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Staatshomophobie

Algerien verurteilt 44 Menschen wegen Homosexualität

Im nordafrikanische Land, dem die Große Koalition gern das Prädikat "sicheres Herkunftsland" verleihen würde, kam es zu einer offensichtlich homophob motivierten Massenverurteilung.


Die Staatsmacht in Algerien macht Jagd auf Homosexuelle (Bild: Matwor29 / pixabay)

In Algerien sind laut der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zwei Männer wegen Homosexualität zu Gefängnisstrafen und 42 weitere Personen zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Urteil ist bereits am 3. September gefällt worden.

Die Hauptverurteilten erhielten demnach eine Freiheitsstrafe von drei Jahren – und damit die Höchststrafe für Homosexualität. Außerdem wurden sie zu einer Geldstrafe verurteilt. Die anderen Beteiligten erhielten eine einjährige Gefängnisstrafe auf Bewährung. Die meisten der Verurteilten sollen Studierende sein.

Den Verurteilten wird vorgeworfen, im Juli in einem Privathaus eine "schwule Hochzeit" gefeiert zu haben. Damals nahm die Polizei die 44 Personen – neun Frauen und 35 Männer – im Nordosten des Landes fest. Im Polizeibericht seien als Beweise für die gleichgeschlechtliche Hochzeit Dekorationen, Blumen sowie das angeblich schwule Aussehen der Männer aufgeführt worden. Die Verurteilungen erfolgten wegen "gleichgeschlechtlichen Beziehungen", "öffentlicher Unzüchtigkeit" und eines angeblichen Bruchs der Covid-19-Quarantäneregelungen.

"Eine ungeheuerliche Verletzung der Grundrechte"

HRC-Forscherin Rasha Younes sieht in der Massenverurteilung eine neue Qualität der Verfolgung: "Die Angriffe der algerischen Behörden auf persönliche Freiheiten ist nichts Neues, aber dutzende Studierende wegen ihrer vermuteten sexuellen Orientierung festzunehmen, ist eine ungeheuerliche Verletzung ihrer Grundrechte." Sie rief die Behörden auf, die beiden zu Haftstrafen verurteilten Männer sofort freizulassen.

Menschenrechtsorganisationen haben in der Vergangenheit immer wieder von Verfolgung oder sogar von Folter homosexueller Personen berichtet. Trotz dieser prekären Situation für Homosexuelle wollten Union, SPD, AfD und FDP Algerien – wie auch den benachbarten Verfolgerländern Marokko und Tunesien – das Prädikat "sicheres Herkunftsland" verleihen (queer.de berichtete). Damit könnten – auch queere – Flüchtlinge unbürokratisch und laut Bürgerrechtler*innen ohne ausreichende Prüfung aus Deutschland in diese Länder abgeschoben werden. Bislang scheiterte das Vorhaben am Widerstand von Grünen und Linken im Bundesrat (queer.de berichtete). (dk)



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#1 UnfassbarAnonym
#2 Hailaender
  • 19.10.2020, 17:17h
  • Die ehemals grünen Grünen sind wenigstens dafür noch gut... Hoffentlich geben sie nicht auch noch diese Linie auf.
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#3 gayflecktarnhoseProfil
#4 YannickAnonym
  • 19.10.2020, 17:40h
  • "Bislang scheiterte das Vorhaben am Widerstand von Grünen und Linken im Bundesrat"

    Im Namen derjenigen, die keine Stimme und keine Lobby haben, danke ich Grünen und Linkspartei ausdrücklich dafür, dass sie Union und SPD diesen menschenverachtenden Wahnsinn nicht durchgehen lassen.

    Um ihre Flüchtlingsbilanz aufzubessern, gehen Union und SPD offenbar über Leichen - und das ist wörtlich gemeint.
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#5 BarbarenAnonym
  • 19.10.2020, 17:55h
  • Was für ein Barbarenstaat...

    Menschen dorthin abzuschieben, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und damit machen sich Union und SPD zu den willigen Helfern solcher Leute.
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#6 hugoAnonym
  • 20.10.2020, 12:25h
  • Es ist an der Zeit, dass das Auswärtige Amt Reisewarnungen für alls Staaten, die sexuelle Orientierung diskriminieren, ausspricht.
    Diskriminierung miss finaziell weh tun!
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#7 Ralph
  • 20.10.2020, 15:10h
  • Antwort auf #6 von hugo
  • Was mich noch viel mehr ärgert, ist, dass die deutsche Tourismusindustrie solche Länder nach wie vor fleißig bewirbt. Reiseberichte in Zeitungen und Zeitschriften tun es auch. In meiner Sonntagszeitung war mal ein Bericht über Sansibar, der die Schönheiten der Kultur und Natur feierte. Daraufhin schrieb ich einen Leserbrief, in dem ich klarstellte, dass es zu den Pflichten der Presse gehört, auch über die Menschenrechtslage zu berichten, z.B. darüber, dass für ein schwules Touristenpaar in Sansibar aus einem zweiwöchigen Urlaub schnell ein zwanzigjähriger Gefängnisaufenthalt werden kann. Der Brief wurde sogar ungekürzt abgedruckt. Dafür brachte man kurz später einen enthusiastischen Artikel über die Malediven. Das nennt man Beratungsresistenz.
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