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Online-Hass

Shitstorm gegen Karl-Heinz Brunner

Der queerpolitische Sprecher der SPD-Fraktion wird im Internet rüde angegangen, weil er die Entfernung eines als transphob kritisierten "I Love JK Rowling"-Plakats gefordert hatte.


Karl-Heinz Brunner ist seit letztem Jahr der queerpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Er sei ein "Spast" und ein "Bekloppter", der mit einer "Diktatur der Schreihälse" die Meinungsfreiheit begraben wolle. Das sind einige der Äußerungen auf Twitter und Facebook, mit denen der Neu-Ulmer Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner angegangen wird. Grund für die Aufregung ist, dass Brunner öffentlich ein "I Love JK Rowling"-Plakat, das am Frankfurter Hauptbahnhof zu sehen war, kritisiert hatte.

Der Hintergrund: queer.de hatte am Mittwoch über das "I Love JK Rowling"-Plakat in Frankfurt berichtet. Ähnliche Plakate waren zuvor auch in Großbritannien und Kanada von transfeindlichen Aktivist*innen in die Öffentlichkeit getragen worden, um die transphoben Äußerungen Rowlings zu unterstützen. Am Donnerstag kritisierte Brunner das Plakat in Frankfurt als "eine Provokation für alle queeren Menschen" und forderte die Abhängung.

Twitter / BrunnerGanzOhr

Ein Sprecher des Werbeunternehmens Ströer bestätigte gegenüber queer.de, dass das Plakat seit Freitag überklebt worden sei. Weitere Angaben könne er zu den Hintergründen aber nicht machen. Ein Problem ist offenbar, dass das Plakat nicht offen Hass auf Minderheiten weckt, sondern mit seiner codierten Botschaft schwer zu fassen ist.

"Das ist gelebte Diversity!"

Für das Überkleben bedankte sich Brunner auf Facebook mit den Worten: "Danke der Fa. #stroer dass ihr so schnell regiert habt und auf meinen Hinweis hin für ein Ende der [Rowling-Kampagne] sorgt. Das ist gelebte Diversity!" Insbesondere dieser Eintrag brachte Anhänger*innen der Autorin zur Weißglut. Gegenüber queer.de erklärte Brunner jedoch, dass ihn der Shitstorm "nicht stört". Viele der Kommentare richteten sich allerdings auch gegen trans Personen.

Ein guter Tag! Danke der Fa. #stroer dass ihr so schnell regiert habt und auf meinen Hinweis hin für ein Ende der Rawling Kampagne sorgt. Das ist gelebte Diversity!

Posted by Karl-Heinz Brunner on Friday, October 23, 2020
Facebook / Karl-Heinz Brunner

Brunner ist seit 2013 Abgeordneter des Deutschen Bundestags und gilt als einer der lautstärksten Unterstützer der sozialdemokratischen Fraktion für LGBTI-Rechte. Dafür war der SPD-Kreisvorsitzende im mittelschwäbischen Neu-Ulm bereits 2015 mit dem Homo-Orden von queer.de ausgezeichnet worden. 2019 übernahm er den Posten des SPD-Fraktionssprechers für die Belange von Lesben und Schwulen, den zuvor elf Jahre lang der offen schwule damalige Hamburger Abgeordnete Johannes Kahrs inne hatte (queer.de berichtete). Erst vor knapp zwei Monaten outete sich der gegenwärtig mit einer Frau verheiratete Vater zweier Kinder als schwul und erklärte, dass er seit fast zwei Jahren mit einem Mann zusammenlebe (queer.de berichtete). (dk)



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#1 HyenadykeProfil
#2 Ralph
  • 27.10.2020, 20:05h
  • Na ich weiß nicht, ob die Botschaft dieses Plakats wirklich so kryptisch ist. Die Dame hat ja in letzter Zeit sehr deutlich und in aller Öffentlichkeit ihre Anti-Transmenschen-Botschaft abgesondert. Daher dürfte die Plakatbotschaft genauso klar sein und ankommen wie wenn da "I love Birgit Kelle" stünde. Sicher wird vielen der Name Rowling erst mal gar nichts sagen, auch der Name Kelle nicht. Aber wer die Person kennt, weiß sie auch politisch zu verorten.
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#3 Anonyma
  • 28.10.2020, 01:18h
  • Weitaus gruseliger als dieses alberne Plakat ist die Tatsache, dass sich die britische TERF-Organisation "WHRC" (Sheila Jeffreys & Co.) über ihre "deutsche Sektion" mit einer Stellungnahme im Rahmen der öffentlichen Anhörung zum Selbstbestimmungsgesetz am 2. November in die deutsche Trans-Gesetzgebung einzumischen versucht:

    www.bundestag.de/resource/blob/801142/dfdf64df43f0d4c518f1ba
    e88b7435a7/A-Drs-19-4-607-data.pdf


