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Heimkino

Vom "Pulse" bis zum "Bataclan" – ein Terror-Exploitation-Movie

Jetzt auf DVD: Das US-Drama "Pulse – Schlag gegen die Freiheit" des schwulen Regisseurs Anthony Meindl verknüpft drei reale Amokläufe und Massenmorde mit fiktiven Opfergeschichten.


Ricky (Regisseur Anthony Meindl) und sein jüngerer Freund Raul (Matt Pascua) leben in Orlando, Florida. Das Paar streitet sich, bevor Raul am 12. Juni 2016 allein den queeren Club "Pulse" besucht (Bild: Pro-Fun Media)

Der junge Latino Raul kauft in einem Supermarkt ein. Zwischen Regalen mit Nudeln und Auslagen mit Auberginen fällt ihm ein sexy Daddy auf. Nach erstem Augenkontakt liefern sich die beiden eine Cruising-Verfolgungsjagd, die aus dem Supermarkt raus bis ins schicke Haus des Daddys führt. Als der junge Mann dem Älteren bis an die Schwelle des Schlafzimmers nachgestiegen ist, lässt er vor Überraschung seine Einkäufe fallen. Der Mann heißt Ricky und erwartet ihn bereits ohne Klamotten im Bett. Dabei zerbricht eine Milchflasche, die weiße Flüssigkeit ergießt sich über den Boden.

Klar, ein sehr offensichtliches Bild, das kann man durchaus so machen. Dabei irritiert aber, dass sich niemand von den beiden an der verschütteten Milch stört, die in den Teppichboden sickert. Selbst in so einem Setting ist das fragwürdig und nur die erste Frage von vielen, die man sich beim Zuschauen stellt.

Orlando, Binghamton und Paris

"Pulse – Schlag gegen die Freiheit" ist ein Drama mit drei unabhängigen Handlungssträngen, zwei spielen in den USA, eine in Paris. Allen drei ist gemeinsam, dass sie auf Amokläufe und Massenmorde zusteuern, die uns in der jüngsten Vergangenheit erschüttert haben.

Raul und sein Partner Ricky (ja, es war ein Rollenspiel) leben in Orlando, Florida, und Raul macht sich abends auf, um im LGBTI-Club "Pulse" Freunde zu treffen. Die Verabredungen trifft er auch via Grindr. Ricky möchte lieber zuhause bleiben, Raul geht dennoch. Es kommt zum Streit zwischen den beiden an jenem Abend im Jahr 2016, an dem im "Pulse" ein Attentäter 49 Menschen ermorden und 50 weitere verletzen wird.

Eine Lehrerin, ein Flüchtling und ein eifersüchtiger Ehemann

Eine weitere Episode folgt einem Tag im Leben der Englischlehrerin Elena in einer Kleinstadt im Bundesstaat New York. Sie bereitet ehrenamtlich Geflüchtete auf Sprachtests zur Asylanerkennung vor. Als sie zuhause einem jungen Mann Unterricht gibt, wird sie Opfer häuslicher Gewalt. Ihr Ehemann scheint krankhaft eifersüchtig und ein brutaler Rassist zu sein.

Hier kommt es zur nächsten Irritation am Rande, so ähnlich wie bei der Milch zu Beginn. Besetzt als Ehemann wurde der Schauspieler Zak Steiner, der auch als Model arbeitet. Nun müssen nicht alle Bösewichte hässlich sein, aber jemanden in dieser Rolle zu besetzen, der so auffallend attraktiv ist, sollte einen Grund haben. Dieser tiefere Sinn bleibt in der Handlung jedoch verborgen, als Elena in ihre Schule geht, knapp bevor dort ein Attentäter 13 Menschen töten und 4 verletzen wird. Dieser Amoklauf fand 2009 statt.

