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Niederlande

Homophobie- und Antisemitismus-Skandal: Rechtspopulist verzichtet auf Spitzenkandidatur

Thierry Baudet ließ Hass auf Juden und Homosexuelle in seiner Partei freien Lauf. Der Aufstieg des niederländischen Hoffnungsträgers der extrem Rechten ist damit vorerst gestoppt.


Thierry Baudet stürzt über einen Skandal in seiner Jugendorganisation (Bild: Forum voor Democratie / wikipedia)

Der neue Star der niederländischen Rechten, Thierry Baudet, verzichtet nach Antisemitismus- und Homophobievorwürfen gegen die Jugendorganisation seiner Partei auf eine Spitzenkandidatur bei der Parlamentswahl. Das kündigte der 37-jährige Chef der rechtsgerichteten Partei "Forum für Demokratie" (FvD) am Montagabend auf Twitter an.

Die Jugendorganisation galt politisch als Bindeglied der Partei zu Rechtsaußen. Vertreter*innen sorgten online immer wieder mit Sympathien für den Nationalsozialismus sowie Hass auf Jüd*innen und Homosexuelle für Aufregung. So propagierte die Gruppe, Schwulen und Lesben Rechte zu verweigern, da sie sonst mächtiger werden würden als Heterosexuelle. Jüd*innen wurden außerdem beschuldigt, ein "internationales Pädophilennetzwerk" zu betreiben.

Derartige Ausbrüche in Social-Media-Kanälen der Jugendorganisation bezeichnete Baudet jetzt als schrecklich. "Das sind Dinge, mit denen ich nichts zu tun haben will." Zugleich betrieb Baudet die für Rechtspopulisten übliche Medienschelte: Er sagte, dass der Presse nicht zu vertrauen sei. Die Wahlen im März will er weiter unterstützen und für einen niedrigeren Listenplatz kandidieren.

Twitter / fvdemocratie

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Baudet will christlichen Schulen Diskriminierung erlauben

Auch Baudet selbst gilt als LGBTI-feindlich. So sprach er sich etwa dafür aus, dass staatlich finanzierte christliche Schulen die Erlaubnis erhalten sollten, Lehrer*innen wegen ihrer Homosexualität zu feuern. Außerdem trat er immer wieder bei homophoben Organisationen auf, etwa der radikalchristlichen Stiftung Civitas Christiana.

Die von Baudet angeführte Partei richtet sich gegen Einwanderung und Europa und lehnt auch eine aktive Klimaschutzpolitik ab. Die junge Partei war erstmals 2017 mit zwei Abgeordneten in die Zweite Kammer des Parlaments eingezogen. In der Ersten Kammer, die mit dem deutschen Bundesrat vergleichbar ist, stellt die Partei seit dem vergangenen Jahr 13 der 75 Abgeordneten.

Bei der Europawahl im vergangenen Jahr erreichte die FvD mit elf Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg – die Partei landete damit hinter Sozialdemokraten, Rechtsliberalen und Christdemokraten auf dem vierten Platz. Die Nähe zum Nazismus schadete der Partei aber in den letzten Monaten offenbar. Laut einer neuen Umfrage würde sie bei einer Parlamentswahl heute nur noch vier Prozent erreichen – und läge damit auf dem neunten Platz.

Netherlands, I&O Research poll: VVD-RE: 28% (+1) PVV-ID: 14% (+1) PvdA-S&D: 9% CDA-EPP: 9% D66-RE: 8% (-1) GL-G/EFA:...

Posted by Europe Elects on Friday, November 20, 2020
Facebook / Europe Elects

In den Niederlande verzeichnen charismatische Rechtspopulisten bereits seit Jahrzehnten Erfolge an der Wahlurne: In den letzten knapp 15 Jahren sorgte insbesondere Geert Wilders mit seiner "Partei für die Freiheit" (PVV) für Aufsehen. Er gilt als ausgesprochen islamophob und europafeindlich, hat aber weniger Probleme mit Homosexuellenrechten. Sein Stil gilt als mehr holzhammerartig als der des eher intellektuellen Thierry Baudet. Vor Wilders sorgte sogar ein offen schwuler Rechtspopulist, der Soziologe Pim Fortuyn, mit seinen Tiraden gegen die multikulturelle Gesellschaft und gegen Muslim*innen für Aufregung in der niederländischen Politik. Fortuyn wurde 2002 von einem Tierschützer in Hilversum erschossen. (dpa/dk)

 Update  14.55 Uhr: Baudet tritt als Parteichef zurück

Thierry Baudet ist auch als FvD-Parteichef zurückgetreten. Das teilte seine Partei am Dienstag in Amsterdam mit. Er wolle jedoch weiterhin seine Partei unterstützen. Vizeparteichef Lennart van der Linden soll geschäftsführender Vorsitzender werden, bis man sich auf einen neuen Anführer verständigt habe.



