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Streit um Corona-Auflagen

Aufregung um Auflösung einer "Fetischparty" in Berlin

Zu großem Medienrummel stoppte die Polizei die Party "Porn by Pornceptual" – die Veranstalter weisen Kritik zurück und berichten, Beamte hätten Gäste gedemütigt.


Früheres Motiv der Party- und Kunst-Reihe und ein von der Berliner Polizei verbreitetes Bild des Einsatzes vom Samstag vor der Alten Münze in Mitte

Was ist das richtige Maß für alle Seiten in der sich wieder zuspitzenden Corona-Pandemie? Darüber streitet aktuell auch mal wieder die Berliner Szene, nachdem die Hauptstadt-Polizei unterstützt von der Bundespolizei in der Nacht zum Sonntag eine multisexuelle Party auflöste.

Mit Bildern und Videos hatten Medien aus dem ganzen Land von der Auflösung berichtet – unter auf Empörung zielende Überschriften wie "Polizei löst in Berlin Fetischparty mit 600 Gästen auf" und redaktioneller Schadenfreue wie "Unbefriedigendes Ende einer Fetisch Party" ("Bild"), die auf ein Wortspiel der Polizei selbst zurückgriff. "Es waren einfach zu viele für zu wenig Platz", zitierte auch die dpa die Polizei. Die Veranstaltenden erwarte demnach ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung. Der Mindestabstand habe wegen der Vielzahl der Personen nicht eingehalten werden können.

Twitter / PolizeiBerlin_E

Die umfangreichen Polizeikontrollen vom Samstag in vielen Teilen der Hauptstadt zielten nach Einsätzen auf Wochenmärkten, Einkaufsstraßen und in Grünanlagen tagsüber unter anderem auf Partys und die Gastronomie ab, für die größtenteils eine nächtliche Sperrstunde ab 23 Uhr gilt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich auf den gemeinsamen Einsatz verständigt. Die aufgelöste "Fetischparty", "Porn by Pornceptual", sollte von 14 bis 22 Uhr stattfinden, der Einsatz fand Medienberichten zufolge gegen 21.30 Uhr statt.

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Kritik vom Veranstaltungsort

Die Alte Münze als Veranstaltungsort kritisierte die "skandalierende" Darstellung durch Polizei und Medien: So habe die Feier zum "körperlichen Charakter einer Fetischparty keine Parallelen" gezeigt, sondern sei ein "Treffpunkt der Community" unter klarem Hygienekonzept und unter Einhaltung aktueller Richtlininen gewesen. Es sei "bedauerlich, dass eine Veranstaltung fernab der heteronormativen Gesellschaft genutzt wurde, um gezielt mit Halbwahrheiten das erlaubte öffentlich zu kriminalisieren."

Letztlich habe es sich um eine Veranstaltung im Innenhof, also im Freien auf 3.500 Quadratmetern, gehandelt, mit Maskenpflicht, dem Verbot von Getränken und Rauchen auf der Tanzfläche, Kontaktdatenerfassung nach ausschließlichem Einlass nach Vorverkauf, Sitzgruppen für maximal fünf Personen und weiteren Beschränkungen. Man verschließe sich nicht allgemeineren Diskussionen über die Zulässigkeit entsprechender Veranstaltungen, diese sei aber legal und zugleich die letzte in der geplanten Form auf absehbare Zeit gewesen. Die aktuellen Richtlinien in Berlin lassen bei Veranstaltungen im Freien bis zu 5.000 Menschen zu.

Veranstalter: Gäste wurden gedemüdigt

Die Macher der Partyreihe "Pornceptual" sprachen in einer Stellungnahme von einen "Angriff auf die Kultur" und auf Minderheiten: "Wir waren Gastgeber einer legalen Open-Air-Veranstaltung mit strengen Regeln, hatten es aber immer noch mit einer extrem konservativen Institution zu tun, die keine Ahnung hatte, was sicherere Räume bedeuten, und die uns als 'ekelhaft und pervers' empfindet, wie ein Mitglied ihres Teams sagte."

