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Österreich

Grüner Gesundheitsminister: Blutspendeverbot für Schwule ist "keine Diskriminierung"

Auch in Österreich dürfen schwule und bisexuelle Männer faktisch wegen ihrer sexuellen Orientierung kein Blut spenden. Ausgerechnet ein grüner Minister verteidigt das als diskriminierend empfundene Verbot.


Bundesgesundheitsminister Rudolf Anschober hat kein Problem damit, dass praktisch nur heterosexuelle Männer Blut spenden dürfen (Bild: Bernhard Holub / wikipedia)

Zu Update springen: Minister stellt doch Reform in Aussicht (16:05h)

Österreichische LGBTI- und Aids-Aktivist*innen zeigen sich empört über eine Behauptung des Bundesgesundheitsministeriums, dass ein faktisches Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer "keine Diskriminierung" darstelle. Das Ministerium des (heterosexuellen) Grünenpolitikers Rudolf Anschober hatte mit dieser Aussage auf eine Petition der oppositionellen Partei NEOS zur Öffnung der Blutspende reagiert (PDF). Darin führte das Ministerium aus, dass der Ausschluss der homosexuellen "Risikogruppe" einen "Qualitätssicherungseffekt" habe.

In Österreich gelten beim Blutspenden die selben Verbote für schwule und bisexuelle Männer wie in Deutschland. Demnach dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, zwölf Monate lang keinen Sex haben, um als Blutspender akzeptiert zu werden. Dabei spielt für den Gesetzgeber keine Rolle, ob ein Schwuler lediglich mit seinem Ehemann intim wird. Queere Organisationen fordern dagegen seit Jahren, dass – wie auch bei heterosexuellen Männern – das tatsächliche Risikoverhalten abgefragt werden soll und nicht die sexuelle Orientierung des potenziellen Spenders.

"Riskant ist nicht, mit welchem Geschlecht man Sex hat"

Ann-Sophie Otte, die Chefin der LGBTI-Organisation HOSI Wien, bezeichnete es als traurig, "dass ausgerechnet ein grüner Gesundheitsminister Diskriminierung leugnet". "Riskant ist aber nicht, mit welchem Geschlecht man Sex hat, sondern wie man diesen hat", so Otte. "Ein heterosexueller Mann, der ohne Kondom mit unterschiedlichen Frauen schläft, hat ein höheres Infektionsrisiko als schwule oder bisexuelle Männer, die in einer monogamen Beziehung leben bzw. konsequent Kondome benutzen." Die pauschale Abstempelung von schwulen Männern sei "heutzutage unhaltbar".

Otte kritisierte auch, dass die Grünen für die am nächsten Sonntag stattfindenden Landtags- und Gemeinderatswahlen in Wien mit dem Slogan "Wer macht Equality, wenn nicht wir?" um Stimmen aus der LGBTI-Community werben. Sie forderte grüne Politiker*innen auf, den Minister in die Schranken zu weisen: "Man kann nicht gleichzeitig aktiv um unsere Community werben, aber dann zu solcher Politik des eigenen Ministers schweigen", so Otte.

Facebook / Die Grünen | Angesichts der Aussage von Gesundheitsminister Anschober erscheint vielen das grüne Werben um queere Wählerstimmen wie ein Hohn

Anschobers Haltung zu LGBTI-Rechten steht bereits seit längerem in der Kritik. Vergangenen Monat fragte etwa das queere Magazin "Jus Amandi": "Was ist bloß mit Anschober los?". In dem Artikel wird bemängelt, dass Anschober auch einem Verbot von "Homo-Heilung" kritisch gegenüber stehe.

Ius Amandi 3/2020 jetzt online: – Konversionstherapien & Blutspendeverbot: Was ist mit Anschober los? -...

Gepostet von Rechtskomitee Lambda – RKL am Mittwoch, 23. September 2020
Facebook / Rechtskomitee Lambda – RKL

Mehrere andere Länder – etwa Spanien und Italien – haben Schwule bereits heute beim Blutspenden gleichgestellt. Hier wird lediglich das sexuelle Risikoverhalten vor einer Spende abgefragt, die sexuelle Orientierung hat aber keinen Einfluss. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte zuletzt in Aussicht, dass das Sex-Verbot für spendewillige schwule und bisexuelle Männer von zwölf auf vier Monate reduziert wird (queer.de berichtete).

Die Grünen gehören seit Januar erstmals einer österreichischen Bundesregierung an. Ihnen wurde in den letzten Monaten vermehrt vorgeworfen, dem christsozialen Koalitionspartner ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz zu sehr entgegengekommen zu sein. Die Grünen tragen unter anderem die rigide Asylpolitik Österreichs mit, die von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wird. (dk)


 Update  16.05h: Minister stellt doch Reform in Aussicht

Nach der ablehnenden Äußerung seines Ministeriums hat sich Anschober am Dienstag in einer Mitteilung doch für eine Reform der Blutspende ausgesprochen. "Blut spenden heißt Leben retten – niemand soll aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität davon ausgeschlossen werden", so der Minister. Daher habe er die "Blutkommission beauftragt, die Ausschlusskriterien zu überprüfen und Vorschläge zu erarbeiten, wie die Blutspende – unter Maßgabe der Sicherheit für die Empfängerinnen und Empfänger – in Österreich künftig vollständig diskriminierungsfrei ermöglicht werden kann." Ziel sei eine Änderung bei der Abfrage von Risikoverhalten "noch in diesem Jahr".



