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Kritik an Ufa-Selbstverpflichtung

Dominik Graf: Diversitätsverpflichtung klingt nach Zensur von Stoffen

Es gibt Widerstand gegen Vielfalt im deutschen Film: Regisseur Dominik Graf will sich Diversität nicht vorschreiben lassen.


Regisseur Dominik Graf protestiert gegen die Ufa-Selbstverpflichtung, dass vor und hinter der Kamera eine größere Vielfalt herrschen soll (Bild: Unión Europea en Perú / flickr)

In der Debatte um mehr Diversität in Film und Fernsehen ist der vor allem durch Sonntagskrimis bekannte Regisseur Dominik Graf skeptisch. Zur Selbstverpflichtungserklärung der Ufa, nach der in Zukunft "Frauen, LGBTIQ*, People of Color sowie Menschen mit Beeinträchtigungen" gemäß ihrem demografischen Anteil in Produktionen vorkommen sollen, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit" (Bezahlartikel): "Das Lautsprecher-Getöse daran erregt den Verdacht, dass der doch überwiegende filmische Schwachsinn, den die Branche produziert, mit einem gesellschaftsrelevanten Verhaltenscode wettgemacht werden soll."

Der 68-Jährige Graf drehte den "Tatort: In der Familie (1)" vom vorigen Sonntag, führte Regie bei anderen "Tatort"-Krimis, "Polizeiruf 110"-Folgen und der Serie "Im Angesicht des Verbrechens", aber auch bei Kinofilmen wie "Die geliebten Schwestern".

Auf die Frage, ob der Film ein getreues Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit schaffen sollte, sagte Graf der "Zeit": "Das klingt gefährlich nach Zensur der Stoffe." Er wolle nicht den Anspruch aufgeben, die Welt so "böse" abzubilden, wie sie sei, so Graf weiter. "Für eine Welt, wie sie stattdessen sein sollte, fühlen wir uns nicht zuständig. Gewalt und Übergriffe spielen deshalb in unseren Filmen eine große Rolle. Gewalt ist immer präsent in der Gesellschaft, und immer ist sie für das Opfer 'herabwürdigend', um einen Begriff aus dieser Selbstverpflichtung zu verwenden. Dabei ist es ganz egal, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht das Opfer hat. Und so muss Gewalt auch dargestellt werden, sonst verharmlosen wir sie."

Ufa will Ziele bis 2024 erreichen

Die Ufa hatte vergangene Woche bekanntgegeben, in ihren Film- und Fernsehproduktionen die deutsche Bevölkerung vor der Kamera realistischer abbilden zu wollen, etwa was den Anteil an Frauen, Homosexuellen oder People of Color angeht. Mit "People of Color" sind Menschen gemeint, die Rassismuserfahrungen machen oder machen könnten, weil sie nicht als weiß oder westlich wahrgenommen werden. Bis 2024 sollen die Ziele erreicht werden. Der offen schwule Ufa-Geschäftsführer Nico Hofmann hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, die Änderungen sollen sich auch inhaltlich widerspiegeln: "Wenn Sie sich das deutsche Fernsehen und auch die Ufa-Produktionen ansehen, sei es mit Blick auf People of Color, Migrationshintergrund oder Sexualität, dann finden Sie oft Alibi-Besetzungen, die nicht wirklich vom Klischee abweichen."

In anderen Ländern wie Großbritannien gibt es schon länger Selbstverpflichtungen in der Film- und Fernsehbranche. Die Maßnahme "Diamond" (Diversity Analysis Monitoring Data) von BBC, Channel 4, Channel 5, ITV und Sky soll ein realistischeres Gesellschaftsabbild gewährleisten, also zum Beispiel mehr lesbische oder schwarze Charaktere statt nur weiße Heterofiguren ins Programm bringen. Das fällt auch bei Produktionen wie der britischen Netflix-Serie "Sex Education" auf. (dpa/cw)



#1 Ralph
  • 03.12.2020, 10:50h
  • Nein, es ist eben nicht egal, welcher sozialen Gruppe das Opfer angehört. Genau diese Geisteshaltung ist es, die Staatsanwaltschaften veranlasst, die sexuelle Orientierung von Opfern totzuschweigen oder -wenn das nicht mehr geht- als bloße Privatangelegenheit abzutun. Genau diese Geisteshaltung ist es, die Angela Merkel dazu brachte, die Tat von Orlando als gegen Schwule gerichtetes Verbrechen zu leugnen.
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#2 LupdejuppAnonym
  • 03.12.2020, 11:12h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Naja, wenn du dein Schaffens so ausrichten musst das eine Quote erfüllt wird ist das natürlich eine Beschneidung...

    Nicht dass das noch groß relevant wäre, jeder Künstler der sich selbst als solcher Bezeichnet ist ja großteils schon auf Eigenvertrieb oder unabhängige Labels umgestiegen...
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#3 audeasAnonym
  • 03.12.2020, 12:54h
  • Wenn bestimmt Unternehmen es sich selbst als Verpflichtung freiwillig auferlegen, haben andere nicht die Deutungshoheit darüber zu urteilen, da es sie nicht betrifft. Nichts als Heuchelei und reaktionäres Gehabe von diesem Herren.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 03.12.2020, 13:34h
  • "Mit "People of Color" sind Menschen gemeint, die Rassismuserfahrungen machen oder machen könnten, weil sie nicht als weiß oder westlich wahrgenommen werden."

