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"Die bisherige Regelung ist diskriminierend"

Blutspende: Gemeinsamer Appell von LSU und SPDqueer

Angesichts der Knappheit von Blutspenden appellieren die queeren Verbände von Deutschlands größten Parteien an die Bundesärztekammer, endlich die grundlose Diskriminierung Homosexueller beim Blutspenden zu beenden.


Blutspendeaktion an der Technischen Hochschule Aschaffenburg (Bild: Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes)

  • 25. November 2020, 13:04h, noch kein Kommentar

In einem gemeinsamen Offenen Brief (PDF) an Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt fordern die Vorsitzenden der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) und der Arbeitsgemeinschaft SPD-Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung (SPDqueer) ein Ende des De-facto-Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer.

LSU-Chef Alexander Vogt und die kommissarischen SPDqueer-Vorsitzenden Carola Ebhardt und Elia Scaramuzza wollen erreichen, dass künftig das tatsächliche Sexualverhalten und nicht die sexuelle Orientierung entscheidend dafür ist, ob eine Person Blut spenden darf. "Die bisherige Regelung ist nicht nur diskriminierend und ausgrenzend, sie verhindert zudem die Bereitstellung von vielen dringend benötigten Blutkonserven, die gerade jetzt in Zeiten der Covid-19-Pandemie dringend benötigt würden", erklärten Vogt, Ebhardt und Scaramuzza. Das Verbot unterstelle schwulen und bisexuellen Männern, "die schon durch die Bereitschaft zur Blutspende Verantwortung beweisen, pauschal, dass ihre sexuelle Orientierung allein ein größeres Risiko einer nicht brauchbaren Blutspende mit sich bringe".

Die Einschränkungen beim Blutspenden für Männer, die Sex mit Männern haben, gehen auf die Aids-Krise zurück. Bis 2017 durfte diese Gruppe pauschal kein Blut spenden, seit einer Reform ist dieser Personengruppe das Blutspenden wieder gestattet – wenn die Person zwölf Monate keinen Sex hatte. Dies gilt sogar für schwule Ehemänner. Bei Heterosexuellen gilt keine derartige Sex-Karenzzeit. Auch Transsexualität wird negativ in Fragebögen beim Blutspenden erwähnt. Diese Sonderverbote für LGBTI wurden von queeren Organisationen und Aids-Hilfen seit Jahren kritisiert (queer.de berichtete).

Wende bei der Blutspende?! In einem gemeinsamen Brief an den Präsidenten der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt...

Posted by LSU Bundesverband on Wednesday, November 25, 2020
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LSU und SPDqueer: Ein verkürztes schwules Sexverbot reicht nicht aus

Zuletzt stellte das Bundesgesundheitsministerium in Aussicht, das schwule Sexverbot auf vier Monate zu verkürzen (queer.de berichtete). Dieser Kompromiss reicht LSU und SPDqueer aber nicht aus: "Eine Verkürzung des Rückstellungszeitraums auf vier Monate [...] wird dieses Problem nicht annähernd lösen", so Vogt, Ebhardt und Scaramuzza.

Die beiden LGBTI-Verbände haben dem Bundesärztekammer-Präsident daher eine auf das individuelle Risikoverhalten abstellende Formulierung vorgeschlagen, die nicht zwischen sexuellen Orientierungen unterscheidet. Bislang werden in der "Richtlinie Hämotherapie" pauschal "Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben", sowie gesondert "transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten" als Menschen mit "deutlich erhöhtem Übertragungsrisiko" genannt. Stattdessen sollte laut LSU und SPDqueer die neutrale Formulierung "Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern" verwendet werden. Für sie soll – ebenso wie für "männliche und weibliche Sexarbeiter" – eine Sex-Karenzzeit von vier Monaten gelten.


Ausschnitt aus dem aktuellen Fragebogen des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes

"Diese Formulierung würde keine Ressentiments bedienen, würde dem Schutz aller Beteiligten Genüge tun und wäre angesichts des dramatischen Mangels an Blutkonserven verantwortungsbewusst und klug", erklärten die drei Verbandschef*innen. Andere Länder – etwa Italien und Spanien – schauen bereits heute beim Zugang zu Blutspenden nur auf das sexuelle Risikoverhalten und nicht die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Spender*innen.

Eine schnelle Lösung der Blutspendefrage steht derzeit nicht im Raum: Erst vor zwei Wochen verkündete das Bundesgesundheitsministerium, dass das Schwulenverbot in diesem Jahr nicht angetastet werde (queer.de berichtete). (dk)

Direktlink | Dieses Werbevideo richtet sich ausschließlich an Frauen und heterosexuelle Männer