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Franziskus für Anerkennung von Homo-Paaren

Vorsichtiger Optimismus nach Papst-Äußerung

Dass der Papst plötzlich Lebenspartnerschaften unterstützt, hat viele überrascht. LGBTI-Aktivist*innen fordern nun reale Schritte statt Rhetorik. Die homofeindliche AfD hält einen Pontifex, der Homosexuelle nicht verdammt, dagegen für eine Clown.


Papst Franziskus sorgt mit seiner neuen Aussage für weltweite Aufregung (Bild: Republic of Korea / flickr)

Befürworter*innen von LGBTI-Rechten zeigen sich nach den überraschenden Papst-Aussagen zur Anerkennung homosexueller Beziehungen zurückhaltend. In sozialen Netzwerken sieht man Einträge wie "Könnte ein Anfang sein" oder "Das aus seinem Munde ist wirklich erstaunlich." Andererseits heißt es: "Nach Worten sollten Taten folgen", was oft angezweifelt wird. Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es entsetzte Ablehnung oder die Befürchtung, dass konservative Christinnen und Christen sich vom Papst nicht mehr repräsentiert fühlen könnten.


Einige Tageszeitungen sind mit ihren Überschriften wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen...

Hintergrund der Aufregung: Der 83-jährige Pontifex hatte sich in der am Mittwoch in Rom uraufgeführten Dokumentation "Francesco" für eingetragene Lebenspartnerschaften ausgesprochen, um gleichgeschlechtliche Beziehungen rechtlich abzusichern (queer.de berichtete). Die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im staatlichen Ehe-Recht lehnt er aber weiterhin ab.

Auf die Äußerung haben bereits die LGBTI-Sprecher*innen der deutschen Oppositionsparteien reagiert. "Bemerkenswert, #Papst stellt sich hinter queere Paare und Regenbogenfamilien, hat es noch nicht gegeben, war nicht unbedingt zu erwarten. Hoffentlich bringt das ein paar Steine ins Rollen", schreibt etwa Doris Achelwilm von der Linksfraktion bei Twiter.

Twitter / DorisAchelwilm

Etwas vorsichtiger äußert sich Sven Lehmann von den Grünen: "Gut, dass der #Papst jetzt homosexuelle Paare etwas weniger diskriminieren will", so der 40-Jährige aus der katholischen Hochburg Köln. "Wenn er jetzt noch öffentlich verurteilt, dass – wie etwa in Polen – seine katholische Kirche zur Hetzjagd gegen Homosexuelle aufruft, dann glaube ich ihm das sogar."

Twitter / svenlehmann

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) erinnert daran, wie schlecht derzeit homosexuelle Gläubige behandelt werden: "Dann wird er ja wohl auch nichts gegen einen Segen haben...", heißt es in einem Facebook-Eintrag. Der Hintergrund ist, dass die Priester zwar wahllos Tiere und sogar Autos segnen, gleichgeschlechtlichen Paaren diesen Segen aber auf Anweisung aus Rom mit Verweis auf den angeblich sündigen Lebenswandel verweigern.

Dann wird er ja wohl auch nichts gegen einen Segen haben… https://www.katholisch.de/artikel/27298-papst-franziskus-befuerwortet-lebenspartnerschaften-homosexueller

Posted by Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V. on Wednesday, October 21, 2020
Facebook / Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V.

Das Regenbogenforum, ein Dachverband christlicher LGBTI-Gruppen in Deutschland, begrüßt die neuen Töne aus dem Vatikan vorsichtig: "Das ist ein guter Schritt nach vorne", so Vorstandsmitglied Claudia Brand in einer Pressemitteilung. "Wir hoffen sehr, dass bald weitere Schritte folgen. Und irgendwann wird vielleicht eine kirchliche Eheschließung von zwei Frauen oder zwei Männern Alltag sein."

Hat Papst-Äußerung Einfluss auf katholische Eiferer?

Auch international ist die Papst-Äußerung ein viel diskutiertes Thema. So bringt Innenarchitekt Bobby Berk, einer der Fab Five der Realityshow "Queer Eye", die Ansage aus Rom mit der Debatte um die konservative Katholikin und LGBTI-Gegnerin Amy Coney Barrett in Verbindung, die nach dem Willen der Republikaner auf Lebenszeit in den neunköpfigen Supreme Court, das höchste Gericht des Landes, berufen werden soll (queer.de berichtete). "Amy, dein Hass hat keinen Platz im Staat – jetzt kannst du dich nicht mal mehr hinter der Religion verstecken."

