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"Unsolidarisch und gefährlich"

Die Linke.queer kritisiert Abfragen des Sexualverhaltens beim Blutspenden

LSU und SPDqueer würden gerne das Schwulenverbot beim Blutspenden beenden. Die queere Gruppe der Linkspartei stört sich aber am "diskriminierenden Konzept".


Wer darf Blut spenden und sollen Homos und Heteros anders behandelt werden? Diese Frage treibt derzeit die queeren Parteiorganisationen um (Bild: Alex Juel / flickr)

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Die Linke.queer hat einen gemeinsamen Appell von Lesben und Schwulen in der Union (LSU) und der Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung (SPDqueer) für eine Beendigung des Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer kritisiert. "Anstatt Diskriminierungen abzuschaffen fordern SPDqueer und LSU neue diskriminierende Regeln für Blutspenden", so die Bundessprecher von Die Linke.queer, Frank Laubenburg und Daniel Bache, am Mittwoch. "Wir sind entsetzt darüber, dass die beiden bürgerlichen Organisationen von SPD und CDU/CSU Blutspenden an überholte moralische Werte knüpfen wollen und weisen diesen Vorschlag als unsolidarisch und zudem gefährlich zurück."

Gegenwärtig werden schwule und bisexuelle Männer grundsätzlich vom Blutspenden ausgeschlossen, außer wenn sie angeben, zwölf Monate lang auf Sex mit Männern verzichtet zu haben – selbst Intimitäten mit dem eigenen Ehemann sind verboten. Bei Heterosexuellen gilt keine derartige Sex-Karenzzeit. LSU und SPDqueer hatten vorgeschlagen, das individuelle Risikoverhalten abzufragen und nicht mehr zwischen sexuellen Orientierungen zu unterscheiden.


Ausschnitt aus dem aktuellen Fragebogen eine bayerischen Blutspendedienstes , bei dem nach nach dem Sexualverhalten und indirekt der sexuellen Orientierung gefragt wird

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"Konservatives Märchen von der 'sicheren' Monogamie"

Für Die Linke.queer schafft dieser Vorschlag neue Diskriminierungen: "Neuinfektionen mit HIV finden sowohl bei Menschen in (vermeintlich) monogamen Beziehungen als auch bei Menschen mit wechselnden Sexualpartner*innen statt", erklärten Laubenburg und Bache. "Wenn die queeren Organisationen von SPD und CDU/CSU nun gemeinsam fordern, 'Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern' für vier Monate von der Blutspende auszuschließen, wird hier ausschließlich das konservative Märchen von der 'sicheren' Monogamie und der 'gefährlichen' Promiskuität bedient. Ein Wording [eine Formulierung, Red.], bei dem wechselnde Sexualpartner*innen als 'Risikoverhalten' gelten, ist inakzeptabel und diffamierend." Auch Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter auszuschließen sei "eine diskriminierende und diffamierende Forderung, die auf keiner wissenschaftlicher Erkenntnis beruht".

Laubenburg und Bache argumentieren, dass Abfragen des eigenen Sexualverhaltens beim Blutspenden ohnehin realitätsfremd seien: "Alle Forderungen, die das 'individuelle sexuelle Verhalten' zum Kriterium bei Blutspenden machen wollen, ignorieren vollkommen die Blutspendepraxis. Weder ist eine Erfassung des individuellen Sexualverhaltens wünschenswert noch ist zu erwarten, dass Blutspender*innen sich hierzu von ehrenamtlichen Helfer*innen ausführlich befragen lassen und ausführlich antworten." (pm)



#1 Ehrliche HautAnonym
  • 26.11.2020, 12:13h
  • Vieles ist prinzipiell richtig, was die Linken da zu zu sagen haben.

    Das Märchen von der sicheren Monogamie
    Das Abschaffen der Pooltestung.
    Dass Fragen nach dem persönlichen Risikoverhalten zur Unwahrheit verleiten.

    Aber:

    Die Bereitschaft wieder Transsexuelle und schwule Männer anders zu behandeln als den Rest der Bevölkerung ist Unfug und einfach Diskriminierung. Da beisst die Maus keinen Faden ab.
    Da ist mir der Vorschlag von LSU und SPD-Queer deutlich lieber.
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#2 Frank LaubneburgAnonym
  • 26.11.2020, 14:35h
  • Antwort auf #1 von Ehrliche Haut
  • Queer.de hat ja heute über die Zahlen zu HIV-Neuinfektionen berichtet, siehe
    www.queer.de/detail.php?article_id=37613

    "Die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), blieb 2019 im Vergleich zum Vorjahr konstant bei etwa 1.600, im Jahr 2013 waren es noch etwa 2.200 gewesen. Damit machen schwule und bisexuelle Männer noch immer über 60 Prozent der Neuinfektionen aus. Beim intravenösen Drogenkonsum infizierten sich im vergangenen Jahr etwa 360 Menschen, damit stieg diese Zahl erneut leicht. Etwa 650 Menschen steckten sich in Deutschland durch heterosexuelle Kontakte an."

