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Schloss Bellevue

Bundespräsident lobt LSVD

Zum 30. Jubiläum des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitagvormittag drei Vorstandsmitglieder zu einem Gespräch empfangen.


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Rede im Deutschen Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Im Schloss Bellevue hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitagvormittag drei Vorstandsmitglieder des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) zu einem Gespräch empfangen. Anlass war das 30-jährige Jubiläum des queeren Dachverbands.

"Schwule und Lesben im Schloss Bellevue, Gespräche über die Erfahrungen von queeren, von bi-, trans- und intersexuellen Menschen beim Bundespräsidenten – noch vor wenigen Jahrzehnten wäre wohl so mancher Sittenwächter rot angelaufen und die Meldung hätte einen handfesten Skandal ausgelöst", sagte Steinmeier in einer Ansprache vor dem Treffen. "Heute ist es umgekehrt: Ein Skandal liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität verächtlich gemacht oder benachteiligt werden. Was für eine zivilisatorische Wendung! Welch ein Fortschritt!"

"Zehntausende mutige Menschen haben sich gewehrt"

Dass die Gesellschaft heute "reifer und aufgeklärter" dastehe, sei auch ein Verdienst von Politik und Parteien, so der Bundespräsident. "Vor allem aber haben wir diesen Erfolg Generationen von Aktivistinnen und Aktivisten zu verdanken. Von Karl Heinrich Ulrichs über Johanna Elberskirchen und Magnus Hirschfeld bis zu Stonewall und der immer größer gewordenen globalen Bewegung der letzten fünfzig Jahre: Zehntausende mutige Menschen haben sich gewehrt, sind auf die Straße gegangen, haben viel riskiert, um für sich und nachfolgende Generationen das Recht auf Liebe zu erkämpfen."

Auch der Lesben- und Schwulenverband habe "viel dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft bunter und toleranter geworden ist", lobte Steinmeier. "Die Mitglieder und Unterstützer des LSVD gehören oft zu den ersten in Deutschland, die ihre Stimme gegen Diskriminierung und Verfolgung erheben – ob hierzulande, bei unseren Nachbarn oder auf anderen Kontinenten. Für all dieses bürgerschaftliche, meist ehrenamtliche Engagement möchte ich Ihnen hier und allen aktiven und ehemaligen Engagierten ganz herzlich danken."

Themen waren u.a. Hasskriminalität und die Corona-Krise

Für den LSVD nahmen Gabriela Lünsmann, Günter Dworek und Axel Hochrein an dem Gespräch mit dem Bundespräsidenten teil. Anhand jüngster Vorfälle schilderten die LSVD-Vertreter*innen laut einer Pressemitteilung, wie homo- und transfeindliche Gewalt oft noch totgeschwiegen und bagatellisiert wird. Sie baten Steinmeier um Unterstützung dafür, dass der Kampf gegen queerfreindliche Hasskriminalität endlich einen angemessenen Stellenwert in der deutschen Innenpolitik erhält.

Auch die Auswirkungen von Corona auf die gesamte Beratungs-, Unterstützungs- und Community-Infrastruktur von LGBTI waren Thema. Der LSVD betonte, wie wichtig diese Freiheits- und Schutzräume für queere Menschen seien. Sie sollten von Politik und Gesellschaft als systemrelevant erkannt und entsprechend unterstützt werden.

Gesellschaftspolitischen Erfolge wie die Ehe für alle wurden im Gespräch gewürdigt, aber auch die Defizite bei der familienrechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien angesprochen. Derzeitige Regelungen behindern die rechtliche Absicherung der Kinder in Regenbogenfamilien und schaden dem Kindeswohl.

Twitter / lsvd


Nachdrücklich wies der LSVD auf die prekäre Situation von LGBTI-Geflüchteten hin, auf ihre Gefährdung in Sammelunterkünften und auf die sehr oft zu beobachtenden Mängel im Asylverfahren, wo häufig nicht einmal höchstrichterliche Rechtsprechung zur sexuellen Orientierung beachtet wird.

Auch über die internationale Menschenrechtslage von LGBTI informierten die LSVD-Vorstände den Bundespräsidenten. Deutschland müsse deutlich betonen, dass die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität eine schwere Verletzung der universellen Menschenrechte ist, forderte der Verband. (mize/pm)



#1 TimonAnonym
  • 30.10.2020, 15:52h
  • Gut und schön.

    Aber von ewigem Gerede, Lob, Solidaritätskundgebungen, Absichtserklärungen, etc. hat keiner was. Es muss auch endlich mal gehandelt werden.
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#2 KaiJAnonym
#3 AthreusProfil
  • 30.10.2020, 16:14hSÜW
  • Sollte ich erfahren, dass der Vorstand diese einmalige Gelegenheit nicht genutzt hat, ihn persönlich mit seiner Doppelmoral zu konfrontieren, etwa die alljährlichen Beglückwünschungen unserer Henker oder die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Staatsoberhäupter, die die Todesstrafe einführen, anzusprechen, trete ich aus und investiere mein Geld in andere Vereine oder Organisationen, die sich nicht mit einer Tasse Kaffee, einem Sahnetörtchen und warmen Worten blenden lassen, die im krassen Widerspruch zum Handeln der Person stehen.
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#4 56James35Anonym
  • 30.10.2020, 16:50h
  • Schön.
    Aber hat der Präsident in Deutschland eine andere Macht als eine moralische?
    Wurde der aktive Politiker Frank Walter Steinmeier nicht kaltgestellt?
    Er ist nämlich erst 64, Merkel 66.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 30.10.2020, 17:50h
  • Antwort auf #3 von Athreus
  • "die alljährlichen Beglückwünschungen unserer Henker"

    Deutsche Eliten pflegen seit jeher keine universalen Prinzipien, sondern einen romantischen Kulturrelativismus.

    Die Solidarität mit unsereinem, die auch national nicht allzu weit geht, hört erst recht auf, wenn es z. B. um queere Iraner*innen im Iran geht. Die leben nach diesem Modell eben in einer anderen 'Kultur' und haben sich zu fügen (oder sie werden getötet).
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#6 FinnAnonym
  • 30.10.2020, 21:00h
  • Antwort auf #3 von Athreus
  • Richtig, der hängt sein Fähnchen immer nach dem Wind:

    Homohasser werden von ihm hofiert, gelobt und ausgezeichnet.

    Und gleichzeitig gibt er sich als LGBTI-Freund.

    Solchen Menschen kann man doch nichts mehr glauben.

    Typisch SPD halt (auch wenn seine Mitgliedschaft derzeit ruht).
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#7 goddamn liberalAnonym
#8 dfsdfdsfAnonym
  • 31.10.2020, 08:19h
  • Dieser gewisse Steinmeier gehört zu den Akteuren, die den größten Niedriglohnsektor Europas eingeführt haben. Eine Person mit Anstand macht um so einen eigentlich einen großen Bogen.
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#9 Ralph
  • 31.10.2020, 10:38h
  • Dass die deutsche Rechtsordnung Schwule und Lesben in gleicher Weise schütze wie Heterosexuelle, wird durch noch so häufige Wiederholung nicht wahr. Das, Herr Steinmeier, ist der Skandal.
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#10 gastAnonym