Twitter / bobbyberk

Der prominente US-Jesuitenpfarrer James Martin, der sich seit Jahren für die Anerkennung Homosexueller ins Zeug wirft, glaubt an eine echte Veränderung seiner Kirche: "Er schafft einen neuen Ort für LGBT", meinte Martin in der am Mittwochabend ausgestrahlten CNN-Talkshow von Christiane Amanpour. "Er sagt das offiziell und sehr deutlich. Es ist nicht so, dass er das nur toleriert – er unterstützt es."

Twitter / camanpour

Kardinal: Alle Homosexuellen sündigen

Konservative erklärten allerdings bereits ihren Widerstand gegen die Anerkennung Homosexueller. An vorderster Front ist etwa der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller: "Die vorliegende Äußerung ist eine rein private Meinungsäußerung, der jeder Katholik freimütig widersprechen kann und soll", so der 72-jährige Hardliner am Donnerstagvormittag auf kath.net. Der ehemalige Chef der mächtigen vatikanischen Glaubenskongregation stellte klar, dass Schwule und Lesben grundsätzlich sündhaft seien, sofern sie nicht gänzlich auf Sex und Liebe verzichten: "Außerhalb der legitimen Ehe ist nach Gottes Willen jeder sexueller Vereinigung objektiv eine schwere Sünde", argumentierte Müller.

Thomas Tobin, ein homophober US-Bischof von der Ostküste, erklärte in einer Pressemitteilung: "Die Kirche kann nicht die Akzeptanz objektiv unmoralischer Beziehungen unterstützen." Tobin hatte vor ein paar Jahren bereits ein Gesetz zur rechtlichen Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht als "unmoralisch und unnötig" diffamiert (queer.de berichtete).


"Konservative fühlen sich von diesem Papst nicht mehr repräsentiert", so kommentierte die konservative Hamburger Tageszeitung "Welt" die Entwicklungen. Dabei wird die Befürchtung geäußert, dass Franziskus einfach zu schnell für Katholik*innen sei: "Viele Gläubige überfordert das Tempo, mit dem der Papst die 2000 Jahre alte Institution verändert." Dies könne dazu führen, dass evangelikale Kirchen – die sich oft über ihre Ablehnung von Abtreibung und Homosexualität definieren – Zulauf erhalten.

Twitter / Katholisch | Manche machen sich über die "Weltuntergangsstimmung" auf katholischen Traditionsportalen lustig

Eine Gruppe hat der Papst offenbar schon verloren: katholische Rechtspopulist*innen. Die AfD Heidelberg twitterte etwa nach der Papst-Äußerung entsetzt: "Neues aus der Clownwelt. Der Papst fordert jetzt die #HomoEhe."



#1 goddamn liberalAnonym
  • 22.10.2020, 12:46h
  • "Amy, dein Hass hat keinen Platz im Staat jetzt kannst du dich nicht mal mehr hinter der Religion verstecken."

    Das kann man dann auch der PIS in Polen und den POLITISCHEN Reaktionären in aller Welt ins Stammbuch schreiben.

    Wie gesagt: Als Nicht-Katholik sind für mich kirchliche Trauungen kein Hauptanliegen.

    Wichtig ist aber die Nicht-Einmischung Roms in die politisch-rechtliche Gleichstellung.

    Wie ich mir gedacht habe, ist Müller (für Thurn und Taxis der "Trump der katholischen Kirche", gilt für sie nebenbei als Kompliment) einer der ersten, der jetzt gegen seinen Dienstherrn aufmuckt.

    Der Treueeid gegenüber dem Papst gilt für diese Reaktionäre nur solange, wie der Papst politisch rechtsextrem funktioniert.
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#2 lucdfProfil
  • 22.10.2020, 13:02hköln
  • Ein großer Schritt für die Kirche , ein kleiner Schritt für die meisten Homosexuellen in Westeuropa, die von einer kirchlichen Trauung nicht viel halten. Diese Äußerung ist aber wichtig für alle von Katholizismus geprägten Länder, die Homosexualität immer noch stark diskriminieren.
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#3 Peck_SEhemaliges Profil
  • 22.10.2020, 13:17h
  • Es gibt ja leider auch hier viele unverbesserliche Leichtgläubige, deshalb mal ein kurzer Auszug der Äußerungen seiner Unheiligkeit Franziskus:

    "Eine Sache ist, wenn es sich [die Homosexualität] in einem Kind zeigt. Es gibt viele Dinge, die man mit der Psychiatrie machen kann, um zu sehen, wie die Dinge sind."

    "In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche."

    "Die Homo-Ehe ist der Versuch des Vaters der Lügen, die Kinder Gottes zu verwirren und zu täuschen."