    1.600 Neuinfektionen in einer recht kleinen Bevölkerungsgruppe, 650 in einer sehr großen. Aus diesen Zahlen leiten sich nun einmal unterschiedliche statistische Risiken ab, die man doch nicht bei Blutspenden einfach unter den Tisch fallen lassen und ignorieren kann. Einfach "Unfug" und "Diskriminierung" zu rufen, reicht da nicht aus. DIE LINKE.queer macht mit der Forderung nach einem Verzicht auf Pooling und mit der nach Anwendung des PCR-Test-Verfahrens recht konkrete Vorschläge. Würden die umgesetzt, gäbe es auch für eine 12-Wochen-Regel bei MSM keinen Grund mehr.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 27.11.2020, 11:42h
  • Antwort auf #2 von Frank Laubneburg
  • Diskriminierung passt da am Ehesten, wenn Jemand, wer mit seinem (Ehe)Partner monogam sexuell aktiv ist, in dem Verfahren anders behandelt wird, und der Unterschied an der sexuellen Orientierung festgemacht wird.

    Monogam heterosexuell aktive Ehepaare stehen in derselben Wahrscheinlichkeit, unbrauchbare Blutspenden abzuliefern, wie monogam homosexuell Aktive.
    Ich geh fürs Beispieleinfach mal davon aus, dass ansonsten gesunde Leute gemeint sind, die auch nicht zig heimliche Seitensprünge oder Puffbesuche unter "monogam" absegnen.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass unbrauchbare Blutspenden bei Personen öfter vorkommen, die mit mehreren oder vielen anderen Leuten sexuell aktiv sind, ist doch dann ebenso unabhängig von deren sexueller Orientierung hoch, oder gibt es da tatsächlich auch Abstufungen von Feststellungen je nachdem, zu wie viel% jemand bisexuell aktiv ist, oder vielleicht, wie häufig pro Woche, pro Monat, pro Jahr die sich wie herum zusammen stecken?

    Die jeweils genutzten Praktiken oder inwiefern jemand über die*den Andere*N um das letzte STD-Screening Bescheid hat, hat da auch noch mal einiges damit zu tun.

    Allerdings kann ich mir eher vorstellen, dass diese inquisitorische Befragung die Bereitschaft zum Spenden so oder so recht gering halten wird. Außer Extremextrovertierten, Narzisst*innen und einigen Angeber*innen erzählt doch niemand irgendwelchen Leuten über sein Intimleben, als ginge es um Fußball oder Stickmuster tauschen.

    Dass ein generelles Durchscreenen der abgegebenen Spenden zu aufwendig oder zu kostspielig sein wird, kann ich mir denken. Damit könnte man den Hauptteil der ganzen langen Liste an Spende-Abweisungsgruppen aussortieren. Es weiß etwa auch lange nicht Jeder, ob die Diabetes haben, bestimmte Blutschwerpunkterkrankungen u.Ä.
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#4 AuskunfteiAnonym
  • 27.11.2020, 15:09h
  • Antwort auf #3 von Homonklin_NZ
  • "Die Wahrscheinlichkeit, dass unbrauchbare Blutspenden bei Personen öfter vorkommen, die mit mehreren oder vielen anderen Leuten sexuell aktiv sind, ist doch dann ebenso unabhängig von deren sexueller Orientierung hoch, oder gibt es da tatsächlich auch Abstufungen von Feststellungen je nachdem, zu wie viel% jemand bisexuell aktiv ist, oder vielleicht, wie häufig pro Woche, pro Monat, pro Jahr die sich wie herum zusammen stecken?"

    Ja die gibt es natürlich. Jedenfalls, wenn wir von ungeschütztem Sex reden. Bei safer Sex sind zumindest bezüglich HIV auch wechselnde Partner_innen und ihre Anzahl und ihr Geschlecht nicht relevant.

    Bei ungeschütztem Sex spielen Anzahl, Geschlecht und Art der Praktik selbstverständlich eine Rolle für die Infektionsrisiken.

    Mal allgemein gefragt: Sind medizinische Fakten in diesem Kommentarbereich eigentlich für irgendwen von Interesse?
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#5 Homonklin_NZAnonym
  • 27.11.2020, 16:25h
  • Antwort auf #4 von Auskunftei
  • Danke, da hätte mich dann interessiert, wieso ein Schwuler, der mit seinem Mann (und ebenso umgekehrt) und sonst mit niemand sexuell, auch ungeschützt, aktiv ist, mit der höheren Wahrscheinlichkeit unbrauchbare Blutspenden erzeugt, als das bei einem Hetero-Paar mit ebengleichen Konditionen der Fall sein soll.