"Pornceptual" sei als Ausdruck des Kampfes "für sexuelle Freiheit und die Infragestellung gesellschaftlicher Normen" ein politisches und queeres Projekt: "Wir nutzen unsere Plattformen als ein Instrument des Widerstands gegen nicht-konforme Minderheiten, die oft zensiert werden." Daher arbeite man an Sichtbarkeit und einem "sicheren Raum". Dennoch habe man in den letzten Monaten soziale Distanzierung unterstützt und "unsere Anhänger dazu inspiriert, zu Hause kreativ zu bleiben". Bei der Entscheidung für eine legale Open-Air-Veranstaltung habe man alle Regeln befolgt.


Die Ticket-Bestellseite zu der Veranstaltung wies neben dem Dresscode und dem DJ-Lineup auch auf die Hygienebestimmungen hin

"Als das Amt für öffentliche Ordnung eintraf und uns aufforderte, die Veranstaltung zu beenden, arbeiteten wir zusammen und forderten alle Gäste auf, das Gelände wie angewiesen zu verlassen", so die Stellungnahme. "In der Zwischenzeit drangen mehrere Polizisten in die Veranstaltung ein und hielten die Gäste an, um sie einzeln zu bestrafen. Unsere Gäste wurden als Freaks und Gesetzlose behandelt und von der Polizei gedemütigt. Das beweisen auch die Schlagzeilen in den Medien. Während viele andere legale Open-Airs in Berlin [in jener Nacht] geschlossen wurden, schafft es nur die 'Fetischparty' in die Medien und erweckt den Eindruck, Teil der Fetischszene zu sein, sei beschämend. Wir stehen gegen diesen Ansatz und werden nicht aufhören, gegen diese Art von moralischer Beurteilung zu kämpfen."

Die Infektionszahlen in Berlin steigen in den letzten Tagen wieder sehr stark an. Der Regierende Bürgermeister, seine...

Posted by Clubcommission Berlin on Monday, October 26, 2020
Facebook / Clubcommission Berlin | Am Montagabend veröffentlichte auch die Berliner Clubkommission diese Stellungnahme

Corona-Auflagen haben die queere Szene hart getroffen – in den letzten Monaten fanden etwa viele CSDs gar nicht oder in veränderter Form online oder beispielsweise als Fahrrad-Demo statt. Viele Bars konnten wochenlang nicht öffnen, das Berliner SchwuZ hat seit März wie viele andere Clubs im ganzen Land geschlossen. In Köln räumte die Stadt mehrfach die Schaafenstraße (queer.de berichtete), beide Schwulensaunen sind anders als in anderen Städten weiterhin geschlossen (queer.de berichtete). (nb)



#1 gastAnonym
  • 26.10.2020, 15:47h
  • Kinder, mit solchen Partys schneidet ihr euch und der Gesellschaft derzeit ins eigene Fleisch. In eurem eigenen Interesse solltet ihr euch wie Erwachsene, reife Menschen und nicht wie aufsässige, "freie" , d.h. rüchsichtslose, ignorante MöchtegernrevoluzzerInnen benehmen u. aufführen.
    Sonst brauchen sich BerlinerInnen - und darüber hinaus, nicht beschweren wenn von entsprechenden Stellen mehr und mehr Einschränkungen und Verschärfungen durchgesetzt werden.
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#2 QueerpolitikerAnonym
  • 26.10.2020, 15:57h
  • Ich kann mich dem ersten Kommentar nur anschließen.
    Es ist die falsche Zeit für solche Veranstaltungen.
    Die allgemeine Atmosphäre ist zu nervös.
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#3 gayflecktarnhoseProfil
  • 26.10.2020, 16:31hBremen
  • Antwort auf #2 von Queerpolitiker
  • Ob man den 1. Kommentar unwidersprochen hin-nehmen kann bezweifel ich. Die Wortwahl sagt
    eigentlich etwas anderes.
    Ob die Veranstaltung nun richtig gewählt war darüber läßt sich streiten, aber ich bin davon überzeugt das die Polizei überreagiert hat , denn
    wenn dort die Querdenker demonstriert hätten
    hätte man sie nicht aufgelößt. Hier war es aber
    eine Fetisch-Party die vielen nicht in den Rahmen
    passte.
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#4 RigolettoAnonym
  • 26.10.2020, 16:36h
  • "In Köln räumte die Stadt mehrfach die Schaafenstraße (queer.de berichtete), beide Schwulensaunen sind anders als in anderen Städten weiterhin geschlossen (queer.de berichtete)."