#1 öko-watchAnonym
  • 06.10.2020, 13:25h
  • Ach, ein österreichischer Palmer-Kretschmann-Grüner! Haben die Austs denn keine ÖVP, in die er eintreten könnte? Mal schauen, ob die Grünen in Österreich mit einem Parteiausschlussverfahren mutiger sind als die evanglikaldoitschen Grünen.
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#2 dinoAnonym
  • 06.10.2020, 14:38h
  • sorry, aber müssen so ärsche heutzutage noch sein? und tut mehr sehr leid für die grünen, die viel für unsere rechte gekämpft haben, und es teils auch noch tun... würde mich sehr freuen, wenn das auch innerhalb der partei diskutiert würde, gern mit dem resultat 1) ner wirklich guten entschuldigung 2) nem parteiausschluss
    kann den scheiss langsam nicht mehr ertragen.
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#3 dinoAnonym
  • 06.10.2020, 14:50h
  • ich weiss de fakto via test + mit genug zeitabstand, dass ich negativ bin, und "darf" nicht blutspenden, was für ein schwachsinn ist das bitte????? aber klar, heten sind per se bessere menschen, und schwule sterben alle an aids... danke... das ist einfach nur diskriminierung und hat mit fakten / forschung etc NICHTS zu tun, klar, zur aidskriese mag es sinn gemacht haben, aber heutzutage gibt es medikamente + prep + man kann die blutproben untersuchen... und nur weil jemand sagt, "hete" zu sein, heisst nicht, dass sein sexualverhalten verantwortlicher wäre
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#4 Ralph
  • 06.10.2020, 15:16h
  • Na die Grünen haben in Österreich doch eh LSBTI verraten, um Kurzens Mehrheitsbeschaffer spielen zu dürfen.
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#5 menschenfreundProfil
  • 06.10.2020, 15:36hBerlin
  • Abgesehen von der für mich einfach nicht nachvollziehbaren Begründung der "Qualitätssicherung" möchte ich Herrn Rudolf Anschober mal fragen wie er sich entscheiden würde. Wenn er dringend auf eine Blutkonserve angewiesen ist und nur noch die passende von einem Schwulen zur Verfügung steht: lehnt er diese ab oder akzeptiert er diese für sich?
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#6 LordWilliamByronAnonym
  • 06.10.2020, 15:50h
  • Aber , Aber meine Lieben wen überrascht das denn noch ? Auf dem Weg zur Macht werfen die Grünen seit 2 Jahrzehnten den aus Ihrer Sicht ideologischen Ballast weg um ganz und gar offen zu sein für eine Ehe mit den Schwarzen . Das gilt für Deutschland U( betrifft nicht nur Kretschmann/Palmer ) und natürlich auf für Österreich und viele andere Länder. Ein Regierungsposten ist halt schöner ,als Oppositionsarbeit und Prinzipien !
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#7 Homonklin_NZAnonym
  • 06.10.2020, 17:00h
  • Was diesen Versuch einer "Qualitätssicherung" angeht ist das rein von daher schon Quatsch, weil vermutlich genug Bisexuelle und Schwule spenden gehen, die halt keinem sagen, dass sie es sind.
    Das tatsächliche sexuelle Risikoverhalten ist unabhängig von der sexuellen Orientierung möglich, wo wäre da eine Qualitätssicherung, wenn sowieso sagen wir mal ca. 95 % Heteros spenden, von denen eine gewisse Anzahl wechselnde Sexualpartner hätte?

    Ein bisschen überholt ist diese Haltung schon. Mag man hoffen, dass diese Reform von Leuten geführt wird, die den Kopf nicht nur deswegen daroben haben, damit es nicht in den Hals regnen kann.
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#8 PetterAnonym
  • 06.10.2020, 17:20h
  • Zuerst rechtfertigen, dann doch reformieren wollen.

    Solch ein Wankelmut sagt auch schon viel über eine Person und ihre Eignung für ein Amt aus.

    Im Übrigen darf man von einem Gesundheitsminister erwarten, dass er die medizinischen Studien zu einem Thema kennt, bevor er sich dazu äußert.
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#9 dellbronx51069Anonym
#10 mesonightAnonym
  • 07.10.2020, 07:53h
  • Es kotzt mich sowas von an, dass wir uns 2020 noch immer mit sowas befassenmüssen, wo ist denn hier der mediale Aufschrei? Wir werden hier ganz klar diskriminiert, erschreckend auch, wieviele homophobe Politiker es bei Grünen und auch Linken gibt.
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