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Ungarn

Orbán zeigt Verständnis für homofeindliche Aktion einer Rechtsradikalen

Eine Abgeordnete der Partei "Unsere Heimat" hatte zuvor ein Kinderbuch einer Lesben-Organisation öffentlich geschreddert.


Viktor Orbán bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei, der auch CDU und CSU angehören. Die EVP hat die Mitgliedschaft der Fidesz-Partei des Autokraten inzwischen suspendiert (Bild: European People's Party / flickr)

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat Verständnis für die homofeindliche Aktion einer rechtsextremen Parlamentsabgeordneten gezeigt. "Die Ungarn sind gegenüber diesem Phänomen (der Homosexualität) geduldig", sagte der Fidesz-Politiker am Sonntag im staatlichen Rundfunk. Doch dabei gebe es eine "rote Linie", fügte er hinzu: "Lasst unsere Kinder in Ruhe!"

Die Reporterin hatte ihn zuvor nach seiner Meinung über das in die öffentliche Debatte geratene Kinderbuch "Märchenland für alle" befragt. Dessen Herausgeber ist die Lesben-Organisation Labrisz. Das Buch erzählt bekannte Märchen in einer Weise neu, dass die Heldenfiguren einer Minderheit angehören. Darunter sind in tiefer Armut lebende Kinder, Kinder mit Behinderung, Opfer von häuslicher Gewalt, Homosexuelle und trans Personen. Die Autor*innen wollen damit Akzeptanz für benachteiligte Menschen schaffen.

Die Abgeordnete Dora Duro, zugleich Vize-Präsidentin der rechtsextremen Partei Mi Hazank (Unsere Heimat), hatte am vorletzten Freitag auf einer Pressekonferenz in Budapest Seiten aus einem Exemplar des Buches gerissen und mit einem Aktenvernichter geschreddert. Das Kinderbuch sei "Propaganda für Homosexualität", meinte sie, was nicht real sei dürfe nicht als normal dargestellt werden. Mi Hazank ist eine Abspaltung der früher rechtsextremen Partei Jobbik. Sie erhält breite Öffentlichkeit durch die regierungsnahen Medien in Ungarn.


Duro am 25. September. Bild: Screenshot Youtube

In sozialen Netzwerken hatte Duros Aktion zu Kritik geführt und war unter anderem mit der Bücherverbrennung der Nazis verglichen worden (bei der auch die Schriften Magnus Hirschfelds vernichtet wurden). Duro hatte auf den Schredder einen Aufkleber platziert, das ein durchgestrichenes homosexuelles Paar in Regenbogenfarben zeigt.

"Tolerantes, geduldiges Land"

Auch Orbán propagiert eine ultra-konservative Familienpolitik, die LGBT ausgrenzt. Der 57-Jährige hatte in dem Interview am Sonntag Debatten über Homosexualität als "kompliziert" dargestellt. "Im Wesentlichen möchte ich feststellen, dass es in Ungarn Gesetze gibt, die für Homosexualität gelten. Dies basiert auf einem äußerst toleranten und geduldigen Ansatz." Ungarn sei "in Bezug auf Homosexualität ein tolerantes, geduldiges Land", wiederholte er.


Die weltweit agierende, in Deutschland mit der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" zusammenarbeitene Gruppe "CitizenGo" hatte in den letzten Wochen bereits mit einer Petition Stimmung gegen das Kinderbuch gemacht

Im Mai ließ Orbán vom Parlament ein Gesetz beschließen, das die Rechte und Würde von trans und inter Menschen einschränkt, in dem das Personenstandsregister künftig nur ein nicht mehr änderbares "Geschlecht zur Geburt" vorhalten soll (queer.de berichtete). 2012 und 2013 traten Verfassungsänderungen in Kraft, wonach schwule und lesbische Paare kein Recht auf Eheschließung haben und Regenbogenfamilien nicht als Familien anerkannt werden (queer.de berichtete). 2017 hatte Orbán persönlich den "Welt-Kongress der Familien", das jährliche Treffen von anti-homosexuellen und anti-transsexuellen Aktivisten aus aller Welt, in Budapest eröffnet. 2018 ließ er per Erlass das Studienfach "Gender Studies" verbieten, um die "christliche Familie" zu schützen (queer.de berichtete).

