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Entschädigung geplant

Trans-Diskriminierung: Niederländische Regierung entschuldigt sich für Zwangssterilisationen

Nach Schweden wollen auch die Niederlande trans Menschen dafür entschädigen, dass sie sich zwangsweise fortpflanzungsunfähig machen mussten. Entsprechende Forderungen gibt es auch in Deutschland.


Wissenschaftsministerin Ingrid van Engelshoven tut das frühere niederländische Transsexuellenrecht leid (Bild: G20 Argentina / flickr)

Die niederländische Regierung hat sich am Montag für die jahrelange Zwangssterilisation von trans Menschen entschuldigt. Grund ist, dass das 1985 eingeführte niederländische Transsexuellengesetz trans Menschen nur anerkannte, wenn sie sich einer Zwangs-Operation unterziehen. Diese Regelung wurde erst 2014 abgeschafft.

Die linksliberale Wissenschaftsministerin Ingrid van Engelshoven (Democraten 66) erklärte, dass die Betroffenen unter der Regelung stark gelitten hätten. "Daher will die Regierung dieses Leiden anerkennen, sich dafür entschuldigen und eine finanzielle Kompensation auf den Weg bringen", so van Engelshoven.

Twitter / ivanengelshoven

Die Regierung arbeite daher an einem Gesetzentwurf, um allen trans Personen, die sich zwischen 1985 und 2014 einer derartigen Zwangs-OP unterziehen mussten, eine Entschädigungspauschale in Höhe von 5.000 Euro zu zahlen. Der Entwurf soll bis Sommer 2021 veröffentlicht werden.

Als weltweit erstes Land hatte Schweden 2018 die Kompensation von Opfern der Zwangs-OPs beschlossen. Betroffene erhalten dort eine Entschädigung von 225.000 Kronen, was nach dem aktuellen Umrechnungskurs rund 22.000 Euro entspricht (queer.de berichtete).

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Deutschland schaffte Zwangs-OP 2011 ab

Viele andere Länder haben bereits derartige Zwangsoperationen abgeschafft. In Europa gilt die Praxis nach einer Entscheidung des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes inzwischen offiziell als Menschenrechtsverstoß (queer.de berichtete). In Deutschland hatte das Bundesverfassungsgericht bereits 2011 diese Praxis für verfassungswidrig erklärt (queer.de berichtete). Auf eine Entschädigung warten Opfer der Praxis aber bis heute.

Die bayerische Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer (Grüne) fordert angesichts der Ankündigung aus Den Haag eine entsprechende Regelung in Deutschland: "Die Niederländische Regierung entschuldigt sich für die Zwangssterilisation. Das erwarte ich auch von der Deutschen Bundesregierung. Unrecht anerkennen – Betroffene entschädigen", schrieb die erste offen transsexuelle Abgeordnete eines Landesparlaments auf Twitter. (dk)

Twitter / GansGruen



#1 AthreusProfil
  • 03.12.2020, 13:28hSÜW
  • Mir schnürte es beim Lesen die Kehle zu. Es ist leider eine unbequeme Wahrheit, dass auch Demokratien für unfassbares Leid verantwortlich sind und ihre Schuld gegenüber ihren Opfern, durch Einmalzahlungen wieder gutzumachen versuchen. Kein Geld dieser Welt fördert die Heilung seelischer Wunden durch staatlichen Terror. Diese Schuld kann nie abgetragen werden, sondern höchstens als Mahnmal daran erinnern, dass die Würde des Menschen allzeit nur für Menschen galt, die das Glück hatten, in gesellschaftliche Mehrheiten geboren zu werden.
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#2 Anonyma
  • 03.12.2020, 13:37h
  • Während sich die niederländische Regierung für die Zwangssterilisierung von trans Menschen entschuldigt und Entschädigungen plant, dreht man hier in Deutschland mit der Neufassung der unscheinbaren aber wirkmächtigen Begutachtungsanleitung/Richtlinie "Geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Transsexualismus (ICD-10, F64.0)" des "GKV-Spitzenverbandes nach §282 SGB V" mal eben die Zeit um ein paar Jahrzehnte zurück und verkehrt alle internationalen Bemühungen zur Entpathologisierung von trans Menschen ins Gegenteil, indem man unter anderem eine sechsmonatige psychiatrische/psychotherapeutische Konversionstherapie mit mindestens 12 50-minütigen Sitzungen (oder 24 25-minütigen Sitzungen) zur zwingend notwendigen Voraussetzung für geschlechtsangleichende Maßnahmen erklärt. Und das ist nur eine der Maßnahmen in dieser "Richtlinie", mit denen man auch zukünftig in gewohnter paternalistischer Tradition trans Menschen in Deutschland zu psychosozialen Vollzeitpflegefällen machen wird, denn wer vor einer solchen "richtlinienkonformen Behandlung" noch nicht krank war, der ist es nachher ganz bestimmt. Merkwürdigerweise scheinen sich die queeren Medien hier in Deutschland aber für dieses eigentlich sehr akute Thema gar nicht wirklich zu interessieren... (???)
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#3 PetterAnonym
  • 03.12.2020, 14:05h
  • Schlimm, dass es sowas überhaupt gab. Aber wenigstens stellen sich andere Staaten ihrer historischen Verantwortung.

