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NDR muss suchen

Ben Dolic hat genug vom ESC

Während die Hälfte der teilnehmenden Länder ihre siegreichen Interpret*innen von 2020 auch im kommenden Jahr zum ESC senden wollen, zieht der deutsche Vorjahresgewinner Ben Dolic die Reißleine.


Ben Dolic wird nächstes Jahr nicht "Germany twelve points" hören (Bild: NDR)

Der 23-jährige Popsänger Ben Dolic wird 2021 nicht für Deutschland zum Eurovision Song Contest nach Rotterdam fahren. Das hat der Zweitplatzierte der Castingshow "Voice of Germany 2018" und Sieger des ESC-Vorentscheids 2020 am Montag via Instagram bekanntgegeben.

In dem englischsprachigen Eintrag erklärte der gebürtige Slowene: "Ich habe jeden Augenblick der Eurovisionsreise genossen und danke allen, die an mich geglaubt und mich auf jedem Schritt begleitet haben. Das wird immer ein Kapitel meines Lebens bleiben, das ich in Ehren halten werde und auf das ich gerne zurückblicke." Die Entscheidung, nicht erneut am Auswahlverfahren des NDR teilzunehmen, sei ihm schwer gefallen. "Aber in diesem Moment ist sie die richtige", so Dolic. Dem noch zu findenden ESC-Beitrag wünschte Dolic Glück und erklärte: "Genießt die Reise!"

Alexandra Wolfslast, die NDR-Delegationschefin für den deutschen Beitrag beim ESC, bedauerte den Ausstieg: "Wir finden es sehr schade, dass Ben Dolic nicht weiter am Auswahlverfahren für den ESC 2021 teilnehmen möchte. Er hat uns als Vertreter Deutschlands in diesem Jahr überzeugt, aber natürlich verstehen und respektieren wir seine Entscheidung. Wir danken ihm von Herzen für seinen Einsatz und wünschen ihm alles Gute!"

Dolic und sein Song "Violent Thing" waren im Februar vom NDR als deutscher Beitrag für den ESC 2020 vorgestellt worden (queer.de berichtete). Der Sänger war vor zwei Jurys aus 607 Künstler*innen und 568 Songs intern ausgewählt worden, einen Vorentscheid mit Zuschauerbeteiligung hatte es nicht gegeben. Nach der coronabedingten Absage des ESC konnte der Song nicht auf großer Bühne vorgestellt werden.

"Violent Thing" war in Deutschland ein moderater Erfolg, der zwar hin und wieder im Radio zu hören war. Er verfehlte allerdings den Einzug in die nationalen Charts. Dieses Schicksal ereilte in diesem Jahrtausend nur zwei deutsche Vorentscheid-Siegersongs ("Let's Get Happy" von Lou im Jahr 2003 und "Sister" von S!sters im Jahr 2019).

Direktlink | Das offizielle Video von "Violent Thing" wurde auf Youtube fast zwei Millionen Mal abgerufen

Anders als Deutschland schicken viele andere nationale TV-Sender ihre Gewinner*innen von 2020 erneut ins Rennen nach Rotterdam: Bislang haben dies 20 der 41 teilnehmenden Länder angekündigt. Dazu zählen Österreich (Vincent Bueno), Australien (Montaigne) und Island (Daði og Gagnamagnið). Sie dürfen laut den ESC-Regularien allerdings nicht mit dem selben Lied wie im Vorjahr antreten, sondern nur mit einer bislang unveröffentlichten Neukomposition.

Bereits im Juli kündigte der NDR an, dass es auch im kommenden Jahr keinen nationalen Vorentscheid im TV, sondern wieder eine interne Auswahl geben wird, bei der Dolic zudem nicht gesetzt sei (queer.de berichtete). Der Sänger hatte zunächst erklärt, sich in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Boris Milanov wieder um eine Teilnahme bewerben zu wollen.

