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Oberpfalz

Trans-Hasser wegen versuchten Mordes vor Gericht

Ein 24-Jähriger fühlte sich in seiner "Ehre" verletzt, weil sein Kumpel ihn mit einem trans Menschen in Verbindung gebracht haben soll. Nach einer brutalen Messerattacke steht der Trans-Hasser nun vor Gericht.


Der Angeklagte fühlte sich extrem gekränkt, weil ihm die Nähe zu einem trans Menschen unterstellt worden war – und stach am Ende zu (Bild: James Burke / flickr)

Ein Schwurgericht im oberpfälzischen Amberg verhandelt seit Montag den Fall eines 24-jährigen Asylbewerbers, der einem ein Jahr älteren Freund vorsätzlich mit einem Messer lebensgefährliche Verletzungen zugefügt haben soll. Wie die "Amberger Zeitung" berichtet, soll der Angeklagte aus Schwandorf seinen Freund, einen Übersetzer, aus Transphobie verletzt haben. Er wurde daher von der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Der Vorfall zwischen den beiden Arabern, die beide 2015 nach Deutschland gekommen waren, ereignete sich im vergangenen Jahr: Damals soll der Angeklagte geglaubt haben, der Beschädigte verbreite das Gerücht, dass er ein Verhältnis oder eine Freundschaft mit einer trans Person pflege – laut unterschiedlichen Medienberichten mit einem "Transvestiten" oder "Transsexuellen". Der Geschädigte behauptet allerdings, dies nie gesagt zu haben.

In der Nacht vom 11. auf den 12. November kam es laut Staatsanwaltschaft dann gegen 2 Uhr morgens zum Mordversuch: Der Angeklagte soll gemeinsam mit seinem leiblichen Bruder in die Wohnung des nichts ahnenden Geschädigten gekommen sein. Dann soll er plötzlich ein Messer gezogen und auf den Oberkörper des Opfers eingestochen haben. Dieses konnte sich in Todesangst aus der Wohnung retten sowie bei einem Bekannten in der Nachbarschaft Notarzt und Polizei verständigen.

"Bitte verzeih mir, Bruder. Es tut mir leid"

Der Angeklagte war anschließend drei Monate auf der Flucht, bevor er sich auf Anraten seines Rechtsanwaltes den Behörden stellte. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Vor Gericht erklärte er laut mehreren Medienberichten, er bereue die Tat. Auf Arabisch entschuldigte er sich mit den Worten "Bitte verzeih mir, Bruder. Es tut mir leid" bei seinem Opfer. Der Geschädigte nahm die Entschuldigung im Gerichtssaal an. Er berichtete als Zeuge auch von erheblichen psychischen Problemen seit der Tat.

Richterin Roswitha Stöber deutete an, dass möglicherweise statt versuchten Mordes auch eine Verurteilung wegen des Delikts der gefährlichen Körperverletzung in Frage komme. Damit würde dem Angeklagten statt einer lebenslangen Haftstrafe nur ein Gefängnisaufenthalt zwischen drei Monaten und zehn Jahren drohen. Der nächste Prozesstag ist am 16. Dezember. (cw)