    "Es gibt Bestrebungen, das Konzept des Menschen als Ebenbild Gottes zu vernichten. Ein Beispiel ist die Gender-Ideologie und die Anerkennung von Transsexualität in der Gesellschaft. Heutzutage wird in den Schulen Kindern beigebracht Kindern! dass jeder sich sein Geschlecht frei aussuchen kann."

    "Sehr einflussreiche Länder betreiben eine ideologische Kolonialisierung. Und das ist furchtbar!"

    "Homosexuelle Menschen im Klerus und in Priesterseminaren bereiteten mir Sorgen, sie sind eine "sehr ernste Angelegenheit". Menschen mit "dieser tiefverwurzelten Tendenz" sollten meiner Meinung nach nicht in Seminaren zugelassen werden."

    "Es sei ein "Fehler", zu glauben, dass Schwule in der priesterlichen Ausbildung "nicht so schlimm" seien und Homosexualität nur eine Form der Zuneigung sei. Im geweihten Leben und im priesterlichen Leben hat diese Art von Zuneigung keinen Platz."

    Wer das gestern nicht als das erkennt, was es ist, nämlich ein verweifelter Versuch die Lücken in den verbliebenen Resten an Gläubigen durch LGBTQ's aufzufüllen, um Macht und Geldzufluss zu sichern, der hat mein vollstes Mitleid. Sucht euch bitte professionelle Hilfe.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 22.10.2020, 14:11h
  • Antwort auf #3 von Peck_S
  • Natürlich geht es im kirchenfromm regierten Länder wie Deutschland auch um riesige Geldflüsse aus allgemeinen Steuermitteln. Die sind ohnhin sicher, aber eben etwas sicherer, wenn der Großkonzern Kirche nicht völlig, sondern nur teilweise mit dem Rechtssystem über Kreuz liegt.
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#5 Peck_SEhemaliges Profil
  • 22.10.2020, 14:33h
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • Mir ging eigtl. vor allem darum, mein Unverständnis darüber auszudrücken, dass es Menschen gibt, die sich erst (von Franziskus) als psychisch krank und heilbar, Gefahr für Kinder, Ideologen, Kolonialisten (=Sklaverei/Massenmord) und Werk des Teufels bezeichnen lassen, durch seine Würdenträger in anderen Ländern von Verfolgung und Tod bedroht sind und gestern all das verdrängen, die Puffbrause entkorken, weil er (Franziskus) über die Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften philosophiert, obwohl wir längst (nach für mich maßgeblichem Recht) HEIRATEN dürfen. Ich komme da einfach intellektuell an mein Fassungsvermögen. Diese Menschen haben für mich mindestens ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl.
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#6 marcocharlottenburgAnonym
  • 22.10.2020, 17:19h
  • Ich für meinen Teil habe weiterhin kein Problem damit, wenn eine kirchliche Trauung verwehrt bleibt, aber über die zivilrechtliche Ehe befindet der Gesetzgeber und wenn die Ehe dort wie bei der Kirche auch Ehe heißt, pech gehabt. Da müssen Kirchenvertreter halt einfach mal gedanklich flexibler werden und zwischen Ehe und Ehe unterscheiden.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 22.10.2020, 18:05h
  • Antwort auf #5 von Peck_S
  • "Diese Menschen haben für mich mindestens ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl."

    Ja, das ist klar.

    Wo soll das Selbstwertgefühl auch herkommen? Die hiesige Politik findet immer einen Grund massive Homophobie 'realpolitisch' zu tolerieren: Russland, Iran, Saudi-Arabien, Polen etc. etc.
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#8 TimonAnonym
  • 22.10.2020, 20:06h
  • Registrierte Partnerschaften sind keine Ehen. Und alles, was nicht 100 Prozent Gleichstellung ist, ist per Definition Diskriminierung.
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#9 FinnAnonym
  • 22.10.2020, 22:14h
  • Angesichts in Scharen weglaufender Mitglieder und damit wegbrechender Einnahmen, ist das der verzweifelte Versuch zu retten, was noch zu retten ist, indem man ein wenig nachgibt, um noch so viel Diskriminierung wie möglich zu retten.
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#10 Peck_SEhemaliges Profil
  • 22.10.2020, 22:48h
  • Antwort auf #9 von Finn
  • Eine sehr kluge Analyse, bravo! Zum Überleben und der Akquise so viel nachgeben wie möglich, um gleichzeitig so viel Diskriminierung zu retten, wie möglich. Ich glaube, dass ist der klügste Kommentar, den ich diese Woche gelesen habe.
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