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Sachbuch "Zugzwänge"

Wie queere Geflüchtete instrumentalisiert werden

Vojin Saša Vukadinović hat ein Buch über LGBTI-Geflüchtete herausgegeben, das sich leider vor allem an queerfeministischen Positionen abarbeitet und die Menschen selbst gelegentlich aus dem Blick verliert.


Einsatz für LGBT-Geflüchtete beim Kölner CSD 2014 (Bild: culturetastic / flickr)

Die mit "Beißreflexe" begonnene, über queere Kreise hinaus bekannt gewordene und kontro-vers diskutierte Buchreihe im Querverlag (gelegentlich auch als Kreischreihe bezeichnet) hat Zuwachs bekommen. Vojin Saša Vukadinović hat einen Band zum Thema LGBTI-Geflüchtete herausgegeben. Das Thema wird allerdings nicht umfassend behandelt, sondern der Sammelband arbeitet sich vor allem – wie auch viele Artikel in den Vorgängerbänden – an queer-feministischen Positionen ab und verliert dabei die Geflüchteten selbst gelegentlich etwas aus dem Blick.

Die Einleitung beginnt drastisch mit dem Suizid der ägyptischen Lesbe Sarah Hegazi im Asyl in Kanada drei Jahre, nachdem sie in Ägypten wegen des Zeigens einer Regenbogenfahne verhaftet und gefoltert wurde. An verschiedenen Stellen werden weitere tragische Einzelschicksale ausschließlich von LGBTI-Personen geschildert, die sich nicht mehr als Muslime verstehen. Es ist der Verdienst des Bandes, diese im Queerfeminismus häufig aus Angst vor einer antimuslimischen Wirkung unsichtbar gemachten Verfolgungen ins Licht zu rücken. Aber leider führt auch hier die Einseitigkeit zu einer unvollständigen Darstellung der Gesamtprob-lematik rund um queere Geflüchtete, weil nur die Lebenssituation bestimmter Geflüchteter, z.B. besonders von Ex-Muslimen beleuchtet wird.

"Weißreflexe" und der Islam

Sehr wohl auf die Lebenssituation vieler Geflüchteter in Deutschland bezogen sind allerdings die Darstellungen in mehreren Artikeln des Sammelbandes, die sich auf eine andauernde Diskriminierung, Verfolgung und Bedrohung queerer Geflüchteter in Sammelunterkünften oder durch ihnen nachspionierende Verwandte und Bekannte aus der Heimat beziehen. Dieses häufig von Sicherheitsdiensten und der Polizei ignorierte oder bagatellisierte Unrecht wird zu Recht skandalisiert. Menschen, die sich in einem freien Land wähnen, werden durch abermalige Übergriffe weiterhin bedroht und der Gefahr einer Retraumatisierung ausgesetzt statt endlich eine selbstbestimmte Lebensweise entfalten zu können und so "die Freiheit ohne Angst begehren zu können" erlangen – darauf verweist auch der Titel des Bandes.

Als "Weißreflexe" bezeichnet es der Herausgeber in einem selbstironischen Wortspiel, wenn weiße Linke unter Bezugnahme auf die Queertheorie die rechtliche Situation Homosexueller in islamisch geprägten Ländern relativieren wollen und die andauernden Menschenrechtsverstöße gegen LGBTI leugnen oder relativieren. Diese Situation führt – im Unterschied zu vielen anderen Geflüchteten – faktisch dazu, dass LGBTI nach Ende des Krieges in Syrien beispielsweise nicht in ihr Land zurückkehren können – ein Unterschied, der flüchtlingspolitisch wenig Beachtung findet.

