Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37398

"Was läuft hier gerade total schief???"

Islamistischer Terror in Dresden: Wird Homophobie als Motiv verschwiegen?

Die Kritik wird lauter, dass Homo-Hass als mögliches Motiv für das tödliche Attentat eines IS-Anhängers kaum angesprochen wird. Für Sonntag planen LGBTI-Aktivist*innen eine Mahnwache und eine Schweigeminute.


FDP-Politiker gedenken am Tatort des ermordeten Terroropfers (Bild: Facebook / Frank Müller-Rosentritt)

Noch immer ist unbestätigt, ob Homosexuellenfeindlichkeit tatsächlich das Motiv für eine mutmaßlich religiös motivierte Messeattacke auf ein schwules Paar in Dresden gewesen ist. Der 20-jährige behördenbekannte Gefährder und IS-Anhänger Abdullah Al H.H. hatte am 4. Oktober in der Innenstadt die aus Nordrhein-Westfalen stammenden Männer Thomas und Oliver mit einem Messer attackiert – die beiden lebten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Der 55-jährige Thomas starb, sein zwei Jahre jüngerer Partner Oliver überlebte schwer verletzt (queer.de berichtete).

Die Ermittlungsbehörden haben bislang keine weiteren Informationen zu dem Motiv des Verdächtigen öffentlich gemacht – sie weigern sich sogar offen, das Thema Homosexualität auch nur anzusprechen: "Zur sexuellen Orientierung der Opfer äußern wir uns nicht", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt vergangene Woche bei einer Pressekonferenz zu der Frage, ob ein homofeindliches Motiv vorliegen könnte. Die Linke.queer kritisierte diese Äußerung bereits am Freitag als "despektierlich gegenüber den Opfern, die in einer Lebenspartnerschaft lebten, weil damit der Eindruck erweckt wird, homosexuelle Beziehungen seien anrüchig".

"Die gestrige Aussage des Dresdner Oberstaatsanwalts Jürgen Schmidt, man äußere sich nicht "zur sexuellen Orientierung...

Posted by DIE LINKE.queer on Friday, October 23, 2020
Facebook / DIE LINKE.queer

Letztlich hatten erst einige Medien Homophobie öffentlich als mögliches Motiv benannt – und das erst Wochen nach der Tat. Zuvor war aufgrund der wenigen Informationen der Behörden nur von "zwei Touristen" die Rede. Inzwischen hat die Generalbundesanwaltschaft die weiteren Ermittlungen übernommen und sich noch nicht zum Fall geäußert.

Scharfe Kritik am Totschweigen des möglichen Motivs kommt auch aus der SPD: "Warum benennen der Ministerpräsident und Innenminister, Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen nicht klar und deutlich gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit den offenbar homophoben Hintergrund dieses Verbrechens?!", fragte etwa Reinhard Naumann, der frühere Berliner Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Schwulen und Lesben in der SPD und heutige Bezirksbürgermeister in Charlottenburg-Wilmersdorf. "Bitte, was läuft hier gerade total schief??? Ich bin äußerst beunruhigt und irritiert..."

Heute, 25. Oktober: Thomas und Oliver besuchen Dresden. Sie sind die medial kommunizierten "Touristen ", die beide...

Posted by Reinhard Naumann on Sunday, October 25, 2020
Facebook / Reinhard

"In den meisten politischen Lagern bleibt es auffallend still"

Auch Frank Müller-Rosentritt, der Landesvorsitzenden der sächsischen FDP, versteht die Zurückhaltung der Politik nicht: "Ein Mensch wurde getötet, weil er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebte", schrieb er am Sonntag auf Twitter. "Vor diesem Hintergrund wäre eine klare Verurteilung dieser extremistischen Straftat, ein klares Bekenntnis zu den Werten unserer freiheitlichen Gesellschaft, auch seitens der Bundesregierung, dringend geboten. Doch in den meisten politischen Lagern bleibt es auffallend still." Müller-Rosentritt, der seit 2017 im Deutschen Bundestag sitzt, legte mit seinem Fraktionskollegen Johannes Vogel auch Blumen am Tatort nieder.

Gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen Johannes Vogel und dem Vorsitzenden des FDP-Kreisverbandes Dresden, Holger Haase,...

Posted by Frank Müller-Rosentritt, MdB on Sunday, October 25, 2020
Facebook / Frank Müller-Rosentritt, MdB

Am kommenden Sonntag, an Allerheiligen, planen Dresdner LGBTI-Aktivst*innen außerdem eine Mahnwache, um an das "sinnlose und brutale Attentat" zu erinnern (siehe Facebook-Eventseite). "Eine solche Tat kann jeden von uns treffen – immer und überall!", heißt es in der Einladung. "Doch diese Gewissheit sollte uns nicht davon abhalten, weiterhin mit allem Selbstbewusstsein, das wir haben, für Vielfalt und Freiheit zu kämpfen und uns den Gegnern der Vielfalt und der Freiheit entschlossen entgegen zu stellen."


