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Skandalurteil
Bisexueller Spanier muss Ex-Frau 3.000 Euro Entschädigung zahlen
Empörung über ein Gerichturteil in Spanien: Weil er seiner früheren Ehefrau verschwiegen haben soll, dass er auch auf Männer steht, wurde Javier Vilalta nach einem Paragrafen aus dem Jahr 1889 verurteilt.

Der verurteilte Ex-Ehemann Javier Vilalta will gegen das Urteil Berufung einlegen (Bild: Hermann / pixabay)
- 21. Oktober 2020, 03:14h 2 Min.
Ein Gerichtsurteil löst in Spanien große Empörung aus: Ein Mann wurde in Valencia zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 3.000 Euro an seine frühere Ehefrau verurteilt, weil er ihr seine angebliche Homosexualität verschwiegen haben soll. Die zuständige Richterin habe aus diesem Grund auch die bereits im Jahr 2011 geschiedene Ehe für nichtig erklärt, berichteten Medien am Dienstagabend unter Berufung auf Justizkreise.
Der verurteilte Anwalt Javier Vilalta, der sich während des Verfahrens als bisexuell bezeichnet und eingeräumt hatte, er habe vor der Ehe "gleichgeschlechtliche Affären" gehabt, bezeichnete das Urteil laut der Zeitung "El Mundo" als "schrecklich". Seine Anwälte kündigten Berufung an.
Queer-Verband kritisiert "moralischen Prozess"
Der spanische Queer-Verband FELGTB kritisierte das Urteil als reaktionär. In einem "moralischen Prozess" sei ein "besorgniserregender und gefährlicher Präzedenzfall geschaffen" worden. FELGTB-Präsidentin Uge Sangil erklärte in einer Pressemitteilung: "Die sexuelle Orientierung einer Person wurde öffentlich auf die Anklagebank gesetzt." Das sei verfassungswidrig.
/ bicombat | Unterstützung für Javier Vilalta aus der Bi-CommunityNo tenemos palabras para esta sentencia causada en gran parte por el borrado bisexual. Este es Javier Vilalta, declarado bisexual. Qué casualidad que justo esas palabras no aparezcan en la demanda… #NoSomosIndefiniciónhttps://t.co/UtXut5USTO pic.twitter.com/YV6CJYIM8M
Bisexuales y Combativas (@bicombat) October 20, 2020
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Auch die stellvertretende Ministerpräsidentin der Region Valencia, Mónica Oltra, kritisierte das Verfahren scharf: Es sei an der Zeit, dass "längst überholte gesetzliche Regeln, die gegen die von der Verfassung garantierten Grundrechte verstoßen, abgeschafft werden".
Sogar der Staatsanwalt hatte sich für die Verwerfung der Anklage ausgesprochen. Die Richterin berief sich bei ihrem Urteil aber auf das Zivilgesetzbuch von 1889. Das sieht die Annullierung einer Ehe vor, wenn diese durch "Betrug" zustande kommt. Vilalta habe seine sexuelle Orientierung vorsätzlich verschwiegen, so die Richterin.
Vilalta: "Ich habe meine Frau nie betrogen"
"Ich habe meine Frau nie betrogen. Ich war verliebt, als ich sie geheiratet habe", sagte der Verurteilte zu "El Mundo". "Meine Frau weiß, dass ich während der Ehe total heterosexuell war." Die Trennung war 2011 im gemeinsamen Einvernehmen erfolgt, die sexuelle Orientierung des Mannes spielte dabei keine Rolle. Nach der Scheidung seien er und seine Frau gute Freunde geblieben, erklärte Vilalta – auch nachdem er ihr 2016 einen männlichen Partner vorgestellt habe, den sie "sehr nett gefunden" habe. (cw/dpa)