Ethische Fragen rund um Flucht und Asyl

Sabri Deniz Martin verweist auf die absurde Situation, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gar nicht genug Beweise für Homosexualität bekommen kann und diese dann in manchmal kruden Entscheidungen bewertet, während ein öffentliches Sprechen über Homosexualität, erst recht gegenüber Behörden und Sicherheitskräften, im Herkunftsland zu einer sofortigen harten Bestrafung geführt hätte. Till Rudolf Amelung stellt dann die bereits 2008 gegründete und damit in diesem Themenfeld wohl älteste NGO International Railroad for Queer Refugees aus Kanada vor. Ein weiterer Artikel widmet sich der Unterstützung für queere palästinensische Geflüchtete in Israel und kritisiert das Verstecken oder Infragestellen dieser Solidarität durch queertheoretische Aktivist*innen. Abschließend für den Einführungsteil werden dann drei queere Autor*innen aus Syrien, Nigeria und Afghanistan vorgestellt, die über ihre Fluchterfahrungen einen Debütroman veröffentlichen konnten.

Im folgenden Theorieteil appelliert Panagiotis Koulaxidis, die ethischen Fragen rund um Flucht und Asyl an uns heranzulassen und das Themenfeld nicht auf juristische Fragestellungen zu reduzieren. Auch setzt er sich mit der Frage auseinander, ob es eine unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates ist, in ihm eine sexuelle Revolution und Befreiung einzufordern. Die Antwort ist erwartungsgemäß nein; die daraus resultierenden Kernforderungen lauten, dass Organisationen gegen Homo- und Transfeindlichkeit vor Ort unterstützt werden müssen und es eine internationale Garantie der Teilhabe an den Ergebnissen von Wissenschaft und Forschung in allen Ländern geben müsse.

Das doppelte Leiden der lesbischen Geflüchteten

Moritz Pitscheider nimmt die Vokabel und den Vorwurf des Homonationalismus auseinander, also beispielsweise die Unterstellung, dass die Diskriminierung von LGBTI nur in islamisch geprägten Ländern moniert würde, während westliche Länder als Hort der Offenheit und Freiheit dargestellt werden. Yasemin Makeneci beschreibt, wie Homosexuelle durch die Straf- und Todesdrohung der Islamischen Republik vielfach unfreiwillig oder vorschnell zu Transsexuellen gemacht werden, da diese Lebensform im Iran legal ist.

Melanie Götz verdeutlicht in ihrem Beitrag zu lesbischen Geflüchteten, dass diese in Ländern doppelt leiden, in denen Frauen stark benachteiligt sind und Homosexualität kriminalisiert wird – und diese Phänomene meist eng zusammenhängen. Sie wirft dem Queerfeminismus vor, sich unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und der übertriebenen Berührungsangst mit Argumentationsweisen im antimuslimischen Rassismus nicht ausreichend für die Rechte arabischer Frauen einzusetzen. Steffen Stolzenberger verdeutlicht schließlich, dass "die" Queer Refugees alles andere als eine homogene Community sind und fordert mehr Forschung über geflüchtete Queers ein.

Zwei persönliche Fluchtgeschichten


Der Sammelband "Zugzwänge" ist im Berliner Querverlag erschienen

Der folgende Praxisteil des Sammelbandes beginnt mit der Beschreibung der Flucht- und Ankommensgeschichte eines tschetschenischen Schwulenpärchens und einer lesbischen Romni aus Albanien. Stefan Kräh berichtet aus der Arbeit des Darmstädter Vereins vielbunt. Er verdeutlicht, dass hoch belastete Ehrenamtliche hier als Lückenbüßer*innen für Aufgaben tätig sind, die die öffentliche Hand organisieren oder zumindest finanzieren müsste, da es sich eigentlich um einen Vollzeitjob handele, der einen Hochschulabschluss und praktische Erfahrung erfordere, aber von anfangs kaum geschulten Ehrenamtlichen geschultert werden muss(te). Dass diese Arbeit nie unpolitisch ist, zeigt die vom Verein erfolgreich skandalisierte versuchte Abschiebung eines nigerianischen Schwulenpaares, die nur an der Zivilcourage des Piloten scheiterte.

