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Balkan

Serbien wird weiterhin lesbisch regiert

Die bisherige Ministerpräsidentin Ana Brnabic wurde vom Präsidenten erneut mit der Regierungsbildung beauftragt. Die 45-Jährige schrieb 2016 als erste homosexuelle Spitzenpolitikerin Serbiens Geschichte.


Die offen lesbische Ex-Managerin Ana Brnabic ist seit 2017 Ministerpräsidentin von Serbien, zuvor war sie Ministerin für öffentliche Verwaltung (Bild: Slobodan Miljevic)

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat die bisherige Ministerpräsidentin Ana Brnabic mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt. Vucic gab dies am Montagabend im staatlichen Fernsehen RTS bekannt. Beide gehören der rechtsnationalen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) an, die bei den Parlamentswahlen am 21. Juni 188 der 250 Sitze errang.

Brnabic wurde im Juni 2017 erstmals Regierungschefin (queer.de berichtete). Die Ex-Unternehmerin war erst ein Jahr zuvor in die Politik gewechselt und hatte das Ministerium für öffentliche Verwaltung übernommen. Die Berufung der offen lesbischen Managerin wurde damals vom LGBTI-Verband "Gay Straight Alliance" als "historischer Moment für Serbien und ein großer Schritt für den Aufbau einer Gesellschaft mit gleichen Rechten" bezeichnet (queer.de berichtete).

Politisch gilt Ana Brnabic als treue Erfüllungsgehilfin des Präsidenten und SNS-Chefs Vucic. Dieser trifft in Serbien alle wichtigen Entscheidungen selbst.

Homosexualität ist in Serbien noch immer ein Tabu

In dem Balkanland, in dem 80 Prozent der Bevölkerung orthodoxe Christ*innen sind, ist Homosexualität vielfach noch ein Tabu. Schwule und lesbische Paare können weder eine Ehe noch eine eingetragene Partnerschaft eingehen.


Brnabic beim Belgrader Pride 2017. Bild: Mickey Mystique / wikipedia

Brnabics Einsatz für LGBTI-Rechte hält sich bislang in Grenzen. Als sie 2017 als erste Ministerpräsidentin beim CSD in Belgrad teilnahm, setzte sie damit einerseits ein Zeichen und betonte Werte wie Vielfalt (queer.de berichtete). Andererseits lehnte sie es ab, sich zu einer gesetzlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare auch nur zu äußern. Sie könne nicht ihre "persönliche Meinung" kundtun, weil sie als Ministerpräsidentin die serbische Regierung vertrete.

Brnabic lebt in Regenbogenfamilie ohne Rechte

Im vergangenen Jahr brachte Brnabics Partnerin Milica Djurdjic ein Kind zur Welt (queer.de berichtete). Obwohl sie seitdem die erste Regierungschefin der Welt ist, die in einer Regenbogenfamilie lebt, hat sie nach der serbischen Gesetzgebung keine Möglichkeit, rechtlich als zweite Mutter anerkannt zu werden.

Das ex-jugoslawische Balkanland Serbien verhandelt seit 2014 über einen Beitritt zur Europäischen Union (EU). In den letzten Jahren kamen die Verhandlungen jedoch nicht voran – auch aufgrund mangelnder Fortschritte bei LGBTI-Rechten. Beim "Rainbow Europe"-Ranking, bei dem die Queerfreundlichkeit von Gesetzgebung und Gesellschaft zwischen den Nationalstaaten des Kontinents verglichen wird, nimmt Serbien Rang 26 von 49 ein – und liegt damit noch hinter den Nachbarn aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo.

Im Jahr 2022 soll der Europride in der Hauptstadt Belgrad und damit erstmals in Serbien stattfinden (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 EuropäerAnonym
  • 06.10.2020, 07:48h
  • Wenn nichts Anderes, dann ist zumindest ein weiteres Mal die Sichtbarkeit der LGBTIQ Community auf dem Balkan gewährleistet. Gratuliere!

    In so manchem EU Land ist noch nicht einmal mehr DAS sicher.
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#2 Ralph
#3 NevermindAnonym
  • 06.10.2020, 14:48h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Ich finde, das queere Sichtbarkeit die Grundvoraussetzung für Akzeptanz ist und eine offen lesbische Ministerpräsidentin gerade in einem Land wie Serbien dafür sehr viel bringt.
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#4 EuropäerAnonym
  • 06.10.2020, 16:56h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Was schreibst Du da? Sichtbarkeit ist Grundvoraussetzung für alles. Ansonsten heißt es, wie beispielsweise in Tschetschenien, "Bei uns gibt's 'sowas' nicht!".

    So war es auch bei uns wichtig, dass wir sichtbar geworden sind. Auch als einst, in den Neunziger Jahren, bei Arabella plötzlich Schwule, Lesben und Transen auftraten, war das hilfreich, weil Hausfrauen und sonst wer sahen, dass es noch andere Lebensentwüfe auf der Welt gibt.

