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Geschichtsrevisionismus
Bushido: "Für mich war schon immer klar, dass ich selbst nicht homophob bin"
Er rappte davon, Tunten zu vergasen oder Schwuchteln zu verkloppen, zeigte LGBTI-Aktivist*innen den Mittelfinger oder bezeichnete Lesben als "nicht ordentlich durchgefickt". Heute tut Bushido aber so, als wäre er schon immer ein Menschenfreund gewesen.

Der neue Bushido zeigt in einem Video Flagge
- 5. November 2020, 14:56h 4 Min.
Der 42-jährige Rapper Bushido hat auf Instagram behauptet, dass er nie Hass auf sexuelle Minderheiten empfunden habe. In einem am Samstag aufgenommenen Video erklärte der Rapper, für ihn sei immer schon klar gewesen, "dass ich selbst nicht homophob bin".
Anlass ist ein wenige Tage zuvor aufgenommenes Video des Rappers, in dem er ein Hemd trug, auf dem die von Gilbert Baker in den Siebzigerjahren entwickelte Original-Regenbogenfahne abgebildet war (ursprünglich war die Flagge achtfarbig mit einem grell-pinken Streifen oben, der aber entfernt wurde, weil die Farbe damals nicht industriell herstellbar war). Er ging damals nicht auf das Kleidungsstück ein, erklärte aber im neuen Video, dass ihn die homophobe Reaktion vieler Kommentator*innen auf sein "Regenbogenflaggen-Nike-Shirt" schockiert habe: "Wie viele Menschen sich darüber aufregen, dass ich hier dieses T-Shirt anhabe und so. Wo ich mir denke: 'Leute, was ist eigentlich in eurem Leben falsch gelaufen alter?' Was ist wirklich falsch gelaufen?'"
Er ging anschließend auf Homophobie-Vorwürfe gegen seine Person ein: "Ich dachte 2005, als bei mir diese Riesen-Homophobie-Kiste aufgetaucht ist, dachte ich mir, okay, jetzt musst du auch mit diesen Leuten ein bisschen reden und sowas alles. Im Endeffekt hab ich mir das aber selber nie so wirklich zu Herzen genommen, weil für mich war schon immer klar, dass ich selbst nicht homophob bin." Er sei auch kein Antisemit und kein Frauen-Feind.
"Natürlich war die Musik in Teilen sehr speziell und vor allem auch die Texte, aber das hat für mich als Person, für meine Person gar nichts gesagt", so Bushido weiter. "Aber wenn ich heute, im Jahr 2020, vorgestern mal unter die Kommentare schaue, wie viele Leute sich da aufregen und so, find ich krass! Da möchte ich mich auch ganz ausdrücklich distanzieren." Zudem postulierte er: "Es ist ja absurd, dass Menschen aufgrund ihrer Religion, Hautfarbe, Sexualität ja irgendwie verfolgt oder diskriminiert werden und sowas alles. Es ist unfassbar."
"Wir verkloppen jede Schwuchtel"
Freilich hatte Bushido jahrelang an seinem homophoben Image gearbeitet: 2005 rappte er "Ihr Tunten werdet vergast". Auf Druck seiner Plattenfirma wurde das Lied aber nicht veröffentlicht (queer.de berichtete). In anderem Songs zog er aber trotzdem über Homosexuelle her. Im Lied "Berlin" heißt es etwa: "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel".
Aber nicht nur in Texten zeigte sich Bushidos Homophobie, sondern auch im realen Leben: 2007 streckte er LGBTI-Aktivist*innen, die gegen ihn demonstrierten, den Mittelfinger entgegen – und das ausgerechnet bei einem Anti-Gewalt-Konzert. Dazu sagte er: "Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf" (queer.de berichtete). Wenige Jahre später pöbelte er CSD-Teilnehmende in Kreuzberg an. Die "taz" zitierte ihn unter anderen mit dem Spruch: "Ihr seid Lesben? Ihr wurdet einfach nicht ordentlich durchgefickt" (queer.de berichtete).
Trotz dieser Aktionen war Bushido auch im Mainstream populär. Er wurde etwa 2007 vom grünen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour vor seinem Anti-Gewalt-Konzertauftritt verteidigt (queer.de berichtete). Starproduzent Bernd Eichinger verfilmte sogar 2010 seine Autobiografie "Zeiten ändern sich" mit einer Starbesetzung (Moritz Bleibtreu, Elyas M'Barek, Hannelore Elsner, Katja Flint, Uwe Ochsenknecht, Karel Gott).
"Männer können Männer heiraten"
Von seiner Homofeindlichkeit will Bushido heute nichts mehr wissen – er präsentiert sich dagegen als Vorzeige-Toleranzbotschafter. Seine Ehefrau behauptet im Video sogar, dass man die Kinder zur Toleranz erziehe: "Wir haben unseren Kindern erklärt, dass Männer und Männer heiraten können und das auch völlig okay ist – das wissen die schon mit vier Jahren", so Anna-Maria.
Derzeit kuriert Bushido eine Corona-Infektion aus – und gibt sich auch in dieser Frage (gegenwärtig) rational: "Das Lustige ist ja, dass es dort so viele Menschen gibt, die diese Pandemie bestreiten, aber keinen geraden Satz schreiben können", sagte er. "Aber sie wissen exakt über die biomechanischen Vorgänge in einer molekularen Virenstruktur Bescheid." (dk)














