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Brüssel
EU stellt Strategie zum Schutz von LGBTI vor
Die EU-Kommission will sexuelle und geschlechtliche Minderheiten besser schützen – und etwa Hassvergehen gegen LGBTI auf die Liste der "EU-Straftaten" setzen. Mit dem Strategiepapier geht Brüssel auf Konfrontationskurs mit Warschau und Budapest.

Věra Jourová (Mitte) und Helena Dalli (re.) stellen die neue EU-Strategie vor
- 12. November 2020, 12:27h 4 Min.
Die Europäische Kommission hat am frühen Mittwochnachmittag in Brüssel erstmals eine EU-Strategie zur Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und transgeschlechtlichen Menschen vorgestellt. In einer auf Englisch abgehaltenen Pressekonferenz erklärten Vize-Präsidentin Věra Jourová und Gleichstellungskommissarin Helena Dalli, mit dieser "Strategie zur Gleichstellung von LGBTIQ" wolle die Staatengemeinschaft Diskriminierungen abbauen.
Die Strategie erhält eine Reihe gezielter Maßnahmen, mit denen in den nächsten fünf Jahren die Lage von LGBTI verbessert werden soll. Darin wird unter anderem vorgeschlagen, die Liste der "EU-Straftaten" um Hassstraftaten, einschließlich homo- und transphober Hetze und Hassdelikte, zu erweitern und neue Rechtsvorschriften über die gegenseitige grenzüberschreitende Anerkennung von Regenbogenfamilien zu schaffen. Außerdem will sich die Union vermehrt weltweit für LGBTI-Rechte engagieren.
/ EU_CommissionEveryone should feel free to be who they are without fear or persecution.
European Commission (@EU_Commission) November 12, 2020
This is what Europe is about and this is what we stand for.
We present our first-ever strategy on #EU4LGBTIQ equality.
#UnionOfEquality
"Ich weise zurück, dass wir westliche Ideologie verbreiten"
"Alle Menschen sollten sich frei fühlen zu sein, wer sie sind – ohne Angst vor Verfolgung haben zu müssen", erklärte Jourová, die einer liberalen tschechischen Partei angehört. Sie betonte, dass es sich bei dem Papier um ein "first ever" für die Union handle. Es gehe dabei um Gleichbehandlung, nicht um das Überstülpen vermeintlich fremder Werte in östlichen Mitgliedsstaaten: "Ich weise zurück, dass wir westliche Ideologie verbreiten. Diese Initiative soll die Rechte von Bürgern schützen."

EU-Kommissionsvizepräsidentin Věra Jourová
Dalli betonte, dass "Gleichheit und Nichtdiskriminierung" Grundwerte und Grundrechte in der Europäischen Union seien. "Dies bedeutet, dass sich alle Menschen in der Europäischen Union sicher und frei fühlen und keine Angst vor Diskriminierung oder Gewalt aufgrund der sexuellen Ausrichtung, der Geschlechtsidentität, des Ausdrucks der Geschlechtlichkeit oder der Geschlechtsmerkmale haben sollten", so die Sozialdemokratin aus Malta. "Wir sind noch weit entfernt von der vollständigen Inklusion und Akzeptanz, die LGBTIQ-Personen verdienen."

EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli
Die Strategie ist auf vier Säulen aufgebaut: der Bekämpfung von Diskriminierung, der Gewährleistung von Sicherheit, dem Aufbau inklusiver Gesellschaften und der Führungsrolle der EU bei der Forderung nach Gleichstellung von queeren Menschen in der ganzen Welt. Dalli will mit einer Task-Force für Gleichstellungspolitik die Bekämpfung von LGBTI-Diskriminierung in alle wichtigen Politikbereiche und Initiativen der EU einbeziehen.
Die Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, eigene Aktionspläne für die Gleichstellung von LGBTI zu entwickeln. So könnten sie Gleichbehandlung auf nationalstaatlicher Ebene verbessern. Die Europäische Kommission werde dann die Umsetzung der in der Strategie dargelegten Maßnahmen regelmäßig überwachen und 2023 eine Halbzeitüberprüfung vorlegen.
We will not rest when it comes to building a Union of equality. Today, we are adopting our first-ever strategy on...
Posted by European Commission on Thursday, November 12, 2020
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LGBTI Intergroup begrüßt Strategie
Die LGBTI Intergroup – ein überfraktioneller Zusammenschluss von 149 Europaabgeordneten, die sich für die Gleichbehandlung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten einsetzen – hat die neue Strategie begrüßt. Die deutsche Intergroup-Covorsitzende Terry Reintke (Grüne) forderte, dass homophobe Initiativen in Mitgliedsstaaten finanzielle Konsequenzen haben müssten. Gelder aus dem EU-Haushalt müssten an die Rechtsstaatlichkeit eines Mitgliedsstaates gekoppelt werden. "Wir müssen sicherstellen, dass LGBTI alle Menschenrechte genießen und dass EU-Gelder dazu genutzt werden, EU-Werte zu schützen – und diese nicht auszuhöhlen."
? Our co-chairs Marc ANGEL and Terry Reintke comment on the published #LGBTIQ Strategy ? ???? the full strategy: https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12410-LGBTI-equality
Posted by European Parliament Intergroup on LGBTI Rights on Thursday, November 12, 2020
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Für ihren Plan ist die Kommission auch auf Kooperation der Mitgliedsstaaten angewiesen. Insbesondere Ungarn geht aber derzeit mit aller Macht gegen LGBTI-Rechte vor. Die autoritäre Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán stellte erst am Dienstag eine Initiative vor, wonach in der Verfassung verankert werden soll, dass trans Menschen nicht anerkannt werden und gleichgeschlechtliche Paare nicht adoptieren dürfen (queer.de berichtete). Auch in Polen gibt es immer wieder Angriffe auf LGBTI, etwa durch die kommunale und regionale Ausrufung von "LGBT-freien Zonen", die von der rechtspopulistischen Regierung in Warschau unterstützt wird (queer.de berichtete).
Die Strategie zum Schutz von LGBTI war im September von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) in ihrer "Rede zur Lage der Union" angekündigt worden (queer.de berichtete). Die Chefin der 27-Staaten-Gemeinschaft verbreitete während der Pressekonferenz Informationen über die neue Strategie auf ihren Seiten in sozialen Netzwerken. (dk)
/ vonderleyenWith our EU Strategy for #LGBTIQ Equality, we will:
Ursula von der Leyen (@vonderleyen) November 12, 2020
Fight discrimination
Ensure the safety of #LGBTIQ people
Protect the rights of families
Promote #LGBTIQ equality around the world
Links zum Thema:
» Deutschsprachiges Factsheet (PDF) zur Strategie
» Die Strategie (engl. PDF)