Marco Kammholz und Ibrahim Willeke vom Verein Rainbow Refugees Cologne – Support Group unterstreichen ebenfalls, dass sich Ehrenamtliche mit für die Geflüchteten existenziellen Fragen beschäftigen müssen und diese bei ihrer Ankunft in Deutschland eben immer noch nicht sicher sind. Dies auch in queeren Kreisen zu benennen, stoße insbesondere in queerfeministisch geprägten Gruppen aber auf Vorbehalte und Widerstand. Dennoch sei die Angst der Geflüchteten vor Homo- und Transfeindlichkeit in den Unterkünften mit Händen zu greifen und ihre Bedrohung an der Tagesordnung. Im Vorfeld des CSD Köln kam es zu einem Konflikt, weil einige islamkritische Queer Refugees in einer gemeinsamen Laufgruppe verschiedener Queer Refugees zunächst nicht erwünscht waren, um den möglichen Eindruck von antimuslimischem Rassismus zu vermeiden.

Janina Marte beschreibt am Beispiel einer Geflüchteten aus Uganda, deren Anerkennung sieben Jahre gedauert habe, dass lesbische Fälle oft weniger öffentlich werden, aber es sich um eine besonders vulnerable Gruppe handelt, die häufig mit Früh- oder Zwangsverheiratungen und Vergewaltigungen bedroht ist. Sie wirft der queerfeministischen Vorkämpferin Hengameh Yaghoobifarah einen queeren Verrat an homosexuellen Individuen vor, wenn sie beispielsweise einen jungen Ex-Muslim scharf kritisiert, der in Berlin-Neukölln eine Demonstration gegen die Homofeindlichkeit von Muslimen organisiert hat.

Stefan Paintner stellt aus Sicht der Säkularen Flüchtlingshilfe die politische Nähe atheistischer und LGBTI-Geflüchteter dar. Irene Kusok und Mareena Tarazi beklagen, dass der Anspruch der Intersektionalität häufig auf fatale Weise verunmögliche zu reflektieren, was in der konkreten Situation für Geflüchtete gesellschaftlich und politisch zu tun sei, da ein Denken in Täter- und Opferkategorien nicht die Probleme Geflüchteter löse und auch Angehörige einer verfolgten oder diskriminierten Gruppe Macht und Missbrauch ausüben könnten. Die Initiative Ehrlos statt Wehrlos wendet sich pauschal und undifferenziert gegen Antirassismus, der sich ja an vielen Stellen längst zur Rassismuskritik weiterentwickelt hat, zielt aber vor allem auf die Neuköllner Ausprägungen.

Nicht nur hier wird deutlich, dass der Sammelband in seiner überbordenden Abgrenzung vom Queerfeminismus an vielen Stellen das Kind mit dem Bade ausschüttet. Dies gilt auch für die sich durch den gesamten Band ziehende undifferenzierte Religionskritik, so dass die Vorwürfe eines antimuslimischen Rassismus von Seiten des Queerfeminismus nicht verwundern. Die überzogene Kritik an Intersektionalität verkennt den durch diesen Konzept erreichten (nicht nur) feministischen Fortschritt, verweist aber zu Recht darauf, dass Täter und Opfer keine fest mit einzelnen Menschen verbundenen Kategorien sind, sondern auch Diskriminierte und rassistisch Ausgegrenzte gleichzeitig rassistisch, hasserfüllt und gewalttätig sein können und Geflüchtete nicht selten zu ihren Opfern gehören.

Ebenso wenig verwundert es, dass auch bei den vier eindrucksvollen biografischen Erzählungen von Amed Sherwan, Worood Zuhair, Lilith Raza und Haidar Darwish am Ende des Bandes die Abwendung vom Islam im Vordergrund steht – ein aus Sicht des Herausgebers gelungenes Casting.

