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Filmfestival

Das sind die queeren Highlights der Viennale

Corona und Risikogebiet zum Trotz startet das größte Filmfestival Österreichs – unter erschwerten Bedingungen, aber mit so vielen Vorführungen wie nie. Mit dabei sind auch einige echte queere Perlen.


Eine junge schwule Liebe in den Achtzigern: Filmstill aus "Été 85" von François Ozon (Bild: Viennale)
  • Von Fabian Schäfer
    21. Oktober 2020, 06:27h, noch kein Kommentar

Es ist wahrlich keine einfache Zeit, um ein Großereignis zu organisieren. Fast wöchentlich ändern sich auch in Österreich Corona-Regeln. Doch die Viennale, Österreichs größtes Filmfestival, findet vom 22. Oktober bis 1. November 2020 statt. Dabei setzt das Festival auf "das Erlebnis des gemeinsamen Filme-Sehens im Kino". Man möchte trotz technischen Alternativen wie Streams – wie es einige andere Veranstaltungen erfolgreich praktizieren – "den sozialen und politischen Wert des Kinos als kulturelle Praxis" betonen.

Das begründet die Festivalleitung mit dem "Respekt vor der Kunstform, ihren Produktionsweisen und ihren Wiedergabetechniken". Das sind allemal noble Absichten, doch wäre angesichts der hohen Infektionszahlen in Wien und der Tatsache, dass die Nachbarländer Deutschland und die Schweiz die österreichische Hauptstadt als Risikogebiet einstufen, ein Programm vor Ort sowie parallel via Stream vielleicht eine gute Lösung gewesen. Gleichzeitig muss man bedenken, dass ein großer Teil der Planungen im Sommer stattfand, als die Lage eine ganz andere war.

Wie dem auch sei: Die Viennale hat ab Donnerstag einige queere Highlights zu bieten – entweder, um sie vor Ort zu sehen, oder sie im Hinterkopf zu behalten und auf einen baldigen Kinostart zu warten.

Été 85


(Bild: Viennale)

Vielleicht das queere Highlight in diesem Jahr ist der neue Film von François Ozon "Été 85". Im Jahr 1985 verbringt Alexis, 16, den Sommer in einem kleinen Badeort an der Küste der Normandie. Als der zwei Jahre ältere David ihn vorm Ertrinken rettet, verlieben sie sich ineinander. Ein schwuler Sommerferien-Liebesfilm, der bislang gemischte Kritiken bekam. Die Adaption des Romans "Tanz auf meinem Grab" von Aidan Chambers soll im Mai 2021 in die deutschen Kinos kommen.

Orphea


(Bild: Viennale)

Alexander Kluge – ein Name, der einschlägt. Ja, Alexander Kluge, 88 Jahre alt, hat sich mit Khavn, einem der bedeutendsten philippinischen Künstler der Gegenwart, zusammengetan und den Film "Orphea" gedreht, der auf der Berlinale (etwas versteckt in der Encounters-Sektion und erstaunlich wenig rezipiert) seine Premiere feierte. Der Orpheus-Mythos ist alt und oft erzählt, doch das Duo dreht die Geschichte auf den Kopf: Im trans Underground von Manila verfolgt Orphea ihre Utopie, nicht nur ihren Eurydiko, sondern alle Toten aus dem Hades zu befreien. "Orphea" soll im Februar in den deutschen Kinos starten.

Rizi


(Bild: Viennale)

"Rizi" beeindruckte die queer.de-Teddy-Leser*innenjury schon auf der diesjährigen Berlinale. Der Film des taiwanesischen Filmemachers Tsai Ming-liang schildert die Begegnung, die Liebe zweier einsamer Männer – und kommt dabei völlig ohne Dialog aus. Ein beeindruckender, zärtlicher, intensiver Film, der zurecht mit dem Jury-Teddy ausgezeichnet wurde.

The Human Voice


(Bild: Viennale)

Eine Neuheit für Pedro Almodóvar: Zum ersten Mal hat der Oscarpreisträger auf Englisch gedreht. "The Human Voice" ist ein Kurzspielfilm, nur eine halbe Stunde lang, und eine Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Jean Cocteau aus dem Jahr 1930. Die titelgebende Stimme ist die von Tilda Swinton, die auf ihren Ex-Liebhabers wartet, der sie abholen soll, aber nie ankommt. Die bisherigen Kritiken sind begeistert.

The World To Come


(Bild: Viennale)

Das Drama der norwegischen Regisseurin Mona Fastvold hat in diesem Jahr den Queer Lion der Filmfestspiele von Venedig gewonnen (queer.de berichtete). In "The World To Come" blickt sie mit weiblichem Blick auf die Gründerzeit der Vereinigten Staaten. Es geht es um Abigail, deren Tochter Nellie an Diphterie gestorben ist und in deren Ehe sich eine erstickende Routine eingelebt hat. Das ändert sich, als sie Tallie trifft – es beginnt eine intensive Liebesgeschichte zwischen zwei Farmersfrauen im Amerika der 1850er-Jahre.

Hochwald


(Bild: Viennale)

"Hochwald" könnte der queere Geheimtipp der Viennale sein: Das Drama der österreichischen Regisseurin Evi Romen hat immerhin schon ein Goldenes Auge beim Zurich Film Festival als bester Film der Sektion Fokus gewonnen (queer.de berichtete). "Hochwald" spielt in Südtirol, wo Mario sich die Karriere eines Tänzers ausmalt, im Dorf jedoch eher kritisch beäugt wird. Als er seinen Jugendfreund Lenz trifft, in den er heimlich verliebt ist, reist er ihm nach Rom nach. Der Film startet Anfang 2021 in den österreichischen Kinos.

Wohnhaft Erdgeschoss


(Bild: Viennale)

Seit Jahren loten die Dokumentarfilme des deutschen Filmemachers Jan Soldat die Grenzen von Sexualität aus. In "Wohnhaft Erdgeschoss" porträtiert er Heiko, 51. Der erzählt über den verhassten Vater, die verbitterte Mutter, die geliebten, verstorbenen Großeltern, die schwulen Pornos, die er schaut. Zu Hause kann er machen, was er will. Zum Beispiel pissen. Auf den Boden, ins Bett, auf sich selbst – ganz wie es ihm (und nicht nur ihm) gefällt.

Si c'était de l'amour


(Bild: Viennale)

Mit dem Dokumentarfilm "Wenn es Liebe wäre" läuft ein weiterer queerer Film auf der Viennale, der dieses Jahr bereits einen Teddy gewonnen hat. Filmemacher Patric Chiha porträtiert Making-of-artig Proben und Ausschnitte von Gisèle Viennes Tanzstück "Crowd" über die Raves der Neunzigerjahre, in dem Geschlechtergrenzen völlig verwischen, und lässt einige der Darsteller*innen zu Wort kommen.