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"Anti-homoverklaring"

Niederlande: Schulminister verteidigt homophobe Schulen

Konfessionelle Schulen in den Niederlanden dürfen von Eltern verlangen, dass sie ihre Abneigung gegen Homosexuelle mit einer Unterschrift bestätigen. Diese Praxis verteidigte ausgerechnet der verantwortliche Minister.


Ausgerechnet in den Niederlanden gibt ein Schulminister Schulen einen Freischein für Homophobie (Bild: Rijksoverheid / Valerie Kuypers)

Wie schon zuvor seine deutsche Amtskollegin fällt auch der niederländische Schulminister durch Homosexuellenfeindlichkeit auf: Arie Slob hat am Dienstag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er christliche Schulen verteidigte, die Eltern eine "anti-homoverklaring" (Erklärung gegen Homosexuelle) unterschreiben lassen. Slob sagte im Parlament, dass es das "verfassungsmäßige Recht" von staatlich geförderten konfessionellen Schulen sei, derartige homosexuellenfeindliche Erklärungen zu fordern. Der Minister gehört der ChristenUnie an, einer kleinen Partei protestantischer Eiferer.

Ein in den niederländischen Medien viel erwähntes Beispiel für die homophobe Praxis ist das Van Lodenstein College in der Großstadt Amersfoort, die im niederländischen Bijbelgordel (Bibelgürtel) liegt. Die Eltern müssen in dieser Schule ein Papier unterzeichnen, in dem sie zusichern, Homosexualität abzulehnen. Für Slob ist diese Erklärung Teil der "Bildungsfreiheit".

Die Äußerung stieß sofort auf scharfe Kritik von Sozialdemokraten, Grünen und Linksliberalen. Auch LGBTI-Aktivist*innen zeigten sich empört: "Es ist nicht akzeptabel, wenn Schulen die Ablehnung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung propagieren", erklärte die queere Organisation COC. Zudem seien alle niederländischen Schulen laut Gesetz dazu verpflichtet, für die "psychologische und körperliche Sicherheit" aller Schülerinnen und Schüler zu sorgen – ablehnende Haltungen gegenüber homosexuellen Menschen widerspreche dieser Vorgabe.

Auch in den Kommentarspalten der Tageszeitungen stieß die Äußerung des Schulministers auf scharfe Kritik: "Es ist inakzeptabel, dass in einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Einrichtung Kindern die Freiheit genommen wird, so zu sein, wie sind sind", schrieb etwa "De Volkskrant" aus Amsterdam. Wenn Schulen Homosexuelle nicht von sich aus vor Diskriminierung schützten, müsse der Gesetzgeber eingreifen.

Minister Slob wurde zudem von mehreren Personen wegen Volksverhetzung angezeigt. Die Antidiskriminierungsstelle gab bereits bekannt, dass sie Ermittlungen aufgenommen habe.

Slob rudert zurück

Nachdem viel Kritik auf ihn einprasselte, ruderte Slob nur wenige Stunden nach seiner Äußerung zurück: Ihm gehe die pauschale Ablehnung von Homosexualität durch Schulen nun doch zu weit und er werde Schulerklärungen einer Überprüfung unterziehen. Ferner sagte er, es sei "ärgerlich", wenn junge homosexuelle Schüler*innen durch eine homosexuellenfeindliche Atmosphäre an ihrer Schule negativ beeinflusst werden. Laut niederländischen Medienberichten gibt es mindestens 65 Privatschulen im Land, die von Eltern die Unterzeichnung einer weltanschaulichen Erklärung verlangten.

Direktlink | Nach Kritik erklärte Slob, dass ihm Homophobie an Schulen doch zu weit gehe

Willem de Potter vom Van Lodenstein College kann die Aufregung dagegen nicht verstehen. Er wissen natürlich, dass die Haltung der Schule zu Homosexualität nicht mehr dem "Mainstream" entspreche, sagte er gegenüber AD.nl. "Wir denken, darum ist es so wichtig, dass Eltern die Erklärung im Voraus unterzeichnen. Damit wissen sie, auf was sie sich einlassen, und jedem ist klar, wofür die Schule steht."

In den Niederlanden regiert seit bereits zehn Jahren Ministerpräsident Mark Rutte von der rechtsliberalen VVD. Derzeit führt er eine Vier-Parteien-Koalition mit der christdemokratischen CDA, der linksliberalen Partei Democraten 66 und der ChristenUnie an. Die ChristenUnie gilt als LGBTI-feindlichste Fraktion der Regierung – sie hadert beispielsweise noch immer mit der Ehe-Öffnung vor 20 Jahren.