Zwei Heteropaare mit queeren Heimlichkeiten


Pro-Fun hat "Pulse – Schlag gegen die Freiheit" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Der dritte Handlungsstrang spielt in Paris und beschreibt einen Abend im Jahr 2015. Zwei Heteropaare treffen sich zum Abendessen. Eine der Frauen ist schwanger, aber nicht so recht glücklich in ihrer Beziehung. Insgesamt lastet eine bedrückende Stimmung auf dem Abend, der als Spaßabend geplant war. Nach einem Barbesuch zum Vorglühen brechen sie zu dem Konzert im "Bataclan" auf, in dem drei Terroristen 89 Menschen ermorden werden.

In den Geschichten von Florida und Paris blitzen in der Mitte des Films kurz spannende Szenen auf. Verhandelt das schwule Paar den Altersunterschied in ihrer Beziehung, scheint dabei auch subtil die puertorikanische Herkunft von Raul eine Rolle zu spielen. Oder wenn in Paris im Laufe des Abends klar wird, dass unter den "traditionellen" Beziehungen der vier Menschen auch queere Heimlich- und Begehrlichkeiten verborgen sind.

Fragen, die man sich nicht stellen sollte

Am Ende des Films passieren dann die bereits befürchteten Amokläufe, und es stellen sich damit leider noch mehr Fragen beim Zuschauen: Warum verknüpft der Film fiktive Figuren mit realen Massenshootings? Warum sterben am Ende manche Protagonist*innen, manche nicht? Warum bleibt das Überleben bei manchen unklar? Warum sieht man zu Beginn des Films Szenen von Protagonist*innen, die am Ende tot sein werden, kombiniert mit Szenen von Protagonist*innen in ihrem Leben nach den Massakern? Warum läuft im Abspann eine Auflistung von allen Massenshootings in den USA, obwohl eine der Episoden ein Massenshooting in Paris ist?

Das sind nicht die Fragen, die man sich nach dem Ende eines solchen Films stellen sollte.

Die Folgen der Anschläge werden nicht erzählt

Was bleibt, ist ein Spielfilm, in dem drei Terrorakte das Leben von Menschen wie Du und Ich verwüsten. Der schwule Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Anthony Meindl (Ricky) zeigt aber nur, was davor war. So einen Film gibt es bereits, "Elephant" vom ebenfalls schwulen Gus van Sant, ein Meisterwerk. Im konkreten Fall wäre es interessanter gewesen, was die Terroranschläge bei den Protagonist*innen danach auslösen und verändern. Das würde den Überlebenden und Hinterbliebenen der realen Massaker mehr Respekt zollen und auch den Originaltitel des Films ("Where we go from here") plausibler machen.

Eine letzte Frage poppt beim Durchlaufen des Abspanns auf, vielleicht die alles bestimmende: Habe ich eben ein "Terror-Exploitation-Movie" gesehen? Ein Exploitationsfilm soll laut Wikipedia eine reißerische Grundsituation ausnutzen, um mittels ausbeutender Darstellung die Zuschauenden emotional zu manipulieren. Die Frage lässt sich bei "Pulse – Schlag gegen die Freiheit" leider mit Ja beantworten.

Vimeo / Queer Cinema TV | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Pulse – Schlag gegen die Freiheit. (Original: Where we go from here). Drama. USA 2019. Regie: Anthony Meindl. Darsteller*innen: Anthony Meindl, Justine Wachsberger, Raphael Desprez, Camille De Pazzis, Nicolas Berger-Vachon, Zhan Wang, Olivia Taylor Dudley, Siva Kaneswaran, Zak Steiner, Matt Pascua, Lorenza Izzo, Ada Luz Pla. Laufzeit; 90 Minuten. Sprache: englisch-französische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Niederländisch, Englisch (optional). FSK 12. Pro-Fun Media


#1 GronkelAnonym
  • 06.12.2020, 13:59h
  • "Terror-Exploitation-Movie"

