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Mehrere Festnahmen

Hassattacke in Frankfurt: Jugendliche schlagen und treten auf queere Person ein

Vor dem Frankfurter Einkaufszentrum "MyZeil" kam es am Samstagabend zu einem queerfeindlichen Gruppenangriff. Im Polizeibericht wird der Hintergrund der Tat verschwiegen.


Die Frankfurter Polizei teilte lediglich mit, dass die Ermittlungen andauerten (Bild: TechLine / pixabay)

Zu Update springen: Polizei sucht Zeug*innen (19:45h)

Mit mehreren Festnahmen endete am Samstagabend ein brutaler queerfeindlicher Angriff in Frankfurt am Main. Das 20-jährige Opfer, das in sozialen Netzwerken als "KweenDrama" bekannt ist, sprach in mehreren Online-Posts von Homophobie als Tatmotiv. Im offiziellen Polizeibericht wurde der wahrscheinliche Hintergrund der Attacke jedoch verschwiegen, die Nachrichtenagentur dpa machte aus dem Angriff auf einen Menschen sogar eine "Massenschlägerei".

Fakt ist, dass sich der Vorfall gegen 20:15 Uhr vor dem Einkaufszentrum "MyZeil" ereignete. Dort wurde das Opfer zunächst von mehreren Personen beleidigt. Nach kurzer Zeit begann einer der überwiegend jugendlichen Pöbler, auf "KweenDrama" einzutreten. Als sich die queere Person zur Wehr setzte, wurde sie von acht bis zehn weiteren jungen Männern mit Schlägen und Tritten angegriffen. In sozialen Netzwerken kursieren mehrere Videos der Attacke. Sie zeigen auch, dass nur wenige umstehende Menschen zu Hilfe kommen.

Vor dem Einkaufszentrum hielten sich 150 Personen auf

Nach Eintreffen der alarmierten Polizei konnten noch vor Ort mehrere Personen zwischen 14 und 30 Jahren festgenommen werden. Über die genaue Zahl gibt es keine Angaben. Die Tatverdächtigen wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen. "Die Ermittlungen in der Sache dauern an", heißt es im Polizeibericht. Das Opfer erlitt keine schweren Verletzungen.

Insgesamt hielten sich laut Mitteilung der Polizei zu diesem Zeitpunkt vor dem Einkaufszentrum rund 150 Menschen auf, die zudem gegen geltende Abstands- und Maskenanordnungen verstoßen haben sollen. Erst vor zwei Wochen war es auf Frankfurts berühmter Einkaufstraße Zeil zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Dabei waren Polizist*innen mit Flaschen und Eiern beworfen worden.

Wurde das Opfer von den Angreifern erkannt?

Ein möglicher Auslöser des Angriffs vom Samstag könnte ein Interview gewesen sein: Am Wochenende zuvor hatte "KweenDrama" im Frankfurter Youtube-Kanal "BrEso" über queere Themen und LGBTI-Feindlichkeit gesprochen. (cw)

Direktlink | "KweenDrama" zu Gast bei "BrEso"


 Update  19.45h: Polizei sucht Zeug*innen

Zu der "gefährlichen Körperverletzung zum Nachteil eines*r 20-Jährigen aus Offenbach", nach der zehn Personen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren vorläufig festgenommen wurden, sucht die Polizei nun Zeug*innen. Wie sie am Montagnachmittag in einer zweiten Pressemitteilung zum Vorfall mitteilte, hätte die Auswertung von Videoaufnahmen aus dem Internet Hinweise auf "transphobe bzw. transfeindliche Beweggründe" ergeben. "Diese möglicherweise geschlechterdiffamierende Motivation der Täter wird nun intensiv in die umfangreichen Ermittlungen miteinbezogen." In sozialen Netzwerken waren Video des Vorfalls mit teils transfeindlichen Begriffen und Ansichten verbreitet und kommentiert worden.

Für die Ermittlungen zu der Tat wurde eine Arbeitsgruppe beim Haus des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst eingerichtet, so die Polizei. Zeug*innen werden gebeten, sich dort per Telefon unter der Rufnummer (069) 755-35108 oder per E-Mail zu melden.



#1 FinnAnonym
  • 16.11.2020, 08:26h
  • Überall in Deutschland wird es immer schlimmer...

    Aber weiterhin wird alles getan, um Homo- und Transphobie als Tatmotiv zu vertuschen. Die Öffentlichkeit soll nicht die wahren Ausmaße erfahren, sonst könnte noch der Druck auf Union und SPD wachsen, endlich was zu tun...

    Es wird sowas von Zeit für einen kompletten Wechsel...
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#2 Queerman
#3 Homonklin_NZAnonym
  • 16.11.2020, 10:50h
  • Dass während laufender Ermittlungen kein Motiv als gesichert gesehen wird, wenn das dann nicht direkt offensichtlich war, ist eigentlich üblich.

