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Hinter Covid-Worten

Wort des Jahres: "Gendersternchen" auf Platz 9

Gegen die Übermacht von Corona-Lingo hat das Gendersternchen zwar keine Chance, trotzdem schaffte es das Wort in die Top Ten. Dabei lehnt die Gesellschaft für deutsche Sprache diese Art von geschlechtergerechter Schreibweise ab.


Das Sternchen findet unter deutschen Schreiberlingen immer mehr Zuspruch – und zwar nicht nur, wenn man "böse" Worte wie F*tze oder die Mutter aller Kraftausdrücke – das englische f*ck – verschleiern möchte, sondern wenn mehr Geschlechter sichtbar werden sollen (Bild: Catherine / flickr)

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat am Montag das Ergebnis der Jury für die Wahl des Wort des Jahres bekanntgegeben. "Corona-Pandemie" belegte den ersten Platz, gefolgt von Lockdown und Verschwörungserzählung. Auf Platz vier folgt mit "Black Lives Matter" der erste Begriff, der nicht im Zusammenhang mit der Corona-Krise steht. Der zweite derartige Begriff – Gendersternchen – liegt auf Rang neun. Die GfdS wählt seit 1971 das "Wort des Jahres", um damit jene Begriffe zu würdigen, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben.

Hier die gesamte Liste der Wörter des Jahres 2020:

1. Corona-Pandemie
2. Lockdown
3. Verschwörungserzählung
4. Black Lives Matter
5. AHA
6. systemrelevant
7. Triage
8. Geisterspiele
9. Gendersternchen
10. Bleiben Sie gesund!

Wir haben gewählt: Das Wort des Jahres 2020 ist Corona-Pandemie. Vielfach erwartet und auch nicht sehr verwunderlich,...

Posted by Gesellschaft für deutsche Sprache on Monday, November 30, 2020
Facebook / Gesellschaft für deutsche Sprache

Das Gendersternchen bezeichnet den Einsatz eines Asterisks (Sternchens) als Mittel der geschlechtergerechten Schreibung im Deutschen ("Wähler*innen"). Es wird auch von queer.de verwendet. Damit sollen auch inter- oder transgeschlechtliche Menschen erfasst werden. Der Begriff selbst ist relativ neu und entwickelte sich in den Zehnerjahren aus dem englischen "Gender Star". Die GfdS erklärte, dass das erst dieses Jahr in den Duden aufgenomme Gendersternchen "die zunehmende Diskussion um einen sogenannten geschlechtergerechten oder -sensitiven Sprachgebrauch" symbolisiere.

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GfdS fürchtet wegen Gendersternchen um Einheitlichkeit der Sprache

Die GfdS steht der Anwendung des Sternchens kritisch gegenüber. Die Organisation beklagte erst im August, dass bei der Verwendung "grammatisch falsche Formen" entstünden (queer.de berichtete). So könne etwa aus Arzt und Ärztin mit Gendersternchen Arzt*in oder Ärzt*in werden. Außerdem gebe es keine Einheitlichkeit, wie das Sternchen ausgesprochen werden soll. "Für die Sprechenden und für die Zuhörerinnen und Zuhörer entstehen so Unsicherheiten", so die Sprachschützer*innen. Eine andere Lösung für das Problem Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache konnte die GfdS bislang aber nicht präsentieren.

Immer wieder gibt es Bezeichnungen aus der queeren Welt, die es in die Auswahl für das Wort des Jahres schaffen. Dem Sieg am nächsten war 2017 der Begriff "Ehe für alle", der es auf den zweiten Rang schaffte – nur "Jamaika-Aus" war im Superwahljahr von der Jury als noch wichtigerer Ausdruck angesehen worden (queer.de berichtete).