    Auch nach dem Wikipedia Eintrag verstehe ich nicht was damit gemeint ist, oder besser gesagt, was damit nicht gemeint ist?
    Wie soll denn ein Film über Terror aussehen, der Gewalt und Terror gar nicht thematisiert?
    Die Beispiele in der Wiki treiben es dann auch noch in das Absurde. Es gibt wohl ein "Carploitation" Film mit The Fast and the Furious und ein "Bruceploitation" Film über Bruce Lee.
    Unter den Bedinungen bin ich wohl ein Sci-Fi-Exploitation Film-Fan. Der gerne und massiv Science Fiction im Sci-Fi Film mag.
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#2 AusbeuterischAnonym
  • 06.12.2020, 14:49h
  • Antwort auf #1 von Gronkel
  • Du beziehst Dich auf Wikipedia? Auf den Eintrag "Exploitationfilm"? Da steht (Auszug):
    "Exploitationfilm ist eine kategorisierende Bezeichnung für Filme, die reißerische Grundsituationen ausnutzen, um mittels der exploitativen (meint: ausbeuterischen) Darstellung, vornehmlich von Sex und Gewalt, über die damit erreichten Schauwerte affektiv auf den Zuschauer zu wirken."

    Finde das leicht verständlich und damit ist auch klar, warum "Pulse" als Terror-Exploitation-Movie kritisiert wird. Er ist nämlich genau das, passend zur Definition.

    Denke der Regisseur hat es sicher "gut gemeint", ist aber dabei über das Ziel hinausgeschossen. Generell ist es äußerst problematisch, reale Ereignisse mit Fiktion zu vermischen, insbesondere wenn nicht explizit (das heißt IM FILM und nicht etwa erst im Booklet oder im Regisseur-Kommentar) darauf hingewiesen wird. Das Allermindeste wäre ein Hinweis "based on real events" schon im Trailer, damit zumindest schon mal klar ist, dass hier die Realität etwas "ausgebaut" wurde. Nicht mal das ist der Fall. Also kann man hier mit Fug und Recht von Exploitation sprechen!
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#3 GronkelAnonym
  • 06.12.2020, 15:20h
  • Antwort auf #2 von Ausbeuterisch
  • "Exploitationfilm ist eine kategorisierende Bezeichnung für Filme, die reißerische Grundsituationen ausnutzen, ..."

    Das ist wohl die Grunddefinition einer filmischen Darstellung. Jeder Film und jede Doku handelt nach der Prämisse. Und sei es auch nur über die Schnitte, die Untermalung mit Musik und Tönen oder dem Sprecher. Es wird immer sowohl mit Thema und Darstellung auf die Zuschauer gewirkt. Ein Krimi mit Mord, ein Aktion Film mit einer Verfolgungsjagd, ein Katastrophenfilm mit einem Weltuntergang und eine Schnulze mit Gefühlen.
    Ob das dann bei auf realen Begebenheiten oder totaler Fiktion beruht ist zwar schön zu wissen, aber für einen Film irrelevant und höchstens für das persönliche Empfinden nach gut und schlecht, kann das wichtig sein.
    Eine Kategorisierung eines Filmes in gut oder schlecht für Andere (was dieses Exploitation wohl in letzter Konsequenz heißen soll) sollte sich niemand erst anmaßen.
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#4 AusbeuterischAnonym
  • 06.12.2020, 15:58h
  • Antwort auf #3 von Gronkel
  • ""Exploitationfilm ist eine kategorisierende Bezeichnung für Filme, die reißerische Grundsituationen ausnutzen, ..."

    Das ist wohl die Grunddefinition einer filmischen Darstellung. Jeder Film und jede Doku handelt nach der Prämisse. Und sei es auch nur über die Schnitte, die Untermalung mit Musik und Tönen oder dem Sprecher. Es wird immer sowohl mit Thema und Darstellung auf die Zuschauer gewirkt. Ein Krimi mit Mord, ein Aktion Film mit einer Verfolgungsjagd, ein Katastrophenfilm mit einem Weltuntergang und eine Schnulze mit Gefühlen."

    Das wäre dann deine persönliche Privatmeinung, die filmwissenschaftlich nicht haltbar ist. Ja, FIlme sollen in den meistn Fällen eine Wirkung auf den Zuschauer haben, doch der Exploitationfilm fügt dem Ganzen eben noch den Aspekt des "reißerischen" hinzu. Einfach kategorisch alle Filme und Dokumationen als "reißerisch" zu bezeichnen, wäre Unsinn. Stimmst du mir da zu? Ggf. ist dir auch nicht ganz klar, was "reißerisch" bedeutet?

