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Kanada

Katholische Kirche kritisiert geplantes Verbot von "Homo-Heilung"

Die kanadische Bischofskonferenz macht sich Sorgen, dass ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien die "legitime Vielfalt" des Landes beschädigen könne.


Kanada gehört zu den LGBTI-freundlichsten Ländern der Welt (Bild: william eiras / flickr)

Die kanadische Bischofskonferenz hat einen von der Regierung in Ottawa geplanten Gesetzentwurf zum Verbot von "Konversionstherapien" für queere Menschen kritisiert. Die Führung der Glaubensgemeinschaft erklärte zwar, man lehne "erzwungene und manipulative Aktivitäten" ab, gleichzeitig wurde die Befürchtung geäußert, dass mit dem Verbot "die legitime Vielfalt bezüglich Ansichten zu Sexualität" beschädigt werden könne, so die Bischofskonferenz in einer vierseitigen Stellungnahme (PDF).

Die Minderheitsregierung des liberalen Premierministers Justin Trudeau hatte Anfang Oktober einen Gesetzentwurf vorgestellt. Dieser sieht fünf neue Straftatbestände vor: Erstens soll die "Heilung" von queeren Jugendlichen verboten werden; zweitens soll es untersagt werden, Jugendliche ins Ausland zu bringen, um sie dort zu "heilen"; drittens soll es nicht gestattet sein, einen Erwachsenen gegen dessen Willen zu "heilen"; viertens soll untersagt werden, mit "Konversionstherapien" Gewinn zu machen; fünftens soll "Werbung" für "Heilungs"-Angebote nicht mehr möglich sein.

Unterstützung von mehreren Oppositionsparteien

Trudeaus Liberale können sich bei diesem Entwurf auf die Unterstützung mehrerer kleiner Parteien, der sozialdemokratischen NDP, des separatistischen Bloc Québécois und der Grünen, sicher sein. Nur aus der konservativen Tory-Partei von Oppositionsführer Erin O'Toole gibt es Kritik am Entwurf. O'Toole kündigte jedoch an, dass es sich dabei um eine Gewissensfrage handle und er den Fraktionszwang aufheben werde.


Premierminister Justin Trudeau regiert Kanada seit 2015

Die Bischofskonferenz erklärte, dass das Gesetz zwar "gut gemeint" sei, aber zur Folge habe, dass etwa Eltern kriminalisiert werden könnten, wenn sie privat mit ihren Kindern "über Fragen der menschlichen Sexualität" sprächen. Außerdem gebe es "eine echte Gefahr, dass christliche, andere religiöse oder ethische Lehren in Bezug auf menschliche Sexualität als Straftaten interpretiert" werden würden. Das Gesetz würde auch Priester unter Strafe stellen, "die Menschen, die sich gleichgeschlechtlich hingezogen fühlen, Keuschheit empfehlen". Außerdem könne das Gesetz klinische Beratung verbieten, in der über "viele Formen von zerstörerischem sexuellen Verhalten" gesprochen wird.

Die liberale Regierung betont dagegen, dass die Religionsfreiheit bestehen bleibe. Allerdings habe der Staat die Aufgabe, Kinder vor Praktiken zu schützen, die zu einem "lebenslangen Trauma" führen würden.

Knapp 40 Prozent der Kanadierinnen und Kanadier sind Mitglied der katholischen Kirche, die damit die größte Glaubensgemeinschaft des Landes ist. Die Bischofskonferenz hat bereits wiederholt Stimmung gegen LGBTI-freundliche Gesetze gemacht. So hat die Kirche lange gegen die staatliche Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben gekämpft und Gläubige aufgefordert, Druck auf die Behörden auszuüben, damit das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben erhalten bleibt. Dabei ging die Kirche wenig zimperlich vor: In der Debatte erklärte Bischof Frederick Henry 2003 etwa, dass Schwule und Lesben kein Recht auf Ehe verdienten, da ihr homosexuelles Verhalten "böse" sei.

Trotz des Widerstandes gegen die Gleichbehandlung gilt Kanada heute als eines der LGBTI-freundlichsten Länder der Welt. Die Ehe wurde etwa bereits 2005 bundesweit geöffnet – damit war Kanada das erste außereuropäische Land, das Schwule und Lesben im Ehe-Recht gleichstellte. (dk)



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#1 AthreusProfil
  • 28.10.2020, 10:50hSÜW
  • Das nenne ich mal einen Gesetzesentwurf! Herr Trudeau, bitte rufen Sie doch eben mal bei Herrn Spahn an, für eine kurze Nachhilfeeinheit. Sogar die Außerlandesschaffung steht unter Strafe. Das wirkt, als wäre es der Regierung ein ECHTES ANLIEGEN.

