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"Raus aus Grauzone"

Gleichgeschlechtliche Paare fordern kirchlichen Segen

Im Gegensatz zur evangelischen Kirche sind Segnungen homosexueller Paare bei den Katholiken verboten – zumindest offiziell. Wie kompliziert die Lage immer noch ist, erfuhr zuletzt auch Schlagerstar Patrick Lindner.


Katholische Pfarrer dürfen Tiere, Autos und Skilifte segnen, aber keine gleichgeschlechtlichen Paare (Bild: Buecherwurm_65 / pixabay)

  • Von Britta Schultejans, dpa
    16. Oktober 2020, 09:49h, 19 Kommentare

Auf dem Papier ist es ganz einfach: Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind in der katholischen Kirche nichts für den Traualtar. Selbst Segnungen schwuler und lesbischer Paare sind verboten. Doch diese absolute Haltung lässt sich immer schwerer durchhalten – selbst für die katholische Kirche.

Gläubige Homosexuelle fordern schon lange den kirchlichen Segen für ihre Partnerschaften und damit die offizielle Anerkennung dessen, was es im Verborgenen längst gibt. "Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass es solche Feiern eigentlich schon lange Zeit und im Grunde überall gibt", sagt Thomas Pöschl, Vorstandsmitglied der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) in Nürnberg, der Deutschen Presse-Agentur.

Er selbst und sein Partner seien schon vor 17 Jahren in einem katholischen Gottesdienst gesegnet worden. Wie viele dieser heimlichen Segnungen es pro Jahr in etwa gibt, ist naturgemäß nicht erfasst. Noch in diesem Monat soll aber ein Buch auf den Markt kommen, das eine gewisse Bestandsaufnahme bieten will. "Paare.Riten.Kirche" heißt es. Der Untertitel: "Wenn eine katholische Trauung nicht möglich ist: liturgische Beispiele gesammelt und kommentiert".

"Die Menschen brauchen jetzt eine Lösung"


Das Buch soll am 29. Oktober erscheinen (Bild: Bonifatius Verlag)

Dass sich alles im Verborgenen abspielen müsse, sei weder wünschenswert noch zeitgemäß. "Die Menschen, die es sich wünschen und zur katholischen Kirche kommen, brauchen jetzt eine Lösung", betont Pöschl. "Die Kirche kann denen nicht sagen: Kommt in 70 Jahren wieder."

Wie kompliziert die Sache derzeit immer noch ist, musste unlängst Schlagerstar Patrick Lindner feststellen, der sich in der vergangenen Woche den Unmut konservativer Katholiken zuzog. Ihnen missfiel, dass Lindner und sein langjähriger Lebensgefährte ihre Eheringe nach ihrer standesamtlichen Trauung von dem liberalen Priester Rainer Maria Schießler in einem katholischen Gottesdienst im Münchner Glockenbachviertel segnen ließen (queer.de berichtete).

"Man hat nichts gemacht, was nicht erlaubt ist. Ich würde nie eine rote Linie überschreiten", sagt Schießler. Er habe die Ringe gesegnet und auch "ein Segensgebet über die ganze Gemeinde gesprochen. Das kriegen sie bei mir und das kriegen sie auch beim Papst, der gesagt hat: Jeder, der zu mir kommt, wird gesegnet".

Es erfülle ihn nach wie vor mit "Erschrecken, mit welch' einer Härte manche Leute urteilen". Schwule und lesbische Katholiken hätten es nicht leicht. "Was das für ein schwieriger Weg ist, den diese Menschen gehen", sagt Schießler. "Die wollen nur ein gutes Wort." Und es sei die Aufgabe der Kirche, diesem Wunsch nachzukommen: "Wir haben einen Auftrag. Und das ist, Menschen zu begleiten und nicht, über sie zu richten."

