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Weiter Schweigen über Homophobie als Motiv

Neuer Haftbefehl gegen Abdullah A.H.H.

In Karlsruhe trat der mutmaßliche Terror-Täter von Dresden vor den Ermittlungsrichter. In ihrer Pressemitteilung sprach die Bundesanwaltschaft jedoch erneut das mögliche Motiv Homo-Hass nicht an.


Abdullah A.H.H. muss sich der deutschen Justiz stellen (Bild: Hans Splinter / flickr)

Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs einen neuen Haftbefehl gegen den 20-jährigen Syrer Abdullah A.H.H. wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes, versuchten Mordes sowie gefährlicher Körperverletzung erwirkt. Der neue Haftbefehl ersetzt den alten des Amtsgerichts Dresden vom 21. Oktober.

H. wird beschuldigt am 4. Oktober in der Dresdner Innenstadt ein schwules Paar aus Nordrhein-Westfalen mit dem Messer attackiert zu haben. Dabei tötete er einen 55-jährigen Thomas L., sein 53-jähriger Partner überlebte schwerverletzt. Der Beschuldigte war gut zwei Wochen nach der Tat am 20. Oktober vorläufig festgenommen worden. Am Tag darauf hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen.

Homo-Hass als mögliches Motiv weiter unerwähnt

Zuletzt kritisierten LGBTI-Aktivst*innen, dass das mögliche Motiv Homosexuellenhass in den Ermittlungen stets unerwähnt bleibt (queer.de berichtete). Der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt hatte vergangenen Monat sogar zugegeben, dass das mögliche Motiv überhaupt kein Thema für die Öffentlichkeit sei. Wörtlich sagte er bei einer Pressekonferenz: "Zur sexuellen Orientierung der Opfer äußern wir uns nicht."

Auch die Bundesanwaltschaft setzt die Schweigespirale fort. In der Pressemitteilung heißt es zum Motiv lediglich: "Der Beschuldigte handelte dabei aus einer radikal-islamistischen Gesinnung heraus. Er wollte die beiden Tatopfer als Repräsentanten einer von ihm als 'ungläubig' abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen."

Das Todesopfer Thomas L. wurde am 6. Oktober in Krefeld beigesetzt (queer.de berichtete). Der Beschuldigte befindet sich in Untersuchungshaft. (pm/dk)



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#1 ArmutszeugnisAnonym
  • 11.11.2020, 17:32h
  • So macht man das eben immer noch mit uns: herunterspielen, totschweigen, unsichtbar machen. Homosexualität ist, selbst beim Mordmotiv Schwulenhass, immer noch peinlich, nicht erwähnenswert, angeblich "Privatsache", muss vertuscht werden. "Es geht ja schließlich niemanden was an, was die zwei Männer im Bett gemacht haben".

    Seltsamerweise ist aber nur queere Sexualität "Privatsache", während uns die Heterosexualität der Mehrheit täglich und überall um die Ohren gehauen wird. Davon leben zahllose Boulevard-Medien, ein Großteil der Werbung, der Filmindustrie, des Fernsehens, usw. Um nur ein Beispiel zu nennen, das mir schon immer sauer aufgestoßen ist: sogenannte "Spielerfrauen" können nur dadurch zu Berühmtheiten werden, dass sie mit Fußballspielern liiert sind oder waren. Hat ein Fußballspieler allerdings einen männlichen Partner, muss das natürlich mit aller Gewalt (!) verschwiegen werden.

    Diese Gesellschaft ist noch nicht im Entferntesten im Stadium von Akzeptanz und echter Gleichberechtigung. Wir sind wieder in eine Denke zurückgefallen, in der nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Unsichtbar machen ist immer noch Herrschaftstechnik oder auch Hauptunterdrückungsmechanismus Nr. 1. Und solange nicht klar benannt wird, was Sache ist, und was dahinter steckt, WERDEN wir unsichtbar gemacht. Was für eine unsägliche Verhöhnung aller Opfer von queerfeindlicher Gewalt. Und leider wohl auch ein Grund dafür, warum nach wie vor nur wenige Homohass-Straftaten überhaupt angezeigt werden. Die Polizei, die Staatsanwaltschaft - dein Freund und Helfer? Wohl eher im Gegenteil.

    So weit zum gesellschaftlichen Fortschritt im ach so progressiven Deutschland.
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#2 dellbronx51069Anonym
#3 tchantchesProfil
  • 11.11.2020, 18:09hSonstwo
  • Auch der Spiegel hat den homophoben Hintergrund in seinem Artikel von heute zu dem Thema wieder geflissentlich verschwiegen.
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#4 Ralph
  • 11.11.2020, 18:09h
  • Diese Formulierung ist eine Beleidigung der Opfer und aller Schwulen. Sie suggeriert, die beiden Männer seien gleichsam austauschbar gewesen gegen jeden anderen Mann und gegen jede Frau, einfach irgendwelche Leute, die zufällig da waren. Kein Staatsanwalt würde es wagen, eine inhaltsgleiche Behauptung über jüdische Opfer einer solchen Gewalttat aufzustellen oder über PoC in gleicher Situation. Und eine zweite Ebene baut der Staatsanwalt auch noch auf: Bei Lichte besehen behauptet er, dass Schwule in Deutschland allenfalls zufällig einem Verbrechen zum Opfer fallen können, aber keinesfalls aus dem Motiv Schwulenhass heraus.
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#5 HugogeraldAnonym
#6 gayflecktarnhoseProfil
#7 Ralph
  • 12.11.2020, 16:50h
  • Antwort auf #6 von gayflecktarnhose
  • Ich warte nur darauf, dass im Prozess dann plötzlich die sexuelle Orientierung der Opfer doch nicht mehr Privatsache ist, weil ihre "provokativ zur Schau gestellte Homosexualität" den Mörder so verunsichert und in seiner Persönlich verletzt hat, dass er sich anders nicht wehren konnte.
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