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Welturaufführung

Dragqueen-Krieg im Saarland

Bei den Hofer Filmtagen stellt Tor Iben am Mittwoch seinen neuen Film "Zeit der Monster" vor – eine trashige Revue mit Wolfgang Reeb und Nina Queer in den Hauptrollen sowie eine glitzernde Hommage an die gute, alte Zeit mit aktuellen Botschaften.


Die alteingesessene Dragqueen Amanda von Hohenstüt (Wolfgang Reeb, re.) bekommt plötzlich Konkurrenz: Justine de Brest (Nina Queer) übernimmt eine Bar in der Nähe. Es beginnt ein intriganter Kleinkrieg, der sich schnell radikalisiert (Bild: Tor Iben)

"Gerammelte voll wars", antwortet die Dragqueen Amanda von Hohenstüt (Wolfgang Reeb) in weichstem Saarländisch auf die Frage, wie viel in ihrer Kultbar "Why not?" am letzten Abend los war. Das "Why not?" ist der Inbegriff der kleinen, engen, (nicht mehr) verrauchten, glitzernden Szenebar, in der Klassengrenzen mehr oder weniger und moralische Fragen umso mehr aufgehoben sind. Eine Reminiszenz an die Kaschemme.

Doch das wird sich bald ändern, als die als bösartig beschriebene Justine de Brest (Nina Queer) aus Berlin in die Provinz kommt und das "Tropical" erbt. Justine de Brest ist Teil der jüngeren Generation der Dragqueens: Statt auf Schlager setzt sie auf ihre eigenen Songs. Es beginnt ein Kleinkrieg der zwei Barbetreiberinnen, der mit harmlosen Intrigen beginnt und schnell zu handfesten Verleumdungen eskaliert.

Kennenlernen, Hochzeit und Beerdigung in 25 Minuten

"Zeit der Monster", der neue Film von Tor Iben, ist eine wahre Hommage an den Revuefilm, der noch dazu vor Trash strotzt und sich an die Ästhetik der Siebziger bis Neunziger anlehnt. Die einzelnen Gesangsnummern geben den Takt vor, sind liebevoll-abwechslungsreich und machen großen Spaß: Von der Bauchtanznummer "Salam aleikum, du bist so schön" bis zum traurigen "Schön ist die Jugendzeit" – auch wenn dabei die eigentliche, herrlich übertriebene Handlung manchmal etwas in den Hintergrund rückt.


Polizeieinsatz in der Homobar

Dabei hat die Revue keine Zeit zu verlieren – selten hat man ein Kennenlernen, die zugehörige Hochzeit von Amanda und Fu Ciang (Fu Ciang Yang) und die Beerdigung des Vaters der Gegenspielerin in knapp 25 Minuten gesehen. Das hohe Tempo tut dem Film gut, und er versteht es vor allem später auch, eine gewisse Spannung aufzubauen.

Das Musical glitzert in fast jeder Szene

Bei all dem Glitzer und Trash verbergen sich doch so manche Botschaften: Es geht um den Kampf einer alten gegen die neue Generation, um Verteilungskämpfe innerhalb der Community, um das Gegen- statt Miteinander. Dass irgendwann (Doch nur lancierte? Man weiß es nicht) Rassismus- und Alter-weißer-Mann-Vorwürfe gegen Amanda laut werden, spiegelt eine gewisse Insensibilität bis zur Radikalisierung auf der einen, aber auch einen unnachgiebigen Hang zum Boykott (das Unwort "Cancel Culture" soll gar nicht bemüht werden) auf der anderen Seite.

Man merkt dem Musical sein geringes Budget vielleicht hier und da an, aber an den falschen Enden wurde nicht gespart: "Zeit der Monster" glitzert, funkelt und strahlt in fast jeder Szene, die Kostüme – von ABBA-Agneta bis Oktoberfest-Lederhose – machen einiges her, die Musik passt an jeder Stelle, und die Dialoge sind mal messerscharf, mal wirklich komisch. Ein absurdes, trashiges Musical, wie es sein muss.

Direktlink | Offizieller Trailer zum FIlm

Infos zum Film

Zeit der Monster. Musical. Deutschland 2020. Regie: Tor Iben. Darsteller*innen: Wolfgang Reeb, Nina Queer, Fu Ciang Yang, Rummelsnuff, Edda Petry, Susan Ebrahami. Laufzeit: 83 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Filmpremiere am 21. Oktober bei den Hofer Filmtagen (auch als Stream). Weitere Aufführungen am 30. Oktober und 1. November beim Queer Filmfest Weiterstadt.