    "Ob das dann bei auf realen Begebenheiten oder totaler Fiktion beruht ist zwar schön zu wissen, aber für einen Film irrelevant und höchstens für das persönliche Empfinden nach gut und schlecht, kann das wichtig sein."

    Warum behauptest du, es wäre für einen Film irrelevant, ob er auf Fiktion beruht oder nicht? Mir ist das nicht egal und dem Kommentarschreiber auch nicht. Das einzige was du richtigerweise schreibst ist, dass es dir persönlich egal ist. Darf es auch sein. Finde ich zwar merkwürdig, aber OK.

    "Eine Kategorisierung eines Filmes in gut oder schlecht für Andere (was dieses Exploitation wohl in letzter Konsequenz heißen soll) sollte sich niemand erst anmaßen."

    Ich kann nicht erkennen, wo das hier irgendwer in irgeneiner Weise getan haben soll. Dein Versuch, "Exploitation-Film" umzudefinieren ist dabei auch nicht hilfreich. Dann ist es für dich eben kein Exploitation-Film. Für mich und den Kommentarschreiber schon und der Kommatarschreiber hat ein paar sehr gute Gründe aufgeführt, um den Film als "Terror-Exploitation" einzuordnen, denen ich mich nur anschließen kann. Hast Du auch Gründe aufzuführen, die dagegen sprechen oder lehnst Du es einfach aus persönlichen Gründen ab, Filme zu analysieren und in filmwissenschaftlich gängige Kategorien einzuordnen?
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#5 GronkelAnonym
  • 07.12.2020, 10:48h
  • Antwort auf #4 von Ausbeuterisch
  • "Das wäre dann deine persönliche Privatmeinung, die filmwissenschaftlich nicht haltbar ist. Ja, FIlme sollen in den meistn Fällen eine Wirkung auf den Zuschauer haben, doch der Exploitationfilm fügt dem Ganzen eben noch den Aspekt des "reißerischen" hinzu. Einfach kategorisch alle Filme und Dokumationen als "reißerisch" zu bezeichnen, wäre Unsinn. Stimmst du mir da zu? Ggf. ist dir auch nicht ganz klar, was "reißerisch" bedeutet?"
    +
    "Hast Du auch Gründe aufzuführen, die dagegen sprechen oder lehnst Du es einfach aus persönlichen Gründen ab, Filme zu analysieren und in filmwissenschaftlich gängige Kategorien einzuordnen?"

    Eine filmwissenschaftliche Definition, dass etwas schlecht ist (Reißerisch ist abwertend, siehe auch Duden), kann es gar nicht geben. Als gäbe es ein Gremium, dass Filme in gut oder schlecht einordnen könnte. Das kann man im privaten machen oder in einer Rezension, wie im Artikel, aber selbst dann, kann ich den Begriff Exploitation als Ganzes nicht nachzuvollziehen.
    Ich habe ja schon Beispiele aus der Wiki gegeben. Hier ein weiterer: wo es ein Teensploitation Film mit I was a Teenage Werewolf gibt. Wahrscheinlich ist der Film dann auch ein Werewolfploitation Film, ein Murderploitationfilm und ein Terrorploitationfilm.
    Und spätestens wenn die Kategorisierung mit jedem kombinierten Begriff vollkommen beliebig ist, merkt man, dass der Begriff nebst Definition auch vollkommen nutzlos ist. Er sagt nur noch aus: Ich mag den Film nicht, aber dafür brauchen wir anderen nicht eine Kategorisierung unterschieben.
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#6 SöderAnonym
  • 07.12.2020, 11:49h
  • Ich verstehe Gronkels Argumente einfach nicht.

    Dabei ist die Rezension einfach zu verstehen. Der Film benutzt die Terrorakte, ohne dass sie notwendig für die Geschichten davor wären. Er beutet das Reißerische an den Terrorakten aus.
    Ich finde solche Filme nicht gut.

