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Hassgewalt

Schädel-Hirn-Trauma und Kieferbruch: Junger Schwuler in Münster brutal verprügelt

Ein 24-jähriger Student und sein Freund wurden am vergangenen Wochenende in Münsters Innenstadt aus einer Gruppe heraus erst schwulenfeindlich beleidigt, dann auch körperlich attackiert.


Die Polizei Münster hielt es nicht für nötig, die Öffentlichkeit über die homosexuellenfeindliche Straftat zu informieren (Bild: Maik Meid / flickr)

In Münster kam es am vergangenen Wochenende zu einer brutalen Attacke auf ein junges schwules Paar. Darüber berichtete am Freitag erstmals die "Münstersche Zeitung". Im täglichen Polizeibericht der Stadt wurde die Tat nicht gemeldet – über eingeschlagene Autoscheiben, gestohlene Zigaretten und einen verlorenen Farbeimer wurde die Öffentlichkeit dagegen informiert.

Dem Zeitungsbericht zufolge waren das 24-jährige Hauptopfer und sein 23 Jahre alter Freund am Samstag, den 17. Oktober kurz vor 22 Uhr am Roggenmarkt unterwegs, als sie aus einer Gruppe von vier Jugendlichen oder jungen Erwachsenen heraus zunächst homofeindlich beleidigt wurden. "Die Worte 'schwul' und 'abartig' sind gefallen", erklärte der Student gegenüber dem Lokalblatt.

Nach Faustschlag bewusstlos zu Boden gegangen

Der 24-Jährige stellte die Pöbler zur Rede, wurde daraufhin jedoch von einem Mitglied der Vierergruppe brutal angegriffen. Obwohl er nach Faustschlag sofort bewusstlos zu Boden ging, wurde aus der Gruppe heraus weiter auf ihn eingetreten. Die Angreifer entfernten sich schließlich in Richtung Alter Steinweg und Alter Fischmarkt. Ein Taxifahrer, der die Tat beobachtet hatte, eingreifen wollte und selbst beschimpft wurde, versuchte die vier Personen zu verfolgen, verlor sie aber aus den Augen.

Im Krankenhaus wurden bei dem 24-Jährigen ein Schädel-Hirn-Trauma und ein Kieferbruch festgestellt. "Ich kann aktuell auch nicht richtig sprechen", zitiert die "Münstersche Zeitung" aus einer Nachricht des Opfers. Aufgrund der schweren Verletzungen habe er seit der Tat auch keine Vorlesungen mehr besuchen können.

Polizei bestätigte den Vorfall

Die Polizei, die den Vorfall gegenüber der "Münsterschen Zeitung" bestätige, kündigte an, Bilder aus umliegenden Überwachungskameras auswerten zu wollen. Zeugen, die Hinweise zu dem Angriff oder der Vierergruppe machen können, können sich per Telefon unter (0251) 2750 zu melden. Der Schläger wird vom Regionalblatt wie folgt beschrieben: etwa 18 bis 20 Jahre alt, 1,75 bis 1,85 Meter groß, blonde bis dunkelblonde, relativ kurze Haare (Undercut). Er trug eine dunkle Jacke, ist eventuell Kampfsportler, hat ein markantes Gesicht mit ausgeprägten Kieferknochen. Ein weiteres Gruppenmitglied wird so beschrieben: etwa 15 bis 18 Jahre alt, relativ pummelig, etwa 1,60 bis 1,75 Meter groß. Zu den beiden anderen Gruppenmitgliedern liegen keine näheren Angaben vor. Einer soll allerdings einen Preußen-Münster-Schal getragen haben.

Bislang habe er Münster stets als queerfreundliche Stadt wahrgenommen und zuvor niemals Hassgewalt erlebt. erklärte der 24-Jährige gegenüber der "Münsterschen Zeitung". Er bereue es auch nicht, die Gruppe mit ihren schwulenfeindlichen Beleidigungen konfrontiert zu haben. "Ich würde es wieder tun. Immer wieder. Es gibt Dinge, die man als Gesellschaft nicht durchgehen lassen darf", so der Student. Er lasse sich nicht einschüchtern und werde auch weiterhin händchenhaltend mit seinem Freund durch die Stadt laufen. (cw)



#1 zundermxeAnonym
  • 24.10.2020, 07:11h
  • Bleibt leider aus der Ferne nur beste Genesungswünsche zu senden.
    Hoffentlich bleibt zumindest körperlich nix bleibend zurück.