Im vergangenen Jahr wurde das Gendersternchen bereits als "Anglizismus des Jahres" ausgezeichnet (queer.de berichtete). (dk)



#1 AnonymousseAnonym
  • 30.11.2020, 12:06h
  • Hat es denn dafür den gebührenden Platz auf dem Treppchen der Unwörter*innen bekommen?
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#2 michael hnkAnonym
  • 30.11.2020, 12:56h
  • "Eine andere Lösung für das Problem Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache konnte die GfdS bislang aber nicht präsentieren." (Zitat)

    Das muss sie auch gar nicht. Wer es streng geschlechtergerecht halten will, kann natürlich alternativ zum Gendersternchen oder Binnen-I nach wie vor die Langform verwenden: Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer, usw.
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#3 AthreusProfil
  • 30.11.2020, 13:34hSÜW
  • Ich Frage mich, wen es "ernsthaft" interessiert, was die Gesellschaft für deutsche Sprache über das Gendersternchen denkt?

    Wenn ich mich entschließe, mit meiner Sprache, schriftlich wie verbal, lieber Menschen einzubeziehen statt auszuschließen, frage ich niemanden um Erlaubnis und schon gar nicht nach einer Kommentierung meines Verhaltens. Erst recht nicht von einem Verein, der durch finanzielle Mittel der Bundesbeauftragten für Kultur am Leben gehalten wird, also einer Frau Grütters, die der CDU angehört und bei Denis Scheck in Lesenswert die Bibel als ihr liebstes Buch nennt.
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#4 LinguistinAnonym
  • 30.11.2020, 13:48h
  • "Dabei lehnt die Gesellschaft für deutsche Sprache diese Art von geschlechtergerechter Schreibweise ab."

    Aus gutem Grund.

    Oder besser gesagt: aus mehreren guten Gründen:

    1.
    Es schränkt die Lesbarkeit massiv ein. Man liest in Sakkadensprüngen und wenn dann mitten im Text Sterne vorkommen, schränkt das die Lesbarkeit massiv ein.

    Es leidet sowohl die Quantität als auch die Qualität der Informationsentnahme. D.h. man liest länger, versteht weniger und behält weniger.

    Und obendrein ermüdet man schneller.

    Besonders absurd wird es, wenn man das zu Ende denkt:

    Dann müsste man nicht nur "Bürgermeister*in" sagen, sondern weil es ja auch Bürgerinnen und Bürger gibt, müsste man "Bürger*in*nen*meister*in*nen" sagen.

    Oder die Studenten: da schreiben die Leute dann "die Student*innen", aber da die Pluralmarkierung "en" auch in "Studenten" vorkommt, müsste es eigentlich "die Student*in*nen" heißen.

    So oder so: kaum noch lesbar...

    2.
    Ob jemand Frauen als gleichberechtigt ansieht oder nicht, hat nichts damit zu tun, wer die meisten Sternchen in einen Text einstreuen kann, sondern wie man im Kopf tickt. Und das ändert man nicht, indem man Sprache schlechter lesbar macht.

    Im Gegenteil, das führt eher dazu, dass selbst Leute, denen das wichtig ist, irgendwann auf Durchzug schalten.

    Man erreicht also das genaue Gegenteil.

    3.
    Es ist linguistisch unsinnig, denn das grammatische Geschlecht hat nichts mit dem biologischen, sozialen oder psychologischen Geschlecht zu tun. Hat also weder mit dem englischen "sex" noch mit dem englischen "gender" etwas zu tun.

    Das sieht man ja auch umgekehrt:
    man sagt ja auch "die Person" (f.). "die Persönlichkeit" (Martin Luther King war eine große Persönlichkeit, auch wenn er ein Mann war und es "die Persönlichkeit heißt)), "die Waise" oder "die Geisel", wenn es ein Mann ist. Dann sagt man ja auch nicht "der Personerich" oder "der Geiselerich" oder so.

    Oder nicht nur im femininum, sondern auch im neutrum: "das Kind", "das Mitglied", "das Opfer", "das Individuum", auch wenn es Männer oder Frauen und keine Dinge sind.

    (Alleine das zeigt schon, dass grammatisches Geschlecht nichts mit biologischem Geschlecht zu tun hat. Hätte man als deutsche Bezeichnung für das grammatische Geschlecht einfach "Bumsibums" oder was auch immer gewählt, gäbe es heute diese Diskussion nicht, weil jeder verstehen würde, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat.)