    Falls Gronkel so etwas gut findet: sein Bier :-)
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#7 AusbeuterischAnonym
  • 07.12.2020, 12:14h
  • Antwort auf #5 von Gronkel
  • "Eine filmwissenschaftliche Definition, dass etwas schlecht ist (Reißerisch ist abwertend, siehe auch Duden), kann es gar nicht geben."

    "Gut" und "Schlecht" sind keine wissenschaftlichen Kriterien, da machst du es dir zu einfach. Es gibt aber durchaus objektive Kriterien, um Filme zu analysieren und zu kategorisieren. Darüber hinaus ist ein Filmkommentar, was dieser Artikel hier nun mal ist, eben genau das: Ein Kommentar. Ein Kommentar darf sich objektiv-wissenschaftlicher Aussagen bedienen und ist zudem eine journalistische Textform, in welcher man die eigene Meinung zu etwas unterbringt. Genau das tut dieser Artikel sehr gut und macht dabei klar erkennbar, was objektiv und was Meinung ist.

    "Als gäbe es ein Gremium, dass Filme in gut oder schlecht einordnen könnte."

    Klar gibt es sowas und zwar zu allen Kunstformen. Seien es die Oscars, die Grammys, die Filmfestpiele in Cannes oder was auch immer. Auch die FSK ist ein Gremium, dass Filme in ihre Kriterien von "gut" und "schlecht" einordnet und dabei ihre Entscheidungen mehr oder weniger gut begründet. Niemand zwingt dich, diese Gremien anzuerkennen (außer der FSK unter bestimmten Umständen), doch deine Behauptung, dass es keine solchen Gremien gäbe, ist schlichtweg falsch.

    "Das kann man im privaten machen oder in einer Rezension, wie im Artikel, aber selbst dann, kann ich den Begriff Exploitation als Ganzes nicht nachzuvollziehen."

    Exploitation bedeutet Ausbeutung der Tatsache, dass sich viele Menschen über bestimmte Dinge aus mehr oder weniger guten Gründen aufregen. Auf Grundlage dieser Aufregung versucht der "Ausbeuter", den "Wert" der eigenen Kunst zu steigern. Was man dabei als exploitative empfindet, ist aber höchst subjektiv. So wurde auch Gunther von Hagens vorgeworfen, seine Körperwelten-Austellung sei eine Form von Ausbeutung des menschlichen Körpers, den einige ja als etwas besonderes, manche sogar als "göttlich" etc. pp. ansehen und natürlich durch die "Störung der Totenruhe" usw. Ich persönlich finde das absolut nicht so, sondern finde dieses Projekt hoch faszinierend. Für mich als keine Exploitation hier, für andere schon. Auch "Gremien" haben sich damit befasst und kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, so wie nun mal bei jeder Art von Kunst.

    "Hier ein weiterer: wo es ein Teensploitation Film mit I was a Teenage Werewolf gibt. Wahrscheinlich ist der Film dann auch ein Werewolfploitation Film, ein Murderploitationfilm und ein Terrorploitationfilm."

    Wenn du das so einordnen möchtest, kannst du das gerne tun. Allerdings gibt es eine (natürlich nicht abschließende) Liste an Exploitation Kategorien, die für Filmkenner einfach bekannt und Standard sind. Wenn Du mit neuen daherkommst, wirst Du halt erklären müssen, warum du das so einordnen würdest, zumindest wenn du verstanden werden möchtest. Zugegebenermaßen sind die meisten Exploitation Kategorien aber sowieso selbsterklären und ja, ein Film kann gleichzeitig in mehrere Kategorien Fallen, so wie fast jede Kunst.

    "Und spätestens wenn die Kategorisierung mit jedem kombinierten Begriff vollkommen beliebig ist, merkt man, dass der Begriff nebst Definition auch vollkommen nutzlos ist."

    Kategorisierungen dienen der Vereinfachung der Kommunikation. Sie sind so gut wie nie hunderprozentig Präzise, aber ein guter Anfang, damit man nicht bei jeder Kommunikation voll in die tiefsten Tiefen aller Details absteigen muss. Lehnst Du Kategorisierungen vielleicht allzu kategorisch ab?

    "Er sagt nur noch aus: Ich mag den Film nicht, aber dafür brauchen wir anderen nicht eine Kategorisierung unterschieben."

