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Job-Alltag zwischen SEO, SPSS und LGBTI

"Wenn die Gesellschaft ein bisschen mehr so werden könnte wie unser Arbeitsalltag, dann wäre das schön"

Erfolgreiches Teamwork zwischen Mitarbeiter*innen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung hat die Agentur ACAD WRITE zu einem Marktführer gemacht. Designer Fabian erzählt, wie es ist, für ein Unternehmen zu arbeiten, in dem Queersein so normal ist wie die Tasse Kaffee am Morgen.


ACAD WRITE ist in Sachen Gleichberechtigung ein Vorzeigeunternehmen (Bild: sincerelymedia / unsplash)
  • 25. November 2020, 08:46h, noch kein Kommentar

ACAD WRITE ist eine der größten Agenturen für Ghostwriting im deutschsprachigen Raum und zugleich ein Vorzeigeunternehmen, was Gleichberechtigung betrifft. In einem Interview erzählt uns der Designer Fabian vom Arbeitsalltag in einer Parallelwelt, in der die friedliche Koexistenz mit CIS-Menschen schon seit jeher funktioniert.

Was ist so besonders daran, bei ACAD WRITE zu arbeiten?

Auch wenn wir ganz unterschiedliche Charaktere sind, sind wir bei ACAD WRITE alle gleich. Wir duzen uns alle und das schafft ein lockeres, direktes, persönliches Arbeitsklima. Innerhalb des Teams gibt es eine klare Rollenverteilung: Alle arbeiten nach ihrem besten Können und größten Interesse. Das sorgt dafür, dass wir morgens alle zufrieden am Schreibtisch sitzen, und diese positive Stimmung spüren auch die Kund*innen.

Wie kann man sich das Team vorstellen?

Wie gesagt, sind wir alle sehr unterschiedlich: Wir sind schwule Männer, hetero Männer, lesbische Frauen, hetero Frauen und vieles dazwischen. Es geht auch nicht um queer sein oder nicht queer sein – wir akzeptieren alle Kolleg*innen so, wie sie sind. Fast die Hälfte von uns lebt auch vegan, die anderen essen Fleisch. Das Besondere ist, dass Sexualität, Geschlecht und Lebensweise im Unternehmen nie ein Thema waren. Niemand musste sich für irgendetwas outen, wir sind alle so, wie wir eben sind. Wir treten uns vom ersten Tag an offen gegenüber, was die zwischenmenschlichen Aspekte sehr angenehm macht. Wir alle können und sollen unsere persönlichen und professionellen Stärken zeigen und ausleben. Schwächen stehen wir genauso aufgeschlossen gegenüber, sodass wir verhindern können, dass sie sich auf das Geschäft auswirken.

Auch wenn ihr es nicht in den Vordergrund rückt: Würdest du sagen, dass die Agentur von diesem vielfältigen Mix an Mitarbeiter*innen profitiert?


Fabian ist Designer bei ACAD WRITE

Ja, je vielfältiger die Standpunkte zu einer gewissen Entscheidung ausfallen, desto wahrscheinlicher ist es, dass man eine gute Lösung findet. Bei uns werden 5 von 8 operativen Entscheidungen von Frauen getroffen, weil sich bei ACAD WRITE eben mehr Frauen in solchen Entscheidungspositionen befinden als Männer. Quotenregelung haben wir allerdings keine. In unserem Ethik-Code steht geschrieben: "Für die Bewertung einer wissenschaftlichen Leistung wird einzig die akademische Qualität herangezogen. Bewertungen auf Basis des Geschlechts, der politischen oder sexuellen Orientierung sowie des Bestehens von besonderen Bedürfnissen lehnen wir klar ab." So leben wir das auch im Berufsalltag.

Wie bist du zu ACAD WRITE gekommen?

Nach einem völlig realitätsfernen Modestudium und Praktika in internationalen Modeunternehmen ging ich fest davon aus, man würde überall immer akzeptiert werden. Ich stellte aber schnell fest, dass das ein Trugschluss war. Mein ganzes Jugendalter verbrachte ich in einem Elfenbeinturm (lacht). Zu ACAD WRITE kam ich eher zufällig: Thomas, mein heutiger Chef, war mit meinem Freund bekannt und wir sprachen zufällig darüber, was der Website des Unternehmens fehlte. Er hat erkannt, dass ich Talent in diesem Bereich habe, und ich konnte meine Stärken in diesem Projekt so richtig ausleben. Jetzt mache ich das schon seit zehn Jahren und blieb damit also im Elfenbeinturm. Ich habe in der Hinsicht noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, aber natürlich davon gehört und gelesen!