Es bleibt der schale Beigeschmack, dass passend ausgewählte Geflüchtete und ihre Geschichten zu Kronzeugen einer in Teilen berechtigten, aber oft überzogenen Kritik am Queerfeminismus gemacht werden. Die Opfer von Islamismus haben es bei den einen, die nach Argumenten für Religionskritik suchen, zu leicht, und bei den anderen, bei denen nicht sein kann, was nicht sein darf, zu schwer. Diese Instrumentalisierung von Schicksalen findet allerdings auf beiden Seiten statt. Deswegen bietet der Band leider nur an wenigen Stellen neue Erkenntnisse über die tatsächliche Lebenssituation und die Rechte queerer Geflüchteter in Deutschland, worauf Titel und Ankündigung durchaus hoffen ließen.

Die Kritik am Queerfeminismus ist mal erfrischend, mal gut argumentiert und mal rechthaberisch-besserwisserisch und entspricht damit insgesamt dem Stil und Frontverlauf der durch "Beißreflexe" nicht initiierten, aber sichtbar gewordenen Kontroverse. Pauschale Gruppenzuschreibungen und die Verabsolutierung von Identitäten erschweren den Blick auf das Notwendige, auf konkrete Ängste, Bedürfnisse und Erfahrungen Geflüchteter in sehr heterogenen Lebenssituationen.

Die sich scheinbar unversöhnlich gegenüberstehenden Positionen rund um Queerfeminismus und Identitätspolitik verhärten sich weiter, aber was zwischen ihnen liegt, geht dadurch fast unter: Atheistisch-ex-muslimische und muslimische Geflüchtete treffen sich – etwa beim regelmäßigen Kölner Freizeitangebot für Geflüchtete und Unterstützer*innen SOFRA Cologne – und lernen einen Umgang miteinander zu finden. Und auch ihre Unterstützer*innen schaffen es – trotz unterschiedlicher Positionierungen innerhalb der benannten Kontroverse – ein umfangreiches Unterstützungsnetz für queere Geflüchtete zu weben, an dem längst auch Geflüchtete selbst in aktiver und leitender Rolle beteiligt sind.

Infos zum Buch

Vojin Saša Vukadinović (Hg.): Zugzwänge. Flucht und Verlangen. Sachbuch. Broschiere Ausgabe. 432 Seiten. Querverlag. Berlin 2020. 18 €. ISBN 978-3-89656-291-3


#1 goddamn liberalAnonym
  • 04.10.2020, 19:05h
  • Ach, als alter Kemalist möchte ich nur darauf hinweisen, dass es in der sogenannten islamischen Welt spätestens seit dem 19. Jahrhundert dieselben säkularen, meist gar nicht mal atheistischen Traditionen gibt wie in Westeuropa.

    Die blutigen Erfahrungen mit reaktionärer Politik seit dem Schwellenjahr 1979 und das Scheitern frömmelnder Erziehungsprogramme a la Erdogan haben gerade bei vielen jungen Leuten in den moderneren Staaten des Kulturislams säkulare Tendenzen noch befördert.

    Ob das einem dunkeldeutschen orientromantischen Queerfeminismus, der weder queer noch feministisch ist, nun gefällt oder nicht.

    Es ist so.

    Und es ist gut so.

    Nebenbei: Danke für den Buchtipp. Mit Vojin Saa Vukadinovi weht immer der frische Wind des Fortschritts durch den deutschen Märchenwald!
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#2 KaiJAnonym
  • 04.10.2020, 19:10h
  • Ein Queerfeminismus, der sich an Kultur oder Religion etc. hängt, ist im Grunde keiner.
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#3 MinuschAnonym
  • 05.10.2020, 12:09h
  • Forweg: Ich habe das Buch bzw. die anderen Bände in der Reihe bisher noch nicht gelesen. (Mein Eindruck ist bisher der, dass darin oftmals eher reaktionäre Positionen vertreten werden. Vielleicht irre ich mich damit aber.)

