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Streit um Corona-Auflagen
Aufregung um Auflösung einer "Fetischparty" in Berlin
Zu großem Medienrummel stoppte die Polizei die Party "Porn by Pornceptual" – die Veranstalter weisen Kritik zurück und berichten, Beamte hätten Gäste gedemütigt.

Früheres Motiv der Party- und Kunst-Reihe und ein von der Berliner Polizei verbreitetes Bild des Einsatzes vom Samstag vor der Alten Münze in Mitte
- 26. Oktober 2020, 13:57h 4 Min.
Was ist das richtige Maß für alle Seiten in der sich wieder zuspitzenden Corona-Pandemie? Darüber streitet aktuell auch mal wieder die Berliner Szene, nachdem die Hauptstadt-Polizei unterstützt von der Bundespolizei in der Nacht zum Sonntag eine multisexuelle Party auflöste.
Mit Bildern und Videos hatten Medien aus dem ganzen Land von der Auflösung berichtet – unter auf Empörung zielende Überschriften wie "Polizei löst in Berlin Fetischparty mit 600 Gästen auf" und redaktioneller Schadenfreue wie "Unbefriedigendes Ende einer Fetisch Party" ("Bild"), die auf ein Wortspiel der Polizei selbst zurückgriff. "Es waren einfach zu viele für zu wenig Platz", zitierte auch die dpa die Polizei. Die Veranstaltenden erwarte demnach ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung. Der Mindestabstand habe wegen der Vielzahl der Personen nicht eingehalten werden können.
/ PolizeiBerlin_EFür ca. 600 Gäste einer Fetisch-Party in #Mitte endete diese vermutlich unbefriedigend.
Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) October 24, 2020
Wir lösten die Feier in Amtshilfe für das @BA_Mitte_Berlin auf. Die Kolleg. der @bpol_bepo machten anschließend nochmal deutlich, dass es Zeit ist nach Hause zu gehen.#GemeinsamGegenCovid19 pic.twitter.com/sGwzHFN3L3
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Die umfangreichen Polizeikontrollen vom Samstag in vielen Teilen der Hauptstadt zielten nach Einsätzen auf Wochenmärkten, Einkaufsstraßen und in Grünanlagen tagsüber unter anderem auf Partys und die Gastronomie ab, für die größtenteils eine nächtliche Sperrstunde ab 23 Uhr gilt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich auf den gemeinsamen Einsatz verständigt. Die aufgelöste "Fetischparty", "Porn by Pornceptual", sollte von 14 bis 22 Uhr stattfinden, der Einsatz fand Medienberichten zufolge gegen 21.30 Uhr statt.
Kritik vom Veranstaltungsort
Die Alte Münze als Veranstaltungsort kritisierte die "skandalierende" Darstellung durch Polizei und Medien: So habe die Feier zum "körperlichen Charakter einer Fetischparty keine Parallelen" gezeigt, sondern sei ein "Treffpunkt der Community" unter klarem Hygienekonzept und unter Einhaltung aktueller Richtlininen gewesen. Es sei "bedauerlich, dass eine Veranstaltung fernab der heteronormativen Gesellschaft genutzt wurde, um gezielt mit Halbwahrheiten das erlaubte öffentlich zu kriminalisieren."
Letztlich habe es sich um eine Veranstaltung im Innenhof, also im Freien auf 3.500 Quadratmetern, gehandelt, mit Maskenpflicht, dem Verbot von Getränken und Rauchen auf der Tanzfläche, Kontaktdatenerfassung nach ausschließlichem Einlass nach Vorverkauf, Sitzgruppen für maximal fünf Personen und weiteren Beschränkungen. Man verschließe sich nicht allgemeineren Diskussionen über die Zulässigkeit entsprechender Veranstaltungen, diese sei aber legal und zugleich die letzte in der geplanten Form auf absehbare Zeit gewesen. Die aktuellen Richtlinien in Berlin lassen bei Veranstaltungen im Freien bis zu 5.000 Menschen zu.
Veranstalter: Gäste wurden gedemüdigt
Die Macher der Partyreihe "Pornceptual" sprachen in einer Stellungnahme von einen "Angriff auf die Kultur" und auf Minderheiten: "Wir waren Gastgeber einer legalen Open-Air-Veranstaltung mit strengen Regeln, hatten es aber immer noch mit einer extrem konservativen Institution zu tun, die keine Ahnung hatte, was sicherere Räume bedeuten, und die uns als 'ekelhaft und pervers' empfindet, wie ein Mitglied ihres Teams sagte."
"Pornceptual" sei als Ausdruck des Kampfes "für sexuelle Freiheit und die Infragestellung gesellschaftlicher Normen" ein politisches und queeres Projekt: "Wir nutzen unsere Plattformen als ein Instrument des Widerstands gegen nicht-konforme Minderheiten, die oft zensiert werden." Daher arbeite man an Sichtbarkeit und einem "sicheren Raum". Dennoch habe man in den letzten Monaten soziale Distanzierung unterstützt und "unsere Anhänger dazu inspiriert, zu Hause kreativ zu bleiben". Bei der Entscheidung für eine legale Open-Air-Veranstaltung habe man alle Regeln befolgt.

Die Ticket-Bestellseite zu der Veranstaltung wies neben dem Dresscode und dem DJ-Lineup auch auf die Hygienebestimmungen hin
"Als das Amt für öffentliche Ordnung eintraf und uns aufforderte, die Veranstaltung zu beenden, arbeiteten wir zusammen und forderten alle Gäste auf, das Gelände wie angewiesen zu verlassen", so die Stellungnahme. "In der Zwischenzeit drangen mehrere Polizisten in die Veranstaltung ein und hielten die Gäste an, um sie einzeln zu bestrafen. Unsere Gäste wurden als Freaks und Gesetzlose behandelt und von der Polizei gedemütigt. Das beweisen auch die Schlagzeilen in den Medien. Während viele andere legale Open-Airs in Berlin [in jener Nacht] geschlossen wurden, schafft es nur die 'Fetischparty' in die Medien und erweckt den Eindruck, Teil der Fetischszene zu sein, sei beschämend. Wir stehen gegen diesen Ansatz und werden nicht aufhören, gegen diese Art von moralischer Beurteilung zu kämpfen."
Die Infektionszahlen in Berlin steigen in den letzten Tagen wieder sehr stark an. Der Regierende Bürgermeister, seine...
Posted by Clubcommission Berlin on Monday, October 26, 2020
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Corona-Auflagen haben die queere Szene hart getroffen – in den letzten Monaten fanden etwa viele CSDs gar nicht oder in veränderter Form online oder beispielsweise als Fahrrad-Demo statt. Viele Bars konnten wochenlang nicht öffnen, das Berliner SchwuZ hat seit März wie viele andere Clubs im ganzen Land geschlossen. In Köln räumte die Stadt mehrfach die Schaafenstraße (queer.de berichtete), beide Schwulensaunen sind anders als in anderen Städten weiterhin geschlossen (queer.de berichtete). (nb)















Sonst brauchen sich BerlinerInnen - und darüber hinaus, nicht beschweren wenn von entsprechenden Stellen mehr und mehr Einschränkungen und Verschärfungen durchgesetzt werden.