    Und wenn ich sage, dass ich Katzen mag, dann meine ich damit selbstverständlich auch Kater.

    4.
    Man hört immer wieder "Ich will nicht nur mitgedacht sein".

    Wenn man eine Pluralform für Männer und Frauen verwendet, sind die Männer nach der Logik auch nicht weniger "mitgedacht".

    Aber der Ansatz ist bereits falsch:
    In einer Bezeichnung ist niemand "mitgedacht", sondern entweder gehört man zu dem, wofür die Bezeichnung steht" (linguistisch gesprochen: die Extension) oder eben nicht.

    Wer nicht dazu gehört, ist weder "mitgedacht" noch sonstwas, sondern schlicht außen vor. Und wer wohl dazu gehört, gehört dazu und ist nicht "mitgedacht".

    Das ist so, als würde man sagen:
    "Die Menschen in Amerika und auch die Schwarzen" und würde dann sagen, dass die Schwarzen nicht nur "mitgedacht" werden dürfen, sondern separat genannt werden müssen. Aber erst diese separate Nennung diskriminiert die Schwarzen, so als seien sie keine Menschen und mit "Menschen" nicht gemeint.

    Und genauso ist es dabei:
    Diejenigen, die sich beschweren, dass sie nicht mit gemeint sind, schließen sich erst selbst aus, indem sie bei Ausdrücken, wo sie selbstverständlich dazu gehören, noch mal irgendwelche Sternchen und Buchstabenfolgen anhängen wollen.

    Man bietet eine angebliche Lösung für ein Problem, das es ohne diese Lösung gar nicht erst gäbe.

    5.
    Man hört auch immer gerne von angeblichen Studien. Nur benennen konnte mir noch niemand solche eine Studie. Und die Studien, die ich zu dem Thema kenne, sind alle methodisch höchst fragwürdig. Und da wird nicht mal ein inferenzstatistische Auswertung gemacht, sondern nur deskriptive Statistik angewandt. Mit anderen Worten: die Aussagekraft ist gleich null.

    WAS WIRKLICH DAHINTER STEHT:

    In Wahrheit steckt das etwas ganz anderes hinter.

    Es gibt nach wie vor massig Diskriminierung von Frauen. Gender Pay Gap, Glass Ceiling, etc.

    Auf deutsch: Frauen haben es viel schwerer, die Karriereleiter hochzusteigen, bekommen nicht dasselbe Gehalt für dieselbe Arbeit, etc.

    DAS sind Dinge, an denen man etwas ändern sollte, könnte und müsste.

    Aber diejenigen, die daran etwas ändern könnten (z.B. in der Politik) versagen auf ganzer Linie. Und wie können die jetzt von diesem Versagen ablenken?

    Ganz einfach:
    man zaubert ständig neue Ideen zur Veränderung von Sprache hervor, obwohl man weiß, dass Sprache so nicht funktioniert.

    Aber dann hat man die Leute ruhig gestellt.

    Denn alle die Leute, die jetzt über ihren Texten brüten, wo noch alles Sternchen hingehören, die zum Lesen fremder Texte viel länger brauchen und die ständig wütende Leserbriefe an Zeitungen, Zeitschriften, Websites, etc. schreiben, wo sie verlangen, auch die sollen ihre Texte schlechter lesbar machen, haben genug Zeit vergeudet und sich genug aufregen können.

    Die beschweren sich dann nicht mehr bei den Dingen, wo wirklich diskriminiert wird, weil sie schlichtweg keine Zeit und keine Energie mehr dazu haben.

    FAZIT:

    Statt Gendersternchen und ähnlichen Dingen sollte man lieber für echte Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sorgen! Damit ändert man die Köpfe und dann braucht man nicht Sprache unleserlich zu machen, um davon abzulenken, dass sich in der Realität nichts ändert.
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#5 Kleine KorrekturAnonym
  • 30.11.2020, 13:55h
  • "Damit sollen auch inter- oder transgeschlechtliche Menschen erfasst werden."