Dorothea Schmidt von der konservativen Bewegung "Maria 1.0" sieht die Segnung der Ringe anders: "Wenn ein Pfarrer den Ring zwischen zwei Männern segnet, dann begibt er sich auf die Symbolebene: Er benutzt das Ehe-Symbol für eine Nicht-Ehe und erweckt damit den Anschein: Aha, der Pfarrer hat die "Ehe" der beiden besiegelt. Das sollte er nicht tun", sagt sie. "Auch ein Pfarrer darf sich nicht über die Vorgaben den Alten Testamentes und der Lehre der Kirche insgesamt hinwegsetzen."

"Sogar Skilifte können gesegnet werden"

Das Erzbistum München und Freising gab nach Medienberichten über den Gottesdienst an zu prüfen, in welcher Form genau diese Segnung abgelaufen sei. Denn das Wie ist durchaus entscheidend: Die Segnung homosexueller Partnerschaften ist bei den Katholiken – im Gegensatz zu den meisten evangelischen Landeskirchen in Deutschland – untersagt. Gegenstände können aber durchaus gesegnet werden. Das Benediktionale, ein liturgisches Buch, das sich mit Segnungen befasst, listet verschiedene auf. "Sogar Skilifte können gesegnet werden, habe ich gelesen", sagt Pöschl.

Seine Arbeitsgruppe hofft nun auf den Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg. Dort befasst sich eine "Synodalforum" genannte Arbeitsgruppe mit dem Titel "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" mit dem Thema. "Es gilt, jede einzelne Lebenssituation zu begleiten, gut zu unterscheiden und in die Gemeinschaft der Kirche zu integrieren", teilt die Deutsche Bischofskonferenz dazu mit. "Ob dies auch eine Segnung von Partnerschaften bedeuten kann, die bisher nicht vorgesehen ist, ist Bestandteil der Beratungen."

Der Segen sei "das, was wir wollen und was jetzt auch dringend ist. Aber ob das gelingt, steht natürlich in den Sternen", sagt Pöschl. Die Dringlichkeit sieht auch Schießler: "Wir müssen raus aus der Grauzone. Wir brauchen etwas Verbindliches."

Hoffnung machen Pöschl aber jüngere Aussagen deutscher Bischöfe wie des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode, der in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" Anfang 2018 sagte: "Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken – die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung." Die Kirche müsse gleichgeschlechtliche Paare differenzierter bewerten. "Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?"



#1 Ralph
  • 16.10.2020, 10:03h
  • Ein Pfarrer darf sich nicht über das Alte Testament hinwegsetzen, aha. Pfarrer tun das ständig, denn sie verzichten in der Regel darauf, die im Alten Testament enthaltenen Mordaufrufe von der Kanzel zu schreien.

    Aber zur Sache: Die Verweigerung der kirchlichen Trauung oder auch nur einer Segnung ist wohl sichtbarster Ausdruck des Unwerturteils, das die kath. Kirche über Schwule und Lesben fällt, auch über solche, die gar keine kirchliche Trauung oder Segnung wollen. Dass dies trotzdem nicht mit dem Kirchenaustritt beantwortet wird und statt dessen weiter jede Beleidung hingenommen und weiter Kirchensteuer gezahlt wird (denn nur die Menschen sind den Pfaffen zu schmutzig, nicht ihr Geld), bleibt ein ewiges Rätsel.
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#2 tchantchesProfil
  • 16.10.2020, 11:11hSonstwo
  • Haben wir wirklich nichts besseres zu tun, als bei den Pfaffen um irgendwelchen Hokuspokus zu betteln?
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#3 DamienAnonym
  • 16.10.2020, 11:29h
  • "Dorothea Schmidt von der konservativen Bewegung "Maria 1.0": ... Vorgaben des Alten Testamentes ..."

    nach den vorgaben des alten testatemts haben frauen zu schweigen. möge dorothea also ihren schnabel halten und ihren hass runterschlucken.

