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Podcast

"Die Berliner Szene kann die Pest sein"

Im neuen QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram spricht "Siegessäule"-Verlegerin Manuela Kay über ideologische Kämpfe in der Hauptstadt-Community, wann schwule Männer "mal die Klappe halten" sollten und wie lange das Geld der Spendenkampagne noch reicht.


Podigee-Direktlink | Die 15. Folge (62 Min.)

Manuela Kay, Jahrgang 1964, ist eine Szene-Institution, und zwar eine mit echter Berliner Schnauze. Die Autorin, Filmemacherin und Aktivistin hat u.a. Deutschlands ersten Lesbenporno gedreht und mit "Schöner kommen" einen erfolgreichen lesbischen Sexratgeber geschrieben. Das einst rein schwule Berliner Stadtmagazin "Siegessäule" brachte sie als Chefredakteurin auf queeren Kurs, nebenbei konzipierte sie das Lesbenmagazin "L-Mag". Zusammen mit Gudrun Fertig ist sie seit 2012 Verlegerin dieser beiden wichtigen Community-Medien.


Johannes Kram und Manuela Kay vor dem Tonstudio

Kay hat viel zu erzählen, und im Gespräch mit Johannes Kram plaudert sie im neuen QUEERKRAM-Podcast auch wie erhofft aus dem queeren Nähkästchen mit netten Anekdoten und kleinen Schlägen nach rechts und links. Ein Thema ist natürlich der Dauerstreit in der Hauptstadt-Community, der den Rest der Republik eher nervt. "Die Berliner Szene kann die Pest sein", räumt die "Siegessäule"-Verlegerin ein und bestätigt das Klischee: "Viele sind total abgehoben, die beschäftigen sich nur mit sich selbst." Was freilich gelegentlich auch ein Blick in ihr eigenes Stadtmagazin zeigt…

Schwule und Lesben könnten viel voneinander lernen, glaubt die 56-Jährige. Sie selbst schätze an schwulen Männern den eher lockeren Umgang mit Sexualität, die Freude am Spaß und das Wissen, wie man sich durchsetzt. Damit die Zusammenarbeit mit lesbischen Frauen klappt, sollten schwule Männer "lernen, mal die Klappe zu halten", rät Kay im Podcast. "Sie müssen bereit sein, Lesben auch in entscheidende Positionen zu lassen und von ihrer Macht etwas abzugeben." Im eigenen Verlag sei das gelungen.

Im Gespräch mit Johannes Kram geht es außerdem um lesbischen Selbsthass, die sogenannte Cancel Culture, die Anstellung von AfD-Wähler*innen, Kays großen Frust über Deutschlands lesbische Promis und warum ausgerechnet eine heterosexuelle Fußballnationalspielerin auf das "L-Mag"-Cover kam.

Besonders spannend: Erstmals berichtet die Verlegerin ausführlich über den absolut glücklichen Zufall, der zur erfolgreichen Corona-Spendenkampagne für die "Siegessäule" führte. Mit Unterstützung u.a. des Fotografen Wolfgang Tillmans kamen über 220.000 Euro zusammen, mit denen das Magazin in den vergangenen Monaten über die Runden kam. "Wenn die beschissene Corona-Situation für irgendwas gut ist", so Manuela Kay, "dann dafür zu lernen, dass man sich gegenseitig noch mal anders unterstützt".

Der neue Teil-Lockdown und die Schließung von Bars, Cafés, Restaurants, Kinos und Theatern seit Anfang November bedrohen das Heft nun erneut. "Wenn die untergehen, gehen wir mit unter", sagt die Chefin des werbefinanzierten Magazins über ihre potenziellen Anzeigenkunden. Sie weiß: "So eine Spendenaktion kannst du nur einmal machen."

Podigee-Direktlink | Die 15. Folge (62 Min.)

Falls der Player nicht laden sollte, gibt es den Podcast hier als MP3 zum Download.

Zu Gast bei QUEERKRAM

Folge 1 mit Falk Richter und Jonas Dassler:
Warum sich Schauspieler outen sollten
Folge 2 mit Anastasia Biefang:
Warum das Transsexuellengesetz auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört
Folge 3 mit Ralf König:
Warum Ralf König genug vom "Gezicke in sozialen Medien" hat
Folge 4 mit Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler:
Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Corona-Krise?
Folge 4 mit Georg Uecker:
Warum gibt es so viel Häme auch in der Community?
Folge 6 mit Insel Pohl:
Outest du dich im Interview mit Homohassern, Ines Pohl?
Folge 7 mit Patrick Lindner:
Warum Patrick Lindner auf dem CSD singen muss!
Folge 8 mit Pierre Sanoussi-Bliss:
"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"
Folge 9 mit Annie Heger:
"Ich werde als Christin von der LGBT-Community mehr angefeindet als andersrum"
Folge 10 mit Aminata Touré und Tessa Ganserer:
"Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen"
Folge 11 mit Riccardo Simonetti:
Warum wir auf unser "Anderssein" stolz sein können!
Folge 12 mit Sookee:
"Eine rassistisch agierende Community kann sich erneuern"
Folge 13 mit Linus Giese
"Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären"
Folge 14 mit Kevin Kühnert
Warum schweigt die Politik zum Mord in Dresden, Kevin Kühnert?