    Das ist etwas unpräzise bzw. missverständlich. Intersexualität bezieht sich auf die Biologie und nicht auf die Identität. Intersexuelle Menschen sind oft einfach männlich oder weiblich, und Transsexuelle ebenfalls. Beide müssen es aber nicht sein.

    Durch das Gendersternchen markiert werden NICHT-BINÄRE Menschen. Die können intersexuell sein oder nicht, und nicht alle bezeichnen sich selbst als trans.
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#6 Retro-NewsflashAnonym
  • 30.11.2020, 14:11h
  • Antwort auf #2 von michael hnk
  • Es gibt nicht nur Männer und Frauen. Faszinierend, dass die Diskussion über den Sinn des Gendersterns seit ca. 2001 läuft, aber noch nicht mal bei den Leser_innen queerer Medien so richtig angekommen ist.
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#7 LinguistinAnonym
  • 30.11.2020, 14:11h
  • Wer noch mehr zu dem Thema lesen will; hier zwei interessante Artikel:

    Zunächst ein Artikel von Bettina Hammer, der sich zwar auf Binnen-Majusklen, etc. bezieht, aber das lässt sich oft eins-zu-eins aufs Gendersternchen übertagen:

    Bettina Hammer: Ich bin keine "In"

    www.heise.de/tp/news/Ich-bin-keine-In-2011364.html

    Der Teaser:
    Könnten wir bitte die Emanzipationsschraube wieder etwas herausdrehen? Ich möchte endlich wieder lesbare Texte ;)

    Und hier noch ein Essay vom deutschen Grammatik-Papst, Prof. Peter Eisenberg, in der Süddeutschen:

    Peter Eisenberg: Das missbrauchte Geschlecht

    www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht
    -1.3402438


    Der Teaser:
    Wie kann man Frauen in der Sprache sichtbarer machen? Muss man sich dafür zum Herren oder zur Herrin über die Grammatik aufschwingen? Mit dem Gendern gehen sprachpolizeiliche Allüren einher.

    Beides sehr lesbare Texte und wer nicht nur Stammtisch-Sprachdenken reproduzieren will, sondern ernsthaft über die Unsinnigkeit von Gendersternchen diskutieren will, sollte sich diese beiden Texte mal durchlesen.
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#8 LupdejuppAnonym
  • 30.11.2020, 14:22h
  • Antwort auf #6 von Retro-Newsflash
  • Mal abgesehen davon dass ich zu dem Thema keine Meinung habe da ich die Argumente von beiden Seiten schlüssig und nachvollziehbare finde....:

    Wie ist man denn egtl gerade in Deutschland auf die Idee gekommen als Kennzeichnung für nichtbinäre Menschen einen Stern zu nehmen?
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#9 PascalleAnonym
  • 30.11.2020, 14:43h
  • Leute hört bitte auf, Trans- und Intermenschen als Ausrede für Gender-Sternchen zu missbrauchen.

    Ich bin kein Sternchen, so wie ein Anhängsel oder wie eine Fußnote.

    Wenn jemand von Kollegen spricht und mich nicht meint, wird sich seine Änderung auch nicht ändern, wenn man ihn zwingt da ein Sternchen hinter zu setzen.

    Wir müssen die Einstellungen ändern, aber nicht als Sprachpolizei auftreten.

    Also lasst endlich diesen transphoben und interphoben Schwachsinn und hört erst recht auf, Trans- und Intersexuelle auch noch als Ausrede dafür zu missbrauchen.
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#10 AthreusProfil
  • 30.11.2020, 14:53hSÜW
  • "Liebe Mitarbeiter*innen, der Vorstand lädt euch herzlich zur diesjährigen Weihnachtsfeier ein, die..."

    Oh ja, jetzt sehe ich es: wie das Textverständnis zu Bruch geht, der Inhalt vollkommen unverständlich wird und mich beim Lesen des Sternchens völlige Erschöpfung übermannt. Ich muss mich direkt eine halbe Stunde auf die Couch legen, um mich zu erholen. ...
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