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Nach queerfeindlicher Attacke in Frankfurt

LGBTI-Aktivist*innen fordern: "Keine No-Go-Areas" für LGBTI

Erst Dresden, jetzt Frankfurt: Zum zweiten Mal in Folge "verschweigen" die deutschen Behörden den queerfeindlichen Hintergrund einer Straftat. Nun gibt es Forderungen nach Konsequenzen.


Unweit des Tatorts weisen gleichgeschlechtliche Ampelpärchen den Weg (Bild: Rainer Rüffer / Stadt Frankfurt am Main)

Nach der offenbar aus LGBTI-Feindlichkeit verübten Attacke auf eine 20-jährige queere Person in der Frankfurter Innenstadt vom Wochenende fordern LGBTI-Aktivist*innen, dass Sicherheitsbehörden mehr Aufmerksamkeit auf homo- und transphobe Gewalt richten. Außerdem rufen sie zur Solidarität mit dem Opfer auf.

"In einer Stadt darf es [...] keine No-Go-Areas für bestimmte Menschengruppen geben. Eine Stadtgesellschaft darf es nicht hinnehmen und muss sich dagegen wehren, dass ein Teil von ihr Orte im Herzen der Stadt nach Einbruch der Dämmerung sicherheitshalber meiden muss", erklärte etwa die queere Aktivistin Jessica Purkhardt, ein Vorstandsmitglied der Aids-Hilfe Frankfurt. "Wir erwarten deshalb, dass der aktuelle Gewaltübergriff auf einen queeren Menschen nun in der öffentlichen Diskussion und bei den Sicherheitsbehörden zum Anlass genommen wird, die Sorgen der LGBTIQ+-Community angemessener zu berücksichtigen."

Wichtig sei etwa die sichtbare Präsenz der Polizei auch in den Nachtstunden. Purkhardt verwies dabei darauf, dass ausgerechnet in der Nähe des Tatorts seit zwei Jahren gleichgeschlechtliche Ampelpärchen leuchten. Eine Stadt, die solche Symbole setze, sollte auch dafür eintreten, "dass gleichgeschlechtliche Paare dort tatsächlich unbehelligt Hand in Hand laufen können und queere oder transidente Menschen keine verbale und körperliche Gewalt erfahren".

Twitter / jessybkk

"Verschwieg" die Polizei LGBTI-feindlichen Hintergrund?

Der hessische Landesverband von Die Linke.queer forderte von den Sicherheitsbehörden, dass "homo- und transfeindliche Straftaten als solche erkannt und benannt werden", wie Landessprecher Christian Gaa erklärte. Er kritisierte die Tendenz der Polizei, LGBTI-feindliche Hintergründe von Straftaten nicht zu erwähnen. So sei bereits beim islamistischen Terroranschlag in Dresden vom 4. Oktober der möglicherweise homophobe Hintergrund "verschwiegen" worden, jetzt habe sich dies in Frankfurt wiederholt. "Das ist kein Zufall", so Gaa.

Auch die Frankfurter Grünen zeigten sich nach der Attacke entsetzt und forderte mehr Engagement von den Sicherheitsbehörden: "Die Polizei ist aufgefordert, in ihren Berichten Angriffe aus Motiven, die sich aus gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit speisen, auch direkt als solche zu benennen. Nur so entsteht ein realistisches Bild und nur so kann gezielt gegen solche Taten vorgegangen werden", erklärten die grünen Vorstandssprecher*innen Beatrix Baumann und Bastian Bergerhoff.

Mit Entsetzen haben wir den Bericht über einen menschenfeindlichen Angriff auf eine Person aus der LSBT*IQ-Community auf...

Posted by Bündnis90/Die Grünen Frankfurt on Tuesday, November 17, 2020
Facebook / Bündnis90/Die Grünen Frankfurt

Das ist bisher über Tat und Täter bekannt

Bisher ist über den Fall bekannt, dass das 20-jährige Opfer, das in sozialen Netzwerken als KweenDrama bekannt ist, am Samstag gegen 20.15 Uhr vor dem Einkaufszentrum "MyZeil" aus einer großen Gruppe heraus von mehreren jungen Männern mit Schlägen und Tritten attackiert worden ist. Laut Polizei wurden an dem Abend zehn Personen zwischen 14 und 30 Jahren vorläufig festgenommen.