In diesem Februar hatte Orbán in einem Offenen Brief an seine Kollegen der Europäischen Volkspartei (EVP) ein konservativeres Profil der Vereinigung gefordert und darin unter anderem beklagt: "Wir haben ein Familienmodell aufgegeben, das auf der Ehe einer Frau und eines Mannes basiert, und sind in die Arme der Genderideologie gefallen" (queer.de berichtete). Im August rief er mitteleuropäische Nationen auf, sie für ein konservativeres Europa zu verbünden (queer.de berichtete). "Der Westen hat aufgegeben, an die Stärke der Nation und der Familie zu glauben," kritisierte er, westliche Staaten glaubten nicht mehr "an ein christliches Europa und experimentieren stattdessen mit einem gottlosen Kosmos, Regenbogenfamilien, der Migration und einer offenen Gesellschaft." (nb/dpa)



#1 DramaQueen24Profil
  • 04.10.2020, 13:42hBerlin
  • He Orban und rechte Tussi;

    In dem Buch geht es nicht nur um Homosexualität oder Transsexualität, sondern auch um sexuellen Missbrauch, Menschen mit Behinderung, kurz ein Buch, das Toleranz fördern soll.
    Wer also das Buch zerreißt und schreddert, zeigt, dass er oder sie an Hass, Intoleranz und Bigotterie interessiert ist, alles Werte, die nicht zur EU gehören.
    Also, wenn Ihr europäische Werte nicht wollt, warum verpisst Ihr Euch nicht aus der EU?
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#2 BebelplatzAnonym
  • 04.10.2020, 14:34h
  • Erst werden Bücher vernichtet, dann die Menschen, die sie geschrieben haben. Und das innerhalb der EU!
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#3 Ralph
  • 04.10.2020, 15:44h
  • Mir ist beim Lesen sofort Friedrich Merz eingefallen.

    Der Durchschnittsmärchenkenner wird es vielleicht noch nicht gemerkt haben: In Märchen von Hans Christian Andersen finden sich nicht selten auf vielfältige Weise von der Gesellschaft ausgeschlossen Figuren - bedenkt man, dass diese Märchen von einem Homosexuellen geschrieben wurden, braucht man kein Psychologe zu sein, um sie zu deuten.
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#4 swimniAnonym
#5 Peck_SProfil
#6 Uuo118Anonym
  • 04.10.2020, 23:26h
  • Antwort auf #1 von DramaQueen24
  • Das Geld der EU ist doch ein Geschenk ohne Gegenleistung, das eine gewissenlose Regierung nur allzu gerne an sich nimmt, um damit die Löcher der auf Versagen basierenden Politik zu stopfen. Herr Orbán weiß das offenbar und ist schamlos genug, dies auch auszunutzen.
    Wenn meine Politik aus so viel Hass und Unmenschlichkeit bestünde, würde ich es genauso machen, um meine Inhaltslosigkeit zu kaschieren bzw. darüber hinwegzutäuschen.

    Die Visegrad-Staaten zeigen immer wieder auf's Neue, dass sie nur zum Nehmen bereit sind und nichts zu geben gewillt sind.
    Wäre es nicht ,,christlich", Kapazitäten an die europäische Gemeinschaft zurückzugeben und sich dankbar für die einem zu Teil gewordenen Gaben zu zeigen?
    Nicht nur im Hinblick auf die Flüchtlingskrise, sondern ganz allgemein.

    Mir tun die Menschen allesamt so leid, die unter solchen intoleranten Regierungen des Stillstands leben und im Geiste wahre Humanisten sind.
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