    Das ist natürlich eine schwierige Definition. Nichts ist so 'westlich' wie Jazz und der ist v.a. die große kulturelle Leistung des 'schwarzen' Amerika.

    Was 'weiß' ist, weiß auch keiner so genau. Dass Aussehen nicht vor Massenmord schützt, weiß jeder aus der europäischen Geschichte, auch und v.a. des 20. Jh.

    Aber ansonsten ist Diversität einfach deshalb geboten, weil die Welt nun einmal divers ist.
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#5 PetterAnonym
  • 03.12.2020, 14:14h
  • Ich selbst sehe das auch sehr kritisch.

    Denn wir können nicht an anderer Stelle die Freiheit von Kunst und Kultur fordern, aber dann, sobald es uns nicht mehr passt, plötzlich für Lenkung plädieren.

    Ich sehe es generell skeptisch, wenn man bei Werken der Kunst und Kultur Vorgaben zu Inhalten macht. Egal ob das vom Staat kommt oder von einem Unternehmen. Das betrifft natürlich ausdrücklich NICHT Machwerke, die die Rechte anderer verletzen und z.B. gegen andere hetzen. Aber solange das nicht passiert, sollte niemand in Kunst und Kultur reinreden.

    Ja, auch ich wünsche mir mehr Diversität in Filmen. Aber nicht, weil man dazu gezwungen wird, sondern weil man es eh so macht. Denn jedes Reinreden in Inhalte hat immer einen bitteren Beigeschmack und kann - wenn es erst mal etabliert und akzeptiert ist - auch noch für ganz andere Zwecke missbraucht werden.
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#6 LupdejuppAnonym
  • 03.12.2020, 14:35h
  • Hatte ja auch die Meinung "Freiheit der Kunst", hab dann aber mal geschwind gegoogelt...

    Ufa:

    -Dachverband: Bertelsmann; RTL

    -Produktionen: GZSZ, Unter uns, DSDS, Supertalent...

    Damit hat sich des wohl erledigt, hier geht's um Zielgruppenerweiterung um den quotenschwund im linearen TV entgegenzuwirken, Algorithmusproduktionen, nichts weiter, die werbeplätze müssen ja verkauft werden!
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#7 WeWontBeSilencedAnonym
  • 03.12.2020, 15:20h
  • ""Für eine Welt, wie sie stattdessen sein sollte, fühlen wir uns nicht zuständig."

    Da hat der gute Mann wohl etwas falsch verstanden. Es geht um eine Darstellung der Welt, wie sie ist, und zwar in all ihren Facetten. Mit der Äußerung "wie sie sein sollte" verschiebt er uns alle ins Reich der Mythen, der nicht wirklichen Existenz. Oder anders ausgedrückt: er macht uns unsichtbar. Dieses Muster kennen wir ja zur Genüge. Es ist und bleibt ein Muster der Unterdrückung.

    "Dabei ist es ganz egal, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht das Opfer hat."

    Wie hier u.a. schon gesagt wurde - es ist NICHT egal. Sobald es sich um rassistische oder bspw. homophobe Hassverbrechen handelt, muss das auch klar benannt werden. Sonst greift auch hier wieder derselbe Mechanismus: das Verschweigen, Auslöschen, Unsichtbarmachen.

    Werter Herr Graf, wir lassen uns nicht mehr unsichtbar machen. Wenn die UFA Ihnen mehrere Schritte (oder auch mehrere Jahrzehnte) voraus ist und sich selbst dazu verpflichtet, Diversität, wie sie nun einmal real existiert, auch real(er) abzubilden, dann ist das IHR Problem und weder das der UFA noch unseres. Es steht Ihnen ja jederzeit frei, nicht für die UFA zu arbeiten.

    Sie sind dann halt nur reaktionär und von vorgestern.
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#8 LupdejuppAnonym
#9 MussdassoAnonym
  • 03.12.2020, 16:07h
  • Antwort auf #8 von Lupdejupp
  • "Fiktion definiert sich durch die Erschaffung eigener Welten."

    Wir reden hier aber nicht über fremde Planeten, sondern über Filme, die mehrheitlich zumindest implizit in unserer realen Gegenwartsgesellschaft spielen wollen, in der aber Schwarze, PoC, Frauen, migrantisierte und queere Menschen _regelmäßig_ viel seltener vorkommen als in der Realität.

    Und zwar warum? Weil "künstlerische Freiheit" ganz zufällig nun mal immer in diese Richtung tendiert?
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#10 LupdejuppAnonym
  • 03.12.2020, 16:44h
  • Antwort auf #9 von Mussdasso
  • Mal abgegeben davon das Fiktion nicht = Science Fiction ist und auch niemand behauptet hat dass Stereotypen bedient werden sollen ist der von dir dargelegte Punkt kein Widerspruch zu meiner Aussage oder zu der Aussage des Herren hier.

    Es bräuchte eher eine Erweiterung des Writer Rooms um entsprechende Personen dann auch realitätsnah darzustellen. Es ist als weißer Mensch trotz Empathie und Belesenheit sicher schwer bis unmöglich die lebensrealität einen schwarzafrikanischen Flüchtlings in Deutschland wiederzugeben.
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