Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37541

Sportrecht

Semenya zieht vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Die Rennläuferin mit intergeschlechtlichen Anlagen kämpft weiter gegen eine Regel, ihren natürlichen Testosteron-Wert mit Medikamenten senken zu müssen.


Caster Semenya im Sommer 2018 in Paris (Bild: Yann Caradec / flickr)

  • 18. November 2020, 02:51h, noch kein Kommentar

Die südafrikanische Spitzensportlerin Caster Semenya will nach Angaben ihres Anwalts in ihrem langjährigen Rechtsstreit gegen den Leichtathletik-Weltverband vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen. Der Jurist Greg Nott gab in seinem Statement am Dienstag aber keinen Zeitpunkt bekannt.

Die zweifache 800-Meter-Olympiasiegerin hatte vor rund zwei Monaten vor dem Schweizer Bundesgericht in Lausanne eine Niederlage hinnehmen müssen: Es hatte die Beschwerde Semenyas gegen eine Entscheidung des ebenfalls in der Stadt beheimateten Internationalen Sportgerichtshofes Cas zurückgewiesen (queer.de berichtete). Im Kern des langwierigen Rechtsstreits wehrt sich die 29-Jährige gegen eine umstrittene Regel des Leichtathletik-Weltverbandes zum Testosteron-Limit für Mittelstreckenläuferinnen mit intergeschlechtlichen Anlagen.

Alle afrikanischen Menschenrechts-Kommissionen hätten nun ihre Unterstützung für das Ansinnen der Athletin zum Ausdruck gebracht, so Nott. Semenya würden hoffnungsvoll bleiben, dass der Leichtathletik-Weltverband seinen Fehler einsehe, den er gemacht habe, und die Regel rückgängig mache.

Debatte über Fairness und Diskriminierung

Die Regel verlangt, dass Semenya ihren natürlichen Testosteron-Wert durch Medikamente senken soll. Die dreifache Weltmeisterin lehnt das ab. Für den Verband gehört Semenya zu den "biologisch männlichen Athleten mit weiblichen Geschlechtsidentitäten". Sie darf daher nicht an Wettbewerben über 400 Meter bis zu einer Meile starten.

Das Schweizer Bundesgericht hatte teilweise auf die eigenständige Sport-Gerichtsbarkeit verwiesen und die Cas-Argumentation wiederholt, dass Testosteron der Hauptfaktor für die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Geschlechter in der Leichtathletik darstelle. Eine auf Fairness beim sportlichen Wettkampf setztende Regelung sei ein legitimes Anliegen und bilde ein zentrales Prinzip des Sports. Das Gericht sah in dem Verlangen nach Absenken der Testosteron-Werte zwar einen erheblichen Eingriff in die körperliche Integrität, aber keine Verletzung der Persönlichkeit und der Menschenwürde von Semenya. Der Cas erkannte eine Diskriminierung an, die aber notwendig und verhältnismäßig sei.

"Ich werde weiter für Menschenrechte von Athletinnen kämpfen, für jene auf und jenseits der Bahn – bis wir alle so frei laufen können, wie wir geboren wurden", hatte die 29 Jahre alte Südafrikanerin in einer Mitteilung nach dem Bundesgerichts-Urteil gesagt. (dpa/cw)