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Karneval

Saarlands Karnevalsverband kommt (fast) im 21. Jahrhundert an

Neun Monate nach dem Ausschluss eines lesbischen Paares von der Prinzenpaar-Wahl will der Verband Saarländischer Karnevalsvereine "auch andere gesellschaftlich anerkannte Zweiergemeinschaften" zulassen. Der Neunkircher Karnevalsausschuss sorgt sich nun um Kinder.


Mit Verweis auf "Tradition" und "Brauchtumspflege" wurden Heike II. und Ute I. von der Karnevalsgesellschaft Die Rebläuse aus Kleinblittersdorf Anfang des Jahres von der Prinzenpaar-Wahl im Saarland ausgeschlossen (Bild: KG Die Rebläuse e.V. / facebook)

Im saarländischen Karneval sind Lesben und Schwule nun offiziell etwas mehr willkommen: Am Freitag stimmte die Jahreshauptversammlung des Verbands Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) in Bous für die Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare bei der jährlichen Prinzenwahl. 45 Mitgliedsvereine sprachen sich dafür aus, drei dagegen und zwei enthielten sich.

Die Entscheidung folgt einer homofeindlichen Posse aus dem Januar. Vor neun Monaten hatte der VSK das lesbische Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. von der Karnevalsgesellschaft Die Rebläuse aus Kleinblittersdorf mit Verweis auf "Tradition" und "Brauchtumspflege" von der Wahl zum Prinzenpaar des Jahres ausgeschlossen (queer.de berichtete). Erst nach heftigen Protesten der Rebläuse, einem Shitstorm in sozialen Medien und einem verheerenden Medienecho lenkte der Dachverband ein (queer.de berichtete). Die beiden lesbischen Prinzessinnen zogen jedoch aufgrund der vielen Schlagzeilen ihre Teilnahme am Wettbewerb zurück.

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Die Satzung soll geändert werden – aber warum eigentlich?

Nach dem Beschluss der Jahreshauptversammlung soll nun die Satzung des VSK überarbeitet werden. Die Wettbewerbsbedingungen würden so geändert, dass "künftig auch andere gesellschaftlich anerkannte Zweiergemeinschaften" daran teilnehmen könnten, schwurbelte VSK-Präsident Hans-Werner Strauß gegenüber dem Saarländischen Rundfunk. Die Distanz und Abwertung, die bei dieser Formulierung mitschwingt, lässt einen selbstverständlichen Umgang mit lesbischen und schwulen Paaren kaum erwarten.

Warum die Satzungsänderung überhaupt nötig sein soll, bleibt zudem das Geheimnis des VSK-Präsidenten, schließlich sieht die bisherige Satzung (Stand: 25. August 2019; hier als PDF auf der Homepage) überhaupt kein Verbot von gleichgeschlechtlichen Paaren vor. Für den Ausschluss der lesbischen Prinzessinnen musste allein der in §1.4 als Aufgabe des Verbands festgehaltene Satz "Pflege des Karnevals, der Fastnacht und des fastnachtlichen Brauchtums auf traditions- und landschaftsgebundener Grundlage" herhalten. Um seine eigene Homofeindlichkeit zu kaschieren, schob Strauß also nur eine vermeintliche "Tradition" und gar nicht erforderliche Formalitäten vor.

Offen homofeindliche Töne in der Südwesthalle

Die Diskussion auf der VSK-Versammlung verlief nach übereinstimmenden Medienberichten "kontrovers". Laut "Saarbrücker Zeitung" (Paywallartikel) kam es in der Südwesthalle in Bous auch zu extrem homofeindlichen Wortmeldungen. "Für mich geht so etwas nicht. Ein Prinzenpaar sind ein Prinz und eine Prinzessin. Wie soll man das denn sonst den Enkeln erklären?", zitierte das Regionalblatt den aufgebrachten Organisationsleiter des Neunkircher Karnevalsausschusses Friedel Wagner. "Zu Hause kann jeder machen, was er will, aber auf der Bühne oder im Fernsehen geht so etwas nicht."

Ob es in der kommenden Session im Saarland überhaupt eine Prinzenwahl geben wird, steht unterdessen in den Sternen. Aufgrund der Corona-Krise haben viele Karnevalsvereine ihre Planungen eingestellt.



#1 WahrheitIstRelativAnonym
  • 07.10.2020, 13:22h
  • ... das können die Altherren den Enkeln nicht erklären - aber die Enkel können es den Altherren erklären!
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#2 Ralph
  • 07.10.2020, 16:58h
  • Antwort auf #1 von WahrheitIstRelativ
  • Dacht ich auch sofort. Nicht die Enkelkinder brauchen eine Erklärung, sondern der Opa. - Und was soll die bescheuerte Formulierung? Soll das nie neue Umschreibung für den idiotischen Begriff "Homo-Ehe" sein, bloß damit man nicht einfach von Paaren redet?
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#3 tchantchesProfil
#4 dellbronx51069Anonym
  • 07.10.2020, 18:40h
  • Auch wieder so ein Ort wo vor 50 Jahren die letzte Hexe verbrannt wurde....
    Ich bewundere die Beiden wirklich, dass die sich das antun.
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#5 Rabauke76Anonym
#6 ShirKhanAnonym
  • 08.10.2020, 00:44h
  • Warum werden eigentlich immer die Kinder und Enkel als Vorwand "missbraucht", nur weil die Leute sich nicht öffentlich zu ihrer Homophobie bekennen wollen?
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#7 Ralph
  • 08.10.2020, 09:28h
  • Antwort auf #6 von ShirKhan
  • Das ist ein geradezu Pawlow'scher Reflex. Immer wenn es darum geht, LSBTI gleiche Rechte zuzugestehen, bedroht das angeblich irgendwen oder irgendwas - die Kinder, die Familie, den Zusammenhalt der Gesellschaft, die Religions- und Meinungsfreiheit usw. usf.
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#8 WDSBAnonym
  • 08.10.2020, 09:37h
  • Liebe Quer,
    lieber Queer Autor