    Wenn ich mich recht entsinne, hat Frau Brnabi die Kandidatur Belgrads, als Gastbeber, der EuroPride mit einem offiziellen Schreiben befürwortet und unterstützt. Es ist eine der Grundvorraussetzungen, dass die Regierung dahintersteht, um den Zuschlag überhaupt zu bekommen.
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#5 la_passanteAnonym
  • 06.10.2020, 23:28h
  • Rechts (und wahrscheinlich korrupt) bleibt sie trotzdem, lest mal auf Wikipedia nach. Und das wiegt für mich politisch schwerer als lesbisch zu sein.
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#6 EuropäerAnonym
  • 07.10.2020, 06:27h
  • Antwort auf #5 von la_passante
  • Ich las im Internet, sie habe im Ausland studiert, für internationale Entwicklungsorganisationen gearbeitet, etc.. Rechte, konservative Kreise und die Kirche waren gegen sie. Nicht jede Lesbe ist eine Weidel ;).

    Im Artikel stand bereits, dass sie mehr, oder minder, eine Marionette der Vucic Regierung ist. Hat auch niemand in Frage gestellt. Aber korrupt? Konkrete Beweise?

    Korrupte Politiker gibt es (auch) bei uns mehr als genug. Wer weiß wieviele "Spenden" hier und da mal was "ermöglicht" haben.

    Während Länder wie Polen, Ungarn und Lettland LGBTIQ freie Zonen und Stacheldraht errichten, hat Serbien eine offen lesbisch, in einer Regenbogenfamilie, lebende Premieministerin, die es, neben anderen, offen befürwortet hat, dass in Belgrade die EuroPride 2022 stattfindet. Obwohl das in der Gesellschaft sicher noch immer nicht gerne gesehen wird - noch nicht einmal bei uns! Ich bin tief beeindruckt.
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#7 IsaakAnonym
  • 07.10.2020, 06:52h
  • Antwort auf #5 von la_passante
  • "Rechts" (im Sinne von: konservativ, nicht von rechtsextrem) zu sein ist erst einmal kein Vergehen, sondern eine politische Position wie jeder andere. Und das dürfen natürlich auch LGBTQ sein. Und "korrupt" ist eine ziemlich schwerwiegende Unterstellung. Ich wäre mit so etwas Ehrenrührigem vorsichtig, sofern keine entsprechenden Beweise vorliegen.
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#8 LilieAnonym
  • 07.10.2020, 14:13h
  • Antwort auf #4 von Europäer
  • Allein das du von "Transen" und "Lebensentwurf" schreibst, ist schon übel.
    Aber zu schreiben, dass allein die Sichtbarkeit schon wichtig ist, setzt dem ganzen die Krone auf. Ja, Sichtbarkeit ist wichtig aber reicht eben nicht aus.
    Das diese Frau nämlich lesbisch ist bringt LGBTI+ gar nichts, wenn sie dahingehend nicht auch tätig wird, was Gesetze angeht.
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#9 la_passanteAnonym
  • 07.10.2020, 14:47h
  • Antwort auf #7 von Isaak
  • Wie gesagt, mal Wikipedia lesen bevor du dich aufregst:

    de.wikipedia.org/wiki/Ana_Brnabi%C4%87
    :

    "Brnabi hatte als Direktorin der serbischen Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Windkraftfirma Continental Wind im Jahr 2015 den Direktor der staatlichen Firma Elektromrea Srbije (Stromnetze Serbiens) und Vertrauten von Präsident Vui, Nikola Petrovi, gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz genommen. Als Belohnung hierfür, so die Vorwürfe, habe sie nur wenige Monate später ein Ministeramt in der Regierung erhalten. In der Regierung habe sie sich durch bedingungslose Loyalität gegenüber Präsident Vui ausgezeichnet.

    Im Jahr 2019 trat die bis dahin parteilose Brnabi der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) von Präsident Vui bei."

    Die Serbische Forschrittspartei wird als souveränistisch, rechtskonservativ und nationalistisch betrachtet.

    Was alles zeigt, daß man durch Lesbischsein allein noch keine politisch akzeptable Person wird, jedenfalls nicht für mich. Und schon gar nicht, daß man automatisch "lesbisch regiert", wie Queer titelt, wenn man regiert und zufälligerweise auch Lesbe ist.

    Kurz, diese Frau ist für mich politisch uninteressant bis inakzeptabel, Lesbe hin oder her.
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#10 lila straßeAnonym
  • 07.10.2020, 20:19h
  • Antwort auf #8 von Lilie
  • Mal von der Intersektionalität ganz abgesehen, auf die du, finde ich, zurecht hinweist, also um in einer "reinen" LGBTIAQ*-Zone zu bleiben, was auch immer das sein soll: Ana Brnabic hat sich zur rechtlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren geäußert, das habe ich mal gelesen. Sie findet anscheinend, irgendwelche anderen Dinge von nationaler Bedeutung für ihr Land haben Priorität vor dieser Frage. Was leider, muss ich zugeben, paradoxerweise auch ein intersektionaler Ansatz ist, nur halt ein falscher, meiner Meinung nach. Ganz abgesehen davon, dass sie in anderen Fragen ein Monster ist, aber das ist leider auch kein Alleinstellungsmerkmal von ihr.
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