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NRW

Schwuler Grünen-Politiker erhält nach AfD-Video Hassnachrichten

Mit einem viralen Video hatte die AfD-Landtagsabgeordnete Iris Dworeck-Danielowski aus NRW ihren grünen Kollegen Arndt Klocke indirekt als Befürworter von Pädophilie dargestellt. Der 49-Jährige erstattete Anzeige.


Der Kölner Grünen-Politiker Arndt Klocke ist seit 2010 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Von Mai 2017 bis Oktober 2020 war er Fraktionsvorsitzender seiner Partei (Bild: Grüne Fraktion NRW)

Der grüne NRW-Landtagsabgeordnete Arndt Klocke hat wegen einer Welle von Hass-Botschaften die Polizei eingeschaltet. Das hat ein Parteisprecher am Freitagabend unter Berufung auf Klocke bestätigt. Zuvor hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe) darüber berichtet.

Die AfD-Landtagsfraktion hatte in sozialen Netzwerken ein Video zu einer Landtagsdebatte mit dem Titel "AfD-Frau warnt vor Pädophilie, Grüner rastet aus!" eingestellt. Daraufhin habe der 49-jährige Abgeordnete zahlreiche hasserfüllte Zuschriften erhalten, berichtet die Zeitung.

Landtagspräsidium verurteilte AfD-"Provokation"

Das Landtagspräsidium habe das Vorgehen der AfD scharf verurteilt: "Die Eskalation und Provokation durch die bewusst gewählte Betitelung des Videos und die damit verbundene Verzerrung der Plenardebatte in den sozialen Medien ist eine Grenzüberschreitung", zitiert die Zeitung aus einer Stellungnahme des Präsidiums.

Hintergrund ist eine Landtagsdebatte über das Verkaufsverbot von Kinder-Sexpuppen, die bereits am 16. September stattfand (Video der Plenarsitzung, TOP 3 ab ca. 02h00). Die AfD-Abgeordnete Iris Dworeck-Danielowski hatte dabei einen Bogen zwischen der queeren Bewegung und Pädophilie gespannt und den ersten schwulen Kuss in der "Lindenstraße" mit der Darstellung einer pädosexuellen Figur in der ARD-Vorabendserie verglichen. Klocke hatte darauf mit zahlreichen empörten Zwischenrufen reagiert, später hatten auch Vertreter von SPD und FDP eine verletzende und homophobe Debatte beklagt.

In einer Kurzintervention am Ende der Aussprache räumte Dworeck-Danielowski zwar zunächst ein "vielleicht irreführendes Beispiel" ein. "Es ging mir in meiner Rede in keiner Weise darum, Homosexualität mit Pädophilie in Zusammenhang zu bringen", behauptete die 42-jährige AfD-Abgeordnete, die früher Mitglied der PDS war. "Wenn ich jemanden verletzt habe, dann tut es mir auch sehr leid." Gleich anschließend wollte sie allerdings zu einer Tirade gegen die "queere Bewegung" ausholen – ihre Redezeit von 90 Sekunden war jedoch abgelaufen.

AfD: "schleichenden Etablierung Pädophiler in der 'Queer-Community'"

Die Attacke folgte einen Tag später: Am 17. September teilte Dworeck-Danielowski einen Mitschnitt ihrer Rede in sozialen Netzwerken und schrieb dazu: "Während meiner Rede kam es im Landtag zum Eklat: Als ich vor der schleichenden Etablierung Pädophiler in der 'Queer-Community' warne, rastet ein Kollege von den Grünen vollkommen unerwartet aus und schreit herum." Das Video löste bei Facebook über 3.000 Reaktionen aus, wurde mehr als 1.700 Mal geteilt. Hier und in anderen Videoversionen etwa auch bei Youtube wurde viel kommentiert, dabei wurde etwa häufig den Grünen, Klocke und auch Schwulen eine Nähe zu Pädophilen unterstellt.


Screenshot von Iris Dworeck-Danielowskis Facebook-Post vom 17. September 2020

Die AfD zeigte sich über den ausgelösten Hass uneinsichtig: "Es ist nicht unsere Schuld, dass diese Partei nach wie vor mit Pädophilie und Päderasten in Verbindung gebracht wird", zitiert der "Kölner Stadt-Anzeiger" einen Sprecher der Rechtsaußenpartei.

Arndt Klocke sitzt seit 2010 im Landtag und ist Partner des grünen Bundestagsabgeordneten Sven Lehmann. Von Februar 2006 bis Juni 2010 war er Landesvorsitzender seiner Partei und von Mai 2017 bis Oktober 2020 Fraktionsvorsitzender.

"Diese Shitstorms nach Veröffentlichung des AfD-Videos mit den Drohungen gegen mich waren schon heftig", erklärte Klocke im Interview mit dem queeren NRW-Magazin "Fresh". "Aber ich bin als Abgeordneter in einer priviligierten Situation, ich habe ein Büroteam und wir haben in unserer Fraktion ein Justiziariat und eine gute Pressestelle. Außerdem hatte ich mich vorher schon bei Abgeordneten-Kollegen wie Cem Özdemir, Renate Künast oder Claudia Roth informiert, bei denen solche Drohungen und Schmähungen ja leider regelmäßig auf der Tagesordnung sind." (mize/dpa)

Nachträglich ergänzt um "Fresh"-Zitat.



