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Geschichtsrevisionismus

Bushido: "Für mich war schon immer klar, dass ich selbst nicht homophob bin"

Er rappte davon, Tunten zu vergasen oder Schwuchteln zu verkloppen, zeigte LGBTI-Aktivist*innen den Mittelfinger oder bezeichnete Lesben als "nicht ordentlich durchgefickt". Heute tut Bushido aber so, als wäre er schon immer ein Menschenfreund gewesen.


Der neue Bushido zeigt in einem Video Flagge

Der 42-jährige Rapper Bushido hat auf Instagram behauptet, dass er nie Hass auf sexuelle Minderheiten empfunden habe. In einem am Samstag aufgenommenen Video erklärte der Rapper, für ihn sei immer schon klar gewesen, "dass ich selbst nicht homophob bin".

Anlass ist ein wenige Tage zuvor aufgenommenes Video des Rappers, in dem er ein Hemd trug, auf dem die von Gilbert Baker in den Siebzigerjahren entwickelte Original-Regenbogenfahne abgebildet war (ursprünglich war die Flagge achtfarbig mit einem grell-pinken Streifen oben, der aber entfernt wurde, weil die Farbe damals nicht industriell herstellbar war). Er ging damals nicht auf das Kleidungsstück ein, erklärte aber im neuen Video, dass ihn die homophobe Reaktion vieler Kommentator*innen auf sein "Regenbogenflaggen-Nike-Shirt" schockiert habe: "Wie viele Menschen sich darüber aufregen, dass ich hier dieses T-Shirt anhabe und so. Wo ich mir denke: 'Leute, was ist eigentlich in eurem Leben falsch gelaufen alter?' Was ist wirklich falsch gelaufen?'"

Er ging anschließend auf Homophobie-Vorwürfe gegen seine Person ein: "Ich dachte 2005, als bei mir diese Riesen-Homophobie-Kiste aufgetaucht ist, dachte ich mir, okay, jetzt musst du auch mit diesen Leuten ein bisschen reden und sowas alles. Im Endeffekt hab ich mir das aber selber nie so wirklich zu Herzen genommen, weil für mich war schon immer klar, dass ich selbst nicht homophob bin." Er sei auch kein Antisemit und kein Frauen-Feind.

"Natürlich war die Musik in Teilen sehr speziell und vor allem auch die Texte, aber das hat für mich als Person, für meine Person gar nichts gesagt", so Bushido weiter. "Aber wenn ich heute, im Jahr 2020, vorgestern mal unter die Kommentare schaue, wie viele Leute sich da aufregen und so, find ich krass! Da möchte ich mich auch ganz ausdrücklich distanzieren." Zudem postulierte er: "Es ist ja absurd, dass Menschen aufgrund ihrer Religion, Hautfarbe, Sexualität ja irgendwie verfolgt oder diskriminiert werden und sowas alles. Es ist unfassbar."

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"Wir verkloppen jede Schwuchtel"

Freilich hatte Bushido jahrelang an seinem homophoben Image gearbeitet: 2005 rappte er "Ihr Tunten werdet vergast". Auf Druck seiner Plattenfirma wurde das Lied aber nicht veröffentlicht (queer.de berichtete). In anderem Songs zog er aber trotzdem über Homosexuelle her. Im Lied "Berlin" heißt es etwa: "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel".

Aber nicht nur in Texten zeigte sich Bushidos Homophobie, sondern auch im realen Leben: 2007 streckte er LGBTI-Aktivist*innen, die gegen ihn demonstrierten, den Mittelfinger entgegen – und das ausgerechnet bei einem Anti-Gewalt-Konzert. Dazu sagte er: "Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf" (queer.de berichtete). Wenige Jahre später pöbelte er CSD-Teilnehmende in Kreuzberg an. Die "taz" zitierte ihn unter anderen mit dem Spruch: "Ihr seid Lesben? Ihr wurdet einfach nicht ordentlich durchgefickt" (queer.de berichtete).

Trotz dieser Aktionen war Bushido auch im Mainstream populär. Er wurde etwa 2007 vom grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour vor seinem Anti-Gewalt-Konzertauftritt verteidigt (queer.de berichtete). Starproduzent Bernd Eichinger verfilmte sogar 2010 seine Autobiografie "Zeiten ändern sich" mit einer Starbesetzung (Moritz Bleibtreu, Elyas M'Barek, Hannelore Elsner, Katja Flint, Uwe Ochsenknecht, Karel Gott).

"Männer können Männer heiraten"

Von seiner Homofeindlichkeit will Bushido heute nichts mehr wissen – er präsentiert sich dagegen als Vorzeige-Toleranzbotschafter. Seine Ehefrau behauptet im Video sogar, dass man die Kinder zur Toleranz erziehe: "Wir haben unseren Kindern erklärt, dass Männer und Männer heiraten können und das auch völlig okay ist – das wissen die schon mit vier Jahren", so Anna-Maria.

