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Coming-out-Helden: Elton John, George Michael, Boy George

Die drei britischen Weltstars haben für ihre Offenheit auch Nachteile in Kauf nehmen müssen.


Elton John (Bild: Ernst Vikne / wikipedia)
  • 9. Oktober 2020, 15:16h, noch kein Kommentar

Das 20. Jahrhundert ist eine revolutionäre Ära für die LGBT-Bewegung. Zahlreiche Länder entkriminalisierten nacheinander die Homosexualität, was der Bewegung neue Freiräume in der Öffentlichkeit verschaffte. Der erste Pride wurde in New York City organisiert, erste homosexuelle Filme und Theaterstücke wurden aufgeführt und wichtige Personen der Öffentlichkeit wagten ihre Coming-outs. Unter ihnen befanden sich drei britische Weltstars, die trotz ihres musikalischen Erfolges privat mit zahlreichen Höhen und Tiefen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu kämpfen hatten.

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Elton John

Elton John ist einer der talentiertesten Musiker der Gegenwart, der, neben Namen wie Madonna und Michael Jackson, zu den kommerziell erfolgreichsten Stars der Welt zählt. Der große Durchbruch gelang ihm 1970 mit dem Album "Elton John" und der daraus entkoppelten Hit "Your Song", der ihm über Nacht den Weltstar-Status verschaffte. Danach folgte eine Karriere, die von zahlreichen Erfolgsmomenten übersät war. Der britische Star verkaufte Millionen von Alben, füllte riesige Konzertsäle und verdiente Rekordsummen durch Auftritte in Las Vegas, unter anderem mit spektakulären Performances im legendären Casino des Hotels Golden Gate. Zu seinen Markenzeichen gehören bis heute extravagante Bühnenoutfits und Brillen, die seinen musikalisch perfekten Darbietungen den letzten Schliff geben.

Elton Johns Erfolg im professionellen Leben wurde in der Vergangenheit jedoch oft von den Höhen und Tiefen seines Privatlebens überschattet. Ein Grund dafür war sein instabiles Liebesleben gekoppelt mit einem langwierigen Comingout-Prozess. 1976 outete sich der "Rocketman" in der Musikzeitschrift Rolling Stone als bisexuell. Dies war ein wichtiger Tabubruch in der Geschichte der Schwulenbewegung. Denn nur wenige Prominente wagten damals den Schritt über ihre sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu sprechen. Trotz der öffentlichen Aussage heiratete Elton John ganz traditionell 1984 die deutsche Tontechnikerin Renate Blauel und ließ sich vier Jahre später von ihr scheiden. Erst dann folgte das klare Bekenntnis zu seiner Homosexualität. 1993 lernte der Star schließlich den kanadischen Filmproduzenten David Furnish auf einer Halloweenparty kennen, was den Startschuss einer langwierigen Beziehung legen sollte. Das Paar perfektionierte sein Liebesglück mit zunehmender Akzeptanz der Homosexualität sowohl in der Öffentlichkeit als auch auf der legalen Ebene. Nach einer Gesetzesänderung in Großbritannien, die homosexuellen Paare das Eingehen einer eingetragene Lebenspartnerschaft erlaubte, verpartnerte sich Elton John mit David Furnish. 2014 heiratete das Paar endlich, nachdem die gleichgeschlechtliche Ehe 2014 in England und Wales legal wurde.

George Michael


(Bild: Chris Cuffaro)

George Michael begann seine Erfolgskarriere 1981 mit der Popgruppe Wham!, die zwischen den Jahren 1982 und 1986 zehn Top-10-Hits in Großbritannien landete und insgesamt über 25 Millionen Tonträger verkaufte. Unmittelbar nach der Trennung produzierte Michael seine erstes Soloalbum "Faith", welches das kommerziell erfolgreichste Werk seiner Karriere wurde. Neben weltweit mehr als 100 Millionen verkauften Tonträgern, gab es zwei Grammy Awards für sein großartiges Album.

Danach folgten Jahre, in denen nicht seine Musik, sondern sein Privatleben das Hauptthema der Medien wurden.

Anfang der 1980er Jahre war sich George Michael im Klaren, dass er zumindest bisexuell sei, doch von einem Coming-out wurde ihm abgeraten. Die Bedenken, dass er mit diesem Schritt seine Karriere ruinieren würde, waren zu groß. Schließlich outete sich der Star nicht selbst. 1998 wurde er einer öffentlichen Toilette in Los Angeles mit einem Mann erwischt. Ab diesem Zeitpunkt sprach er jedoch offen über seine Homosexualität und Partnerschaften. Zudem engagierte er sich für die LGBT-Rechte und organisierte Spendenaktionen für AIDS-Wohltätigkeitsorganisationen. Das Thema HIV lag ihm besonders am Herzen, weil er seinen Lebensgefährten Anselmo Feleppa 1993 an der Krankheit verloren hatte. Der Tod von Feleppa blieb für Michael ein lebensverändertes Ereignis, das der Star bis zu seinem Tod in 2016 mit sich trug.

Boy George

Boy George erntete seinen Welterfolg in der britischen Popgruppe Culture Club, die in den 80ern die Musikszene mit ihren schrillen Auftritten in Aufruhr versetzten. Ausverkaufte Hallen waren garantiert. Ihre Live-Shows gehörten sie zu den provokativsten, aber populärsten Events der damaligen Zeit. Nach der Auflösung der Band führte Boy George seine musikalische Karriere alleine fort. Den Erfolg der 80er Jahre erlangte er nie zurück. Doch sein musikalisches Talent sowie seine provokative Art schenken ihm bis heute einen unerschütterlichen Starstatus. Er ist und bleibt der bekannteste Pop-Idol der New Romantic.

Anders als Elton John und George Micheal machte der Weltstar Boy George nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität. Viel mehr war seine sexuelle Orientierung ein wichtiger Teil seiner öffentlichen Identität und avancierte ihm zu einer wichtigen Ikone in der Schwulenszene der 80er. Seine Beziehung zum Schlagzeuger Jon Moss war zu der Zeit ein offenes Geheimnis, das niemals dementiert wurde. Heute ist der Star eine Inspiration für die LGBT-Bewegung, der Stigmatisation klar ablehnt und die Vielfältigkeit der Sexualität unterstreicht.

Elton John, George Michael und Boy George sind drei wichtige Ikonen der Popkultur, die unterschiedliche Wege in ihrem Comingout-Prozess eingeschlagen haben. Während Elton John den ersten Schritt durch eine öffentliche Aussage wagte, entschied sich George Micheal für die Geheimhaltung, bis er 1998 von den Medien ertappt wurde. Für Boy George dagegen war seine sexuelle Orientierung nicht nur ein natürlicher Teil seiner Persönlichkeit, sondern auch ein wichtiges Element seines öffentlichen Images, was ihn zu einem Idol der Schwulenbewegung der 80er machte. Heute gelten die drei britischen Stars als bedeutende Persönlichkeiten, die durch ihre Comingouts einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanz der LGBT-Bewegung geleistet haben. (ak)