    Wer beim Konversiontherapien-Verbot eine Beschädigung der AnsichtenvielfT befürchtet, hat entweder überhaupt keine Ahnung, was eine Konversionstherapie ist oder er*sie belegt den ersten Platz in Heuchelei. Wer gibt allerdings auch gerne zu, dass er*sie aktiv an der Zerstörung der psychischen Gesundheit von LGBTQ arbeitet und Suizid-Förderprogramme leitet.

    In jedem Falle zeigt das wieder sehr anschaulich, dass die Einlassungen des unheiligen Franziskus keinen Cent wert sind, wenn seine ranghöchsten Schergen weiterhin ungestört in aller Welt weiterdiskriminieren, -pathologisieren und kriminalisieren.
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#2 Prima4Anonym
  • 28.10.2020, 11:01h
  • "die legitime Vielfalt bezüglich Ansichten zu Sexualität"....

    ? Nur das diese "therapien" eine Handlung und keine Ansichten sind.... oyo
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#3 Ralph
  • 28.10.2020, 11:43h
  • Antwort auf #2 von Prima4
  • Nein, die meinen die illegitime Vielfalt des Hasses auf Minderheiten. Die Ausrottung einer ganzen sozialen Gruppe, egal ob durch Gehirnwäsche oder unter Zuhilfenahme von Gas, ist immer, immer illegitim.
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#4 AFD-WatchAnonym
  • 28.10.2020, 11:44h
  • Faszinierend. Ein Verein, der mit aller Macht versucht die Vielfalt zu bekämpfen, was auch Ziel dieser Therapien ist, prangert die Beschädigung von "Vielfalt" (in ihrem Sinne) an...
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#5 Ralph
  • 28.10.2020, 11:59h
  • Antwort auf #4 von AFD-Watch
  • Oh ja - man bedenke den Wahlspruch dieser Organisation: "Außerhalb der Kirche ist kein Heil" - dass eine mitleidige Serle dann noch "es sei denn durch die Gnade Gottes" angefügt hat, kümmert die Herrschaften nicht und setzt im Übrigen auch immer noch die Existenz des christlich dogmatisierten Gottes voraus. - Man mag sagen: Außerhalb der Kirche ist kein Heil und innerhalb der Kirche ist keine Vielfalt.
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#6 TimonAnonym
  • 28.10.2020, 12:03h
  • DIE wollen doch Vielfalt bekämpfen. Und behaupten dann, sie sähen Vielfalt gefährdet.

    Glauben die das wirklich oder halten die nur ihre Anhänger für so dumm?
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#7 Homonklin_NZAnonym
  • 28.10.2020, 12:27h
  • Das ist der Versuch eines Glaubenskonzerns, sich die Legitimierung ihres selektiv Menschen verachtenden Weltbilds zu erhalten, und hintenrum munter weiter pädophile Bestrebungen betreiben zu können.
    Man muss Herrn Trudeau und seinen Leuten dankbar sein, wenn er es hinkriegt, dieses Treiben so gut als möglich einzudämmen, denn Vielfalt hat diese RKK noch nie verstanden, nie interessiert, nie gelebt oder Menschen zugestanden.

    Auch wenn ich inzwischen nach ganz wo anders auswanderte, aber Canada hat mir einmal beigebracht, dass man schwules Bewusstsein nicht lebenslang unterdrücken muss, und Religion, um gut zu Leben, nicht notwendig ist.
    Es war in Toronto, wo ich Mitte der Neunziger zum ersten Mal ein küssendes Männerpaar in einer belebten Straße sah, und ich dachte, ein Land, in dem das möglich ist, hat realisiert, was Freiheit bedeutet.

    Da kann man nur das beste Gelingen wünschen, um junge LGBTIQ* und überhaupt LGBTIQ* aus religiösem Background vor diesem vormittelalterlichen Brunz zu schützen!
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#8 PeerAnonym
  • 28.10.2020, 13:46h
  • Die Kirche wird sich niemals ändern.

    Da mögen die ab und zu aus Marketinggründen noch so viel Kreide fressen, aber dann zeigen sie doch immer wieder ihr wahres Gesicht.

    Obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass diese Maßnahmen massive körperliche und psychische Schäden nach sich ziehen und bis zum Tod führen können, will dieser unmenschliche und unchristliche Verein an diesen gefährlichen und menschenverachtenden Praktiken festhalten.
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#9 SolanaceaeAnonym
  • 28.10.2020, 16:26h
  • Antwort auf #6 von Timon
  • Ja, die glauben das wirklich. Mit Vielfalt meinen sie nicht etwa sexuelle oder Identitäre Vielfalt, sondern Glaubens Vielfalt. Sie sehen in Gefahr, dass sie nicht mehr hassen dürfen, dass sie nicht mehr die Psyche von LGBT zerstören dürfen. All die vielfältigen Abneigungen und Handlungen gegen uns dürfen nicht mehr ausgeübt werden. Somit sehen sie Vielfalt in Gefahr.

    Dass das vollkommener Irrsinn ist verstehen die wirklich nicht.
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#10 FinyAnonym