Derzeit kuriert Bushido eine Corona-Infektion aus – und gibt sich auch in dieser Frage (gegenwärtig) rational: "Das Lustige ist ja, dass es dort so viele Menschen gibt, die diese Pandemie bestreiten, aber keinen geraden Satz schreiben können", sagte er. "Aber sie wissen exakt über die biomechanischen Vorgänge in einer molekularen Virenstruktur Bescheid." (dk)



#1 OwnenheimAnonym
#2 DizzydevilAnonym
  • 05.11.2020, 16:37h
  • Will er jetzt auf braver Bube machen wegen seiner Gerichtsverhandlungen? Ich glaub ihm kein Wort!
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#3 remixbeb
  • 05.11.2020, 17:04h
  • Als jemand, der seit seiner frühen Jugend selbst in der Hip-Hop Szene war, nehme ich ihm das prinzipiell sogar ab. Bei den Battles geht es immer darum, den anderen aufzuziehen und ja, auch zu beleidigen. Da werden Sachen vom Stapel gelassen, die ziemlich unschön sind, die aber beim Rap-Battle eben Teil der Kultur sind und die tatsächlich nicht immer das ausdrücken, was der Rapper denkt. Kann man unschön finden oder halt nicht. Ob man das dann auch tun muss, ist allerdings eine andere Frage. Problematisch wird die Sache dann, wenn der Zuhörer keine Ahnung hat, und das als bare Münze aufnimmt. Passt dann so schön zum Bad Boy image und wird dann imitiert. Und da ist es dann eben kein Battle oder Spiel mehr.
    Deshalb finde ich sowohl Shirt als auch Kommentar durchaus positiv. Ob er dann tatsächlich so tickt, weiß im Endeffekt niemand.
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#4 AthreusProfil
  • 05.11.2020, 17:05hSÜW
  • Ich singe darüber, dass ich Schwuchteln vergasen will und verstehe nicht, wieso meine Fans Schwule als Schwuchteln bezeichnen und tot sehen wollen. Und homophob war ich sowieso nie. Wow, wow und wow! So oder so, sprengt das die Richterskala: entweder die der Heuchelei oder die der Dummheit.

    Ich denke, falls dieser Mensch fernab jeglichen Problemempfindens bezüglich sich selbst, den Sachverhalt tatsächlich so empfindet, was ich nicht eine Milisekunde glaube, sollte ihm dringend ärztlich geholfen werden.
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#5 IchfasseesnichtAnonym
  • 05.11.2020, 17:31h
  • Antwort auf #3 von remixbeb
  • "Da werden Sachen vom Stapel gelassen, die ziemlich unschön sind, die aber [...] eben Teil der Kultur sind [...]. Kann man unschön finden oder halt nicht."

    Wow. Wenn Homophobie und andere Formen der Menschenfeindlichkeit Teil der Kultur sind, kann man das unschön finden oder halt nicht? Ernsthaft jetzt? Gilt das dann auch für die islamistische Kultur, für die christliche Kultur, die "deutsche Leitkultur" etc.?

    Man kann das einfach nur unschön finden, oder halt auch nicht? Gewalttätige Teile einer Kultur sind "eben Teil der Kultur" und damit unanfechtbar? Ganz nach dem Motto "das war ja auch schon immer so, und es hat sich schließlich niemand was dabei gedacht"?

    Was ich davon halte, steht in meinem Nickname.
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#6 BiedermannAnonym
  • 05.11.2020, 17:58h
  • Antwort auf #3 von remixbeb
  • "Kann man unschön finden oder halt nicht."

    Rassismus? Kann man unschön finden oder halt nicht. Antisemitismus? Muss ja nicht immer schlimm sein. Aufrufe zu Vergewaltigung? Kann man blöd finden oder klasse. Volksverhetzung? Die einen sagen so, die anderen so.

    Bring mal deinen moralischen Kompass zur Reparatur.
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#7 swimniAnonym
#8 globoProfil
  • 05.11.2020, 18:39hBerlin
  • Mir fällt schwer Bushido seine Beteuerungen abzunehmen. Wenn er seine Hetze nur gemacht hat, um Kasse zu machen, ist es nicht besser.
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#9 remixbeb
  • 05.11.2020, 19:16h
  • Antwort auf #6 von Biedermann
  • Mir war klar, dass das auseinandergenommen wird. Aber offensichtlich wurde der Kern nicht verstanden. Der Punkt war, dass in aller Regel der Rapper bzw. Dessen Textinhalte eine Kunstfigur ist, genauso wie ein Protagonist in einem Roman. Und da würde auch niemand anfangen, einen Autor fertig zu machen, weil seine Figur im Roman Menschlich daneben ist.

    Und wenn man genau liest, was ich geschrieben habe, wird man feststellen, dass es mir darum ging, dass ich es nicht für ausgeschlossen halte, dass er tatsächlich kein Problem mit LSBIQT * hat. Nicht mehr und nicht weniger.

    Mein moralischer Kompass funktioniert ganz gut. Danke für den Tipp. Ich habe nirgends geschrieben, dass ich sexistische, homophobe, antisemitische oder rassistische Inhalte gut finde.
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#10 Roman BolligerAnonym