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USA

Fußballer nach homophober Beschimpfung bestraft

Junior Flemmings, der den schwulen Fußballer Collin Martin während eines Spiels "Batty Boy" genannt haben soll, ist für die folgenden sechs Spiele gesperrt.


Collin Marin (l.) und Junior Flemmings

Die zweite amerikanische Fußballliga, die USL Championship, hat am Dienstag nach einer Untersuchung den Profifußballer Junior Flemmings zu einer Sperre von sechs Spielen und einer in der Höhe nicht genannten Geldstrafe verurteilt. Damit steht der 24-Jährige für alle Playoff-Spiele seines Clubs, Phoenix Rising FC aus Scottsdale in Arizona, nicht zur Verfügung.

Der jamaikanische Nationalspieler soll bei einem Auswärtsspiel in der Vorwoche gegen San Diego Loyal den schwulen Fußballer Collin Martin als "Batty Boy" bezeichnet haben – eine jamaikanische Slang-Abwertung für Schwule. Flemmings hatte das bei Twitter später bestritten, inzwischen aber sein Konto in dem sozialen Netzwerk gelöscht. Nach der Auswertung von Aussagen von elf Personen – Spielern, Trainern und Schiedsrichtern – bestraft ihn die USL nun "für die Verwendung von übler und beschimpfender Sprache in Form einer homophoben Verunglimpfung".

Der Vorfall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil Martins Team aufgrund der Beleidigung während des Spiels geschlossen vom Platz gegangen war – dadurch büßte es einen 3:1-Vorsprung und letztlich einen Platz in den Play-Offs ein (queer.de berichtete). San Diegos Trainer Landon Donovan hatte zuvor vergeblich versucht, den Schiedsrichter und den gegnerischen Trainer Rick Schantz dazu zu bewegen, Flemmings vom Platz zu nehmen.

Twitter / SanDiegoLoyal

Club sperrt Flemmings bis Vertragsende

Phoenix Rising gab am Dienstag bekannt, dass man die Ergebnisse der Liga-Untersuchung akzeptiere und unterstütze. "Dieser Vorfall kann den Grundwerten unserer Organisation kaum mehr widersprechen und wir entschuldigen uns bei allen Betroffenen." Zusätzlich zu den Sanktionen werde Flemmings bis zum Auslaufen des Vertrags am 30. November nicht mehr eingesetzt und man werde mit ihm Maßnahmen ergreifen, dass er davon lerne und zu einem Vorbild werde.

Der Club hatte in der letzten Woche neben Flemmings zunächst auch Trainer Schantz beurlaubt, der am Rande des Spielfeldes Homophobie kleingredet hatte – nach einigen Abwehrversuchen entschuldigte er sich inzwischen dafür. Phoenix Rising betonte am Wochenende in einem gemeinsamen Statement mit San Diego, dass die beiden Clubs ein gemeinsames Aufklärungsprojekt gegen Vorurteile für Spieler, Mitarbeitende und Fans planten. Auch die Liga kündigte eine Verstärkung ihres entsprechenden Engagements an.

Die verlorenen Punkte bekommt San Diego Loyal, das bereits das Spiel zuvor nach einer rassistischen Beleidigung als Forfait-Niederlage werten ließ, freilich nicht mehr zurück. Für das konsequente Handeln hatte der Cub am Abschluss seiner Premieren-Saison aber viel Lob von Medien und in sozialen Netzwerken erhalten. Teammanager und Mitbesitzer Landon Donovan, ein früherer Spieler der US-Nationalmannschaft und von Bayer Leverkusen, LA Galaxy und Bayern München, und Collin Martin, der sich 2018 als Mittelfeldspieler des Erstligisten Minnesota United zum Pride-Monat geoutet hatte (queer.de berichtete), gaben viele Interviews.

Twitter / GMA

Derweil hat sich auch der jamaikanische Fußballverband "enttäuscht" von Flemmings gezeigt und in einer Stellungnahme diskriminierende Sprache abgelehnt und Profis zur Beibehaltung ihrer Professionalität ermahnt. Konsequenzen hat die Homofeindlichkeit allerdings keine: "Wir hoffen ernsthaft, dass Flemmings die Scherben schnell aufsammelt und die großartige Torform beibehält, falls und wenn er in die Nationalmannschaft berufen wird", so die Jamaica Football Federation (JFF) am Dienstag. (nb)



#1 thorium222Profil
  • 07.10.2020, 15:20hMr
  • Auch der Trainer und der Schiedsrichter haben versagt und sollten Konsequenzen tragen müssen.
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#2 Prima4Anonym
#3 LesekompetenzAnonym
#4 Peck_SProfil
  • 07.10.2020, 17:57hFrankenthal
  • Das ist natürlich sehr erfreulich, aber besser wäre es, wenn die Sportverbände neue Regeln beschließen würden, die bei homophoben und oder rassistischen Ausfällen zum Spielabbruch und Punkteverlust auf Seiten des Agressors führen würden.

    Dann könnte man davon sprechen, dass beides im Sport nichts zu suchen hat. So ist jedes potentielle Opfer auf die Hilfe seines Teams und seiner Mitspieler angewiesen und möglich das ich mich irre, aber dieser aktuelle Fall ist der einzige mir bekannte seiner Art. Unmötig zu erwähnen, dass diesem aber unendlich viele homophobe und rassistische Vorfälle gegenüber stehen, wo rein gar nichts passierte.
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#5 Prima4Anonym
#6 ShirKhanAnonym
  • 08.10.2020, 00:33h
  • Schade, dass das San Diego- Team für diese beiden solidarischen Aktionen sportlich abgestrafft wird, indem die Spiele für sie als verloren gelten und sie damit den Einzug in die Play Offs verpasst haben.

    Hoffentlich wird dieses Engagment der Spieler für den Verein nicht nur gesellschaftlich, sondern auch sportlich noch belohnt werden.
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#7 TheDadProfil
  • 08.10.2020, 20:35hHannover
  • Antwort auf #4 von Peck_S
  • ""Das ist natürlich sehr erfreulich, aber besser wäre es, wenn die Sportverbände neue Regeln beschließen würden, die bei homophoben und oder rassistischen Ausfällen zum Spielabbruch und Punkteverlust auf Seiten des Agressors führen würden.""..

    Auf so eine einfache Idee kommen die Verantwortlichen nicht..
    Nicht einmal beim DFB..

    Und diese Idee ließe sich dann auch noch prima auf Trans*-feindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Bengalisches Feuer auf den Zuschauerrängen, Flaschenwerfen auf Spieler und Schiedsrichter und ähnlichen Unfug der ULTRAs erweitern..
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