Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37669

Grüne zum Blutspendeverbot

"Das Desinteresse der Bundesregierung ist fahrlässig"

Dass Schwule nach wie vor vom Blutspenden ausgeschlossen werden, kostet laut Sven Lehmann möglicherweise Menschenleben.


Sven Lehmann attackiert die Bundesregierung, weil sie trotz Knappheit bei Blutspenden weiterhin am Schwulenverbot festhält (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Sven Lehmann, der grüne Fraktionssprecher für Queerpolitik, hat die Bundesregierung scharf wegen des Blutspendeverbots für Männer, die Sex mit Männern haben, kritisiert. Blutspenden von schwulen und bisexuellen Männern könnten Leben retten, erklärte Lehmann.

Anlass für die Kritik ist eine nichtssagende Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage Lehmanns. Der Kölner Abgeordnete wollte wissen, auf wie viele Blutspenden die Gesellschaft schätzungsweise wegen des Schwulenverbots verzichten müsse. Das Ministerium antwortete am Dienstag schlicht: "Der Bundesregierung liegen hierzu keine Daten oder Erkenntnisse vor."



"Das Desinteresse der Bundesregierung ist fahrlässig. Schließlich verliert die Gesellschaft durch die diskriminierenden Regelungen wertvolle Blutspenden, die Leben retten könnten", erklärte daraufhin Lehmann. Die Große Koalition findet sich mit einer nach wie vor diskriminierenden Blutspenderichtlinie ab, "ohne zu wissen oder sich dafür zu interessieren, welche Auswirkungen die restriktiven, pauschalen Ausschlüsse von der Blutspende auf die Zahl der zur Verfügung stehenden Blutkonserven und damit konkret auf die gesundheitliche Versorgung hat".

Lehmann erneuerte die Forderung seiner Fraktion, die "Diskriminierung einzelner Gruppen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität" zu beenden. "Allein das individuelle Risikoverhalten darf den Ausschlag geben, wer zu einer Spende zugelassen wird und wer nicht. Wer Blut spendet, übernimmt Verantwortung für sich und andere", so Lehmann.

- Werbung -
Video - Jetzt als Offizier-/in (m/w/d) bei der Bundeswehr bewerben

Schwule und bisexuelle Männer werden derzeit in Deutschland beim Blutspenden pauschal anders behandelt als Heterosexuelle – und auch trans Menschen werden in den Richtlinien der Bundesärztekammer pauschal als besondere Gefahrengruppe identifiziert. Die Regelungen gehen auf die Achtzigerjahre zurück, als Männer, die Sex mit Männern haben, im Rahmen der Aids-Krise vollständig vom Blutspenden ausgeschlossen worden waren. Seit 2017 dürfen schwule und bisexuelle Männer wieder spenden – allerdings nur, wenn sie versichern, ein Jahr keinen Sex gehabt zu haben (queer.de berichtete). Das umfasst auch geschützten Geschlechtsverkehr oder Sex mit dem eigenen Ehemann.

Twitter / CDU | Bizarr: Die CDU ruft zum Blutspenden auf, beharrt aber in der Großen Koalition weiterhin auf dem Schwulenverbot

LGBTI- und Aids-Aktivst*innen bezeichneten diese Regelung als "Unverschämtheit" (queer.de berichtete). Sie sei lebensfremd und schreibe in der Realität das Totalverbot für schwule und bisexuelle Männer fort. Daher fordern die Aktivist*innen wie auch alle demokratischen Oppositionsfraktionen, dass wie beispielsweise in Spanien und Italien beim Blutspenden das wirkliche sexuelle Risikoverhalten abgefragt wird und nicht die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der spendewilligen Personen. Auch die queeren Organisationen der beiden Koalitionspartner, die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) und die SPD-Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung (SPDqueer), schlossen sich dieser Forderung an (queer.de berichtete).

Schnell wird sich am Schwulenverbot aber wohl nichts ändern: Das Bundesgesundheitsministerium hatte bereits vergangenen Monat verkündet, dass frühestens im kommenden Jahr eine Reform ansteht (queer.de berichtete). (dk)



#1 AthreusProfil
  • 04.12.2020, 08:14hSÜW
  • Ich halte das nur für eine Frage der Zeit und Notwendigkeit. Damit meine ich, dass Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht und bei den Konserven seit Jahren auf Kante genäht ist. Deshalb gehe ich davon aus, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die ersten Patienten durch fehlende Blutvorräte drohen zu sterben. Spätestens im Angesicht dieser akuten Versorgungsnot und Lebensbedrohung, wird die Blutspende in Windeseile auf uns ausgeweitet. Selbstredend dann getarnt als gesellschaftliche Überwindung von Minderheitendiskriminierung. Wer würde schon spenden wollen, wenn er wie ein Rindvieh zur Notschlachtung gebeten würde?
  • Antworten » | Direktlink »