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Moskau

Pussy Riot schenken Putin Regenbogenflaggen zum Geburtstag

Mitglieder der Band schmückten mehrere offizielle Gebäude mit dem Symbol der queeren Bewegung. Die Polizei nahm zwei Journalisten fest.


Putin und das ihm zu Ehren mit einer Regenbogenflagge geschmückte Kulturministerium

Mitglieder der Punkgruppe Pussy Riot haben am frühen Mittwochmorgen mehrere Gebäude in Moskau mit Regenbogenflaggen geschmückt, darunter die Präsidialverwaltung, das Oberste Gericht, das Kulturministerium und Lubjanka, Sitz des Inlandsgeheimdienstes FSB.

Mit der Flaggenaktion habe man Präsident Wladimir Putin ein Geschenk zum Geburtstag machen wollen, das für Freiheit und Liebe stehe, so die Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa in Einträgen in sozialen Netzwerken. Der Präsident wird am Mittwoch 68 Jahre alt. Die Aktivist*innen nutzen das Jubiläum, um auf die desolate Lage der queeren Community aufmerksam zu machen und reagieren in ihrem Begleittext auch auf aktuelle Entwicklungen – die Aktion erinnert zugleich indirekt an die Empörung der russischen Politik, als mehrere westliche Botschaften im Sommer die Regenbogenflagge gehisst hatten (queer.de berichtete).

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Gepostet von Nadya Tolokonnikova am Mittwoch, 7. Oktober 2020
Facebook / Nadya Tolokonnikova

In der Nähe des FSB wurde gegen ca. sieben Uhr der Journalist Artyom Radygin festgenommen, der für Radio Liberty / Radio Free Europe die Aktion von Pussy Riot filmte. Laut dem Portal OVD Info wurde er zu einer Polizeiwache gebracht und ist noch Stunden später nicht erreichbar. Später wurde ein weiterer Journalist an der Präsidialverwaltung festgenommen; es gibt unterschiedliche Angaben, ob das zu der Regenbogenflaggen-Aktion oder zu einer Protestveranstaltung geschah. Immer wieder würden in Russland Pressevertreter*innen durch Festnahmen und teilweise mit Gewalt von Berichterstattungen abgehalten, beklagt das Portal.

Sieben Forderungen zum "Tag der LGBTQ-Sichtbarkeit"

Die virtuelle Geburtstagskarte an Putin umfasst sieben Forderungen, darunter als letzte ironisch, den 7. Oktober, also Putins Geburtstag, zum "Tag der LGBTQ-Sichtbarkeit" zu machen. Bereits Forderung sechs, die Aufhebung des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda", gibt der Forderung allerdings Ernst und Berechtigung.

Weitere Forderungen der Pussy-Riot-Aktivist*innen: Ermittlungen zu den Verschleppungen und Tötungen von LGBTI in Tschetschenien, die von den zuständigen russischen Behörden bislang verschleppt werden. Auch müsse die Schikane von Aktivist*innen und Organisationen, die die queere Community unterstützen, beendet werden. Die Aktivistin und Künstlerin Julia Tsvetkova wird derzeit etwa in mehreren Verfahren verfolgt.

Ferner fordern Pussy Riot die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare und Gesetze gegen die Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung – im Sommer verabschiedete die Duma ein Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe auch in der Verfassung, während aktuell ein Gesetzentwurf debattiert wird, trans Personen die Ehe zu verbieten und dazu in der Geburtsurkunde künftig einen Eintrag "Geschlecht bei Geburt" zu erfassen.

Der Staat solle zudem aufhören, gleichgeschlechtliche Familien zu schikanieren und ihnen die Kinder zu entziehen, so Pussy Riot. In der letzten Woche war bekannt geworden, dass das dem Präsidenten unterstellte Ermittlungskomitee mehrere schwule Männer wegen Menschenhandels vor Gericht bringen will, weil sie die Dienste von – in Russland eigentlich legalen – Leihmutterschaftsagenturen genutzt hatten (queer.de berichtete). (nb)