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Schleswig-Holstein

Sozialminister Heiner Garg heiratet Freund

Der FDP-Chef und zweite stellvertretende Ministerpräsident von Schleswig-Holstein hat am Freitag seinen langjährigen Partner geheiratet. Mehrere Monate war das deutsch-amerikanische Paar zwangsgetrennt.


Heiner Garg (FDP) ist Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein (Bild: Fördeblick / wikipedia)

Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg hat am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit seinen langjährigen Freund geheiratet. Seinen neuen Beziehungsstatus machte der 54-jährige FDP-Landeschef auf Facebook bekannt. Bilder von der Hochzeit veröffentlichte er nicht.

Mit seinem aus Puerto Rico stammenden Partner, der die US-Staatsbürgerschaft besitzt, ist Garg seit acht Jahren zusammen. Die Hochzeit hatte er bereits vor drei Jahren eine Woche nach dem Bundestagsbeschluss zur Ehe für alle angekündigt. "Wir wollen beide Verantwortung füreinander übernehmen, dazu haben wir uns bereits lange entschieden", sagte der schwule Politiker damals in einem Interview mit dem "Flensburger Tageblatt". "Aber eine Heirat wollen wir gut vorbereiten. Da wir beide über 50 sind, kommt es nun auch nicht mehr auf ein Jahr mehr oder weniger an" (queer.de berichtete).

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Seinen Partner durfte Garg mehrere Monate nicht sehen

Noch Ende Juli hatte der Landesminister zusammen mit Parteifreun*innen dafür demonstrieren müssen, seinen damals in New York lebenden Partner überhaupt wieder treffen zu dürfen (queer.de berichtete). Hintergrund der über fünfmonatigen Zwangstrennung war, dass unverheirateten Lebenspartner aus Nicht-EU-Staaten aufgrund der Coronakrise die Einreise nach Deutschland verweigert wurde.


Heiner Garg (re.) und sein Ehemann (Bild: privat)

Heiner Garg ist seit 2000 Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein. Bereits in der Regierung von CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen war er zwischen 2009 und 2012 Sozialminister, 2017 übernahm er den Posten erneut in der Jamaika-Koalition von Daniel Günther, außerdem ist er zweiter stellvertretender Ministerpräsident. Seit 2011 fungiert er als Landesvorsitzender der FDP.

Garg will "etwas an die Community zurückzugeben"

Garg, der sich als Minister immer wieder für LGBTI-Themen einsetzt, hatte sein Coming-out bereits als Teenager auf dem Land im katholischen Baden-Württemberg. "Dass ich heute mit meiner Sexualität und Partnerschaft öffentlich umgehen kann, habe ich auch der Community zu verdanken und all den Streiterinnen und Streitern, die schon Ende der 60er-Jahre – denken wir nur an Stonewall und Christopher Street – auf die Barrikaden gegangen sind und sich gegen Repressionen gewehrt und für Freiheit gekämpft haben", sagte er im vergangenen Jahr im Interview mit dem DAH-Portal magazin.hiv. "Ich hatte mir deshalb schon zu Beginn meines politischen Engagements vorgenommen, etwas an die Community zurückzugeben." (cw)



#1 Ralph
  • 08.11.2020, 09:47h
  • Wie ist das zu verstehen? Der Community etwas zurückgeben? Als FDP-Politiker muss es ihm ziemlich unangenehm sein, jetzt zu heiraten, da doch seine Partei die Eheöffnung, ja schon die Lebenspartnerschaft und jede noch so winzige Verbesserung dieser "Homo-Ehe" stets erbittert bekämpft hat.
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#2 WadimAnonym
  • 08.11.2020, 10:57h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Bevor wir wollen, jemanden anzuprangern, wäre es fair, zu recherchieren.
    Noch in 80er hat sich FDP für unsere Gleichberechtigung energisch eingesetzt.

    Die Sozialliberalen haben schon zweimal, 1969 und 1973, darauf bestanden, den Paragraphen 175 reformieren:
    "Immer noch stehen sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe, wenn einer der beiden Partner jünger S.54 ist als 18 Jahre; wenn Männer oder lesbische Frauen dagegen mit über 14jährigen Mädchen schlafen, brauchen sie keine Angst vor dem Staatsanwalt zu haben.

    Die FDP versprach 1980 in ihrem Wahlprogramm, den Paragraphen 175 zu streichen.
    Doch die Regierung konnte sich bisher nicht dazu durchringen, den umstrittenen Abschnitt aus dem Strafgesetzbuch zu tilgen."
    In den Koalitionsgesprächen nach der Wahl 1980 hatte sich Kanzler Helmut Schmidt (aber er wird von Linken bis heute fast vergöttert), zum Ärger von damaligem FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher, dagegen gesperrt. Genscher damals: "Ich verstehe diesen Mann nicht."
    Auch forderten die Liberalen die Partnerschaft und die Ehe für alle.
    Nach der Grünen empfahl FDP-Parteichef Christian Lindner der Partei, die Ehe für alle als Koalitionsbedingung für die Bundestagswahl festzuschreiben. Er sagte: die Union sei mit ihren Vorbehalten gegenüber einer gesellschaftspolitischen Realität "allein zu Haus".