Homophobe evangelische Schulen auch in Deutschland

Hass auf Homosexuelle ist nicht nur ein Problem in niederländischen Konfessionsschulen: Vor wenigen Wochen wurde etwa bekannt, dass eine evangelikale Schule in Bremen einen trans Schüler wegen seiner Geschlechtsidentität drangsaliert haben soll. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die Ermittlungen aufgenommen (queer.de berichtete). Auch diese Schule wird zum großen Teil aus Steuermitteln finanziert. (dk)



#1 swimniAnonym
  • 12.11.2020, 13:21h
  • Mir tun die lesbisch und schwul werdenden Kinder leid, die in solchen Schulen sozial den Bach runtergehen und von ihren gnadenlosen Eltern drangsaliert werden., womöglich bis zum suizid. christlicher totalitarismus. bzw. totalitarismus abrahmitischer religionen.
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#2 KotzAnonym
  • 12.11.2020, 13:25h
  • Dieser Minister muss sofort entlassen werden.
    Privaten konfessionellen Schulen sind sämtliche öffentlichen Mittel sofort zu streichen.
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#3 AntihomophobieAnonym
  • 12.11.2020, 15:10h
  • Wie war das noch mal?
    Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.
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#4 Ralph
  • 12.11.2020, 16:40h
  • So was ist keine Schule, sondern eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (= NS-Kaderschule im Dritten Reich).
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 12.11.2020, 17:56h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Interessanterweise ist man in den Niederlanden gegenüber den 'eigenen', also calvinistischen Fundis und ihrer Menschenfeindlichkeit 'toleranter' und finanziell weitaus großzügiger als gegenüber ihren muslimischen Gesinnungsgenossen.

    Dass die niederländische Evangelen-AFD-AKP nichts in einem demokratischen Regierungskabinett zu suchen hat, ist übrigens eine Selbstverständlichkeit.

    Sollte es zumindest sein.
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#6 saltgay_nlProfil
  • 12.11.2020, 18:34hZutphen
  • Stand des Streites sind zwei Artikel des Grundgesetzes (grondwet), die offenkundig miteinander kollidieren. Artikel 1 verbietet deutlich die Diskriminierung auch der sexuellen Orientierung. Die sexuelle Orientierung wird hier aber im Moment noch recht allgemein unter dem Begriff "...Geschlecht oder auch aus welchem anderen Grunde..." subsummiert.

    Die in dem Artikel 23 benannte Freiheit für Schulen, ob christlich, muslimisch, jüdisch oder vegan, etc. ausgerichtet sind, soll eigentlich im Sinne des Grundgesetzes jegliche Beschränkungen für den Schulträger verbieten. Man ist in den Niederlanden sehr stolz auf diese besondere Lehr- und Lernfreiheit.

    Nun ist aber eine Interessenkollision eingetreten. Diese Schulfreihet, grundgesetzlich garantiert, wird ausgenutzt um Bürger nach dem Artikel 1 trotz Verbotes zu diskriminieren. Übertragen wir den Fall auf Deutschland. Die AfD-Stiftung "Bernhard Rust" gründet in Deutschland Gymnasien und Volksschulen, ähnlich wie die Waldorf-Schulen, welche in "Storchen-Mädchenschulen" und "Bernd Höcke Jungen-Junkerschulen" gegliedert sind. Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden. Dann würde sich die Frage stellen, ob nicht auch völkische Schulprofile angelegt werden dürfen und die Schüler und Schülerinnen ein Gelöbnis auf die Reinheit des deutschen Volkes ablegen müssen. Ich bin sicher, dass dies von deutschen Juristen nicht angefochten wird und durch die Springerpresse gebührend als Wiedergeburt des deutschen Konservatismus gefeiert würde.

    In den Niederlanden besteht nun auch noch eine verschärfende Situation, weil es eine Schulaufsicht wie in der BRD durch die Bundesländer nicht gibt. Schulen werden von Kommunen und eben Interessengruppen betrieben. Bisher blieb alles im demokratischen Rahmen. Doch, mit dem Sinken des Sternes von Mark Rutte, der nach meinem gusto ruhig wie ein Komet auf der Erde zerplatzen oder in der Atmosphäre verdampfen sollte, setzt jetzt ein Hauen und Stechen dieser Vermögendenkoalition ein. Eine Regierung, die nur Steuergeschenke an Konzerne kennt, der Mensch erst bei dem Millionär anfängt und der Rest sehen kann, wie er über die Runden kommt. Das sind die feuchten Träume aller FDP-Wähler. Die Masse in der Bevölkerung wird langsam unruhig.

    So wittert diese Sektiererpartei "Christenunie" Morgenluft. Denn, sie ist es, die diese Wohlstandsverwahrlosten in der Regierung stützt.

    Dieses Gebaren zeigt nun die Wirkung. Im Grundgesetz wurde eine Rangfolge der Grundrechte vergessen. Diese Kollision kann nur abgewendet werden, wenn der Artikel 23 dahingehend abgeändert wird, dass er nur gültig ist, wenn daraus folgende Handlungen mit dem Artikel 1 übereinstimmen.

