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Nach Attentat in Dresden

Würdige Trauerfeier für Thomas L. in Krefeld

Über 100 Menschen gedachten am Freitagabend an der Alten Kirche des Opfers der mutmaßlich queerfeindlich-islamistischen Attacke in Dresden. Die Motivation der Tat müsse aufgedeckt werden, forderten OB Frank Meyer (SPD) und Ulle Schauws (Grüne).


Die Teilnehmenden stellten am Ende der Veranstaltung Kerzen am Portal der Alten Kirche auf (Bild: Jette Christ)

"Unser Schweigen wird uns nicht schützen." Mit diesen Worten ermutigte Emma Sillekens, Co-Vorsitzende des Krefelder CSD-Vereins, am Freitagabend die Anwesenden, ihre Stimmen zu erheben.

Über 100 Menschen versammelten sich an diesem Abend an der Alten Kirche, um dem aus Krefeld stammenden Dresdner Attentatsopfer Thomas L. mit einer Schweigeminute und Kerzen zu gedenken. Eingeladen hatten die Stadt und der CSD gemeinsam. Gekommen waren neben Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) u.a. auch die Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws (Grüne) sowie die Landtagsabgeordneten Marc Blondin und Britta Öllers (beide CDU).

OB fordert Einsatz für freie Gesellschaft

"Wir kommen hier zusammen für die Gemeinschaft, um zu zeigen, dass in Krefeld und auch in jeder anderen Stadt jeder so leben kann wie er mag", sagte der OB in seiner Trauerrede. Auch Ulla Schauws nahm Anteil und appellierte an Behörden und Politik, bei queeren Opfern nicht mehr wegzuschauen.


Ulle Schauws (Grüne) bei ihrer Rede (Bild: Jette Christ)

In erster Linie diene diese Veranstaltung dem Gedenken an Thomas L. und nicht der Suche nach dem Motiv des Täters, so die Redner*innen. Doch Schauws und Meyer waren sich einig: Die Motivation müsse aufgedeckt werden. Es sei noch nie wichtiger gewesen, genauer hinzuschauen, zu benennen was vorgefallen ist.

"Dieser Vorfall führt uns vor Augen, dass eine freie Gesellschaft nicht von selbst zustande kommt", sagte der Oberbürgermeister. Ganz herzlich begrüßte er muslimische Menschen, die sich der Trauerfeier angeschlossen hatten. Gewalt sei "kein Merkmal einer Religion", so Meyer.


Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) sprah in seiner Rede vorsichtig von einer "eventuell homophob motivierten Tat" (Bild: Jette Christ)

"Trauer aushalten, aber uns nicht heraushalten"

Angelehnt an die US-Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde forderte CSD-Co-Chefin Emma Sillekens dazu auf, in diesen schweren Zeiten nicht zu verstummen: "Wir müssen diese Trauer aushalten, aber uns nicht heraushalten, denn wir zählen und dürfen nicht übersehen werden."

Was bleibt ist die Trauer, doch Hass und Wut hatten bei dieser würdigenden Gedenkfeier keinen Platz. Bewegt und mit Zuversicht gingen die Teilnehmenden an diesem Abend nach Hause.

"Dass eine so schöne Atmosphäre trotz so viel Trauer zustande kommt, beweist, dass wir die Sache ernst nehmen und zusammenhalten", meinte die Krefelderin Petra (53) gegenüber queer.de. Das Attentat hätte "womöglich jedes schwule Pärchen treffen können", sagte Emmanuel (22). "Man fühlt den Schmerz mit, aber das macht uns nicht kleiner, eher wachsen wir daran, um noch mehr für uns alle einzustehen."


Trauerkerzen für Thomas L. auf den Treppenstufen zur Alten Kirche (Bild: Jette Christ)



#1 gayflecktarnhoseProfil
#2 AthreusProfil
  • 14.11.2020, 15:21hSÜW
  • Was mir hier defintiv fehlt, ist dieselbe Inbrunst, mit der Lindner, Klingbeil, Roth, Özdemir, Ziemiak, Steinmeier, Esken und Co. ihre Anteilnahme zum Ausdruck brachten, wie es nach der Ermordung des frz. Lehrers der Fall war. Nun könnte man 5,5 Std. Autofahrt von Berlin nach Krefeld für das demonstrative Fehlen der A-Liga politischer Prominenz ins Feld führen, nur ramponiert Ulle Schauws dieses Argument, die ihren Arbeitsplatz ebenfalls im Bundestag hat aber anwesend war. Die Stille durch fehlende Beiträge in Twitter, Zeitungen, TV-Nachrichten oder dem Radio, die ohne Aufwand und seuchenkonform möglich gewesen wären, belegt leider, dass ein Lehrer aus Frankreich mehr Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Empathie erfährt, als ein Deutscher aus dem Ruhrpott.

    Ob die sexuelle Orientierung des deutschen Terroropfers hier den Ausschlag gibt, kann ich nur vermuten, aber so oder so ist das Missverhältnis in der Reaktion auf zwei identische Morde, beide durch Islamisten mit Messern begangen, äußerst verstörend und ein katastrophales Signal an die deutsche Bevölkerung und ihre LGBTQ's.
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#3 gatopardo
  • 14.11.2020, 16:29h
  • Antwort auf #2 von Athreus
  • Es hat mich überrascht, dass der Erstochene schwul war ,da über diese Tatsache in deutschen Medien anfangs gar nicht informiert wurde, oder so wenig, dass ich es über die Parabolantenne nicht mitbekommen habe . Es hat mich auch gewundert, dass bei Euch über den enthaupteten franz. Lehrer wesentlich mehr berichtet wurde, als über den Messerstecher und sein Opfer in Dresden. Aus welchem Grund auch immer.....
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#4 Homonklin_NZAnonym
  • 15.11.2020, 15:20h
  • Grade bei Reden zu einer Trauerfeier sollte man doch wenigstens bei der Wahrheit bleiben, und nicht neue Verharmlosungsversuche anstrengen:

    ""Gewalt sei "kein Merkmal einer Religion", so Meyer.""

    Da muss er die Glaubensgrundsätze des abrahamitischen Religionenkomplex aber noch mal mit gut geputzter Brille durchgehen.
    Gewalt gegen Frauen, gegen Andersdenkende, Andersglaubende, Glaubensfreie, Andersfühlende, gegen Kinder, gegen andere Ethnien und Kulturen. Davon quellen Religionen über. Warum wird versucht, das einfach wegzublenden? Will man so ein mögliches Tatmotiv weg leugnen?

    Gut möglich, dass das Tatmotiv in dem Fall Religion und aus Religion hervor gezogene Schlüsse zum Ursprung hatte. Gerade der religiöse Extremismus verdammt LGBTIQ* zum Hassobjekt, neben so einigem anderen. Mussten LGBTIQ* unter dem Hass und der Gewalt durch Religionen noch nicht lange genug leiden?

    Kein cm Stockholmsyndrom zugunsten Religionen.
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#5 Ralph
  • 16.11.2020, 18:35h
  • Antwort auf #2 von Athreus
  • Als besonders verletzend und alarmierend empfinde ich das eiserne Schweigen auch von Leuten, die bislang gerne ihre Unterstützung von LSBTI bekundet haben. Beispielhaft möchte ich in diesem Zusammenhang den Namen Claudia Roth nennen.
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