    Aus Ihrem Programm:

    DIE FREIEN DEMOKRATEN FORDERN:

    Ehe für alle öffnen
    Bundesstiftung Magnus Hirschfeld finanziell besser ausstatten
    Blutspende-Verbot für homo- und bisexuelle Männer abschaffen
    Transsexuellengesetz erneuern
    Opferrente für verurteilte Homosexuelle
    Rehabilitierung verurteilter Homosexueller
    Rechtsrahmen für Regenbogenfamilien verbessern:
    Mehreltern-Familien sind Realität und müssen auch bei der rechtlichen Elternschaft abgebildet werden. Wird das Kind mit Hilfe einer Samenbank gezeugt, so soll die eingetragene Lebenspartnerin der Mutter von Geburt an auch rechtlich zweite Mutter sein können.

    Nach dem Attentat auf ein Homopaar in Dresden SCHREIBT FDP AN MERKEL:

    Treten Sie den Feinden der freien Gesellschaft entgegen!

    Veröffentlicht am 31.10.2020 |
    Von Christian Lindner, Thomas Sattelberger, Jens Brandenburg.

    Bislang wurde das Attentat in Dresden als Touristenmord verklausuliert. Verschwiegen wurde, dass der islamistische Gefährder ein homosexuelles Paar angriff. Die FDP fordert ein angemessenes Gedenken.
    Wir schlagen eine Ergänzung des Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz um das Merkmal der sexuellen Identität vor.
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#3 Ralph
  • 08.11.2020, 13:11h
  • Antwort auf #2 von Wadim
  • Die FDP hat sich niemals für die Abschaffung des § 175 eingesetzt. 1969 geschah die Reform durch CDU/CSU und SPD. 1973 wurde sie erzwungen durch die Herabsetzung des Volljährigkeitsalters. 1980 hat die FDP das Thema bewusst nicht zur Koalitionsbedingung gemacht, was ihr durchaus möglich gewesen wäre. 1994 wurde die Abschaffung erzwungen durch den Widerstand aus der ehem. DDR, den § 175 dort wiedereinzuführen, was zur Rechtsangleichung notwendig gewesen wäre. Die FDP hat die Eheöffnung stets abgelehnt und sogar gegen die halbherzige, fast nur mit Pflichten und kaum mit Rechten versehene Lebenspartnerschaft gestimmt. Die FDP hat jedem Versuch, den Schutz der sexuellen Orientierung ins GG aufzunahmen, abgelehnt. Die FDP hat sich nur einziges Mal ernsthaft mit Schwulen beschäftigt: als sie anfangs der 50er (erfolglos) versuchte, die Nazi-Fassung des Paragraphen noch weiter zu verschärfen. Kein Versprechen, das sie zur Besserung der rechtlichen Lage von Schwulen (und Lesben) in Oppositionszeiten machte, hat sie in der Regierungsverantwortung je eingehalten.
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#4 GrummelAnonym
  • 08.11.2020, 13:12h
  • Herzlichen Glückwunsch, Herr Garg!

    Neben B90/Grüne war es die FDP, die sich engagiert für die Rechte queerer Menschen eingesetzt hat- wie #2Wadim oben sehr richtig beschrieb.
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#5 goddamn liberalAnonym
#6 aslkehro iAnonym
  • 08.11.2020, 16:37h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • komt wohl drauf an, wie man "links" definiert ... für einen spdler war schmidt schon außergewöhnlich kulturinteressiert und belesen, das imponiert den genossen halt ein wenig, auch wenn's im größeren rahmen natürlich eher dürftig war, getrieben von der sehnsucht, zumindest etwas näher an die mittelschicht zu gelangen.
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#7 goddamn liberalAnonym
#8 globoProfil
  • 08.11.2020, 20:20hBerlin
  • #7 "Von Heuss 1933 bis Kemmerich 2020"

    Der erste Bundespräsident Theodor Heuss ist in diesem Zusammenhang zu Recht genannt. Heuss, Mitglied der liberalen Fraktion im Reichstag, stimmte in der entscheidenden Reichstagssitzung für Hitlers Ermächtigungsgesetz.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 08.11.2020, 20:40h
  • Antwort auf #8 von globo
  • "Heuss, Mitglied der liberalen Fraktion im Reichstag, stimmte in der entscheidenden Reichstagssitzung für Hitlers Ermächtigungsgesetz."

    Der Witz ist, dass die vier übrig gebliebenen Abgeordneten der Deutschen Staatspartei, also auch Heuss, 1933 nur Huckepack mit der SPD überhaupt in den Reichstag gekommen waren.
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#10 IngoAnonym
  • 08.11.2020, 20:59h
  • Und Heuss hat sich lebenslang für dieses Abstimmungsverhalten geschämt und auch mehrfach entschuldigt. Gerade mit diesem Eingeständnis hat er in der frühen BRD zur ersten Aufarbeitung der NS-Zeit beigetragen (nur zur Vervollständigung des Bildes).
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