    Dieser mittlerweile wieder alltägliche Scheiss zeigt, dass unsere wir-sind-in-der-Gesellschaft-angekommen-Blase ne Mischung aus Wunschdenken, Naivität und leider auch pure Dummheit ist.
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#2 AutumnRiverProfil
  • 24.10.2020, 08:52hKöln
  • Aha, evtl. Kampfsportler, dann ein Schal von Preußen-Münster.
    Ich tippe doch mal sehr auf Rechte/Neonazis in dem Fall.
    Die netten Studenten aus dem linksliberalen Milieu von nebenan werden die Tat wohl kaum begangen haben......

    Und es ändert sich rein gar nichts, nichts. Die Ehe für Alle ist Makulatur.

    In dem Artikel wurde angesprochen, dass die Polizei Münster den Fall nicht veröffentlicht hat. Ist auch mal jemandem aufgefallen, dass bis heute die Tat in Dresden nicht als homofeindlich benannt wurde? Als ich damals davon in den Breaking News gelesen habe, war mir das sofort klar.
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#3 TimonAnonym
  • 24.10.2020, 09:15h
  • Nahezu täglich gibt es irgendwo in Deutschland homo- und transphobe Gewalt. Von Beleidigungen, Mobbing und Diskriminierungen mal ganz zu schweigen.

    Und die Faschisten nehmen sich immer mehr raus und werden immer brutaler. Diesmal Kieferbruch und Schädel-Hirn-Trauma. Wann gibt es die ersten Toten?

    Und was macht unsere Bundesregierung? - NICHTS.

    Union und SPD ignorieren das Problem einfach.

    Bei anderen Themen mögen die mit ihrem Aussitzen erfolgreich sein, bei Gewalt ist das fatal und irgendwann tödlich.
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#4 FinnAnonym
  • 24.10.2020, 09:55h
  • Antwort auf #2 von AutumnRiver
  • Ich würde die Eheöffnung nicht als Makulatur bezeichnen. Es reicht nur nicht, wenn selbstgerechte Politiker, die meinen, sich für Selbstverständlichkeiten wie die Umsetzung des demokratischen Gleichheitsgrundsatzes feiern zu können, sich darauf ausruhen.

    Die Eheöffnung ist nicht das Ende der Gleichstellung, sondern der Anfang.
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#5 CSDs_schweigenAnonym
  • 24.10.2020, 09:57h
  • AN DIE ORGANISATOR*INNEN der CSDs in Deutschland:

    Wann werden die erschütternden Gewalterfahrungen, die viele Mitglieder unserer Community regelmäßig im öffentlichen Raum machen müssen, endlich zentrales Thema bei CSDs?

    Im CSD-Motto, bei Interviews mit der Presse, auf Schildern.

    Wenn wir endlich anfangen würden, das ernsthaft zu thematisieren, würden vielleicht auch Politik, Medien und Gesellschaft sich dieses Themas annehmen, statt es - und die Opfer - tot zu schweigen.

    Für die Opfer: alles Gute und hoffentlich eine vollständige Genesung.
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#6 GeronimoAnonym
#7 Vanni TransAnonym
  • 24.10.2020, 11:09h
  • Antwort auf #5 von CSDs_schweigen
  • Genau das wäre EIN Anfang. Das hier darüber diskutiert wird ebenfalls. Habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich Themen von hier kopiere und meine Freunde (alle nicht LGBTIQ) damit konfrontiere, fallen die aus allen Wolken und sind erschüttert. Das Thema Gewalt, egal von wo auch immer ausgehend, muss lauter und öffentlicher diskutiert werden. Erst dann wird es wahrgenommen. Meiner Meinung nach ist die Gewalt und die Bereitschaft dazu schon lange in der Gesellschaft vorhanden wie ein geladener Revolver. Die Frage wann der Abzug gedrückt wird scheint wohl eher situativ. Wenn das Thema öffentlich, auch und vor allem auf der Ebene der Lokalpolitik Thema wird, kann daraus Diskussion und Prävention entstehen. Der Bezug auf das öffentliche, örtliche nahe und Gemeindeleben bringt das Thema ins unmittelbare Leben und Umfeld der Menschen. Es ist dann nah. Dann können Schwerwiegende Folgen vlt. ein bisschen reduziert und vermieden werden.
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#8 TheDadProfil
  • 24.10.2020, 11:13hHannover
  • Antwort auf #2 von AutumnRiver
  • ""Aha, evtl. Kampfsportler, dann ein Schal von Preußen-Münster.
    Ich tippe doch mal sehr auf Rechte/Neonazis in dem Fall.""..