Twitter / KaiGehring | Der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring würdigt das Engagement von KweenDrama

Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sei einer der mutmaßlichen Täter bereits zuvor im Haus des Jugendrechts im Frankfurter Stadtteil Höchst registriert gewesen, einer Einrichtung für jugendliche Straftäter*innen. Auch andere Verdächtige seien wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten polizeibekannt. Die meisten stammen aus Frankfurt oder dem Umland. Zur Nationalität der jungen Angreifer machten die Behörden keine Angaben.

Twitter / BS_AnneFrank | Auch die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank zeigt sich entsetzt

Für besondere Kritik hatte gesorgt, dass die Polizei den mutmaßlich queerfeindlichen Hintergrund der Tat zunächst nicht öffentlich erwähnte. Erst am späten Montagnachmittag erklärten die Behörden, Videos aus sozialen Netzwerken hätten Hinweise auf "transphobe bzw. transfeindliche Beweggründe" ergeben. Zuvor waren mehrere Videos des Vorfalls mit teils transfeindlichen Begriffen und Ansichten verbreitet und kommentiert worden.

KweenDrama hatte die Tat am Wochenende als homophob motiviert beschrieben und ist durch soziale Netzwerke in der Frankfurter Jugendszene bekannt. Eine Rolle als Vorgeschichte könnte so auch ein Video spielen, dass der Youtuber Breso sechs Tage vor der Tat gemeinsam mit KweenDrama in der Frankfurter Innenstadt aufgenommen hatte. Darin sagt ein junger Mann offen zu KweenDrama: "Wäre das mein Sohn, bei Gott, ich schwöre, ich hätte dich dumm und dämlich gehauen."

Die Polizei bittet Zeuginnen und Zeugen der Attacke, sich per Telefon unter der Rufnummer (069) 755-35108 oder per E-Mail zu melden. (dk)



#1 KaiJAnonym
  • 18.11.2020, 13:51h
  • Nicht als lgbtiq-feindliches Opfer anerkannt zu werden zieht eine mentale Linie hinein bis zurück in die 50er Jahre.
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#2 GerangelAnonym
  • 18.11.2020, 15:01h
  • Bin in Frankfurt vor ein paar Jahren auch schon Mal mit meinem Freund dort verprügelt worden. Da kam es dann in der Zeitung nur zu einer Randnotiz wo von "Rangelei zwischen zwei Touristen und jungen Männern" die Rede war.
    Das schockt mich mittlerweile nicht mehr.
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#3 PetterAnonym
  • 18.11.2020, 15:48h
  • Es ist skandalös, dass in Deutschland Homo- und Transhass als Tatmotiv systematisch vertuscht werden soll.

    Außer in Berlin, wo dank der Initiative der Berliner Polizei dies erfasst wird.

    Es gab ja auch schon mehrere Anträge von Grünen und Linkspartei, dass das bundesweit erfasst werden soll, damit man überhaupt erst mal weiß, wie groß das Problem ist. Und damit man vielleicht auch mal analysieren kann, ob es lokale Häufungen gibt, es es bestimmte Gefährder-Profile, o.ä. gibt. Damit man auch weiß, wo man vielleicht mehr Polizeipräsenz braucht, wo mehr Aufklärungsarbeit nötig ist, etc.

    Aber bisher wurde das immer von Union und SPD abgeschmettert.

    Die Öffentlichkeit soll wohl nicht erfahren, wie groß das Problem wirklich ist, damit Union und SPD nicht in die Verlegenheit kommen, endlich mal handeln zu müssen. Bzw. ihre Untätigkeit rechtfertigen zu müssen.
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#4 ReaktionärAnonym
  • 18.11.2020, 18:30h
  • Antwort auf #1 von KaiJ
  • >>>>> Nicht als lgbtiq-feindliches Opfer anerkannt zu werden zieht eine mentale Linie hinein bis zurück in die 50er Jahre. <<<<<

    Und es gibt in Deutschland Kräfte (in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kirchen), die am liebsten in genau diese muffigen 50er-Jahre zurück wollen.