#1 goddamn liberalAnonym
  • 24.11.2020, 14:44h
  • "So propagierte die Gruppe, Schwulen und Lesben Rechte zu verweigern, da sie sonst mächtiger werden würden als Heterosexuelle. Jüd*innen wurden außerdem beschuldigt, ein "internationales Pädophilennetzwerk" zu betreiben."

    Das ist nicht nur widerlich.

    Es ist auch aufschlussreich.

    Wie bei allen tief verwurzelten Ressentiments geht es um Machtverteilung. Und gerade beim Antisemitismus auch um Neid gegenüber gigantischen Kulturleistungen. Die abstruse Pädophilie-Fantasie zeigt dazu die Wiederkehr des Verdrängten auf seiten der Rechten.

    Spannend ist natürlich auch, dass Rechtsextreme oft dieselben Ressentiments umtreiben wie manche ihrer vermeintlichen Gegner.

    Auch das ist die Wiederkehr des Verdrängten im Feindbild.

    Es liegt natürlich aber u.a. auch daran, dass das Christentum in West und Ost
    und der Islam eng verwandte Religionskulturen ausbilden.

    Im Positiven wie im Negativen.

    de.wikipedia.org/wiki/Damaskusaff%C3%A4re

    Die calvinistischen Niederlande sind eben auch keine Insel der Seligen
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 24.11.2020, 18:17h
  • Nachtrag:

    Gut, dass Baudet jetzt auch zurückgetreten ist. Feinde mit Format sind gefährlicher und schlimmer als depperte Hallodris wie Strache u. Co.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 25.11.2020, 05:23h
  • Als ging es je darum, in irgend einer Form "mächtiger" zu werden. Was diese Rechtsfritzen und -friedas sich doch manchmal für einen Brunz durch die Düse lutschen.

    Es geht lediglich um Gleichwertigkeit und gleiche Rechte, gleiche Lebensteilhabe, Anspruch auf Versorgung und Solches, was für die lieben Hetäteräteten als selbstverständlich gilt.

    Es ist zwar erlösend, wenn solche Figuren abtreten. Aber wer folgt dann nach, und man weiß dann nie so sicher, wo die nächste Figur den Hirnfehler haben wird.
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#4 YannickAnonym
  • 25.11.2020, 08:15h
  • Gut, dass der weg ist.

    Und interessant, wie solche Leute sich immer selbst demontieren.
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#5 YannickAnonym
  • 25.11.2020, 08:24h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • "Die calvinistischen Niederlande sind eben auch keine Insel der Seligen"

    Der Calvinismus spielt aber heute größtenteils keine Rolle mehr in den Niederlanden.

    Und dieser Staat, der für Dich "keine Insel der Seeligen" ist, ist immer noch deutlich weiter als Deutschland. Das war der erste Staat der Welt, der die Ehe geöffnet hat (über 16 Jahre vor Deutschland) und damit eine weltweite Bewegung losgetreten hat. Aber auch im Reproduktions- und Familienrecht, beim Diskriminierungsschutz, bei der Lage von Trans- und Intersexuellen, etc. sind die Niederlande meilenweit vor Deutschland.

    Und man darf auch nicht vergessen, dass diese Partei weniger als 5% der Stimmen hat. Also deutlich schwächer als z.B. in Deutschland die AfD. Und in Deutschland wären die durch die 5%-Hürde nicht mal im Parlament, aber in den Niederlanden gibt es diese Hürde nicht, aber dennoch ist diese Partei natürlich chancenlos, denn es gibt genug andere Parteien, die deutlich stärker sind und verschiedenste Koalitionen bilden können.

    Wir könnten froh sein, wenn wir hierzulande bei LGBTI-Themen schon so weit wären wie die Niederlande.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 25.11.2020, 09:24h
  • Antwort auf #5 von Yannick
  • Die protestantisch durchsäuerte Mentalität mit Kehrwoche, Gewissensakrobatik und kargem Abendbrot bleibt, auch wenn die Kirchen leerer werden. Sieht man auch sehr gut in Sachsen und Schwaben und anderso hierzulande.

    Deutschland ist für mich ohnehin NIE der Maßstab.

    In den Niederlanden von heute gibt es aber leider nicht eine, sondern gleich drei rechtsradikale Parteien.

    Wilders stellt mit seinem rechtspopulistischen Chaotenhaufen gleich die zweitstärkste Fraktion!

    Die calvinistischen Rechtklerikalen können in der Regierung menschenfeindliche Politik machen.

    Baudet ist da nur die Nummer 3 unter einem großen Angebot.
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#7 LupdejuppAnonym