    Mit "beide Schwulensaunen" wird suggeriert, es gäbe nur zwei Schwulensaunen in Köln. Die dritte Schwulensaua Vulcanus hat weiterhin geöffnet. Da muss es bei den beiden anderen Saune wol doch eher an nicht eingehaltenen Hygienekonzepten gelegen haben.

    Und ja, die Schaafenstraße ist ein LGBTI*-Hotspot. Und ja, sie wurde in mehreren Sommernächten geräumt. Genau so, wie die Hotspots Zülpicher Staße, Brüsseler Platz und dieverse Parks, die nicht LGBTI*-, aber Partyhotspots waren. Und das wurde genau so in den Medien berichtet, wobei nur von Partyhotspots berichtet wurde.

    Das nur zur Richtigstellung.
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#5 Ralph
  • 26.10.2020, 16:38h
  • Wer jetzt immer noch nicht begriffen hat, dass nicht die Zeit zum Feiern und zu Großveranstaltungen ist, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Freiheit ist ohne Verantwortung für sich selbst und andere nicht denkbar. Der seltsame Freiheitsbegriff, der sich als vollkommene Verantwortungslosigkeit definiert, ist nicht der meine und sicher auch nicht der des Grundgesetzes.
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#6 priamos11Profil
  • 26.10.2020, 16:48hHürth
  • Ich halte im Augenblick Massenveranstaltungen welcher Art auch immer für instinktlos. Und dass bei Massenveranstaltungen immer und überall alle Regeln eingehalten werden, darüber sind wohl Zweifel erlaubt, das widerspricht jeder Lebenserfahrung. Dass die Veranstaltung ein gefundenes Fressen für konservative Medien war, daran habe ich allerdings keine Zweifel, man sollte sich davon grundsätzlich nicht beirren lassen. Dennoch solange die Corona-Situation so ist, wie sie ist, sollte man mal eine Zeitlang die Füße stillhalten. So schwer kann das doch nicht sein!
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#7 swimniAnonym
  • 26.10.2020, 16:54h
  • ich hab seit januar keinen sex. mich kotzt das voll an, aber ich finde, alle müssen ihren beitrag leisten, damit wir schnell und unbeschadet die scheiss pandemie hinter uns bringen. alle sollten an einem strang ziehen. es gibt phasen im leben, da muss man eben auch mal zeigen, dass man ne zeit ohne gaudi und wild-sex leben kann., der verantwortung wegen. und die ökonomischen schäden muss man politisch einfordern, ist ned leicht, das weiss ich.
    was da im einzelnen dort gelaufen ist, da gibt es sicher viele falschmeldungen.
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#8 godidodaAnonym
#9 KritikerProfil
  • 26.10.2020, 17:00hFrankfurt
  • Skandalös ist, dass man überhaupt einen sicheren Raum für potenziell ungehemmtes Spreading von Corona in der aktuellen Zeit schafft. Das zeigt einmal mehr, dass die grenzenlose Individualität dazu führt, dass man seine eigenen Interessen maßlos über die anderer stellt. Sorry, dafür habe ich echt kein Verständnis.
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#10 SchonAnonym
  • 26.10.2020, 17:02h
  • Sind jetzt die Hygienevorschriften und die Maskenpflicht eingehalten worden oder nicht?
    Falls ja, verstehe ich den Einsatz nicht, auch wenn ich in der derzeitigen Situation so ein Event nicht veranstalten bzw. dort teilnehmen würde.

    Sind die Maßnahmen nicht eingehalten worden, war der Einsatz vollkommen richtig.
    Das Virus ist genderneutral, nicht rassistisch und absolut unparteiisch. Wenn die Gelegenheit da ist, vermehr es sich. Jeder einzelne hat die Wahl es dem Virus schwer zu machen oder ihm zu helfen, unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft und unsere Gesundheit kaputt zu machen.
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