    In eine Zeit, wo es noch zahlreiche Altnazis in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft gab, als Frauen noch das brave Heimchen am Herd waren und alleinerziehende Mütter verstoßen wurden, als Homosexualität noch generell verboten war und als hinter der Heile-Welt-Fassade Gewalt und Unterdrückung Alltag war...
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#5 Ana NymAnonym
  • 18.11.2020, 19:18h
  • Eine Regelung wie in Berlin wäre für Deutschland und weiter die EU eine sehr sinnvolle.
    Jede*r weiß, dass ohne eine solche Regelung, ein LGBTIQ+ Tag zu setzen, keine klare statistische Auswertung möglich ist.
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 19.11.2020, 02:36h
  • Dass man sich über bestimmte Motive erst dann abfasst, wenn das relativ gesichert gilt, ist an sich üblich.

    Allerdings ist das im großen Bild für Deutschland schon ziemlich rar, wenn darauf mal eingegangen wird.
    Wie weit die Polizei bei euch über LGBTIQ* aufgeklärt oder zu solcher Art Hasskriminalität sensibilisiert wurde, weiß ich nicht. Da müssten die dann auch Fortbildung durchlaufen, vielleicht hängt das hinterher.

    Wenn man damit ähnlich auf Zack wäre, wie in der Forensik ... na ja, träumen darf man.

    Das Berliner Modell hätte längst Schule machen können. Frage, wer sich dagegen versperrt? Die Top Honchos in Sachen Innere Sicherheit sind doch sonst nicht so ne Saftnasen.

    Wegen der Präsenz ist das wohl einfach so, dass sie von einer zunehmenden Menge an Aufkommen Kräfte technisch gebunden sind. Ich weiß leider auch nicht, ob es den Polizei-Freiwilligendienst noch gibt. Das könnte man bei Bedarf reaktivieren, aber nur mit psychologisch ausgeglichenen Charakteren, und nicht irgendwelchen Hitzköpfen a'la Neighbourhood Watch.
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#7 Nicht nur daAnonym
#8 FennekAnonym
  • 19.11.2020, 09:28h
  • Früher habe ich immer gesagt:
    "Muss erst jemand sterben, ehe CDU, CSU und SPD endlich aufwachen."

    Mittlerweile ist jemand an LGBTI-feindlicher Gewalt gestorben, aber CDU, CSU und SPD wachen immer noch nicht auf.

    Im Gegenteil: die versuchen sogar, die wahren Motive totzuschweigen.
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#9 Ralph
  • 19.11.2020, 19:58h
  • In anderen Ländern ist die Haltung uns gegenüber eine andere. Derzeit blockieren die faschistischen Regierungen Polens und Ungarns den EU-Haushalt, weil sie befürchten müssen, wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit weniger Geld aus Brüssel zu bekommen. Gerade eben lief im Fernsehen ein Interview mit dem Ministerpräsidenten der Niederlande, der darin u.a. erklärte, die EU müsse gegenüber Polen und Ungarn kompromisslos bleiben, denn -so wörtlich-: "Es geht um die Rechte der Homosexuellen." Ein Satz, den man sich bei größter Phantasie aus dem Munde von Angela Merkel nicht vorstellen kann, die es nicht mal fertig bringt, Gewalt gegen Schwule zu verurteilen.
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#10 KaiJAnonym
  • 19.11.2020, 21:10h
  • Antwort auf #9 von Ralph
  • Angela Merkel, als Vorsitzende der EU-Ratspräsidentschaft heute Abend aktuell mit Polen und Ungarn über den Rechtsstaatlichkeitsmechanismus verhandelnd, wird sich hoffentlich der mehrheitlichen Kompromisslosigkeit der EU bei dem Thema, insbesondere ihres Parlaments, fügen müssen.
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