    Was mir nach diesem Review immer noch nicht klar ist: Wird hier der Queerfeminismus an sich kritisiert oder das, was einige darunter verstehen?

    Um es anders auszudrücken: Die J.K. Rowling wird ja oftmals auch gerne als Verfechterin des Feminismus dargestellt. Ihre transfeindliche (und anderweitig feindliche) Position zeigt aber klar, dass sie nicht für einen zeitgemäßen, intersektionalen Feminismus steht. Natürlich gibt es auch Feminist:innen, die ihre Ansichten vertreten.
    Daraus aber den Feminismus an sich zu verdammen, der nunmal wie alles aus verschiedenen Richtugnen besteht, wäre aber ziehmlich unkonstruktiv.

    Wird hier ähnlich mit dem Queerfeminismus umgegangen? Also von einigen (Extrem-/Rand-) Positionen auf den ganzen Queerfeminismus geschlossen und dieser auf dieser Grundalge kritisiert? Und was wäre die Alternative zum Queerfeminismus?
    Die Antworten darauf vermisse ich bisher.
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#4 ursus
  • 05.10.2020, 12:44h
  • Antwort auf #3 von Minusch
  • "Wird hier der Queerfeminismus an sich kritisiert oder das, was einige darunter verstehen?"

    Ich kann den hier besprochenen Band nicht beurteilen, aber bei "Beißreflexe" (falls du diesen Band in deine Frage einbeziehen wolltest) haben die einzelnen Autor_innen sich mehr oder weniger klar von einer pauschalen Kritik "des" Queer-Feminismus distanziert und beteuert, nur einzelne "Auswüchse" zu kritisieren. Da auch hier ein Sammelband vorliegt, nehme ich an, dass sich auch hier keine vollkommen einheitliche Linie festmachen lassen wird.

    Vukadinovi selbst allerdings hat in einer durchweg polemischen anti-queer-feministischen Schwerpunktausgabe der "Emma" Gender Studies pauschal als "Sargnagel des Feminismus" bezeichnet und dort einen sehr unsachlichen Rundumschlag gegen das, was er unter Queer-Feminismus versteht, gelandet (weshalb ich sicher nicht gedenke, dieses Buch hier zu kaufen).
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#5 MinuschAnonym
  • 05.10.2020, 13:50h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Danke für die Antwort! Das ist gut zu wissen.

    Ja, bei einem Sammelband sind natürlich nicht immer alle Ausrichtungen auf einer einheitlichen Linie, aber immerhin wurde in den "Beißreflexen" überhaupt etwas dazu gesagt.

    Eine Mitarbeit bei der "Emma" werte ich für mich grundsätzlich erstmal als dicken Minuspunkt. Dafür ist mir deren Ausrichtung zu offenkundig transfeindlich und islamophob. Wer sich darauf einlässt, ohne diese Positionen eindeutig abzulehnen (und dürfte man dann noch dort publizieren...?), dessen Worten möchte ich auch keine Zeit und Aufmerksamkeit schenken.
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#6 ursus
#7 MinuschAnonym
  • 05.10.2020, 14:22h
  • Antwort auf #6 von ursus
  • Danke für den Link zu der Replik! :)

    Vielleicht werfe ich mir mal einen Blick in den Emma-Artikel, um die Reaktionen darauf besser einordnen zu können.
    Die Replik von "The Sargnagel talks back" werde ich aber auf jeden Fall lesen! :D
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 05.10.2020, 16:33h
  • Antwort auf #7 von Minusch
  • Alice Schwarzer hat sich für mich durch einen dubiosen Artikel zu Leni Riefenstahl endgültig blamiert.

    Das ist der Reaktionär-Feminismus einer sehr'dezenten' Lesbe.

    Die es auch mit reaktionären Kirchenfürsten wie Kardinal Meisner hatte.

    Ich bin gegen Meisners Opus Dei genauso wie ich gegen Pius- und Muslimbrüder bin.

