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Hinter Covid-Worten

Wort des Jahres: "Gender­sternchen" auf Platz 9

Gegen die Übermacht von Corona-Lingo hat das Gendersternchen zwar keine Chance, trotzdem schaffte es das Wort in die Top Ten. Dabei lehnt die Gesellschaft für deutsche Sprache diese Art von geschlechtergerechter Schreibweise ab.


Das Sternchen findet unter deutschen Schreiberlingen immer mehr Zuspruch – und zwar nicht nur, wenn man "böse" Worte wie F*tze oder die Mutter aller Kraftausdrücke – das englische f*ck – verschleiern möchte, sondern wenn mehr Geschlechter sichtbar werden sollen (Bild: Catherine / flickr)

  • 30. November 2020, 10:42h 51 2 Min.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat am Montag das Ergebnis der Jury für die Wahl des Wort des Jahres bekanntgegeben. "Corona-Pandemie" belegte den ersten Platz, gefolgt von Lockdown und Verschwörungserzählung. Auf Platz vier folgt mit "Black Lives Matter" der erste Begriff, der nicht im Zusammenhang mit der Corona-Krise steht. Der zweite derartige Begriff – Gendersternchen – liegt auf Rang neun. Die GfdS wählt seit 1971 das "Wort des Jahres", um damit jene Begriffe zu würdigen, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben.

Hier die gesamte Liste der Wörter des Jahres 2020:

1. Corona-Pandemie
2. Lockdown
3. Verschwörungserzählung
4. Black Lives Matter
5. AHA
6. systemrelevant
7. Triage
8. Geisterspiele
9. Gendersternchen
10. Bleiben Sie gesund!

Wir haben gewählt: Das Wort des Jahres 2020 ist Corona-Pandemie. Vielfach erwartet und auch nicht sehr verwunderlich,...

Posted by Gesellschaft für deutsche Sprache on Monday, November 30, 2020
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Das Gendersternchen bezeichnet den Einsatz eines Asterisks (Sternchens) als Mittel der geschlechtergerechten Schreibung im Deutschen ("Wähler*innen"). Es wird auch von queer.de verwendet. Damit sollen auch inter- oder transgeschlechtliche Menschen erfasst werden. Der Begriff selbst ist relativ neu und entwickelte sich in den Zehnerjahren aus dem englischen "Gender Star". Die GfdS erklärte, dass das erst dieses Jahr in den Duden aufgenomme Gendersternchen "die zunehmende Diskussion um einen sogenannten geschlechtergerechten oder -sensitiven Sprachgebrauch" symbolisiere.

GfdS fürchtet wegen Gendersternchen um Einheitlichkeit der Sprache

Die GfdS steht der Anwendung des Sternchens kritisch gegenüber. Die Organisation beklagte erst im August, dass bei der Verwendung "grammatisch falsche Formen" entstünden (queer.de berichtete). So könne etwa aus Arzt und Ärztin mit Gendersternchen Arzt*in oder Ärzt*in werden. Außerdem gebe es keine Einheitlichkeit, wie das Sternchen ausgesprochen werden soll. "Für die Sprechenden und für die Zuhörerinnen und Zuhörer entstehen so Unsicherheiten", so die Sprachschützer*innen. Eine andere Lösung für das Problem Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache konnte die GfdS bislang aber nicht präsentieren.

Immer wieder gibt es Bezeichnungen aus der queeren Welt, die es in die Auswahl für das Wort des Jahres schaffen. Dem Sieg am nächsten war 2017 der Begriff "Ehe für alle", der es auf den zweiten Rang schaffte – nur "Jamaika-Aus" war im Superwahljahr von der Jury als noch wichtigerer Ausdruck angesehen worden (queer.de berichtete).

Im vergangenen Jahr wurde das Gendersternchen bereits als "Anglizismus des Jahres" ausgezeichnet (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 AnonymousseAnonym
  • 30.11.2020, 12:06h
  • Hat es denn dafür den gebührenden Platz auf dem Treppchen der Unwörter*innen bekommen?
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#2 michael hnkAnonym
  • 30.11.2020, 12:56h
  • "Eine andere Lösung für das Problem Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache konnte die GfdS bislang aber nicht präsentieren." (Zitat)

    Das muss sie auch gar nicht. Wer es streng geschlechtergerecht halten will, kann natürlich alternativ zum Gendersternchen oder Binnen-I nach wie vor die Langform verwenden: Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer, usw.
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#3 AtreusEhemaliges Profil
  • 30.11.2020, 13:34h
  • Ich Frage mich, wen es "ernsthaft" interessiert, was die Gesellschaft für deutsche Sprache über das Gendersternchen denkt?

    Wenn ich mich entschließe, mit meiner Sprache, schriftlich wie verbal, lieber Menschen einzubeziehen statt auszuschließen, frage ich niemanden um Erlaubnis und schon gar nicht nach einer Kommentierung meines Verhaltens. Erst recht nicht von einem Verein, der durch finanzielle Mittel der Bundesbeauftragten für Kultur am Leben gehalten wird, also einer Frau Grütters, die der CDU angehört und bei Denis Scheck in Lesenswert die Bibel als ihr liebstes Buch nennt.
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