    Ich habe den Eindruck, dass du es automatisch als übergriffig empfindest, wenn andere eine abweichende Meinung von deiner haben. Die eigene Meinung zu äußern, egal in welcher Form, schiebt sie dir nicht unter. Oder hast du etwa Angst davor, durch andere Meinungen extrem leicht manipulierbar zu sein? Dann solltest du vielleicht lieber in Betracht ziehen, sofort den Stecker zum Internet zu ziehen.
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#8 GronkelAnonym
  • 07.12.2020, 14:11h
  • Antwort auf #7 von Ausbeuterisch
  • ""Gut" und "Schlecht" sind keine wissenschaftlichen Kriterien, da machst du es dir zu einfach. Es gibt aber durchaus objektive Kriterien, um Filme zu analysieren und zu kategorisieren."

    Klar kann man Filme nach wissenschaftlichen Gesichtspunkt kategorisieren und klassifizieren. Aber nicht ob etwas gut und schlecht ist und damit meine ich, ob es am Ende gefällt oder nicht.
    Reißerisch und wissenschaftlich beißen sich, da reißerisch eine subjektive Wertung (Abwertung) beinhaltet.
    Dass es Populärgremien gibt, die irgendwelche Preise oder sonstwas verteilen, hat mit Wissenschaft auch nichts zu tun. Das werden wir nicht anders sehen.
    Um es auf einen Punkt zu bringen: was einem gefällt, kann niemand anders als man selbst entscheiden.

    "Auf Grundlage dieser Aufregung versucht der "Ausbeuter", den "Wert" der eigenen Kunst zu steigern. Was man dabei als exploitative empfindet, ist aber höchst subjektiv."

    Ja sage ich doch. Es ist ein Ausdruck für die eigene persönliche Meinung und nicht etwas das verallgemeinert werden kann. Damit ist es keine Kategorie eines Films sondern höchstens Ausdruck des persönlichen Missfallens.

    "Ich habe den Eindruck, dass du es automatisch als übergriffig empfindest, wenn andere eine abweichende Meinung von deiner haben."

    Nicht die andere Meinung als solches aber die Verallgemeinerung anderer Meinungen. Wenn etwas als allgemeingültig dargestellt wird, was am Ende aber nur die persönliche Ansicht widerspiegelt.
    Ich maße mir nicht an für andere Entscheiden zu können, ob andere etwas gut oder schlecht finden und genauso möchte ich das auch nicht von anderen.
    Exploitation gibt leider nichts weiteres her außer einer persönlichen Ansicht den Anstrich einer Allgemeingültigkeit durch Kategorisierungen vorzuspielen. Kann aus meiner Sicht ersatzlos gestrichen werden.
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#9 AusbeuterischAnonym
  • 07.12.2020, 15:17h
  • Antwort auf #8 von Gronkel
  • Stimme Dir soweit zu, möchte nur noch auf diesen Punkt eingehen:

    "Exploitation gibt leider nichts weiteres her außer einer persönlichen Ansicht den Anstrich einer Allgemeingültigkeit durch Kategorisierungen vorzuspielen. Kann aus meiner Sicht ersatzlos gestrichen werden."

    Ich finde in keinster Weise, dass die Kategorisierung von etwas, zu einem "Vorspielen von Allgemeingültigkeit" führt. Zumal wir es bei diesem Artikel wie gesagt um einen Kommentar handelt, also eine Textform, die Meinungen gestattet. Damit ist das Ganze vom Autor klar gekennzeichnet als etwas, das eben gerade keinen Anspruch auf Allgemeingülitgkeit erhebt.

    Du kannst nun gerne Exploitation als gänigige filmische Kategorie (bzw. sogar Genre) für dich persönlich streichen und doof finden. Nur dieser Hinweis sei noch erlaubt: Exploitation bedeutet nicht zwangsläufig eine Abwertung, auch wenn das so in der Definition steht. So gibt es viele Exploitation-Fans, die gerade deswegen solche Filme gerne schauen, eben weil sie so reißerisch sind, wie sie sind.
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