#1 ShirKhanAnonym
  • 07.11.2020, 08:01h
  • Es ist immer wieder die gleiche Konstellation. Die "grundmoralische" AfD, empört sich über die "grün-links-versieften" Parteien und hinterher war´s nicht so gemeint und sie wollten niemand beleidigen und im gleichen Atemzug wettern sie wieder los.

    mit logischen Argumenten braucht man diesen Volksvertretern gar nicht zu kommen.
    Als gründer, linker oder einfach nicht AfDler in einem Parlament braucht man einfach ein dickes Fell oder die Ohren auf Durchzug stellen. Im Grunde sind es diese Rechten nicht wert, dass man sich so über sie aufregt
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#2 Ralph
  • 07.11.2020, 10:09h
  • Ah ja, aus den Reihen der AfD (und übrigens auch aus der CDU und der kath. Kirche) werden die Grünen immer wieder mit Pädosexualität in Verbindung gebracht - aber das ist nicht Schuld der AfD.
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#3 AthreusProfil
  • 07.11.2020, 10:39hSÜW
  • Friedrich Merz hat sich den Namen bestimmt schon für mögliche Koalitionsverhandlungen vermerkt, von denen er nachts träumt. Inhaltlich sehe ich bei dem Thema keine Unterschiede, zwischen Merz, AfD und den Figuren der Jungen- und der Werte Union.
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#4 AltoAnonym
#5 swimniAnonym
  • 07.11.2020, 10:51h
  • die ist meister im verbreiten fake news und hetze, diese partei ist der spirtitus rechtsradikaler brandanschläge, sie ist der katalysator für neonazistische enthemmung und bürgerlicher boshaftigkeit.
    schon in den achziger jahren war mir klar, dass die queeren grünen das pädo-thema noch jahrzehnte lang mit sich herum tragen müssen, da es von hasserfüllten kräften bis zum exzess ausgeschlachtet werden kann. damals zeigten sich jedoch die heute geläuterten protagonisten leider zu lange immun gegen vernünftige argumente, wie ich persönlich bestätigen kann.
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#6 gastAnonym
#7 Ralph
  • 07.11.2020, 13:53h
  • Antwort auf #4 von Alto
  • Ich hatte meinen Beitrag ironisch gemeint. - Aber unabhängig davon: Wer wie ich die 80er in der Szene erlebt und von damals Älteren Berichte über die 70er gehört hat, wird sich erinnern, dass in beiden Jahrzehnten von weiten Teilen der Community Pädosexualität und Homosexualität vermischt wurden und eine Solidarisierung zahlreicher Schwuler (erst recht in Vereinen und Initiativen) mit Pädosexuellen stattfand und das auch gestützt wurde von einer entsprechenden Strömung in der Sexualwissenschaft. Ich habe gerade kürzlich mal wieder einen Blick in Aufklärungsbücher der damaligen Zeit geworfen und entsetzt wiedergefunden, wie hemmungslos auch Leute mit noch heute berühmten Namen Sex erwachsener Männer untereinander und Sex erwachsener Männer mit Kindern auf eine Stufe stellten. Ich erspare den beiden namhaften Autoren eines seinerzeit populären Buches von 1982, beide Ikonen der Schwulenbewegung, hier die Bloßstellung und behalte die Namen für mich.
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#8 Alexander_FAnonym
  • 07.11.2020, 15:32h
  • Antwort auf #1 von ShirKhan
  • Aufregung wäre auch nur deshalb angebracht, wenn es irgendeine Überraschung gäbe. Dieser "Eklat" folgt aber tatsächlich nur dem Schema F der Demagogie: erst beleidigende Äußerungen machen, die Reaktionen darauf als Aggression darstellen und ausschlachten und im Nachhinein so tun, als habe man nie was gesagt. Es ist so fadenscheinig, dass es wehtut.
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#9 euqumanAnonym
#10 Homonklin_NZAnonym
  • 07.11.2020, 20:52h
  • Nun, es ist leider so, dass besagte Partei eine reichhaltige Vergangenheit damit hat, und Sympathien und teils Schulterschluss mit Interessen Pädophiler vertreten hat. Gelte diese Ära auch gemeinhin als "aufgearbeitet", für Menschen, die ihre Kreuzchen nicht einfach nach aktueller Befindlichkeit machen, ist die Historie einer Partei und deren Werdegang schon mit ausschlaggebend. Damals gab es noch keine AfD, lediglich vergleichbare Ochsenvereine, und es ist erschreckend genug gewesen, was sich Personen aus der grünen Ecke in einer Zeit vorstellen konnten, zu der man selbst noch Teenager war.

    Dass jetzt die Deppen-Alternative dieses Thema wieder neu instrumentalisiert, und aktuelle Politiker damit bekotzt, ist natürlich Berechnung. Komisch nur, dass nicht synonym, die Römisch-katholische Kirche als Hotspot der Pädophilie-Bewegung oder der Gieseking-Verein "K 13" und was da noch so herum kraucht, ebenfalls drin auftauchen.
    Denn daher wird klar, mit welcher Art zielgerichteter Methode dieses Thema instrumentalisiert wird.
    Rechts gelackt schießt auf links queer - nichts anderes.

    Rein zahlenmäßig sind die pädophil und ähnlich Erkrankten tendenziell über das weite Heterosexuellen-Milieu gestreut, da täten sich einige Leute mal gut drin, erst den eigenen Vorhof zu fegen. Auch wenn natürlich der Versuch, besonders schwule Männer damit immer wieder in den Dreck zu ziehen, eine uralte Kultur schon vor den Variationen von Bibel-Übersetzungen hat, und bevor sich unter Menschen ein Begriff von der sexuellen Identität zu prägen anfing.

    Die Hassnachrichten sind bei der Polizei gut aufgehoben. Dieser Teil der Polizeiarbeit ist noch ausbaufähig, man darf hoffen, dass da so oder so mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Es ist eine Unverschämtheit von feiger Charakterlosigkeit, man könnte die Kritik bei Gelegenheit auch persönlich ausdrücken. Das machen komischerweise die wenigsten dieser sich häufig für anonym einschätzenden Schnatterfutten!
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