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Ein schwuler Beach-Boy, gefangen im Selbsthass

In seinem verstörenden Drama "Drown" inszeniert der australische Filmemacher Dean Francis muskulöse Machos in roten Badenhosen am idyllischen Bondi Beach – und zeigt die Folgen von toxischer Männlichkeit und unterdrückter Homosexualität.


Lenny bewundert Phils makellos muskulösen Body heimlich in der Umkleide (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Dieter Oßwald
    19. November 2020, 03:48h, 1 Kommentar

"Looking for freedom", das Liedchen von Ex-"Baywatch"-Bube David Hasselhoff hätte sich auch Macho-Rettungsschwimmer Lenny (Matt Levett) als Motto vornehmen sollen. Fünfmal wurde er schon "Lifeguard of the Year", wie zuvor schon der Vater. Wenn es um seine sexuelle Orientierung geht, geht der Macho freilich baden. Sein Schwulsein hat Lenny sich nie eingestanden, stattdessen verdrängt er seine Gefühle mit rabiater Homophobie. Beifall bekommt er dafür vom treudoofen Kumpel "Meat" (Harry Cook), der seinen Spitznamen einem enorm großen Penis verdankt.

Dunkle Wolken tauchen am sonnigen Strand von Sydney auf, als mit Phil (Jack Matthews) ein neuer Rettungsschwimmer dem bisherigen Beach-Platzhirsch ins Gehege kommt. Gleich am ersten Tag rettet der Neue lässig ein Kind aus den Fluten, wenig später gewinnt er souverän beim Lifesaver-Wettkampf.

Als das düpierte Alphamännchen den Konkurrenten zufällig beim Küssen mit einem anderen Mann entdeckt, gerät seine Welt ins Wanken. Mit dummen Sprüchen und plumpen Pöbeleien versucht er, den Rivalen zu provozieren – derweil er dessen makellos muskulösen Body beim Duschen zunehmend heimlich bewundert. Sich sein Schwulsein einzugestehen, kommt für Lenny keinesfalls in Frage. Das hat er schon zu Schulzeiten geleugnet, verdrängt und mit homophober Gewalt kompensiert – und das wird er als junger Erwachsener wieder so tun.

Alles führt zum brutalen Finale am Strand


Poster zum Film: "Drown" läuft ab 19. November 2020 als VoD im Salzgeber Club

Während nichtlineares Erzählen mittlerweile zum fast obligatorischen Trend von Serien gehört, setzte der Australier Dean Francis bereits vor sechs Jahren auf dieses dramaturgische Mittel. Er verfilmte die Theatervorlage mit regelmäßigen Zeitsprüngen oder Rückblenden und deutet das brutale Finale am Strand in kleinen Häppchen bereits sehr früh an und kommt immer wieder darauf zurück.

Bei der Inszenierung der muskulösen Beach-Boys in ihren roten Badehosen lässt es der Australier gern trashig zugehen. Die oft bonbonbunten Bildchen werden mit sirupsüßem Synthieklängen unterlegt. Schier satirische Schauwerte bieten jene Szenen in der schwulen Disco, bei der sich der sichtlich verstörte Macho gar in den dunklen Keller traut. Das Finale am nächtlichen Strand schließlich könnte als B-Picture-Horrorfilm durchgehen, wenn der homophobe Täter mit seinem unterwürfigen Handlanger ihr schwules Opfer quälen.

Es ist gewiss kein Vergnügen, diesen verbalen und körperlichen Misshandlungen dieses sadistischen Widerlings zuzuschauen. Sensible Gemüter sollten besser gewarnt sein! Und doch bleibt als Triumph zu erleben, dass dieser Aggro-Figur die Armseligkeit ihrer Existenz durchaus bewusst ist: Gefangen im Selbsthass, bis zur Unkenntlichkeit verdrängte Gefühle, die sich nur noch durch aggressiven Hass kompensieren lassen. Toxische Männlichkeit, vorgeführt in ihrer jämmerlichsten Form und Feigheit. So ticken wohl jene Täter, die ach so gern über Stolz oder Respekt schwadronieren.

Vimeo / Salzgeber Club | Deutscher Trailer zu "Drown" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Drown. Drama. Australien 2014. Regie: Dean Francis. Darsteller*innen: Matt Levett, Harry Cook, Jack Matthews, Sam Anderson. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Edition Salzgeber. Ab dem 19. November 2020 im Salzgeber Club als Video on Demand
Galerie:
Drown
10 Bilder


#1 Homonklin_NZAnonym
  • 19.11.2020, 20:42h
  • ""Sensible Gemüter sollten besser gewarnt sein!""

    Dann Danke für den Hinweis, das lasse ich lieber, auch wenn die Themarik im Vorlauf der Brutalitäten mich als Surfer schon gereizt hätte. Sportlich fitte Männer mit naturtrainierten Muckis - oh my.

    Mir hat eine vom Labor allerdings erst so einen Studenten-Film gegeben, in dem Welche einen Polizisten misshandelten. Auch wenn das alles geschauspielert ist, sowas kann ich mir nicht ansehen. Bringt mich auf 180.
    Ich schätze, wenn man genug Gewalt erfahren hat, geht es nach hinten los, solche Szenen anzusehen. Grade, wenn sie eine realitätsnahe Komponente haben. Man sieht sich zum Teil selbst in den Charakteren, wie es früher war, wo niemand kam, zu helfen.
    Trigger-Relevanz.
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