarzt der Karlsruher Helios-Klinik nach einem LGBT-feindlichen Äußerungen entlassen worden. Der Herzchirurg hatte auf Twitter geschrieben: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind" (queer.de berichtete). (cw)



#1 Ralph
  • 02.10.2020, 10:42h
  • Wer derart schwerwiegende Anschuldigungen erhebt, muss das offen tun und darf sich nicht hinter der Anonymität verstecken.
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#2 gayflecktarnhoseProfil
  • 02.10.2020, 12:15hBremen
  • Warum sollten derartige Anschuldigungen nicht anonym getätigt werden ? Man sollte solchen Vorwürfen immer nachgehen und nicht verschweigen. Es wird sowieso schon zuviel vertuscht.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 02.10.2020, 12:32h
  • Da wei0 man nun leider nicht, ob was dran ist oder es sich nicht auch um eine Art Retourkutsche für beruflichen Tadel oder sowas handeln könnte, oder ob da ganz einfach die Klinikleitung dicht hält.

    Wenn da wirklich sowas läuft, gehören die natürlich entfernt. Ein solcher Arzt wäre aufgrund der geistigen Verortung zu diesem Beruf unfähig, der Sanitäter grade ebenso, und bei dem farbigen Arzt möchte man sich fremd-entschuldigen, würde sowas gehen.

    Leute mit solchem Gedankengut und Art von Gewäsch gibt es in Deutschland leider jede Menge. Sogar in der katholischen Verwandtschaft. Ob das aber an der mangelhaften Bildung liegt, an der manchmal verdrehten, verfälschten Idee von Geschichte oder daran, dass Deutschland nicht genug Aufklärung an den Schulen betreibt, konnte ich nie so wirklich feststellen. Unterschwellig hat man in manchen Landstrichen den Eindruck, die sind bald alle in der Entwicklung stehen geblieben. Südlich und östlich scheint das weiter verbreitet zu sein.

    Dass die Person Repressalien fürchtet und deshalb lieber anonym bleiben will, kann ich gut nachvollziehen, aber dadurch bleiben eben auch gewisse Zweifel bei der Bemühung um eine gebührende Reaktion.
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#4 swimniAnonym
#5 swimniAnonym
#6 Ralph
  • 02.10.2020, 14:38h
  • Antwort auf #4 von swimni
  • Keineswegs, sondern Realität. Wie oft ist es vorgekommen, dass gegen mich auf der Arbeit schwerwiegende Anschuldigungen erhoben wurden, was ich angeblich gesagt oder getan hatte - anonym und unüberprüfbar - aber es wird schon was hängenbleiben. Anonyme Beschuldigungen gehören in den Papierkorb oder in den Reißwolf.
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#7 Prima4Anonym
  • 02.10.2020, 16:48h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Nö, weil das oft viel mit beruflicher Stellung und Karriere zu tun hat.... mach ne offene Beschwerde gegen jemanden in ner höheren machtposition kann da schnell dein name in der ganzen Branche verbrannt sein. Außerdem geht mit ner offenen Beschwerde auch einher daß jeder weiß was dir wiederfahren ist, da hat verständlicherweise niemand bock drauf!

    Anonyme Beschwerden ohne weiteres in den Papierkorb zu schmeißen ist ein selbstgerechtes und ekelhaftes Verhalten!
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#8 ursus
  • 02.10.2020, 17:36h
  • Ich würde in dieser Diskussion nicht ganz außen vor lassen, dass immer mehr Menschen, die sich gegen Nazis stark machen, mit Drohungen und Gewalt aus der rechten Szene rechnen müssen, sobald ihr Name bekannt wird. Wer von uns hätte den Mumm, dieses Risiko einzugehen? Ich eher nicht.
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#9 TheDadProfil
  • 02.10.2020, 22:03hHannover
  • ""Der Klinikverbund kündigt eine Prüfung an.""

    "Der Klinikverbund prüft eine Kündigung"
    hätte mir hier besser gefallen..
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#10 audeasAnonym