    Zunächts kommt man bei der Beschreibung wohl auf Hooligans oder ULTRA's..

    Das diese dann auch ""Rechte/Neonazis"" sind, zu dieser Erkenntnis hat sich die Wahrnehmung
    in der Gesellschaft noch lange nicht verdichtet..

    Verbindungen zwischen diesen "Hooligans oder ULTRA's" in die Szenerie der "identitären Bewegung", der "AFD" oder der "NPD" werden nicht als "bedrohlich" wahrgenommen, handelt es sich in der Wahrnehmung dieser Leute doch "bloß um harmlose Fußball-Fans"..

    Wenn dann bei Prozessen gegen Einzelne dieser ""Hooligans oder ULTRA's"" wegen begangener Straftaten gewahr wird, hier hat man es aber nicht mit einem "Täterkreis aus den unteren Bereichen der Gesellschaft" zu tun, sondern mit einem "Mischmasch" aus Ärzten, Anwälten, Selbständigen, Angestellten und Arbeitern bis hin zum "einfachem Hartz-IV-Empfänger", und in einigen dieser "ULTRA-Vereine" die sich "Fans" nennen sind dann auch Polizisten aktiv, dann graut es einem schon beim bloßem Anblick dieser Horden, wenn sie am Wochenende Richtung Stadien streben..

    Ein Anblick der Dank "Corona" zur Zeit recht selten wurde..

    Doch kaum streben diese Leute wieder in die Stadien, schon werden wieder Spieler rassistisch beleidigt, und das selbst bei Spielen wo die Zuschauer namentlich bekannt sind, weil sie anders nicht ins Stadion gelassen werden..

    Hier ein Fall aus dem Februar, noch vor Corona

    taz.de/Rassismus-gegen-Hertha-Spieler/!5658247/

    und hier der aktuellste Fall

    www.badische-zeitung.de/f-1-bundesliga/moukoko-rassistisch-b
    eleidigt--197072785.html


    Es gibt unter den "Preußen-Münster-Fans" aber auch Andere

    www.ksta.de/sport/fussball/spieler-rassistisch-beleidigt-zus
    chauer-helfen-bei-festnahme-von-verdaechtigem-36243500


    Insgesamt muß man hier aber auch feststellen, die Mär die hier Jahrelang von einem User aus dieser Region aufgebaut wurde, so etwas gäbe es "ja nur in Berlin", und das auch nur weil diese Metropole so "links-grün versifft" sei, wurde auf traurige Art&Weise widerlegt..

    Homophobie und Anti-Schwule Gewalt ist überall..
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#9 remixbeb
  • 24.10.2020, 11:27h
  • Antwort auf #1 von zundermxe
  • Ich gebe Dir zum Teil recht. Aber ich denke, das ist nur ein Aspekt. Der zweite: die Gesellschaft an sich wird allgemein immer gewalttätiger. Da wird es fast gleichgültig, aus welchem Grund man angegriffen wird. Die Hemmschwelle bei Gewalt ist inzwischen so niedrig, dass schon ein vermeintlich "blödes Gucken" zu einer Schlägerei führen kann..
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#10 AutumnRiverProfil
  • 24.10.2020, 11:34hKöln
  • Antwort auf #4 von Finn
  • Finn, doch die Ehe für Alle ist Makulatur.
    Weil man angebliche Gleichstellung aus Sicht eines heterosexuellen Weltbildes praktiziert.
    Also 1 Mann und 1 Frau = Ehe. Und das will man nun auf alle möglichen Lebensformen übertragen.
    Dabei wäre es tatsächliche Gleichstellungspolitik, wenn man den Ehebegriff aufheben würde und jeder so leben könnte wie er will, in einer Verantwortungsgemeinschaft, die auch nicht auf 2 Menschen begrenzt sein muss.
    Alleine die Tatsache, dass immer noch darüber diskutiert wird ob eine Stiefmutter in einer lesbischen Beziehung das Kind der biologischen Mutter adoptieren darf, zeigt doch wie absurd und übergriffig das alles ist. Die Ehe für Alle war vielleicht gut gemeint, aber wie so oft ist gut gemeint nicht = gut gemacht.
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