    Man bekommt aber schon so einen Eindruck, als hätte ein halbwegs angemessener Umgang in D erheblich gelitten, gelinde gesagt. Das war nun vor einigen Jahren schon extrem genug, aber wie heute Menschen angegangen, beleidigt, provoziert, und wenn sie dartauf nicht eingehen, angegriffen werden, hat schon was pathologisch Aggressives. Das sind doch keine geistig proper zusammengesetzten Menschen, die sowas machen, sorry.

    Kritik äußern kann man couragiert oder feige. Jemand auf die Weise anzugehen, das machen die Feiglinge, die sich eine offene Ansprache nicht zutrauen.

    Flaschen und Steine auf Polizist*innen zu werfen. ?? Was geht in solchen Leuten bloß vor? Was mir über manche Randale in D in vergangener Zeit berichtet und gezeigt wurde, treibt einem Tränen in die Augen. Das ganze Klima Straße und Getümmel seltsam verorteter Gruppen. Das ist doch nicht allein Corona bedingt, was da abgeht.

    "Kween Drama" wünsche ich gute Besserung, und den Mut nicht zu verlieren, nicht vor diesem kaputten Hass einzuknicken. Und eine Menge Freund*innen an die Seite. Together strong!
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#4 WürgAnonym
#5 BrachialEsoterikerAnonym
  • 16.11.2020, 13:43h
  • Hab mir das verlinkte Video von "BrEso" angesehen. Was mir vor allem auffällt ist, dass diese Jugendlichen - die ja angeblich so zwischen 18-20 sind - eher die Reife haben wie ich es von pubertierenden 12-14-Jährigen erwarten würde. Wenn sich eine solch massive Reifeverzögerung mit Gewaltbereitschaft zusammentut, haben wir ein ebenso massives Problem.
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#6 gataAnonym
  • 16.11.2020, 21:11h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • was politisch nicht korrekt ist, wird unter den teppich gekehrt. der bereits das gesamte präsidium ausfüllt. nix neues in d...leider. ich bin froh, wenn ihr weiter auf die strasse geht. homophobie gerade bei uniformträdern ist uralt, in der zeit des §175 gab ich mich als freundin meines kollegen aus nach einer attacke der bahnhofspolizei. das war anfang der 70er. deswegen sage ich: nix neues. haarsträubend!
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#7 Alexander_FAnonym
  • 17.11.2020, 00:18h
  • Antwort auf #6 von gata
  • Bin selber jüngeren Jahrgangs, aber auch in den 90ern und frühene 2000ern waren so Vorfälle wesentlich häufiger und wurden einfach unter den Teppich gekehrt. Jahrzehntelang hat man wohl nur den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.
    Neu ist das alles also wirklich nicht. Fassungslos macht es einen aber doch.
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#8 Schnauze vollAnonym
  • 17.11.2020, 10:38h
  • Ich habe wirklich die Schnauze gestrichen voll von Parteien und Politikern, die unsere volle Gleichstellung und mehr Aufklärung weiterhin blockieren oder aufschieben.

    Das alles mag nicht direkt Gewalt verhindern können, ist aber die Voraussetzung dafür, dass sich in den Köpfen was ändert, was dann auch mittelfristig Gewalt weniger wahrscheinlich macht.

    Wir lassen uns nicht mehr vertrösten. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur um Gleichstellung und Grundrechte (was auch schon Grund genug ist), sondern um unsere Sicherheit oder gar unser Leben.

    Parteien, die uns ständig vertrösten wollen, sollten wir nicht mehr wählen. Nur dann werden die sich ändern. Wenn wir dagegen weiterhin solche Parteien wählen, gibt es für diese keinen Grund, sich zu ändern.
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#9 Uuo118Anonym
  • 17.11.2020, 13:38h
  • Mich haben mehrere dieser Vorfälle jetzt dazu gebracht, dass ich mir einen Elektroschocker gekauft habe.
    Das hilft zwar nicht, wenn man - wie in diesem traurigen Fall - von mehreren Personen angegriffen wird, ist aber effektiv gegen einzelne Aggressoren.

    Ich bin betrübt und verzweifelt. Was soll man denn sonst noch machen?
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#10 FinnAnonym
  • 17.11.2020, 18:28h
  • Antwort auf #9 von Uuo118
  • Ja, es ist wirklich ein Armutszeugnis, dass der Staat uns nicht mehr schützen kann (und offenbar auch nicht mehr will) und wir uns selbst schützen müssen.

    Ich gehe auch (gerade nach Anbruch der Dunkelheit) nicht mehr ohne Pfefferspray aus dem Haus.

    Hätte ich noch vor 10 Jahren für undenkbar gehalten, aber so ist es nun mal leider.
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