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Neuer Bericht

Wegen PrEP: Großbritannien meldet weniger HIV-Neudiagnosen

Immer weniger Menschen stecken sich mit HIV an – überdurchschnittlich geht die Zahl der Infektionen unter schwulen und bisexuellen Männern zurück.


Die Präventionspille für HIV-Negative scheint laut der britischen Gesundheitsbehörde einen großen Effekt zu haben (Bild: NIAID / wikipedia)

In Großbritannien und Nordirland ist die Zahl der HIV-Neudiagnosen offiziellen Angaben zufolge in den letzten Jahren zurückgegangen. Überdurchschnittlich hoch sei der Rückgang in der Gruppe der GBM (Gay and bisexual men) gewesen.

Laut einem Bericht der in London ansässigen Gesundheitsbehörde "Public Health England" sind 2019 insgesamt nur noch 4.139 Neudiagnosen nachgewiesen worden. Das sind zehn Prozent weniger als im Vorjahr und sogar 34 Prozent weniger als im Rekordjahr 2014.

Unter schwulen und bisexuellen Männern gibt es besonders ermutigende Daten: Hier sinkt die Zahl auf 1.700 – das bedeutet einen Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 47 Prozent gegenüber 2014. Damit verringerte sich der GBM-Anteil an allen Neudiagnosen binnen fünf Jahren von 51 Prozent auf 41 Prozent.

In bestimmten GBM-Subgruppen ist der Rückgang besonders groß: Dazu gehören schwule und bisexuelle Männer mit weißer Hautfarbe (Rückgang zu 2014 um 65 Prozent auf 1.107), im Königreich geborene Männer (Rückgang um 62 Prozent auf 1.154) sowie Männer mit Wohnsitz London (Rückgang um 54 Prozent auf 702).

Vier Faktoren für Rückgang verantwortlich

Die Forscher*innen führen die Entwicklung unter Schwulen und Bisexuellen auf vier Faktoren zurück: Insbesondere die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP), die England bereits 2017 förderte, wird als Grund für die positive Entwicklung genannt. Daneben hätten auch die verstärkte Nutzung von Kondomen, mehr HIV-Tests sowie ein früherer Beginn der antiretroviralen Behandlung bei HIV-Positiven die Zahlen gedrückt. "Häufige HIV-Tests und das PrEP-Angebot unter denjenigen, die das höchste HIV-Risiko haben, sind besonders wichtig dafür, die HIV-Übertragungen bis 2030 zu beenden", erklärte "Public Health England" in dem Bericht.

Laut den neuen Zahl stecken sich jetzt fast so viele Brit*innen durch ungeschützten heterosexuellen Sex mit HIV an wie durch homosexuellen (1.559 zu 1.700). Intravenöser Drogengebrauch ist der Grund für 104 weitere Neudiagnosen, alle anderen Gründe bleiben im ein- oder zweistelligen Bereich. Zudem ist der Übertragungsweg in 681 Fällen unbekannt.

In Deutschland, das 15 Millionen mehr Einwohner*innen zählt als Großbritannien und Nordirland, infizieren sich bereits seit Jahrzehnten weniger Menschen mit dem Virus als im Königreich. Zuletzt meldete das Robert-Koch-Institut für 2018 geschätzt 2.500 Neuinfektionen (queer.de berichtete). Der GBM-Anteil, der in Deutschland unter der Abkürzung MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) aufgelistet wird, ist allerdings weit höher: Laut RKI infizierten sich 2018 insgesamt 1.600 schwule und bisexuelle Männer mit HIV – das macht fast zwei Drittel aller Fälle aus. (dk)



#1 BarcaProfil
  • 09.11.2020, 17:08hPlön
  • Warum sagt die Überschrift "Wegen PrEP: ...", wenn es doch mehrere Faktoren bedingt haben?

    Die PrEP mag allenfalls einen Teil der Infektionen verhindert haben.

    Interessant wäre, wie sich die anderen STI entwickelt haben, weil immer mehr Leute auf die PrEP vertrauen, aber vergessen, dass diese nur gegen eine von vielen Krankheiten schützt.
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#2 TheDadProfil
  • 09.11.2020, 20:34hHannover
  • Sehr gute Meldungen..
    Da bin ich doch jetzt sehr auf die neuen Zahlen der DAH und des RKI gespannt, wenn sich hier das erste Mal die Vergabe der PrEP auf Rezept jährt..

    Ich schätze das wird sich ähnlich entwickeln..
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#3 GayGirlAnonym
#4 Matze0815
  • 10.11.2020, 08:23h
  • Antwort auf #1 von Barca
  • Genau wie Prep ein Baustein von mehreren ist, um HIV zu bekämpfen, so kann auch Prep ein Grund von mehreren sein für eine bestimmte Entwicklung im Bereich STI.

    Der Kommentar klingt für mich allerdings so, als ob man der Prep kein positive Ergebnisse "Rückgang Neuinfektionen" zuschreiben will, aber alle negativen Folgen schon. Man sollte hier so fair sein und in gleichem Maße messen.

    Public Health England hat auch zu den STI neue Zahlen im September veröffentlicht, nachzulesen auf deren Homepage. Ein paar Auszüge:

    Insgesamt 5% mehr entdeckte STIs, 2018 vs 2019.
    Insgesamt 7% mehr Beratungen bzgl. Sexueller Gesundheit (wer mehr testet findet auch mehr).

    Tripper ist bei MSM um 26% gestiegen, allerdings bei heterosexuellen Frauen auch um 26%.
    Daher kann es m.M.n. kein alleiniges Problem der MSM Gruppe sein und damit nicht ausschließlich auf Prep rückführbar.

    Es werden viel mehr folgende Gründe genannt:
    The rise in diagnoses of gonorrhoea is explained in part by an increase in testing, using more accurate diagnostic tests and more comprehensive data on STI diagnoses.
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#5 helmutahofmann
  • 14.11.2020, 10:25h
  • Also der Titel ist ja bestenfalls irreführend. Man kann vermuten, dass PrEP bei der Verringerung der HIV Diagnosen mithilft. Nur gibt der Bericht aus den UK dazu keinerlei Hinweise. Tatsächlich steht da, dass der Trend bei MSM seit 2011 ungebrochen anhält, also lange vor PrEP. PrEP wird überhaupt nur in den Discussions erwähnt, wo über die weitere Strategie geredet wird. Man will mit PrEP die Infektionszahlen reduzieren, aber die Daten zeigen da noch nichts. Von wegen "Wegen PrEP".
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#6 Ehrliche HautAnonym