    Im Gegensatz zu Deutschland - obwohl gerade das Land des rosa Winkels bei der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit (auch nach der NS-Zeit) eigentlich voran gehen müsste.
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#4 RückstandAnonym
  • 03.12.2020, 14:48h
  • Antwort auf #3 von Petter
  • Union und SPD werden das Thema (wie schon bei den §175-Opfern) so lange aussitzen, bis die meisten Opfer gestorben sind.

    Und wenn es dann überhaupt noch Überlebende gibt, wird von denen (ebenfalls wie bei den §175-Opfern) nur ein kleiner Teil entschädigt werden und die würden dann mit irgendwelchen Almosen abgespeist.

    Das kennen wir ja und das haben Union und SPD nicht nur bei den §175-Opfern gezeigt, sondern auch aktuell bei den LGBTI-Soldaten, die vom deutschen Staat wie Dreck behandelt wurden und z.B. nur wegen ihrer Liebe unehrenhaft entlassen wurden.
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#5 UnterschiedAnonym
  • 03.12.2020, 15:12h
  • "Deutschland schaffte Zwangs-OP 2011 ab"

    Das betrifft aber nur Trans-Menschen. Nicht Intersexuelle.

    Aber solange die schwarz-rote Gurkentruppe regiert wird sich weder da noch bei Entschädigungen irgendwas tun...
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#6 CanadianSarahAnonym
  • 04.12.2020, 06:50h
  • Antwort auf #2 von Anonyma
  • Ich fürchte in Deutschland will man einfach nicht, dass die Leute transitieren. Ich sehe kein Lerneffekt von MDS / MDK, dass man die S3-Richtlinie umsetzen will. Ich sehe einen wildgewordenen Medizinaperat in diesem Land, welcher sich besseren Wissens wiedersetzt und immernoch auf Konversionstherapien setzt. Und die Community merkt es nicht, dass die ganzen Therapiezwänge solche Versuche sind. Stattdessen ist es "ja nicht so schlimm". Diese ganzen Wartezeiten und Outingzwänge sollen die Leute davon abbringen, HRT zu bekommen oder GaOP zu machen. Es ist hier nicht mal möglich in Ruhe zu transitieren, man muss es gleich überall publik machen, meint eine Ärztin, die nicht trans ist, an der Uniklinik Frankfurt. Kein Wunder, dass ich hier weg will.
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#7 Anonyma
  • 04.12.2020, 13:41h
  • Antwort auf #6 von CanadianSarah
  • "Ich fürchte in Deutschland will man einfach nicht, dass die Leute transitieren."

    Die Verhinderung von "Transitionen" war, ist und wird auch in Zukunft das oberste Ziel der "Behandlung" von trans Menschen in Deutschland sein.

    "Ich sehe kein Lerneffekt von MDS / MDK, dass man die S3-Richtlinie umsetzen will."

    Der "Lerneffekt" besteht darin, einen Weg zu finden, der es ermöglicht, die Deutungs- und Behandlungshoheit über trans Menschen trotz "drohender" Ent(psycho)pathologisierung durch die ICD-11 und einer eventuell liberaleren Gesetzgebung auch weiterhin bei der (Sexual)Psychiatrie belassen zu können. Dieses "Projekt" begann mit der "S3-Leitlinie" und wird nun mit der "neuen" MDS-Richtlinie erfolgreich abgeschlossen. Verbesserungen für trans Menschen waren nie das Ziel. Im Gegenteil: Das Ziel war immer, Verbesserungen zu verhindern, um einfach so weitermachen zu können, wie bisher.

    "Ich sehe einen wildgewordenen Medizinaperat in diesem Land, welcher sich besseren Wissens wiedersetzt und immernoch auf Konversionstherapien setzt."

    Und daran wird sich auch nichts ändern, solange man die Deutungs- und Behandlungshoheit über trans Menschen weiterhin bei der (Sexual)Psychiatrie belässt. Es ist nicht die Aufgabe der Psychiatrie, glücklich transitionierte trans Menschen zu produzieren. Die Aufgabe der Psychiatrie ist es, "deviantes" Verhalten zu korrigieren oder zu sanktionieren. Und genau das wird hier in Deutschland konsequent umgesetzt. Der einzige "Fortschritt" im Vergleich zu früheren Zeiten ist, dass man das heute deutlich subtiler gestaltet als damals.

    "Und die Community merkt es nicht, dass die ganzen Therapiezwänge solche Versuche sind. Stattdessen ist es "ja nicht so schlimm"."

    Die deutsche Community hat sich mit dem für sie charakteristischen Phlegma längst mit der Situation abgefunden und wird sich ihr erwartungsgemäß widerstandslos unterwerfen. Die Reaktion des BVT* auf die neue MDS-Richtlinie sieht so aus: "Es bleibt zu hoffen, dass diese Anleitung lediglich einen kurzen Zwischenschritt markiert und langfristig der Zugang zu geschlechtsangleichenden Maßnahmen für trans* Personen erleichtert wird." [*] Ja klar, natürlich. Und in drei Wochen fährt der Weihnachtsmann mit dem Rentierschlitten vor und legt ein Selbstbestimmungsgesetz unter das mit geschlechtsdysphorischen Gendersternchen geschmückte Weihnachtsbäumchen...

    "Kein Wunder, dass ich hier weg will."

    Absolut verständlich... Ich drücke Dir die Daumen, dass das klappt und wünsche Dir alles erdenklich Gute! :-)

    [*]
    www.bundesverband-trans.de/wp-content/uploads/2020/12/PE_MDS
    -verpasst-Chance-Transgesundheitsversorgung-zu-sichern.pdf
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