Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37630

True-Crime-Serie

David Tennant als schwuler Serienmörder Dennis Nilsen

Der schwer erträgliche, aber absolut sehenswerte Dreiteiler "Des" erzählt die Geschichte einer der schlimmsten Serienmörder Großbritanniens, der viele seiner Opfer in Szenebars kennenlernte.


Die Polizei kam Dennis Nilsen (David Tennant) nur durch Zufall auf die Schliche. Der schwule Serienmörder soll die Leichen nach der Ermordung ausführlich gebadet, manchmal auch mit ihnen ferngesehen haben (Bild: ITV)
  • Von Patrick Heidmann
    29. November 2020, 03:10h, noch kein Kommentar

"Im Schrank", lautet die lapidare Antwort, als 1983 der unauffällige Beamte Dennis Nilsen (David Tennant) in seiner Wohnung im Norden Londons von zwei Polizisten gefragt wird, wo der Rest der Leiche sei.

Eigentlich hatten Detective Chief Inspector Peter Jay (Daniel Mays) und sein Kollege nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet, schließlich waren sie sich, nachdem ein paar mutmaßlich menschliche Knochen den Abfluss im Haus verstopft hatten, noch nicht einmal sicher, mit was für einem Fall sie es zu tun haben. Doch tatsächlich wartet dann im Schrank ein schrecklicher Fund auf sie, und statt sich irgendwie zu wehren, lässt der Verdächtige sich bereitwillig verhaften und gesteht noch auf der Fahrt zum Revier, dass die Zahl seiner Opfer mindestens im zweistelligen Bereich liegt.

Mindestens ein Dutzend junger Männer umgebracbt


Poster zur Serie: "Des" startet am 29. November 2020 in Deutschland bei Starzplay

Es ist ein wahrer Fall, der dem Dreiteiler "Des" (ab heute bei Starzplay) zugrunde liegt: Der Schotte Nilsen, genannt Des und auch bekannt als "Muswell Hill Murderer", war einer der schlimmsten Serienmörder in der Geschichte Großbritanniens. Mindestens ein Dutzend junger Männer brachte er zwischen 1978 und 1983 um, darunter etliche Schwule, die der selbst homosexuelle Nilsen in Bars kennen gelernt hatte.

Nekrophile Neigungen hatte der einstige Polizist und Mitarbeiter des Arbeitsamtes wohl obendrein: häufig soll der nach der Ermordung die Leichen ausführlich gebadet, manchmal auch mit ihnen ferngesehen haben. Letztlich wurde er für sechs Morde und zwei Mordversuche zu lebenslanger Haft verurteilt und starb dort 2018 an einer Lungenembolie nach einer Operation.

Die bittere Trübnis der Thatcher-Jahre

Wo zuletzt andere Geschichten über Serienmörder – von "The Assassination of Gianni Versace" über "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" bis "Der goldene Handschuh" – häufig an einem Übermaß an Spekulation, Empathie oder Lust am Schock litten, übt diese Miniserie – inszeniert von Lewis Arnold ("Broadchurch", "Humans") und geschrieben von Luke Neal und Kelly Jones – auf allen Ebenen Zurückhaltung.


Polizeifoto des "echten" Dennis Nilsen nach seiner Verhaftung im Februar 1983

Hier ist nichts reißerisch oder schrill, von einer Glorifizierung des Titelhelden kann keine Rede sein. Stattdessen lastet bleischwer die bittere Trübnis der Thatcher-Jahre auf jeder einzelnen Szene (was "Des" übrigens zu einem interessanten Begleitstück zur neuen Staffel von "The Crown" macht). Die Homophobie, allgegenwärtige Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit, die wachsende Armut und Klassenkluft, all das ist untrennbar mit dem Fall verbunden.

Die morbide Faszination des Biografen

Die Annäherung an Nilsen geschieht hier aus zwei Richtungen, seitens Chefermittler Jay sowie durch den – ebenfalls schwulen – Biografen Brian Masters (Jason Watkins), dem immer wieder die morbide Faszination für sein Gegenüber in die Quere zu kommen droht und auf dessen Buch "Killing For Company" die Serie zum Teil basiert. Sie bleibt aber immer zwingend unvollständig, auch weil "Des" sich zum Glück rein auf die Zeit zwischen Verhaftung und Prozess, auf die nicht immer zufriedenstellenden Ermittlungen beschränkt. Auf Rückblenden, sei es in die wenig erfreuliche Kindheit oder zu den ungemein grausamen Taten, wird verzichtet.

Bitter und schwer erträglich ist der Dreiteiler trotzdem, sehenswert allerdings ebenfalls. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die Schauspieler. Dass Tennant eine Klasse für sich ist, wusste man. Aber Mays ("1917") und Watkins ("The Crown"), beide seit Jahren verlässliche und fleißige Charakterdarsteller in Nebenrollen, müssen sich hinter ihm nicht verstecken.

Direktlink | Deutscher Trailer zur Miniserie

Infos zur Serie

Des. True-Crime-Miniserie. Großbritannien 2020. Regie: Lewis Arnold. Darsteller*innen: David Tennant, Daniel Mays, Jason Watkins, Ron Cook, Barry Ward, Ben Bailey Smith. 3 Episoden. Sprache: deutsche Synchronfassung. Ab 29. November 2020 auf Starzplay