    "der sich in der vergangenen Woche den Unmut konservativer Katholiken zuzog. Ihnen missfiel,..."

    nicht nur konservative katholiken, auch klar denkende glaubensfreie menschen können nur mit dem kopf schütteln darüber, wie magisches denken manche menschen veranlasst, sich öffentlich degradieren zu lassen.
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#4 Prima4Anonym
  • 16.10.2020, 11:45h
  • Antwort auf #2 von tchantches
  • Also, "ihr" braucht wirklich nicht nach irgendetwas "betteln" das "Ihr" nicht wollt, alle anderen lassen "sie" einfach machen denn.... ist nicht "unsere" Entscheidung !

    Ein "Wir" gibt es hier nicht!
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#5 Religioten-WatchAnonym
  • 16.10.2020, 19:20h
  • Antwort auf #4 von Prima4
  • Sehr richtig, Primat4, ein Wir mit "Gläubigen" gibt es für mich und viele, viele andere Denkende nicht.

    Es gibt auch kein Mitleid von mir, wenn diese Religiösen von ihren Unterdrücker*innen nicht das kriegen, was sie gerne hätten, denn kein Erwachsener muss Mitglied in diesen Klubs sein und auch noch seine eigene Diskriminierung mit Mitgliedsbeiträgen finanzieren.

    Daher:
    www.kirchenaustritt.de
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#6 ZumschießenAnonym
  • 16.10.2020, 19:35h
  • "Was das für ein schwieriger Weg ist, den diese Menschen gehen", sagt Schießler
    und legte ihnen noch ein paar weitere Steine in den Weg.
    "Die wollen nur ein gutes Wort."
    Ein gutes Wort? Vor oder nach dem Kreidefressen?
    "Wir haben einen Auftrag. Und das ist, Menschen zu begleiten und nicht, über sie zu richten."
    sagte er, während er über sie richtete.
    Gibt es gegen Katholizismus eigentlich irgendwas aus der Apotheke?
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#7 DystopiefanAnonym
  • 16.10.2020, 19:35h
  • Ein Traum. Der Segen von einem zölibatären Zauberer, und vorher, währenddessen und danach betont er, wie enorm wichtig es ist, dass das aber jetzt auf gar keinen Fall eine richtige Ehe ist, weil die halt nur vollwertigen Menschen zusteht. Ich freue mich jetzt schon auf das 24. Jahrhundert, in dem die Katholische Kirche diesen unfassbar mutigen und kontroversen Schritt vielleicht ja wirklich mal ERNSTHAFT zu diskutieren anfängt. Vielleicht.
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#8 kuesschen11Profil
  • 16.10.2020, 19:54hFrankfurt
  • Die Segnung von "Eheringen" sehr ich als eine Beleidigung gegenüber eines gleichgeschlechtlichen Ehepaares.

    Der Anteil am Glück des Paares wird außer Acht gelassen, da nur ein Gegenstand "gesegnet" wird.

    Warum sich Paare diese Demütigung von der katholischen Kirche überhaupt antun, ist mir unbegreiflich.
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#9 SchonAnonym
  • 16.10.2020, 20:18h
  • Sorry, aber ihr Gläubigen, lest doch bitte die Paulus Briefe im Neuen Testament.
    Dann überlegt noch einmal ob ausgerechnet dieser Gott der richtige für Euch ist.
    Es gibt eine Menge Religionen auf dieser unserer Welt, und die Wahrscheinlichkeit, dass ihr ausgerechet die erwischt, die zu einem Leben nach dem Tod führt ist gering. Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Ihr habt garantiert und bedingungslos ein Leben vor dem Tod - nutzt es und lebt es!
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#10 YannickAnonym
  • 16.10.2020, 20:53h
  • Ich werde niemals verstehen, wieso manche Leute meinen, das OK anderer Menschen für ihre eigenen Gefühle und ihre Beziehung zu benötigen.

    Erst recht nicht, wenn es sich bei diesen anderen Menschen um solche handelt, die einen verachten und ablehnen.

    Da sieht man wieder mal, wie Religion die Sinne vernebelt.
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