    Darüber hinaus wurde mit Alexander Korte mal wieder jener Psychiater als "Sachverständiger" berufen, der noch immer nicht verstanden hat, dass die gravierenden wissenschaftlichen Mängel seines Fachgebiets - fehlende Validität psychiatrischer Diagnosen, mangelhafte (Interrater-)Reliabilität psychiatrischer Diagnostik, Ausweitung diagnostischer Kriterien mit jeder neuen Ausgabe des "DSM" (Stichwort: Überpathologisierung) etc. - dafür verantwortlich sind, dass sich offenbar (zu) viele Menschen als trans "identifizieren", ohne es wirklich zu sein (Stichworte: "Desister", "Detransitioner"):

    www.bundestag.de/resource/blob/801140/2ce380f8edaf1ccfc2312b
    f1ed650219/TO-108-Sitzung-Anhoerung-data.pdf


    Da fehlt dann jetzt eigentlich nur noch eine offizielle Stellungnahme des Orakels von Delphi, um diesem aberwitzigen Irrsinn endgültig die Krone aufzusetzen. Wobei: Man könnte natürlich auch noch den Papst als Sachverständigen einladen...
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#4 ColonelAnonym
  • 28.10.2020, 03:43h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Halte ich für sehr gewagt. Dem*der Durchschnittsbürger*in, der*die da morgens auf dem Weg zur Arbeit dran vorbei marschiert sagt Birgit Kelle wahrscheinlich überhaupt nichts und J.K. Rowling nur in ihrer Eigenschaft als Harry-Potter-Autorin etwas.
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#5 Ralph
  • 28.10.2020, 08:22h
  • Antwort auf #4 von Colonel
  • Ich sag ja nur, dass diejenigen, die von den beiden beleidigt werden, die Solidarisierung des Plakats mit den Beleidigerinnen erkennen (Rowling) bzw. erkennen würden (Kelle). Diejenigen, auf die das Plakat abzielt, wissen sehr wohl Bescheid, was gemeint ist.
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#6 HyenadykeProfil
  • 28.10.2020, 11:20hKöln
  • Antwort auf #3 von Anonyma
  • Nun, das Orakel von Delphi würde wahrscheinlich eine positivere Stellungnahme abgeben als alle versammelten "Expert:innen" zusammen.

    Und das "nicht wirklich trans" halte ich für eine gefährliche Aussage. Es ist viel eher so, dass die eingeforderte "Eindeutigkeit" eines binärgeschlechtlichen, patriarchalen Weltbildes Menschen zu Entscheidungen drängt, die nicht wirklich in ihrem Interesse sind.
    Die Lösung kann nicht darin liegen, sich Definitionen für "richtig, ganz echt Trans*" und "nicht Trans* genug" auszudenken. Die am Ende nur dazu verleiten, diese anhand von "Expert:innen" erstellten Kriterien zu überprüfen, bevor das Menschenrecht auf das eigene Geschlecht und am eigenen Körper in Anspruch genommen werden darf.

    Aber da ich Deine sonstigen Kommentare hier kenne, weiß ich, dass Du das auch nicht forderst. Es ging mir nur darum, das noch mal klarzustellen.
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#7 Anonyma
  • 28.10.2020, 18:32h
  • Antwort auf #6 von Hyenadyke
  • "Nun, das Orakel von Delphi würde wahrscheinlich eine positivere Stellungnahme abgeben als alle versammelten "Expert:innen" zusammen."

    Weiß nicht... Das Orakel von Delphi hat auch mal orakelt, dass Ödipus den Herrn Papa abmurksen wird, woraus dann später der "Ödipuskomplex" als Bestandteil der "psychosexuellen Entwicklung" gebastelt wurde, mit der uns Typen wie Korte bis heute auf die Nerven gehen... Stellungnahmen des Orakels von Delphi sollte man deshalb nur mit allergrößter Vorsicht genießen. ;-)

    "Und das "nicht wirklich trans" halte ich für eine gefährliche Aussage."

    Ja, Du hast Recht, das ist eine gefährliche Aussage und es hat mir auch große Bauchschmerzen bereitet, das so zu formulieren, weil es sich leicht als Rechtfertigung dafür missbrauchen lässt, weiterhin mit der Psychiatrie den Bock zum Gärtner zu machen. Vielleicht hätte ich statt des Wörtchens "trans" auch besser das Wörtchen "geschlechtsdysphorisch" verwenden sollen, um konsequenter innerhalb der pseudowissenschaftlichen Phraseologie der Psychiatrie zu bleiben... Mir geht es ja gerade darum, darauf hinzuweisen, dass nicht wir trans Menschen (oder gar irgendeine ominöse "Trans-Lobby", wie sie von den TERFs gerne herbeiphantasiert wird) das Problem sind, sondern die Psychiatrie mit ihren gravierenden wissenschaftlichen Mängeln. Und "mehr davon" würde dieses Problem ganz sicher nicht lösen, sondern nur verschärfen.

    Aber davon mal ganz abgesehen: Wenn wir wirklich Selbstbestimmung wollen, dann werden wir auf Dauer leider nicht vermeiden können, auch mal solche Themen zu diskutieren, die eine gewisse Gefahr bergen. Und die Frage, woher eigentlich die Zahlen kommen, mit denen Herr Korte so gerne überall hausieren geht, ist z.B. ein solches Thema.
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