    Da sich der Bericht der SZ leider hinter einem Bezahlportal befindet kann ich nicht sagen woher Ihr eure Infos habt.
    Für mich jedenfalls, der vor Ort gewesen war zeigte sich allerdings ein komplett anderes Bild, bzw. habe die JHV des VSK ganz anders wahrgenommen.

    Auch wenn es die ein oder andere Unstimmigkeit zwichen dem Präsidenten des VSK Hans-Werner Strauss und meiner Person gibt muss ich sagen das er die Sitzung trotz aller emotionalität sehr Proffessionell und Sachlich geleitet hatte.

    Was nun Ihre Ausführungen bezüglich des Herrn Friedl Wagner anbelangt so kann ich dazu sagen das Herr Wagner zum einen nicht als Organisationsleiter des NKA gesprochen hat sondern als Privatperson was man natürlich vergessen hat zu erwähnen.
    Ebenso wurde nicht geschrieben das sich der Präsident des NKA Karl Werner Albert als Privatperson für den Antrag ausgesprochen hat.
    Beide Herren sprachen also nicht für Ihre jeweiligen Vereine sondern als Privatperson. Wobei der eine für und der andere gegen den Antrag stimmte.
    Der NKA ist im Übrigen ein Zusammenschluss der 8 Neunkircher Karnevalsvereine und in diesem Sinne eigentlich nicht als Verein zu werten.
    Was man ebenso vergessen hat zu erwähnen war, das es 3 Wortmeldungen gab die sich gegen die Änderung des Regelwerkes, es handelte sich im Übrigen um keine Satzungsänderung, denn wie sie so schön in Ihrem Artikel schreiben gibt es keinen Satzungspunkt der geändert werden müsste.
    Ebenso wurde vergessen zu Erwähnen das sich die VSK-Jugend für den Antrag ausgesprochen hat wie im übrigen auch 90% der anwesenden Vereine.

    Was ich persönlich allerdings als befremdlich empfunden habe war das der Verein der die Sache ins Rollen gebracht hatte Krankeitsbedingt nicht anwesend gewesen war.
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#9 Ralph
  • 08.10.2020, 09:56h
  • Antwort auf #8 von WDSB
  • Erstens mal ist es schwierig, im Rahmen von Vereinsstrukturen entweder als Funktionsträger oder als Privatperson zu handeln. Da bei jedweder Gelegenheit unterscheiden zu wollen, hat was Schizophrenes. Jedem Redner muss klar sein, dass er die eigene Person und die interne Vereinsfunktion nicht sauber trennen kann. Zweitens hat der Artikel den genannten Personen nicht unbedingt unterstellt, sich ausdrücklich in ihrer Vereinsfunktion und im Namen aller anderen Mitglieder der jeweiligen Gruppe geäußert zu haben, sondern er hat die Funktionen benannt. Das gehört zur Sachinformation. Diese Personen sind dem breiten Publikum unbekannt, und es ist deshalb richtig, ja geboten, ihre Bedeutung im jeweiligen Verein oder Verband zu nennen, damit die Leserschaft weiß, um wen es sich handelt und welchen internen Einfluss die jeweilige Person ausüben kann. (Beispiel: Wenn ein nur regional bekannter Bundestagsabgeordneter sich der breiten Öffentlichkeit wahrnehmbar äußert, will die doch wissen, wer das ist, also werden seine Parteizugehörigkeit und Funktion genannt. Das unterstellt nicht, dass er in diesem Augenblick für den ganzen Bundestag oder für seine ganze Partei spricht, sondern lässt nur eine Einschätzung seines politischen Gewichts und seiner Einflussmöglichkeiten zu.)
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#10 ShirKhanAnonym
  • 08.10.2020, 15:24h
  • Antwort auf #8 von WDSB
  • oh da fühlt sich aber jemand gewaltig auf den Schlips getreten. Homophob, bleibt homophob, egal ob als Privatperson oder als Funktionär. Wie mein Vorredner schon sagte, wenn es sich um eine Person handelt, die nicht bundesweit bekannt ist, da sie nur auf regionaler Ebene agiert, gehört es mit dazu, sie vorzustellen und es lassen sich bei solchen Veranstaltungen Privat- und Amtsperson nicht wirklich voneinander trennen.

    die Argumentation, das gehöre ins Privatleben und nicht in die Öffentlichkeit, ist im Übrigen die gleiche, wie die der AfD

    und man sollte sich überlegen, ob man die Sorge um die Kinder für seine Homophobie vorschiebt. Das kann leicht als Gleichsetzung von Homosexualiät mit Pädophilie verstanden werden

    und bitte nicht jammern, wenn in einem Artikel, der von einem anderen Artikel berichtet, nicht jede Einzelheit, wie wer wofür gestimmt hat, erwähnt wird. Immerhin ist es eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und vllt. im ursprünglichen Artikel gar nicht vorhanden
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