    Weil ich für Zivilisation und Fortschritt bin.

    Diese Mächte beschützen mich und andere Menschen seit der Französischen und der kemalistischen Revolution.

    Der Begriff 'Islamophobie' wird dagegen von Reaktionären wie Farid Hafez benutzt, um für reaktionäre politische Forderungen zu kämpfen, die für freie Menschen tödlich sind.

    Wer ihn als Kampfbegriff benutzt, kämpft letztlich nicht für die Religionsfreiheit, sondern gegen sein eigenes Lebensrecht.

    Ich lebe gern.
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#9 TheDadProfil
  • 05.10.2020, 19:16hHannover
  • Antwort auf #8 von goddamn liberal
  • Ich möchte dazu mal folgendes anmerken, und nehme vor allem Bezug auf :

    ""Die sich scheinbar unversöhnlich gegenüberstehenden Positionen rund um Queerfeminismus und Identitätspolitik verhärten sich weiter, aber was zwischen ihnen liegt, geht dadurch fast unter: Atheistisch-ex-muslimische und muslimische Geflüchtete treffen sich etwa beim regelmäßigen Kölner Freizeitangebot für Geflüchtete und Unterstützer*innen SOFRA Cologne und lernen einen Umgang miteinander zu finden.""..

    Darunter kann man wohl im weitestem Sinne eine Art "interreligiösen Dialog" verstehen..

    Wenn die unterschiedlichen Gruppen aber nicht verinnerlichen das Niemand Niemandem Vorschriften über die "Lebensweise" zu machen hat, und das gilt hier sowohl für die Muslime gegenüber den Ex-Muslimen, als auch anders herum, erst dann ist der Dialog überhaupt sinnvoll, und kann auch geführt werden..

    Was dann den Queer-Feminismus betrifft, so muß auch der sich der Ägide "Niemand Niemandem" unterwerfen, soweit es um die Bedürfnisse der Individuen geht, denn ein Feminismus gleich welcher Art der die Bedürfnisse nicht respektiert ist dann auch keiner, denn er befreit auch bei Licht besehen keine Menschen, die das gar nicht wollen..

    "Religionsfreiheit" wäre so leicht zu erreichen wenn Hardcore-Religiöse endlich begriffen das "von religion frei sein" ebenso wertvoll ist wie die Tatsache "frei in der wahl seiner religion" zu sein..
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#10 goddamn liberalAnonym
  • 06.10.2020, 06:37h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • "Religionsfreiheit" wäre so leicht zu erreichen wenn Hardcore-Religiöse endlich begriffen das "von religion frei sein" ebenso wertvoll ist wie die Tatsache "frei in der wahl seiner religion" zu sein..

    So ist es.

    Was viele religiös unmusikalische Queerfeminist*innen aus einem grünlichen Mittelschichtmilieu nicht verstehen, ist, dass abrahamische Relgionen wie Christentum und Islam einen universalen Anspruch haben und sich nicht ohne Weiteres in eine intersektionale Schublade pressen lassen.

    Was ich an dem zugebenermaßen manchmal ziemlich grobschnittigen
    Vojin Saa Vukadinovi mag ist:

    Der Typ heißt und sieht nicht nur aus wie ein mutiger Partisan, der ist einer!

    Er hat kapiert, dass das Leben für Freiheitskämpfer nicht einfach ist - von Teheran bis Berlin.

    Und er setzt durch seinen Mut seine akademische Karriere aufs Spiel, in dem er den Finger auf die Schwachstellen eines lebensgefährlichen Nihilismus legt.

    Nebenbei: Witzigerweise finden sich in seinen Aufsatzsammlungen viel mehr migrantische Namen als in denen seiner Gegner*innen, wo sich die alte urdeutsche protestantisch durchsäuerte Herrenschicht dieses Landes tummelt.

    Prototypin:

    de.wikipedia.org/wiki/Christina_von_Braun
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