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Mathelehrer verhaftet
Bisexueller Monteur wurde Opfer eines Kannibalen
Der wochenlang vermisste Berliner Stefan T. verabredete sich offenbar auf einer Datingseite mit einem Kannibalen.
- 20. November 2020, 09:53h 2 Min.
Der 44-jährige Berliner Monteur Stefan T. ist offenbar vom 41-jährigen Chemie- und Mathelehrer Stefan R. umgebracht worden, den er in einem schwulen Datingportal kennengelernt haben soll. Die Behörden gehen dabei von Kannibalismus und sexuellen Motiven aus. "Aufgrund des gefundenen Knochens, der komplett fleischlos war, und weiterer Indizien, vermuten wir stark, dass Stefan T. das Opfer eines Kannibalen wurde", erklärte ein Polizeibeamter gegenüber "Bild".
Die Polizei nahm R. bereits am Mittwoch fest (queer.de berichtete). Am Donnerstag erließ ein Richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Verdachts auf Sexualmord aus niedrigen Beweggründen. Der Lehrer aus Pankow befindet sich jetzt in Untersuchungshaft. Er verweigere bislang die Aussage.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, bestätigte auch dem "Tagesspiegel", dass die Polizei Hinweise auf Kannibalismus gefunden habe. Laut "Bild" konnten die Ermittler*innen umfangreiche Chatprotokolle "aus einer Plattform für Homosexuelle" sicherstellen, aus denen hervorgehe, dass sich die beiden Männer verabredet hatten. Außerdem habe R. im Internet gezielt nach Kannibalismus gesucht – so wollte er etwa wissen, ob es möglich ist, sich den Penis abzuschneiden und weiterzuleben.
Hunde fanden Täter
Stefan T., der in einer WG in Lichtenberg gelebt hatte, war am Abend des 8. September spurlos verschwunden. Ende Oktober bat die Polizei die Bevölkerung die Öffentlichkeit um Hilfe und startete eine Fotofahndung (queer.de berichtete). Dabei erklärten die Behörden auch, dass der Vermisste verschiedene Dating-Plattformen nutzte, um sich sowohl mit Frauen als auch mit Männern zu treffen. Am 8. November fanden Spaziergänger in einem Park im Ortsteil Buch einen Beinknochen des Opfers. Bei den Ermittlungen kamen anschließend Personen- und Leichenspürhunde zum Einsatz, die die Polizeibeamt*innen zur Wohnung des Tatverdächtigen führten.
Der Fall erinnert an den von Armin Meiwes, der von der Boulevardpresse den Beinamen "Kannibale von Rotenburg" erhalten hat. Er hatte 2001 einen 43-jährigen Diplom-Ingenieur beim Geschlechtsverkehr getötet, seinen Körper zerlegt und teilweise gegessen. Laut dem Angeklagten hatte sein Opfer in die Tat eingewilligt. Meiwes wurde schließlich Anfang 2006 wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er sitzt seine Strafe derzeit in Kassel ab.
Der Fall wurde auch verfilmt: "Rohtenburg" mit Hauptdarsteller Thomas Kretschmann wurde allerdings von Kritiker*innen verrissen und war in Deutschland wegen angeblicher Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Täters drei Jahre lang verboten (queer.de berichtete).
Zum Jahreswechsel sorgte zudem ein Kannibalenfall aus dem US-Bundesstaat Michigan für Schlagzeilen (queer.de berichtete). Der Prozess gegen den 51-jährigen Tatverdächtigen soll in Kürze beginnen. (cw)















