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Evangelische Kirche

"Abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben"

Vor dem Volksverhetzungs-Prozess gegen den queerfeindlichen Pastor Olaf Latzel, der am Freitag beginnt, erhöht EKD-Ratschef Heinrich Bedford-Strohm den Druck auf die Bremische Landeskirche.


Hass von der Kanzel: Pastor Olaf Latzel polemisiert seit Jahren gegen LGBTI und Andersgläubige
  • 16. November 2020, 02:46h 14 3 Min.

Im Fall des Bremer Pastors Olaf Latzel sieht der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Landeskirche am Zug. In einem am Sonntag veröffentlichten "Spiegel"-Interview (Paywall-Artikel) antwortete Heinrich Bedford-Strohm auf die Frage, warum Latzel immer noch predigen dürfe: "Das liegt im Entscheidungsbereich der Bremischen Landeskirche und ist abhängig von der Rechtslage." Er selbst habe sich dazu klar geäußert: "Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben."

Latzel steht ab Freitag, den 20. November wegen Verdachts auf Volks­verhetzung vor Gericht. Anlass ist ein "Eheseminar" aus dem letzten Herbst, in dem er wiederholt gegen Homo- und Trans­sexuelle hetzte. In seinem Vortrag bezeichnete der Pastor der Gemeinde St. Martini die "Homo-Lobby" und den "ganzen Genderdreck" u.a. als "teuflisch", CSD-Besucher*­innen seien "Verbrecher" und "gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" sowie "todeswürdig" (queer.de berichtete). Die Hetz-Rede war auch monatelang auf Youtube online.

Prozess findet im Konzerthaus statt

Die evangelische Landeskirche in Bremen leitete aufgrund des Hass-Vortrags zwar bereits im Mai ein Disziplinarverfahren gegen Olaf Latzel ein, dieses ruht jedoch bis zum Urteil des weltlichen Gerichts. Trotz seiner menschenverachtenden Äußerungen und der Anklage durfte der Pastor in seiner Kirche zunächst weiterpredigen (queer.de berichtete). Erst Anfang November vereinbarte der Kirchenausschuss laut "Weser-Kurier" mit Latzel und seiner Gemeinde, dass er vom 9. November bis 6. Dezember seine Amtsgeschäfte ruhen lässt.

Wegen des großen öffentlichen Interesses und der Abstandsregeln im Zuge der Corona-Pandemie findet der Strafprozess im Bremer Innenstadt-Konzerthaus "Die Glocke" statt. Die Verhandlung wird am 20. November um 9 Uhr im Kleinen Saal eröffnet, als weitere Termine sind der 25. und 30. November vorgesehen. Das Amtsgericht Bremen geht jedoch davon aus, dass zwei Sitzungstage ausreichen.

Latzels Gemeinde: "Wir legen Wert auf eine respektvolle Kommunikation"

Olaf Latzel ist Chef einer von 61 Kirchengemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche. Er war bereits in der Vergangenheit wiederholt mit Ausbrüchen gegen Homosexuelle oder Angehörige anderer Religionen aufgefallen. So hatte er etwa das Homo-"Heiler"-Seminar "Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung" angeboten oder Christ*innen offen aufgefordert, kein Verständnis und keine Toleranz für andere Religionsgemeinschaften zu zeigen. Die "Frankfurter Rundschau" bezeichnete ihn deshalb als "Hetzprediger von der Weser". Seine Äußerungen hatte Latzel mehrfach damit verteidigt, dass er nur das sage, was in der Bibel stehe.

Kurz vor dem Strafprozess versuchen Latzel und seine Gemeinde allerdings, sich ein tolerantes und freundliches Image zu geben. So wurden Anfang des Monats auf der Homepage von St.-Martini neue "Leitsätze zur Kommunikation" veröffentlicht. "Wir begegnen ausnahmslos jedem Menschen gleich welcher Herkunft, Geschlechtes, Alters oder Religion mit Wertschätzung, Respekt und Nächstenliebe", heißt es darin. Und: "Wir legen Wert auf eine respektvolle Kommunikation und achten auf eine angemessene Wortwahl." (cw)

-w-

#1 mesonightAnonym
  • 16.11.2020, 08:27h
  • Wenn ich den Latzel sehe, läuft es mir eiskalt den Rücken runter, der Typ hat was total aggressives und bösartiges an sich. Der wird sicher nur wieder eine Abmahung bekommen.
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#2 FinnAnonym
  • 16.11.2020, 08:28h
  • "Abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben"

    Dann soll die eveangelische Kirche schon mal mit gutem Beispiel vorangehen und die Ehe öffnen - in allen Gemeinden. Also keine "Segnungen" oder andere Diskriminierungen, sondern echte Gleichstellung. Denn alles andere ist weiterhin "abwertend und diskriminierend".

    Wenn das alles nicht nur wieder mal Blabla ist, um die Kirchenaustrittswelle zu stoppen, sondern wirklich ernst gemeint sein soll, dann müssen den Worten auch Taten folgen. Alles andere ist unglaubwürdig.
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#3 Taemin
  • 16.11.2020, 12:14h
  • Sowohl die Aussage aus der EKD-Führung als auch die aus Latzels eigener Gemeinde sind ekelhafte Heuchelei. Dass das Gegenteil von dem wahr ist, was da behauptet wird, erkennt jeder Beobachter. Hetze hat ihren Platz in der Kirche, und Achtung vor der Menschenwürde kennt besagte Gemeinde nicht.
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