Die Todesanzeige für das Opfer der Gewalttat

Vergangene Woche hatte der offen schwule SPD-Vizechef Kevin Kühnert – unabhängig vom Dresdner Vorfall – eine Debatte losgetreten, ob Islamismus von Linken generell totgeschwiegen wird. Anlass war die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty am 16. Oktober in Paris durch einen Islamisten. Im Nachrichtenmagazin "Spiegel" argumentierte der 31-Jährige: "Insbesondere die politische Linke sollte ihr unangenehm auffälliges Schweigen beenden. Nicht, weil sie von rechts mit durchschaubaren Argumenten dafür kritisiert wird. Sie muss das Wort erheben, weil es auch und insbesondere ihre proklamierten Werte sind, die bei ausnahmslos jedem Terroranschlag mit Füßen getreten, mit Messern erdolcht und mit Sprengsätzen in die Luft gejagt werden." (dk)

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnent*innen bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


-w-

-w-


#1 KaiJAnonym
  • 27.10.2020, 17:34h
  • Gesamtgesellschaftlich muss das Schweigen gebrochen werden. Wie weit werden die Grundfeste der Demokratie geschützt. Hier wurde auf offener Strasse bestialisch gemordet. Und das wahrscheinlich, weil das Grund- und Menschenrecht homosexueller Liebe nicht respektiert wird. Wie weit ist die Gesellschaft, insbesondere auch der sich aufgeklärt gebende Teil, auch im Vergleich zu Frankreich, überhaupt schon bewusst da. Und absolutes Misstrauen ist besonders hier angebracht, wenn mensch an den NSU-Prozess denkt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AthreusProfil
  • 27.10.2020, 17:53hSÜW
  • Warum das Offensichtliche hinterfragen? Die Verschleierung fing bei der "Nichtkommentierung" der Polizei an und setzte sich in Teilen der Berichterstattung durch die Presse fort.

    Andernfalls müsste man ja auch eingestehen, dass trotz der, laut Statistik, aktuell höheren Gefahr durch Nazis, eine ebenso große Gefahr durch radikalisierte Moslems ausgeht, die man teilweise ohne Pass ins Land ließ, teilweise schon abgeurteilt, aber wieder auf freien Fuß ließ, da abschiebeunfähig oder man als BRD vollkommen unfähig ist, eine lückenlose Überwachung aller Gefährder im Land zu gewährleisten.

    Wichtig ist, dass ein Umdenken stattfindet und Hasskriminalität deutschlandweit erfasst wird und eben nicht nur in Berlin. Diese sollte bei gerichtlichen Urteilen zu einer signifikanten Erhöhung der Strafe führen. Und vor allem sollten es die Behörden der BRD nicht mehr zulassen, dass Personen ohne Pass, also unklärbarem Namen, Alter und Lebenslauf oder mit eindeutiger Aktenlage einreisen dürfen und dafür sorgen, dass gerichtlich verurteilte Gefährder konsequent abgeschoben werden. Falls dies nicht möglich ist, sollten sie solange in Sicherheitsverwahrung kommen, bis es wieder möglich ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
  • 27.10.2020, 17:57h
  • Antwort auf #1 von KaiJ
  • "Zur sexuellen Orientierung der Opfer äußern wir uns nicht", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt vergangene Woche."

    Im sächsischen "Tal der Ahnunglosen" um Dresden lebt man eben in einer anderen Zeit.

    Homophobe Volksvertreter sind da landestypisch.

    Sie kommen aus der starken AFD oder aus der Regierungspartei wie Arnold Vaatz (CDU), der sich angesichts der Ehe für uns vor seinen Vorfahren schämte (was mögen die in Thüringen und Sachsen in den 30ern wohl politisch gedacht haben?).

    Tödliche homophobe Gewalt von noch gefährlicheren, eben muslimischen Reaktionären wird da gerne totgeschwiegen.

