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Podcast

Warum schweigt die Politik zum Mord in Dresden, Kevin Kühnert?

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht der SPD-Vizechef über das Desinteresse der Gesellschaft an Queerfeindlichkeit, die Homophobie von Merz und Laschet, die Abwahl von Donald Trump und eine frühere "Selbstlüge".

Direktlink | MP3 | Die 14. Folge (62 Min.) | Der Podcast bei iTunes, Spotify, Podigee
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Vor knapp zwei Wochen forderte Kevin Kühnert im "Spiegel", die politische Linke müsse ihr angebliches Schweigen zu islamistischem Terror beenden – parallel enthüllte das Magazin, dass das Attentat auf zwei Männer in Dresden einen mutmaßlich homofeindlichen Hintergrund hat. In seinem Text konnte der Noch-Juso-Vorsitzende, SPD-Vizechef und Bundestagskandidat nicht mehr darauf eingehen – im neuen QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram hat er nun dazu die Gelegenheit bekommen.

Tat in Dresden kein "Angriff auf uns alle"


Kevin Kühnert (li.) und Johannes Kram vor dem Tonstudio

Warum schweigt ein Großteil der politischen Elite zu queer­feindlichem Terrorismus, will Kram, der sich an die Sprachlosigkeit der Bundes­regierung nach dem Attentat von Orlando erinnert fühlt, von Kühnert wissen. Der vermutet ein "Missverständnis in der Mehrheitsgesellschaft", die den Wunsch nach Gleich­behandlung als Aufruf interpretiere, über die sexuelle Orientierung zu schweigen.

"Wir müssen auch wegkommen von diesem ritualisierten 'Das ist ein Angriff auf uns alle'", fordert der 31-jährige SPD-Shootingstar in diesem Zusammenhang. Hinter dieser Floskel, die auch am Sonntag bei der vom CSD organisierten Mahnwache in Dresden zu hören war, verberge sich oft ein "weitschweifiges Desinteresse an den eigentlichen Gründen von Angriffen", so Kühnert. "Es ist schön, wenn sich Leute mitangegriffen fühlen und dann Empörung und Widerstand daraus entwickeln, aber angegriffen werden häufig sehr gezielt ganz bestimmte Gruppen."

Im Podcast wagt der Juso-Chef außerdem eine Prognose zur US-Wahl am Dienstag, spricht über seine Strategie gegen Populismus ("Mehr kommunizieren, verständlicher kommunizieren, ja und auch ruhiger kommunizieren") und wie sich der Einsatz für Minderheitenrechte und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden lassen.

Natürlich geht es auch um die Queer­feindlichkeit der Bewerber um den CDU-Vorsitz. Dass Friedrich Merz beim Thema Homosexualität sofort an Pädophilie denkt, interpretiert Kühnert entweder als dessen feste Überzeugung oder bewusste Äußerung, um den rechten Rand zu triggern. "Das ist wie, als wenn Armin Laschet den polnischen Staatspräsidenten empfängt und sagt, ich habe kein Problem, dass er Pole ist, solange er nicht meine Armbanduhr klaut." Als Grund dafür, warum die so offensichtliche Queer­feindlichkeit von Merz in der Union nicht erkannt wird, vermutet der SPD-Vizechef "fehlende Empathie" mit Lesben und Schwulen.

In dem gut einstündigen Gespräch mit Johannes Kram übt Kevin Kühnert, der vor zweieinhalb Jahren in einem "Siegessäule"-Interview erstmals unspektakulär über sein Schwulsein sprach, auch Selbstkritik. Während er vor zwei Jahren noch meinte, seine Homosexualität sei für sein politisches Handeln nicht so relevant, bezeichnete er dies nun als "Selbstlüge". Es sei eine Stärke, die eigene queere Perspektive einzubringen und der "Autorität der eigenen Biografie" zu vertrauen.

Nicht zuletzt geht es im Podcast auch um Privates. Kühnert, der mit der S-Bahn zum Tonstudio gekommen ist, spricht über seinen Versuch, als Spitzenpolitiker "Teil des normalen Lebens" zu sein, erzählt von seinen enormen Kräuterschnaps-Vorräten und seinem Tinder-Profil. Freuen darf man sich auch auf einen bevorstehenden Auftritt in Drag.

Zu Gast bei QUEERKRAM

Folge 1 mit Falk Richter und Jonas Dassler:
Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
Warum das Transsexuellengesetz auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört
Folge 3 mit Ralf König:
Warum Ralf König genug vom "Gezicke in sozialen Medien" hat
Folge 4 mit Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler:
Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
Warum gibt es so viel Häme auch in der Community?
Folge 6 mit Insel Pohl:
Outest du dich im Interview mit Homohassern, Ines Pohl?
Folge 7 mit Patrick Lindner:
Warum Patrick Lindner auf dem CSD singen muss!
Folge 8 mit Pierre Sanoussi-Bliss:
"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
"Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen"
Folge 11 mit Riccardo Simonetti:
Warum wir auf unser "Anderssein" stolz sein können!
Folge 12 mit Sookee:
"Eine rassistisch agierende Community kann sich erneuern"
Folge 13 mit Linus Giese
"Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären"

-w-

#1 FinnAnonym
  • 02.11.2020, 10:30h
  • Die Politik schweigt zu den wahren Motiven, weil die Öffentlichkeit es nicht mitkriegen soll.

    Genauso wie Union und SPD gemeinsam (!!) alle Anträge von Grünen und Linkspartei blockieren, homo- und transphobe Straftaten (wie es bisher nur in Berlin dank der dort sehr engagierten Polizei passiert) statistisch zu erfassen.
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#2 GargamelAnonym
#3 GronkelAnonym
  • 02.11.2020, 10:48h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • "Genauso wie Union und SPD gemeinsam (!!) alle Anträge von Grünen und Linkspartei blockieren, homo- und transphobe Straftaten (wie es bisher nur in Berlin dank der dort sehr engagierten Polizei passiert) statistisch zu erfassen."

    Die einfache Erfassung reicht nicht. Es wird in unserem Rechtssystem so viel auf Erziehung wert gelegt aber wenn es darum geht die Täter von Homophoben Taten zu klassifizieren, um auch wirklich zielgerichtet gegenzusteuern, wird zu wenig bis gar nichts gemacht. Da scheut die Politik klare Worte wie der Teufel das Weihwasser. Wochenlang wird hier ein eindeutig islamistischer Mord an einem Schwulen unter dem Teppich gekehrt. Wahrscheinlich frei nach de Maizière um die Bebölkerung nicht zu beunruhigen.
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