    Diese Hyper-FDP-Regierung, die aus den Niederlanden einen Verbots- und Bußgeldstaat gemacht hat, der Singapur immer ähnlicher wird, typisch neoliberal keine Solidarität mehr kennt, sondern nur noch Egomanen, will nichts an dem Artikel 23 verändern. Das sollte man jedem Bürger einhämmern, denn im nächsten Jahr wird die Tweede kamer neu gewählt. Dann steht auch das Rutte-Anhängsel Geert Wilders und die AfD-Niederlassung Amsterdam mit Thierry Baudet wieder zur Wahl. Bis dahin ist viel politische Arbeit zu leisten, damit die Niederlande zu ihrer Geschichte der "Kraaker-Ära" zurückfinden.

    Zunächst jedoch ermittelt das Innenministerium gegen Arie Slob.
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#7 Hailaender
  • 12.11.2020, 21:19h
  • Was ist aus diesem Land geworden? Einstmals ein leuchtendes Vorbild an Liberalität (damit meine ich ausdrücklich nicht die FDP-eigene Auslegung von "liberal") und Vielfalt, sind die Niederlande dank einer ausreichenden Mehrheit an Wählern zu einem rechtslastigen Pfuhl von eigentlich gesichtslosen Opportunisten verkommen, die beinahe ausschließlich durch schrilles Gedankengut auf sich aufmerksam machen...
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#8 zundermxeAnonym
  • 13.11.2020, 05:37h
  • 1. Eltern, die derartige Erklärungen unterschreiben, müssen zum Schutz des Kindeswohls unter Aufsicht von Jugendämtern gestellt werden.
    2. Schulen, die derartige Erklärungen verlangen, sind zu schließen.
    3. Lehrer, die eine derartige Erklärung verlangen oder inhaltlich teilen, sind aus dem Schuldienst zu entfernen und mit Berufsverbot zu belegen.

    Gerne wird auch hier gegen islamische Fundamentalisten gewettert.
    MMn völlig zu recht.
    Wenn wir aber nicht mit dem selben Maß gegen christliche Fundamentalisten vorgehen, lösen wir den Staat selbst auf. Dann braucht es keine Erdogans oder Putins und keine rechten Hetzer.
    Pisser in Polen wird es freuen.

    Wer solche Erklärungen als Meinungsfreiheit oder Glaubensfreiheit interpretiert oder relativiert, ist an keiner Stelle um keinen Deut besser als religiöse Terroristen oder ideologische Faschisten.
    Wenn eine Gesellschaft es zulässt, dass Kinder, die einen besonderen Schutz bedürfen und ein Anrecht auf Chancengleichheit im besonderen Maße verdienen sollten, derart in ihrer freien Entwicklung eingeschränkt werden, dann sind unsere Demokratien in dieser Hinsicht bereits gescheitert.
    Mehr Abwertung und Diskriminierung von Queers geht wohl nicht, wenn wir Queer-freie Schulen tolerieren.
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#9 DramaQueen24Profil
  • 13.11.2020, 07:31hBerlin
  • Hetze zu erlauben, hat mit "Bildungsfreiheit" soviel zu tun, wie koschere Küche mit Neonazis.
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#10 Ralph
  • 13.11.2020, 10:06h
  • Antwort auf #6 von saltgay_nl
  • Diese Kollision ist von solchen Schulen künstlich herbeigeführt, denn rein tatsächlich gibt es sie nicht. Es steht derartigen Einrichtungen frei, (positiv) die Vater-Mutter-Kind-Familie und die verschiedengeschlechtliche Ehe als Leitbilder zu propagieren. Das ist zwar immer noch ewiggestrig, unbelehrbar, ideologisch und engstirnig, aber so lange der Staat religiöse Schulen zulässt, wird dagegen kaum vorzugehen sein. In Deutschland ist das genauso. Anders sieht es aus, wenn (negative) Propaganda gegen LSBTI gemacht oder gar auf die Eltern eingewirkt wird, eine sie für ihr ganzes Privatleben bindende Hasserklärung abzugeben, die ja nichts anderes ist als eine Selbstverpflichtung, in der eigenen Kindererziehung jenen Hass wirken zu lassen, den die Religion vorschreibt. Im Übrigen scheint mir das Problem gar nicht bei diesen Schulen zu liegen und nicht mal beim Staat, der so was zulässt, sondern es fragt sich, was denn das für Eltern sind, die ihre Kinder solch hasserfüllter "Pädagogik" aussetzen und das auch noch durch Unterzeichnung dieser Erklärung zu bekräftigen bereit sind. Man stelle sich vor, eine christliche Schule wollte eine schriftliche Erklärung verlangen, dass die Eltern jede andere Religion massiv ablehnen und aktiv an der Zwangsbekehrung Anders- oder Nichtgläubiger mitwirken wollen. Hier zeigt sich mal wieder, dass gegen LSBTI alles erlaubt ist, was gegenüber den Angehörigen anderer sozialer Gruppen längst undenkbar ist.
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