#1 Homonklin_NZAnonym
  • 07.11.2020, 20:07h
  • Bin nun zwar sicher keine relevante Stimme, nicht mehr so oft in euren Landen unterwegs (Corona bitch related) und war wegen diversem Handicap noch nie "richtig rum" homo, aber diesen Konkurremzk(r)ampf und das "dagegen"-Sein, das habe ich nie verstanden. Nach dem Motto "Apes together strong" ließe sich sicher auf allen Ebenen des queeren Spektrums mehr erreichen, als wenn sich diese ganzen Dagegen-Haltungen fortwährend in der eigenen Brühe suhlen, und den aus ihrer Sicht so ganz anderen das Wort kaum ermöglichen.

    Fest gestellt habe ich das früh, dass das Konzept von Queerer Community eher so eine Art in sich zerkrittelter, meist zerstrittener Haufen ist, und die Splittergruppen sich gegenseitig niederwerten.
    Wenn man das so als Provinzdödel an die Schnalle bekommt, läuft man desillusioniert wieder zurück in sein Schneckenhaus, oder noch ganz wo anders hin, denn man ist nicht willkommen, wie so posaunt wird, angeblich egal, wie man selbst sei.
    Es ist sehrwohl eine Frage davon, wie oder wer man ist, ob man so geartet ist, wie beliebt oder grade noch zulässig. Die Akzeptanzbarriere ist für Manche nicht überwindbar. Vielleicht liegt es ja an einem selber, schon klar.

    Wieso sind Schwule gegen Lesben? Oder gegen Trans*-Leute, gegen Romantiker oder Anhänger von Liebe und Treue - die werden ebenso rausgeekelt wie die, welche nicht geoutet leben. Egal, zu welcher Gruppe mit Sondereigenschaften wer auch gehört. Es braucht eine bestimmte, symbolisch ausgedrückt "Kleiderordnung", nur wer die Uniform korrekt trägt, zum richtigen Zeitpunkt Bling-Bling flash macht, Roll over und Sitz, sozusagen, die gehören dazu.

    War mir letztlich zu blöd, das Spielchen. Die ganzen Hofknickse an den passenden Stellen, die erwartete Selbstreduktion und Selbsterniedrigung, alle Freunde wegwerfen zu sollen, die mir etwas bedeuten, um zur Genüge geeignet zu sein, die Regeln des Tanzes zu beherrschen, Metamorphosen zuliebe anderer anzustrengen.

    Lieber einsamer Wolf, Rekrut nix und Randfigur, lieber man selbst bleiben. Lieber hinter einer dünnen, blauen Linie stehen, als auf einer Kunterbunten ausgelassen zu feiern.

    Aber ich wünsch euch trotzdem eine Portion mehr Synergie und level eye talking, equal standings, anstatt mühsam Synchronschwimmen einzustudieren.

    Bleibt gesund da drüben.
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#2 antosProfil
  • 07.11.2020, 20:45hBonn
  • Antwort auf #1 von Homonklin_NZ
  • >> anstatt mühsam Synchronschwimmen einzustudieren.<<

    Ich musste lachen als die sympathisch relaxte Manuela anmerkte, viele würden die Community mit einer Partei verwechseln. Auf alle Fälle: hörenswert.
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#3 GrummelAnonym
  • 08.11.2020, 13:36h
  • Ein starkes Gespräch mit einer sehr sympathischen Manuela Kay.

    Zu der Aussage, es gäbe viele Lesben, für die sie mit ihrem Aussehen und Auftreten "zu lesbisch" sei, kann ich nur sagen, diese Form der Abwertung gibt es auch bei Schwulen. Ich habe einige kennengelernt, die sich mit "diese furchtbaren Tunten mit ihrem Gehabe und Getue niemals abgeben würden", ja diese sogar regelrecht verachten. Da ist einiges zu tun in einer Szene, die manchmal die Pest sein kann.

    Sehr hörenswert!
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#4 schwulenaktivist
  • 08.11.2020, 13:51h
  • Ich schreibe hier über die Situation in der Schweiz: Erst kürzlich ist mir klar geworden, dass Frauen/Lesben darum kämpfen, dass ihre Sexualität ernst und "für voll" genommen wird.
    Wir Schwulen kämpfen immer darum, dass unsere Sexualität nicht so "über-ernst" und bedrohlich genommen wird.

    Bei der historischen TV-Diskussion 1978 ging es - nach einigen Morden an Schwulen - für uns "um das Leben". Von Frauen/Lesben hingegen redete in der Öffentlichkeit damals keineR. Das muss berücksichtigt werden.

    Die Schweizer Gesetze galten von 1942-1992 immer für beide Geschlechter. "Gesetzlich Dran kamen" aber immer nur Männer.

    Aus dieser Perspektive sind gegenseitige Vorwürfe überflüssig. Zudem wachsen die meisten queeren Menschen in "normalen" heterosexuellen Familien auf und verhalten sich demgemäss auch wie solche, falls sie nicht nachlernen können/wollen.

    Über den gegenseitigen "Platzanspruch" kann man/frau sich verständigen, genauso wie in der heterosexuellen Gesellschaft und Politik auch!
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#5 StaffelbergblickAnonym
  • 08.11.2020, 14:30h
  • Das Interview hat mir sehr gut gefallen, vieles, welches ich aus meiner "alten Berliner Zeit" nachvollziehen kann. Wichtig fand ich auch die Diskussion um die "Selbständigkeit" und Finanzierung der Community. Das ist ein ganz wichtiger Punkt .. immer nur nach dem Staat zu rufen mag gut sein ... aber in letzten Konsequenz nie sinnvoll. Da reicht ein Blick in die Vergangenheit des Berliner Senats und die Vergabe von Geldern, wie schnell sich die Summen ändern können. Und was Promis als Leitfiguren anbelangt ... Das sehe ich differenziert.
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