Das letzte Mal, als Deutschland einen Song ohne Zuschauerbeteiligung zum ESC-Finale schickte, war 2009. Damals wählte eine interne Jury die Band "Alex Swings Oscar Sings!" als deutschen Beitrag aus. Bei diesem Beitrag ist vor allem in Erinnerung geblieben, dass der amerikanische Burlesque-Superstar Dita van Teese für den Auftritt im ESC-Finale gewonnen werden konnte. Ergebnis: Platz 20 von 25. (dk)



#1 chrissAnonym
  • 17.11.2020, 10:33h
  • Hoffentlich wird der deutsche Beitrag nächstes Jahr genauso gut. Ich hoffe dann auch, dass sich für die nächsten Jahre ein einheitliches Konzept für die Auswahl findet. Da hat es in den letzten Jahren an Struktur gefehlt.
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#2 lys asAnonym
#3 RechtzeitigAnonym
  • 17.11.2020, 19:01h
  • Besser als damals dieser Andreas Kümmert, der zwar am Vorentscheid teilnahm, aber erst nach seinem Sieg verkündete, dass er doch nicht teilnehmen will.

    Und noch schlimmer war dann die Reaktion von Barbara Schöneberger, die dann einfach die Zweitplatzierten zu Siegern erklärt hat, ohne erst mal die Reaktion der Verantwortlichen abzuwarten. Denn mit kurzem Nachdenken war jedem klar, dass ohne Kümmerts Teilnahme ja auch das Endergebnis ganz anders ausgesehen hätte und die Zweitplatzierten dann nicht unbedingt auf Platz 1 gelandet wären.

    Dann lieber wie Ben Dolic, rechtzeitig sagen, dass man nicht mehr möchte.

    Vollen Respekt für die klare, rechtzeitige Kommunikation.
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#4 MarcAnonym
#5 Julian SAnonym
  • 18.11.2020, 09:50h
  • "Bereits im Juli kündigte der NDR an, dass es auch im kommenden Jahr keinen nationalen Vorentscheid im TV, sondern wieder eine interne Auswahl geben wird"

    Also will man wieder auf den hinteren Plätzen landen. Vermutlich kann sich Deutschland keine Austragung des ESCs im eigenen Land erlauben und will deshalb sicherstellen, dass man garantiert nicht in diese Verlegenheit kommt.

    Fakt ist doch:
    das Problem ist nicht, wenn Zuschauer mit entscheiden können (die dürfen das schließlich auch beim ESC oder will Deutschland das jetzt auch abschaffen?).

    Das Problem ist eher, dass man die falsche Klientel anlockt.

    Wenn man eine Moderatorin wie Barbara Schöneberger für den Vorentscheid wählt (die ich früher mal sehr gerne gesehen habe, die aber immer überdrehter wird und deshalb nicht mehr lustig, sondern nur noch albern ist), macht man damit deutlich, dass es nicht darum geht, den besten musikalischen Beitrag zu finden, sondern dass man das nur als weitere Unterhaltungsshow sieht, um Zuschauer zu locken.

    Damit vergrault man dann die echten Musikfans und hat dann Zuschauer, die abstimmen, weil Barbara Schöneberger wieder mal sagt, wie toll sie jemanden findet.

    Man muss sich doch nur mal ansehen, wie die beim ESC erfolgreichsten Nationen ihren Vorentscheid machen. Z.B. Schweden: dort ist das ein nationales Event, was über Wochen geht. Aber keine Spaßveranstaltung, wo es nur um Quote geht. Aber gerade deshalb haben die dann dennoch super Quoten.

    Ja, man muss so eine Entertainment-Show nicht so bierernst machen, wie es ganz früher mal war. Aber es braucht auch nicht zur albernen Tingeltangel-Show zu werden.
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#6 Ja aberAnonym
  • 18.11.2020, 18:40h
  • Antwort auf #5 von Julian S
  • Ja, der eine Teil des Problems ist, welche Klientel dieses Format anzieht. Aber das Problem geht noch weiter:

    Denn der zweite Teil des Problems ist, dass es in Deutschland oft sowohl auf Autorenseite als auch auf Interpretenseite oft nicht die besten gibt. Teilweise gibt es ja da sogar irgendwelche Casting-Show-Gewinner, die dann natürlich aufgrund der über Monate gesammelten Casting-Show-Fans tolle Chancen auf den Sieg haben, aber international eben nicht bestehen können.

    Und das hängt natürlich auch mit dem ersten Problem zusammen. Denn solange das Format so ist und diese Klientel anzieht, werden die richtig guten Leute eben nicht daran teilnehmen.

    Natürlich kann man dennoch auch mal einen Überraschungserfolg bekommen, aber dass das meistens schief geht, zeigt ja die Praxis der letzten 20-30 Jahre.
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