    Nimmt man pauschal an, dass die drogensüchtig sind und 'Besteck' gemeinschaftlich nutzen, sich außerhalb sexuellen Verkehrs zu über rare Möglichkeiten versierten Virensammlern entwickelt haben, sowieso nicht wirklich monogam leben und das nur vortäuschen, oder generieren schwule Männer allein neuerdings endozoogen HI-Viren oder sonst gefährdende, Blut unbrauchbare machende, ggf. durch sexuelle Betätigung erst entstehende (Abbau)Stoffe?

    Allgmein kann ich nicht antworten, aber wenn es neuere Erkenntnisse gibt, immer her damit!
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#6 AuskunfteiAnonym
  • 27.11.2020, 17:20h
  • Antwort auf #5 von Homonklin_NZ
  • "Danke, da hätte mich dann interessiert, wieso ein Schwuler, der mit seinem Mann (und ebenso umgekehrt) und sonst mit niemand sexuell, auch ungeschützt, aktiv ist, mit der höheren Wahrscheinlichkeit unbrauchbare Blutspenden erzeugt, als das bei einem Hetero-Paar mit ebengleichen Konditionen der Fall sein soll."

    Ich beziehe mich mal nur auf das HIV-Risiko. Wenn beide negativ gestestet sind, besteht natürlich kein Risiko (sexuelle Exklusivität vorausgesetzt).

    Sind beide ungetestet, besteht rein statistisch ein höheres Risiko, dass mindestens einer der beiden unwissentlich HIV-positiv in die Beziehung hineingegangen ist, als bei Heteros, einfach aufgrund der deutlich erhöhten Prävalenz bei MSM. Und das Übertragungsrisiko innerhalb der Beziehung ist bei Analverkehr viel höher als bei Vaginalverkehr (wobei natürlich auch Heteros Analverkehr haben, aber im Schnitt seltener und nur in einer übertragungsrelevanten Konstellation statt in zwei möglichen).

    Diese Faktoren rechtfertigen meiner Einschätzung nach keinen Blutspendeausschluss. Aber ein Unterschied besteht rein medizinisch / statistisch schon.

    Eigentlich hattest du aber eine ganz andere Frage gestellt. Interessiert dich die Antwort darauf denn auch noch, oder war die Frage nur rhetorisch?
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#7 TheDadProfil
  • 28.11.2020, 14:41hHannover
  • Antwort auf #2 von Frank Laubneburg
  • ""1.600 Neuinfektionen in einer recht kleinen Bevölkerungsgruppe, 650 in einer sehr großen. Aus diesen Zahlen leiten sich nun einmal unterschiedliche statistische Risiken ab, die man doch nicht bei Blutspenden einfach unter den Tisch fallen lassen und ignorieren kann.""..

    Ja UND Nein..
    Was diese Zahlen nämlich NICHT aussagen :

    Wir wissen gar nichts über die tatsächlichen Größen der hier als "große" und "kleine Gruppe" beschriebenen Gruppen..
    Wir wissen auch nichts darüber wie hoch der Anteil derjenigen wäre, die trotz einer vielleicht unbekannten HIV-Infektion zur Blutspende gehen würden..
    Und wir wissen auch nichts darüber wie viele unbekannte HIV-Infektionen dann bei der Erst-Spende aufgedeckt würden, weil jede*r Spendewillige erst einmal ausführlich getestet wird..

    Wir laufen bei aller Informationsbreite die inzwischen existiert immer noch dem Mythos nach der hinter dem erlassenem Spendeverbot als eine Art "Verschwörungstheorie" existiert :
    Die Schwulen wollen "uns heteros" mit ihrem Blut alle infizieren..

    Das solche Ideen gar nicht umgesetzt werden können, weil alle getroffenen Maßnahmen, im Gegensatz zur Praxis der Blutspende-Dienste in den ausgehenden Achtziger Jahren was die Bluter betrifft, die massenweise durch Blutprodukte infiziert wurden die aus ungetesteten und teils aus anderen Ländern eingekauften Blutspenden stammten, gar nicht mehr möglich ist..

    Man wird niemals alle Risiken ausschließen können, darüber muß man sich im Klarem sein..
    Vor gar nicht so langer Zeit wurden etwa mehrere Organ-Empfänger mit Tollwut infiziert, weil das bislang gar nicht getestet wurde..
    Aber die Zahl der HIV-Infektionen über Blut-Produkte ist seit Jahren, wenn nicht sogar seit mehr als 2 Jahrzehnten nahe Null, und es muß endlich mal darüber ENTSCHIEDEN werden die diskriminierende Praxis der Blutspende zu beenden, denn darüber geredet und diskutiert wird schon viel zu lange..

    Und wenn man schon dabei ist, dann gehört JEDE Kategorisierung von Spendewilligen nach deren Sexueller ODER Geschlechtlicher Identität auf den Müllhaufen der Geschichte !

    Wir sind ein reiches Land.
    Wir werfen gerade wegen der Covid-19-Krise mit Milliarden um uns, und da soll ein Mehraufwand von einigen Millionen Euro für die bessere Testung aller Spenden plötzlich ein Problem sein ?
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