    Auch das ist homophob, aber auch irgendwie konsequent.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 27.10.2020, 18:03h
  • Ehe Kevin Kühnert andere belehrt, sollte er selbst endlich sein auffälliges Schweigen brechen. Und was Polizei und Staatsanwaltschaft angeht: Wieso werden Rassismus oder Antisemitismus als Motive von Gewalttätern öffentlich genannt, Schwulenhass aber nicht? "Der Spiegel" spricht in seiner aktuellen Printausgabe vom "ersten Mordanschlag eines Islamisten aus Hass auf Homosexuelle in Deutschland". Wieso ist das den Strafverfolgungsorganen keine Silbe wert? Hat das mit dem Tatort zu tun, der in einem traditionell homofeindlich regierten Bundesland liegt? Und warum wird das Motiv des Täters zur Privatangelegenheit der Opfer erklärt?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 KaiJAnonym
  • 27.10.2020, 18:18h
  • Es vergeht kein Tag, an dem uns nicht nachgegangen wird. Und es sind an uns in der Republik auch Morde verübt, wohl auch politisch bewusst. Und hier fand eine wohlmöglich öffentliche Hinrichtung an uns statt, und die Gesellschaft schweigt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 InteressantAnonym
  • 27.10.2020, 18:51h
  • Interessant finde ich, das ihr den "Islamisitschen Terror" betont, nur wo bleibt eure Betonung beim Angriff in Münster auf "Rechtsextremer Terror"?

    Oder seid ihr da so wie alle - auf dem Rechten Auge blind?

    Wenn man die einen benennt dann bitte auch die anderen. Zumal sich Islamisten und Faschisten ziemlich ähnlich sind. Erstere wollen eine Religiös-Fundamentalistische Diktatur, letztere eine Nationalistische Faschistische Diktatur.

    Das rechtsextremer meistens nicht als solcher benannt wird ist schon schlimm genug. Aber das ihr selbst die Faschistische Terrororganisation AfD noch immer als "Rechtspopulisten" verharmlost finde ich zum Kotzen!

    www.vice.com/de/article/zmpvmj/der-schwule-christopher-w-sol
    l-von-rechtsextremen-zu-tode-gefoltert-worden-sein


    Ich selbst spreche aus Erfahrung: Ich wurde in den Neunzigern mehrfach Opfer rechtsextremer Terroristen. Bis hin zum Mordversuch!

    Also, nennt die Dinge beim Namen und nehmt nicht an der Verharmlosung von Nazis teil!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 goddamn liberalAnonym
#8 Ralph
#9 KaiJAnonym
#10 Florian JüngerAnonym
  • 27.10.2020, 21:20h
  • Ich teile die Trauer um den getöteten und wünsche den Hinterbliebenen viel Kraft. Dem in mehrfacher Weise verletzten Partner wünsche ich eine gute medizinische und posttraumatische Behandlung sowie ein Netzwerk aus Verwandten und Freunden, das ihn auffängt.

    Ich finde es schrecklich, wenn körperliche und/oder psychische Gewalt ausgeübt wird. Und ja: als schwulen geht es mir nahe, wenn das Motiv vielleicht in der Homophobie des Täters und dessen Umfeld liegen könnte.

    Wird die Tat aber feiger, verwerflicher, niederträchtiger oder verachtenswerter wenn das Motiv in der homophobie des Täters läge? Gibt es ein Ranking der Geschädigten, das sich aus dem Motiv des Täters ergibt?

    Ein Mensch wurde getötet und einer verletzt, Angehörige, Freunde, Helfer und unbeteiligte wurden traumatisiert. Welchen Stellenwert hat demgegenüber das Motiv des Täters?

    Welchen Sinn macht es diesbezüglich von Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mutmaßung über den Hintergrund der Tat - so naheliegend sie auch erscheinen mag - abzuverlangen?

    Hört auf uns für etwas besonderes zu halten. Wir sind Teil einer pluralistischen Gesellschaft und gegen den Teil unserer Gesellschaft, die uns akzeptiert war dieser Anschlag vielleicht gerichtet.
    Die geschädigten haben dafür einen hohen Preis bezahlt, ob in Paris oder Wolfshagen wo sie wegen ihres Engagements ermordet wurden ebenso wie in Dresden wo vielleicht ein Gegner dieser Werte ein Zeichen setzen wollte.

    Gebt unseren Ermittlungsbehörden die Unvoreingenommenheit, die Motive vorurteilsfrei herauszuarbeiten (ja, mir ist bewußt, dass wir uns das auch lange gewünscht haben und manchmal auch heute noch darum kämpfen müssen, aber es hilft ja nichts) und lasst dann die Gerichte zu einem Urteil kommen.

    Gegner sind nicht Polizei und Justiz. Gemeinsame Gegner sind die Täter, die in allen gesellschaftlichen Gruppierungen und Schichten zu finden sind. Unterstützt unseren Staat dabei seine Aufgaben so gut und so vorurteilsfrei wie möglich zu erfüllen. Wir alle sollten ein starkes Interesse daran haben.
  • Antworten » | Direktlink »