Hast du konkrete Tipps für Online-Unternehmen, die bei Inklusion und SEO gleichzeitig erfolgreich sein wollen?

Unsere Website besteht aus 227 einzelnen Seiten. Wie wir an das Thema sprachliche Inklusion und Gendering herantreten, war für uns also eine Grundsatzentscheidung: Egal, wie wir es lösen – es würde viel Arbeit bedeuten, wenn man sich plötzlich für einen anderen Ansatz entscheidet. Wir haben uns also gefragt: Für wen sind unsere Texte geschrieben? Wen wollen wir inkludieren? Die Antwort war: Unser Angebot gilt für alle Menschen, egal, als was sie sich identifizieren. Daraufhin haben wir eine Genderrichtlinie erarbeitet. Wir haben uns dabei hauptsächlich an den Empfehlungen des Dudens für bestmögliche Inklusion und Lesbarkeit orientiert. "Eine Frage der Moral" von Anatol Stefanowitsch (Duden Verlag) möchte ich da besonders als Quelle empfehlen. Wir verwenden jetzt das Gender-Sternchen, weil wir nicht nur Männer und Frauen ansprechen wollen, sondern auch alle, die sich dazwischen befinden oder außerhalb.

Und was bedeutet das für SEO?

Wir haben das Thema Gendering Schritt für Schritt in Angriff genommen, mit einem konkreten Plan und klaren Vorgaben für alle Mitarbeitenden. Mit Google haben wir momentan noch die Situation, dass bestimmte Gender-Formen nicht erkannt werden. So erkennt die Suchmaschine beispielsweise "Autor" und "Autorin" als Synonyme für dasselbe Keyword, weiß mit "Autor*in" aber noch wenig anzufangen. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich das früher oder später ändern wird und inklusive Formulierungen dann unter Umständen sogar mit einem besseren Ranking belohnt werden. Aktuell muss man sich gewissermaßen noch entscheiden, was einem wichtiger ist. Bei uns war die Antwort aber klar: Die Inklusion aller Besucher*innen hat Vorrang gegenüber dem Suchmaschinenalgorithmus. Der Mensch soll im Zentrum stehen, ganz im Sinne der Aufklärung.

Du bist unter anderem für die grafische Gestaltung der Website verantwortlich. Hast du auch in diesem Bereich ein paar Tipps für uns?

Beim Thema Bebilderung würde ich allen raten, sich von den klassischen Stockfoto-Plattformen zu verabschieden. Dort findet man zwar Fotos von Menschen in allen Farben und Formen, aber es wirkt immer gestellt. Ich bin mir sicher, die User*innen entlarven das. Wir wollen keine Stockfotos nehmen, nur um inklusiv zu wirken. Wir nutzen von vornherein inklusive Plattformen, deren Fotograf*innen aus allen Ecken der Welt kommen und authentische Bilder produzieren. Unsplash und RawPixel sind meine persönlichen Favoriten. Dort gibt es Fotos, die tatsächlich unsere Zielgruppe abbilden.

Beschäftigst du dich auch mit Werbung?

Ja, wir werben grundsätzlich viel in sozialen Netzwerken. Da empfehle ich, mit dynamischen Anzeigen zu arbeiten. Damit ist es möglich, verschiedene Überschriften, Handlungsanforderungen, Texte, Bilder etc. auszuprobieren. Die Werbe-Plattform (z. B. Facebook) zeigt dann den User*innen die Texte und Bilder, die am besten zu ihnen passen. So lässt sich die Ansprache in den Anzeigen sehr individuell gestalten und die Werbeintention kommt genau bei den richtigen Nutzer*innen an.

Inwieweit können private Unternehmen zur Akzeptanz von LGBTI-Rechten beitragen?

Max Frisch hat einmal gesagt: "Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit." Wir kommunizieren unsere Standpunkte ganz offen, beteiligen uns am Pride Month, beziehen Stellung in Instagram-Stories und so weiter. Aber wir versuchen nicht, das LGBTI-Thema zwanghaft in den Vordergrund zu rücken. Unser Produkt ist nach wie vor wissenschaftliche Texterstellung und das ist, was wir am besten können. Unser Standpunkt ist aber klar. Die Unternehmenspolitik steht für Gleichbehandlung und wir leben das in unserer Arbeit. Wir wünschen uns, dass die Gesellschaft ein bisschen mehr so werden könnte wie unser Arbeitsalltag – einfach inklusiv! (dd)